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Vom Ursprung gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen und den Selbsttäuschungen der Anthropologen

Title: Vom Ursprung gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen und den Selbsttäuschungen der Anthropologen

Seminar Paper , 2000 , 12 Pages , Grade: 1

Autor:in: Sabine Heil (Author)

Pedagogy - Theory of Science, Anthropology
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Die Frage nach dem Ursprung und der Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenlebens der ersten Menschen ist infolge des Fehlens jeglicher schriftlicher oder bildnerischer Zeugnisse schwierig zu beantworten. Die Sozialwissenschaftler, die sich der Frage annehmen, orientieren sich daher zunächst an den Erkenntnissen der entsprechenden Naturwissenschaften, Paläontologie und Biologie.

Insbesondere die moderne Paläoanthropologie hat auf der Grundlage der Evolutionstheorie gesicherte Erkenntnisse über die Entstehung des Menschen und der Entwicklung seiner anatomischen und funktionalen Merkmale geliefert. Diese bilden in Kombination mit Erkenntnissen über die geologischen und klimatischen Bedingungen der Frühzeit sowie Ergebnissen der modernen Verhaltensforschung eine gute Grundlage für eine Untersuchung der gesellschaftlichen Anfänge. Die gesellschaftlichen Verhältnisse der frühen Menschen dienten naturgemäß der Bewältigung dreier Lebensnotwendigkeiten: „die Gewinnung des Lebensunterhalts, [...] die Sorge für die Nachkommenschaft und [...] die Erhaltung des Lebensraumes.“ . „[...] alle drei Lebenserfordernisse bilden wesentliche Dimensionen gesellschaftlicher Reproduktion in allen menschlichen Gesellschaften“ und werden „als subsistenzielle, familiale und politische Aktivitäten“1 bezeichnet.

Mittels dieser Kriterien versuchen Lambrecht, Tjaden und Tjaden-Steinhauer, das Entstehen frühmenschlicher Gesellschaft zu erklären. Entgegen früherer Behauptungen in Verbindung mit der Subsistenzstrategie, der Urme nsch habe bevorzugt Jagd auf Tiere gemacht, bestehen heute kaum mehr Zweifel, daß „die pflanzliche Nahrung einen sehr großen [...] Anteil der frühmenschlichen Ernährung ausmachte und daß die tierische Nahrung zu großen Teilen aus Aas bestand“. Daraus folgern Lambrecht, Tjaden und Tjaden-Steinhauer, daß u.a. eine hierarchische Ordnung der Jagdgruppen vorhanden war sowie „Heimstätten, in denen die frühen Menschen auf der Grundlage geschlechtlicher Arbeitsteilung die Nahrung geteilt und gesellschaftliches Leben entfaltet haben sollen.“ Lambrecht, Tjaden und Tjaden Steinhauer schreiben, daß „paläontologische Befunde [...] eindeutig darauf hin [weisen], daß die hominiden und speziell die humanen Lebewesen von Anfang an gesellig gelebt haben. (Lethmate 1994, 22; Schrenk 1997, 45)“ Daraus folgern sie, daß es „menschliche Gesellschaften gibt [...], seit es Menschen gibt.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erkenntnisse der Paläoanthropologie

2.1. Die Australopithecinen

2.2. Homo rudolfensis und Homo habilis

3. Erkenntnisse der Biologie/Verhaltensforschung

3.1. Beobachtungen an heutigen Schimpansenpopulationen

3.2. Die „physiologische Frühgeburt“

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Ursprung und die Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenlebens früher Menschen unter Einbeziehung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Paläoanthropologie und Verhaltensforschung, um die Entstehung gesellschaftlicher Strukturen in der Frühzeit nachzuvollziehen.

  • Evolutionäre Entstehung anatomischer und funktionaler Merkmale des Menschen
  • Bedeutung von Subsistenzstrategien für die frühe gesellschaftliche Organisation
  • Vergleichende Analyse von Schimpansenpopulationen als Modell für soziale Strukturen
  • Die Rolle der „physiologischen Frühgeburt“ für die kulturelle Entwicklung

Auszug aus dem Buch

2. Erkenntnisse der Paläoanthropologie

Mit Hilfe von Funden fossiler Knochen von Menschen und Tieren, sowie Werkzeugen, versuchen Paläoanthropologen, die Entstehung des Menschen zu rekonstruieren, was nur bezüglich bestimmter materieller Merkmale gelingt:

Es fehlen alle organischen Bestandteile, also beispielsweise Nervenzellen, Muskeln, Blutgefäße, Organe. Es gibt keine Hinweise auf physiologische Vorgänge. Auch soziale Verhaltensweisen und Traditionen sind ebensowenig fossilisationsfähig wie Emotionen, etwa Schmerz und Freude, ästhetisches Empfinden oder das Lachen eines Kindes. Auch die Sprache fossiliert nicht, höchstens anatomische Merkmale der Sprechfähigkeit. Schon allein unter diesen Gesichtspunkten ist der paläontologische Erkenntnishorizont begrenzt und die Evolution des Menschen von der Paläoanthropologie nur unvollständig nachzuzeichnen.

Die hominiden Völker, unsere Vorfahren, spalteten sich vor ungefähr sechs Millionen Jahren aufgrund von klimatischen Veränderungen und der daraus resultierenden Vermehrung differierender Lebensräume auf. Klimawechsel und die Auswirkungen der Bildung des Afrikanischen Rifts verursachten eine Verschiebung der tropischen Waldgebiete und das Aufkommen von Savannen, Busch- und Grasland. Das hierbei entstandene Angebot an unterschiedlichen Lebensräumen mit verschiedener Vegetation und vielseitigem Nahrungsangebot und sich daraus ergebenden neuen Lebensbedingungen führte zur Seperation der Protohominiden von den Protoschimpansen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Schwierigkeit, den Ursprung des frühen gesellschaftlichen Zusammenlebens ohne schriftliche Zeugnisse zu rekonstruieren, und verweist auf die Bedeutung der Naturwissenschaften.

2. Erkenntnisse der Paläoanthropologie: Hier wird erläutert, wie durch fossile Funde die Evolution des Menschen sowie die Trennung von Protohominiden und Schimpansen erforscht werden kann.

2.1. Die Australopithecinen: Dieses Unterkapitel beschreibt die Entwicklung und Lebensweisen von Australopithecus anamensis und Australopithecus afarensis im Hinblick auf Sozialverhalten und Nahrungsbeschaffung.

2.2. Homo rudolfensis und Homo habilis: Der Fokus liegt hier auf dem Aufkommen der Werkzeugnutzung und den Anfängen gesellschaftlicher Arbeitsteilung bei den frühen Vertretern der Gattung Homo.

3. Erkenntnisse der Biologie/Verhaltensforschung: Dieses Kapitel zieht Parallelen zwischen menschlichen Vorfahren und heutigen Schimpansen, um die sozialen Strukturen der Hominiden zu beleuchten.

3.1. Beobachtungen an heutigen Schimpansenpopulationen: Das Kapitel analysiert die Sozialstruktur von Schimpansen, insbesondere die Mutter-Kind-Beziehung, als Referenzpunkt für die Evolution menschlicher Gesellschaft.

3.2. Die „physiologische Frühgeburt“: Hier wird der biologische Zusammenhang zwischen dem aufrechten Gang, der Beckenveränderung und der resultierenden verlängerten Abhängigkeit des Neugeborenen als Ursprung der kulturellen Entwicklung diskutiert.

4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Erkenntnisse, die eine plausible Darstellung der Evolution menschlichen gesellschaftlichen Verhaltens aufzeigt.

Schlüsselwörter

Paläoanthropologie, Evolutionstheorie, Hominiden, Gesellschaftliche Reproduktion, Subsistenzstrategie, Australopithecinen, Homo habilis, Verhaltensforschung, Schimpansen, Physiologische Frühgeburt, Sozialverhalten, Kulturelle Evolution, Arbeitsteilung, Werkzeuggebrauch, Menschwerdung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des gesellschaftlichen Zusammenlebens von Urmenschen unter Rückgriff auf paläoanthropologische und biologische Forschungsergebnisse.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die anatomische und soziale Evolution unserer Vorfahren, die Bedeutung der Umweltbedingungen für das Zusammenleben sowie der Vergleich mit heutigen Primaten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Anfänge menschlicher Gesellschaftsstrukturen trotz fehlender schriftlicher Aufzeichnungen durch eine interdisziplinäre wissenschaftliche Betrachtung nachvollziehbar zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturgestützte Analyse verwendet, die paläontologische Funde, klimatische Rekonstruktionen und Erkenntnisse der modernen Verhaltensforschung kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung fossiler Funde der Australopithecinen und der Gattung Homo sowie die Analyse biologischer Verhaltensforschung an Schimpansen und das Konzept der „physiologischen Frühgeburt“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Paläoanthropologie, Evolutionstheorie, Hominiden, gesellschaftliche Reproduktion und der Homo habilis.

Welche Rolle spielt die „physiologische Frühgeburt“ bei der Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen?

Sie erzwingt eine längere Abhängigkeit des Neugeborenen von der Mutter, was laut Autor die Notwendigkeit sozialer Unterstützung und damit die Entwicklung kultureller und gesellschaftlicher Lebensweisen erst ermöglichte.

Warum zieht der Autor Vergleiche zu Schimpansenpopulationen?

Da Schimpansen unsere engsten Verwandten sind, dienen ihre komplexen Sozialstrukturen als Modell, um plausible Hypothesen über die sozialen Fähigkeiten und die Gemeinschaftsbildung unserer gemeinsamen Vorfahren zu stützen.

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Details

Title
Vom Ursprung gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen und den Selbsttäuschungen der Anthropologen
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1
Author
Sabine Heil (Author)
Publication Year
2000
Pages
12
Catalog Number
V32147
ISBN (eBook)
9783638329378
Language
German
Tags
Ursprung Zusammenlebens Menschen Selbsttäuschungen Anthropologen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Heil (Author), 2000, Vom Ursprung gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen und den Selbsttäuschungen der Anthropologen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32147
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