In vorliegender Erarbeitung sollen an ausgewählten Gesichtspunkten die Sichtweisen der bekannten Theologen Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer zum Thema Ehe und Sexualität vorgestellt und – soweit es geht – verglichen werden. Interessant ist diese Betrachtung unter anderem, da beide einen Einfluss auf die jüngere Geschichte des deutschen Protestantismus haben.
Karl Barth (1886 (Basel) - 1968 (Basel)) war es ein Anliegen, eine ethische Urteilsbildung im Zusammenhang mit Dogmatik zu sehen, noch mehr sogar: Die Ethik sollte seiner Meinung nach aus der Dogmatik heraus begründet werden. Das Wort Gottes also liegt als Basis für die Ethik zugrunde und dies eben auch bei Themen wie Sexualität und Ehe.
Auch für Dietrich Bonhoeffer (04.02.1906 (Breslau) - 09.04.1945 (Flossenbürg)) war die Schrift die Basis seiner Überlegungen. Er widmete der Thematik der Ethik vielerlei Überlegungen und verfasste zahlreiche Fragmente für sein gleichnamiges Werk. Dieses konnte er allerdings vor seiner Inhaftierung nicht fertigstellen oder veröffentlichen, was ihn während seiner Gefängniszeit schwer belastete. Für Bonhoeffer bedeutete Ethik der Versuch, „gewonnene Erkenntnisse und erlittene Erfahrungen in ein gegenwartsbezogenes theologisches Konzept münden zu lassen.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Karl Barth
2.1 Voraussetzungen für die Ehe
2.1.1 Liebe
2.1.2 Die göttliche Berufung
2.1.3 Der richtige Zeitpunkt
2.1.4 Gleichartigkeit der Interessen
2.2 Verhalten in der Ehe
2.2.1 Ehepartner als Mitmensch
2.2.2 Der Bund Gottes
2.2.3 Ehebruch
2.2.4 Gleichberechtigung der Frau und die geschlechtliche Differenzierung
2.2.4.1 Exkurs: Charlotte von Kirschbaum
2.2.5 Sexualität
2.2.6 Fortpflanzung
3. Dietrich Bonhoeffer und Vergleich der beiden Positionen
3.1 Ehe
3.1.1 Verhältnis von Ehe und Liebe
3.1.2 Ehe als ein göttliches Mandat
3.1.3 Ehescheidung
3.1.4 Ordnung
3.2 Sexualität und Fortpflanzung
3.2.1 Sexualität
3.2.1.1 Zusammenhang Sexualität und Erbsünde
3.2.1.2 Das Recht auf leibliches Leben
3.2.1.2.1 Exkurs: Maria von Wedemeyer
3.2.2 Fortpflanzung
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die theologischen Sichtweisen von Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer zum Thema Ehe und Sexualität darzustellen und vergleichend gegenüberzustellen, um ihren Einfluss auf die jüngere Geschichte des deutschen Protestantismus zu beleuchten.
- Grundlagen der Ehe bei Karl Barth
- Verhalten und Ordnung in der Ehe
- Vergleich der theologischen Positionen von Barth und Bonhoeffer
- Die Rolle der Sexualität als Gabe Gottes oder Selbstzweck
- Die ethische Bedeutung der Fortpflanzung
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Die göttliche Berufung
Eine weitere Voraussetzung ist für Barth, dass das Zustandekommen einer Ehe auf einer göttlichen Berufung basieren muss, da Gott es ist, der die Liebe schenkt. Deshalb kann der Mensch den Vollzug der Ehe nicht an menschliche Institutionen knüpfen. Das Ehepaar muss sich diesen göttlichen Bezug bewusst machen und ihre Liebe allein auf Ihn, nicht aber auf irgendwelche menschlichen Garantien, gründen. Denn ‚Gott allein ist der einzige feste Anker der Ehe‘.
Des Weiteren darf dort, wo die Ehe auf einer göttlichen Berufung basiert, der Mensch diese nicht scheiden. Dies begründet er beispielsweise mit Mt 19, 6: „So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“. Wenn die Ehe allerdings auf einer menschlichen Fügung basiert, kann es nach Barth angemessen sein, eine solche aufzulösen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Theologen Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer sowie Hinführung zum Vergleich ihrer ethischen Auffassungen zu Ehe und Sexualität.
2. Karl Barth: Untersuchung von Barths Verständnis der Ehe als Lebensgemeinschaft unter göttlicher Berufung, inklusive der Anforderungen an das Verhalten in der Ehe.
3. Dietrich Bonhoeffer und Vergleich der beiden Positionen: Analyse der Trauverständnisse und Mandatslehre Bonhoeffers mit direktem Vergleich zu Barths dogmatisch begründeter Ethik.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Übereinstimmungen und Unterschiede in den theologischen Ansätzen sowie der konservativen Tendenzen im Vergleich.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und Sekundärliteratur zur Arbeit.
Schlüsselwörter
Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, Ehe, Sexualität, Theologie, Ethik, Gottes Gebot, Liebe, Fortpflanzung, Ehebruch, Schöpfungsordnung, Dogmatik, Mitmenschlichkeit, Christliche Ehe, Mandatslehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethischen Sichtweisen der bedeutenden Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer, auf die Themen Ehe und Sexualität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Verständnis der Ehe als göttliche oder menschliche Institution, dem Rollenverständnis innerhalb der Partnerschaft sowie der theologischen Einordnung von Sexualität und Kinderwunsch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Ansätze beider Theologen darzustellen und durch einen direkten Vergleich ihre unterschiedlichen Nuancen und gemeinsamen protestantischen Grundlagen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die primär auf den Schriften der beiden Autoren sowie einer Auswertung ihrer Traupredigten und dogmatischen Hauptwerke basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Barths Ehe-Ethik, eine Untersuchung von Bonhoeffers Mandatslehre und einen abschließenden Vergleich hinsichtlich ihrer Einstellungen zur Unauflöslichkeit der Ehe und der Bedeutung der Sexualität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind die göttliche Berufung, die Ehe als göttliches Mandat, die Bedeutung der Liebe, das leibliche Leben und das christliche Rollenverständnis von Mann und Frau.
Welche Rolle spielt Charlotte von Kirschbaum in der Untersuchung von Karl Barth?
Sie wird als Exkurs behandelt, da ihre enge geistige Zusammenarbeit mit Barth und ihr eigenes Werk zur Rolle der Frau Barths Theologie und das Verständnis der geschlechtlichen Differenzierung maßgeblich beeinflussten.
Wie unterscheidet sich Bonhoeffers Sicht auf die Sexualität von der Barths?
Während Barth die Sexualität primär unter dem Aspekt der Verantwortung vor Gott sieht und den Naturtrieb in die Ehe einbindet, betont Bonhoeffer in späteren Fragmenten stärker das Recht auf leibliches Leben als Selbstzweck, unabhängig vom reinen Fortpflanzungsziel.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des Vergleichs?
Das Fazit stellt fest, dass trotz individueller Unterschiede eine grundlegende theologische Übereinstimmung besteht, Bonhoeffer jedoch in seinem Traubrief konservativere Züge zeigt, während bei Barth Ansätze zu einem moderneren Verständnis erkennbar sind.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Darstellung und Vergleich der Positionen von Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer zur Thematik von Ehe und Sexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321514