Émile Durkheim und Georg Simmel lebten zur selben Zeit und es verband sie eine enge Zusammenarbeit. Sie hatten beide als Ziel, die Soziologie als eine Wissenschaft zu etablieren und gehören, gemeinsam mit Max Weber, zu den Begründern der modernen Soziologie.
Trotz der gemeinsamen Entwicklungszeit unterscheiden sich ihre Theorien in bestimmten Teilen. Im Laufe der Hausarbeit habe ich diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und die umfassenden Theorien miteinander verglichen.
In den Abschnitten, die jeweils einem Autor gewidmet sind, gehe ich kurz auf die Biografien Durkheims und Simmels ein, damit ein Überblick über die Lebenszeit und ihre Herkunft entsteht. Anschließend stelle ich die Gesellschaftsbegriffe der beiden Autoren vor und gehe auf die unterschiedlichen Gesellschaftsbegriffe ein, die sie geprägt haben. Als folgenden Schritt werde ich die Gesellschaftsbegriffe untereinander vergleichen und dabei nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Theorien suchen. Dies soll einen umfassenden Einblick in die einzelnen Theorien ermöglichen. Das zusammenfasssende Fazit meiner Arbeit soll dann die Auffassungen bewerten und einen Ausblick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede geben, welche die Theorien Durkheims und Simmels kennzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Émile Durkheim – Biografie
2.1 Die „Année sociologique“
3. Die Gesellschaftstheorie
3.1 Die individualistische und kollektivistische Interpretation der Gesellschaft
3.2 Kollektivbewusstsein
3.3 Moralische Einheiten und Sozialisation
4. Georg Simmel – Biografie
5. Simmels Gesellschaftsbegriffe
5.1 Der allgemeine Gesellschaftsbegriff
5.2 Der soziologische Gesellschaftsbegriff
6. Vergleich der Gesellschaftsvorstellungen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Gesellschaftsvorstellungen der beiden soziologischen Klassiker Émile Durkheim und Georg Simmel. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Differenzen in ihren theoretischen Ansätzen herauszuarbeiten, um ein tieferes Verständnis ihrer Konzepte von Gesellschaft, sozialer Interaktion und der Rolle des Individuums zu erlangen.
- Biografische Einordnung von Émile Durkheim und Georg Simmel
- Analyse der zentralen Gesellschaftstheorie von Durkheim
- Untersuchung von Simmels allgemeinem und soziologischem Gesellschaftsbegriff
- Systematischer Vergleich der theoretischen Positionen
- Diskussion über die Rolle des Individuums gegenüber kollektiven Strukturen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die individualistische und kollektivistische Interpretation der Gesellschaft
Der Individualismus steht im Gegensatz zum Kollektivismus. Durkheim geht davon aus, dass es in einer individualistischen Gesellschaft kein „Über-Ich“ gibt und diese nur durch die Verbindungen zwischen den unabhängigen Individuen basiert.
In seiner Theorie beschreibt er, wie sich eben dieses kollektive Bewusstsein auf die Individuen auswirkt und sie lenkt.
„Zweifellos kann keine kollektive Erscheinung entstehen, wenn kein Einzelbewusstsein vorhanden ist; doch ist diese notwendige Bedingung allein nicht ausreichend. Die einzelnen Psychen müssen noch assoziiert, kombiniert und in einer bestimmten Art kombiniert sein; das soziale Leben resultiert also aus dieser Kombination und kann nur aus ihr erklärt werden. Indem sie zusammentreten, sich durchdringen und verschmelzen, bringen die individuellen Psychen ein neues, wenn man will psychisches Wesen hervor, das jedoch eine psychische Individualität neuer Art darstellt. In der Natur dieser Individualität, nicht in jener der sie zusammensetzenden Einheiten müssen also die nächsten und bestimmenden Ursachen der Phänomene, die sich dort abspielen, gesucht werden“10
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung durch die Feststellung, dass trotz der Bedeutung des Begriffs "Gesellschaft" kein allgemeiner Konsens über dessen einschränkende Merkmale existiert.
2. Émile Durkheim – Biografie: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Durkheims und beleuchtet die Gründung der Zeitschrift „Année sociologique“ sowie deren Bedeutung für die soziologische Theoriebildung.
3. Die Gesellschaftstheorie: Hier wird Durkheims Verständnis von sozialen Tatbeständen und der Gesellschaft als eigenständigem, überindividuellem Konstrukt dargelegt.
4. Georg Simmel – Biografie: Es erfolgt eine biografische Darstellung von Georg Simmel, wobei insbesondere sein akademischer Werdegang und sein intellektuelles Umfeld im Vordergrund stehen.
5. Simmels Gesellschaftsbegriffe: Dieses Kapitel differenziert zwischen dem allgemeinen und dem soziologischen Gesellschaftsbegriff bei Simmel, wobei die „formale Soziologie“ und das Konzept der „Wechselwirkung“ zentral sind.
6. Vergleich der Gesellschaftsvorstellungen: Die Theorien beider Autoren werden gegenübergestellt, um Übereinstimmungen sowie grundlegende Divergenzen in ihrer Auffassung von Gesellschaft herauszuarbeiten.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Erkenntnisse und einer kritischen Reflexion über die Divergenz der Ansätze trotz der zeitgenössischen Zusammenarbeit der Autoren.
Schlüsselwörter
Gesellschaft, Soziologie, Klassiker, Émile Durkheim, Georg Simmel, Kollektivbewusstsein, Vergesellschaftung, Wechselwirkung, Soziale Tatbestände, Individualismus, Kollektivismus, Moral, Soziale Integration, Formale Soziologie, Gesellschaftstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem theoretischen Vergleich der Gesellschaftsvorstellungen von Émile Durkheim und Georg Simmel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Gesellschaft, die Rolle des Individuums, soziale Interaktion und die Etablierung der Soziologie als eigenständige Wissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Identifizierung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Theorien von Durkheim und Simmel, um die Dynamik ihrer Gesellschaftskonzepte zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse theoretischer Texte der beiden Soziologen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Biografien sowie die spezifischen Theorien beider Autoren detailliert dargestellt und anschließend in einem direkten Vergleich gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gesellschaft, Kollektivbewusstsein, Vergesellschaftung, Wechselwirkung und soziale Tatbestände.
Wie unterscheidet Simmel zwischen seinem allgemeinen und soziologischen Gesellschaftsbegriff?
Der allgemeine Begriff bezieht sich auf den Komplex der Individuen in Wechselwirkung, während der soziologische Begriff zwischen dem Inhalt (Wechselwirkung) und der Form (Art der Interaktion) differenziert.
Warum betrachtet Durkheim Gesellschaft als reales Wesen?
Durkheim sieht Gesellschaft als überindividuelles „soziales Wesen“ an, das eigene Werte, Normen und ein Bewusstsein entwickelt, die auf das Individuum einwirken.
Was bedeutet Simmels Konzept der „Wechselwirkung“?
Es bezeichnet die gegenseitige Beeinflussung von Individuen, durch die erst aus einem bloßen Nebeneinander eine soziale Einheit, also Gesellschaft, entsteht.
Welche Rolle spielt die „Année sociologique“ für beide Autoren?
Sie fungierte als gemeinsames Publikationsorgan, das den Austausch förderte und dazu führte, dass sich die Theorien der beiden Klassiker in dieser Zeit in ähnliche Richtungen entwickelten.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Kratky (Autor:in), 2015, Gesellschaftsvorstellungen. Welche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Émile Durkheim und Georg Simmel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321565