Ist die "Diamesik" eine eigenständige Varietät? Zum Begriff der Nähe- und Distanzsprache nach Peter Koch und Wulf Oesterreicher


Hausarbeit, 2012

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gegenüberstellung von Definitionen nach Coseriu und nach Koch/ Oesterreicher
2.1 Varietätenlinguistik
2.2 Diamesik
2.3 Nähe- und Distanzsprache

3. Nähe- und Distanzsprache im Vergleich zu bzw. als „langue parlé“ und „langue écrite“

4. Medium und Konzeption

5. Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien

6. Videoanalyse

7. Fazit

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Konzeption und Medium (Koch/ Oesterreicher, 2011: S. 3)

Abb. 2 Konzeptionelles Relief eines Privatbriefs (Koch/ Oesterreicher, 2011: S.8)

Abb. 3 Konzeptionelles Relief des Videos

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit wird eine umstrittene Varietät thematisiert, die von Koch/ Oesterreicher eingeführte Diamesik, die die Kommunikationssituation als Nähe- und/oder Distanzsprache beschreibt. Zunächst sollen anhand von Definitionen die Begriffe „Varietätenlinguistik“, „Diamesik“ und „Nähe- und Distanzsprache“ erklärt werden, um einen Ausgangspunkt für die weiteren Kapitel zu geben. Hierfür werden zwei Definitionen gegenüber gestellt: Zum einen die des Sprachwissenschaftlers Eugenio Coseriu und zum anderen die der „Schöpfer“ des Begriffs „Diamesik“, nämlich Peter Koch und Wulf Oesterreicher. Da viele Linguisten in Nähe- und Distanzsprache keine Varietät sehen, sollen diese Begriffe im dritten Kapitel mit den Begriffen „langue écrite“ und „langue parlé“ zusammengeführt werden, um zu zeigen, wie sie sich ergänzen. Im Folgenden sollen dann drei theoretische Konstrukte zur Nähe- und Distanzsprache vorgestellt, erläutert und anhand von Beispielen verdeutlicht werden. Als erstes wird das Konstrukt „Konzeption und Medium“ vorgestellt, das die Medien graphisch und phonisch als Extrempole trennt, das aber ein Kontinuum zwischen den Konzeptionen schriftlich und mündlich erlaubt. Daran anschließend werden anhand einer Gegenüberstellung von gesprochener und geschriebener Sprache und eines Schaubildes die zehn Kommunikationsbedingungen vorgestellt, mit denen eine Kommunikationssituation beschrieben werden kann und anhand derer sie anschließend als eher nähe- oder eher distanzsprachlich eingestuft wird. Danach werden als letztes Konstrukt die Versprachlichungsstrategien in Abhängigkeit der Kontexttypen vorgestellt und ebenfalls anhand von gesprochener und geschriebener Sprache erläutert. Im nun folgenden Teil der Hausarbeit soll ein als Video aufgezeichneter Redebeitrag von Daniel Cohen- Bendit vor dem EU Parlament vom 05.05.2010 anhand der vorher vorgestellten Konstrukte analysiert werden. Dabei soll gezeigt werden, wie sich die Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien während dieses Vortrags darstellen und ggf. verändern. Zur Verdeutlichung wird soll das Video in Etappen unterteilt werden und diese kurz unter Berücksichtigung der Versprachlichungsstrategien zu beschreiben. Die Kommunikationsbedingungen dieses Beitrags sollen anhand eines Schaubildes dargestellt werden, dass sich an jenem in Kapitel fünf orientiert. Daran anschließend soll noch auf einige Besonderheiten im Video eingegangen werden. Abschließend folgt das Fazit, sowie die Bibliographie und die Quellenversicherung.

2. Gegenüberstellung von Definitionen nach Coseriu und nach Koch/ Oesterreicher

2.1 Varietätenlinguistik

Nach Coseriu besteht das Diasystem aus den drei Varietäten Diatopik (geographisch bedingte, regionale Sprachvarietäten), Diaphasik (funktionale Sprachvarietäten, die unter Berücksichtigung der Kommunikationssituation verwendet werden) und Diastratik (soziale Gegebenheiten)[1]. Eine weitere Unterscheidung wird nicht vorgenommen. Nach Koch/ Oesterreicher besteht das Diasystem aus vier Varietäten. Sie ergänzen zu den drei Varietäten von Coseriu die Diamesik[2] (Kommunikationsmittel) als vierte Varietät:

So wichtig diese dreidimensionale Modellierung der Sprachvarietät auch ist, so kann doch der gesamte Varietätenraum einer historischen Einzelsprache nur ausgeschöpft werden, wenn man zusätzlich den dazu gewissermaßen ‚querliegenden‘ Aspekt der gesprochen/ geschrieben einbezieht, der nicht auf die diasystematischen Unterschiede reduzierbar ist. (Koch/ Oesterreicher, 1985: S.16)

Die Autoren gehen sogar noch weiter und stellen die Diamesik über die drei anderen Varietäten.

2.2 Diamesik

Coseriu hingegen erkennt im Kommunikationsmittel und dessen Realisierung als Nähe- und Distanzsprache keine eigenständige Varietät an, da „die Unterschiede zwischen ‚gesprochener‘ und ‚geschriebener Sprache‘ in den Bereich der Stilistik [Diaphasische Varietät] verwiesen, oder […] nicht als Gegenstand der Linguistik akzeptiert werden“ (Mair, S. 187) Ihm zufolge gibt es keine Diamesik. Der Begriff bzw. die Varietät „Diamesik“ existiert noch nicht lange und ist in der Sprachwissenschaft nach wie vor umstritten. Nach Koch/ Oesterreicher, die diesen Begriff eingeführt haben[3], ist sie eine eigenständige Varietät. Deshalb wurde der Begriff „Diamesik“ in Anlehnung an die bereits bestehenden Varietäten des Diasystems von Coseriu (Diaphasik, Diastratik und Diatopik) kreiert. Die Diamesik beschreibt das Kommunikationsmittel (graphisch oder phonisch) mit welchem Nähe- und Distanzsprache realisiert werden. Sie steht laut der Autoren über den drei bereits genannten Varietäten, da sie als einzige deren Elemente sekundär aufnehmen kann. So ist ihrer Meinung nach eine Äußerung zunächst einmal nur mündlich oder schriftlich realisiert und bleibt das auch, egal ob sie diatopisch, diaphasisch oder diastratisch markiert ist. (Vgl. Mair, 1979: S.186)

2.3 Nähe- und Distanzsprache

Wie schon bei der Definition von Diamesik erklärt, erkennt Coseriu die Diamesik nicht als Varietät an und gibt somit auch keine Definition von Nähe- und Distanzsprache. Nach Koch/ Oesterreicher bedeutet die als „Nähesprache“ bezeichnete Realisierung des Kommunikationsmittels Sprache in Reinform max. kommunikative Nähe. Aufgrund dessen wird sie meist gesprochen, d.h. phonisch realisiert. Sie zeichnet sich unter anderem durch Kürze und Spontanität, durch einen flüchtigen, vorläufigen und parataktischen Charakter aus und hat einen geringen Planungsgrad sowie eine geringe Informationsdichte. Als Beispiel könnte man ein Gespräch unter Freunden anführen. Im Gegensatz dazu steht die sogenannte „Distanzsprache“, die in Reinform max. kommunikative Distanz signalisiert. Sie wird somit meistens geschrieben, d.h. graphisch realisiert. Diese Art der Realisierung lässt sie sehr beständig erscheinen und zeichnet sich vor allem durch einen hohen Planungsgrad, eine gut durchdachte grammatische Struktur, sowie durch eine hohe Informationsdichte und einen raschen Informationsfortschritt aus. Diese Eigenschaften sind vor allem auf die längere Realisierungszeit zurückzuführen, da man sich automatisch mehr Gedanken über den produzierten Text macht und sich gewählter ausdrückt. Ein Beispiel hierfür wäre ein Fachbuch oder – Aufsatz, besonders in den Geisteswissenschaften. Außerdem führen Koch/ Oesterreicher noch einen weiteren Grund an, da ihrer Meinung nach die Unterscheidung ‚gesprochen‘/ ‚geschrieben‘ nicht der diaphasischen Dimension einverleibt werden kann, belegt schon folgende Beobachtung […]: die Zuweisung sprachlicher Erscheinungen zur Registerskala im Gesprochenen stimmt nicht mit der im Geschriebenen überein, sondern ist so verschoben, dass z.B. geschrieben ‚familiär‘ gesprochen ‚neutral‘ entspricht. (Koch/Oesterreicher (1985: S.16)

3. Nähe- und Distanzsprache im Vergleich zu bzw. als „langue parlé“ und „langue écrite“

Wie bei der Definition von Nähe und Distanzsprache bereits erwähnt wurde, wird laut Koch/ Oesterreicher die Nähesprache eher mit einer mündlichen Realisation und die Distanzsprache eher mit einer schriftlichen Realisation in Verbindung gebracht. Radke sieht diese Zuordnung allerdings kritisch (Vgl. 2003: S.95) Diese Zuordnung bringt zwangsläufig die Begriffe „langue parlé“ und „langue écrite“ zur Sprache, die mit Nähe- und Distanzsprache in Verbindung stehen. Nach Koch stellen sie „echte Varietäten der Einzelsprache Französisch“ dar (1986: S.114). Als erste Theorie zu diesem Thema zitiert Mair Saussure und Bloomfield (Vgl.1979: S. 179-180), die der Meinung sind, dass die gesprochene Sprache (in unserem Fall also die Nähesprache) die einzige sei, welche man untersuchen sollte und dass die geschriebene Sprache (für uns die Distanzsprache) lediglich dazu da sei, die gesprochene Sprache zu repräsentieren. Für diese Behauptung führt Mair Gründe an, z.B. dass man die gesprochene Sprache vor der geschriebenen erlernt (ontogenetisch), oder dass historisch gesehen, die gesprochene Sprache vor der geschriebenen existierte (phylogenetisch) (Vgl. 1979: S. 180). Mair gesteht diesen Gründen zwar Schlüssigkeit zu, gibt aber zu bedenken, dass die gesprochene Sprache an dieser Stelle nichts weiter als eine „familiäre Umgangssprache“ (1979: S.181) darstellt, was eine ziemlich einseitige Betrachtungsweise ist. Die gesprochene Sprache hat mehr als dieses eine Register zu bieten, wie sich im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch herausstellen soll. Auch nach Koch/Oesterreicher ist die Nähesprache zwar eher gesprochen, aber nicht zwingend umgangssprachlich. Müller schließt sich der Meinung von Saussure und Bloomfield zwar nicht an, ist aber der Meinung, dass die gesprochene Sprache, die geschriebene Sprache nicht nur in der Vergangenheit sehr beeinflusst hat, da viele Rechtschreibreformen an der Mundart ausgerichtet waren (Müller, 1990: S.201). Auch er gesteht den bereits erwähnten Gründen von Mair ihre Richtigkeit zu, (ebd. S.198) rehabilitiert die geschriebene Sprache aber in dem Punkt, dass es Wörter gebe, die der Mensch „aus der VS [Verschriftlichtes System] lernt, bevor er mündlich über sie verfügt.“ (ebd. S.198) wie zum Beispiel Fremd- oder Fachwörter. In diesem Fall wäre die geschriebene Sprache wieder über, oder zumindest neben der gesprochenen Sprache anzusiedeln. Fakt ist, „dass entweder das geschriebene oder das gesprochene in gewissen Punkten als defizitär oder geschwächt“ (Radke, 2003: S.97) angesehen wird, wobei ein Vergleich der beiden Terme aufgrund der unterschiedlichen Realisierungsmedien und deren Begleiterscheinungen kritisch zu sehen ist. Müller weist ferner darauf hin, dass das verschriftlichte System allein durch seine größere Zahl an Zeichen (41)[4] gegenüber dem gesprochenen System mit 31-37 Zeichen deutlich hervortritt (Müller, 1990: S.198). Als zweite Theorie führt Mair nach Saussure und Bloomfield die Prager Schule mit ihrem dichotomischen Modell an, denn sie sehen in der ,gesprochenen‘ bzw. ,geschriebenen‘ Sprache zwei autonome Systeme, die nicht dadurch charakterisiert werden, dass sie effektiv gesprochen oder geschrieben werden, sondern allein durch die Funktion, die sie in der Kommunikation erfüllen. (1979: S.181)

Diese Ansicht kommt auch der Ansicht von Koch/ Oesterreicher recht nahe, denn ihrer Meinung nach kann z.B. die Nähesprache zwar gesprochen realisiert werden, aber sie muss es nicht. Auf diese Besonderheit soll im nächsten Kapitel noch genauer eingegangen werden, wenn es um die Konzeption von Nähe- und Distanzsprache geht. Mair unterstellt der Prager Schule allerdings, sozio-, pragma- und textlinguistische Faktoren zu vernachlässigen (1979: S.189) und somit „eine implizite Identifikation von code écrit und langue littéraire bzw. von code parlé und langue familière “ (ebd. S. 186) zu begünstigen[5]: Auf diese Weise wird der gesprochenen (Nähe)Sprache und der geschriebenen (Distanz)Sprache nicht das gleiche soziokulturelle Prestige zu Teil (ebd. S. 189), denn die geschriebene (Distanz)Sprache wird oft als höherwertig angesehen. Daran angelehnt beschreibt Helga Prüßmann-Zemper, in deren Arbeit nur die drei von Coseriu anerkannten Varietäten vorkommen, die diaphasischen Register und ordnet sie der gesprochenen oder geschriebenen Sprache zu. Das français cultivé „hat am meisten Prestige“ (1990: S. 836) und wird als „positiv gewertet“ (ebd. S. 839). „Es ist das Register der feierlichen Rede, des Vortrags, der Rezitation. In alltäglichen Kommunikationssituationen ist es am falschen Platz und erscheint affektiert.“ (ebd. S.839). Das darunter stehende français familier wird als „das primär situativ bestimmte Register des zwanglosen Umgangs in der Familie, im Bekanntenkreis [gesehen] […] und ist überwiegend dem sprachlichen Code zu zuordnen.“ (ebd. S. 838) Es ist der Register in dem „ein informelles Gespräch in wenig anspruchsvollem Französisch, aber ohne einschneidende Regelverletzungen geführt werden soll.“ (ebd. S. 838) Daran anschließend werden auch das français populaire und das français vulgaire beleuchtet, die ebenfalls der gesprochenen Sprache zugeordnet werden. Das français populaire wird als „Umgangssprache der breiten Masse der französischen Bevölkerung“ (ebd. S. 838) bezeichnet und das français vulgaire „als typisches Register des gesprochenen Französisch“ (ebd. S. 836). Auch Koch/ Oesterreicher sehen Beziehungen zwischen gesprochener/ geschriebener Sprache und den zwei anderen Varietäten nach Coseriu: „So stehen diatopisch stärker markierte Varietäten (Dialekte, Regiolekte) dem Gesprochenen ebenso nahe wie diastratisch ‚niedrig‘ einzustufende Varietäten (‚Volkssprache‘, Argots).“ (Koch/Oesterreicher, 1985: S. 16). Wenn man von der Registerunterteilung und ihrer Zuordnung zu gesprochen/ geschrieben bzw. zu Nähe- und Distanzsprache einmal absieht, kommen jedoch die meisten in dieser Arbeit angeführtem Autoren zu dem Ergebnis, dass „ gesprochene und geschriebene Sprache auf dasselbe System [auf dieselbe Grammatik] bezogen [sind]. Die gesprochene Sprache bewahrt nur eine offenere Norm […]. Die geschriebene Sprache verengt demgegenüber die Norm […].“ (Koch/Oesterreicher, 1985: S. 28) (dazu auch Koch,1986: S. 144 und Radke, 2003: S.94, 96). Abschließend soll noch ein Punkt von Mair genannt werden, der besonders in der heutigen Zeit Beachtung finden sollte:

Die zunehmende Bedeutung der audio-visuellen Medien scheint das Vordringen der, gesprochenen Sprache‘ zu begünstigen; dennoch spielt die ‚geschriebene Sprache‘ aufgrund der zunehmenden Schulbildung und der Bedeutung von Buch und Presse immer noch eine wesentliche Rolle (1979: S. 183)

Es geht hier letztlich darum, dass vor allem Kinder, die schon früh einen starken Kontakt mit den „audio-visuellen Medien“ haben, Sprache natürlich auch dort erlernen und sich bestimmte Wörter und Sprachregister aneignen, die wenig prestigeträchtig sind. Der prestigeträchtigere Spracherwerb der geschriebenen Sprache aus Büchern setzt oft erst ein, wenn das Sprachvermögen schon vorgeprägt ist. Das diese geschriebene Sprache aufgrund ihrer Rarität gegenüber der gesprochenen Sprache eine hohe Bedeutung hat und zunehmend wichtiger wird, lässt sich schon daran erkennen, dass ab der Schulzeit jede andere Sprache eher sanktioniert wird. In Anlehnung daran erkennt auch Müller, dass „ La langue écrite perd son influence au profit de la langue parlée“ (1985: S.95). Er geht sogar noch weiter indem er einen gegenseitigen Einfluss von langue parlé und langue écrite unterstellt: „Le français écrit se rapproche du français parlé […] chez les personnes peu habitué à écrire.“ (ebd. S.87) aber gleichzeitig „le français parlé se rapproche du français écrit dans toutes les manifestations liées à l’écriture (récitation, théâtre, conférence) […] surtout dans les domaines du lexique de la syntaxe et de la morphologie.“ (ebd. S. 86).

4. Medium und Konzeption

Zur Erinnerung: Mit gesprochen und geschrieben wird die Art der Realisierung einer Äußerung bezeichnet. Eine genauere terminologische Klarstellung kommt von Söll[6], 1974: Das Medium der Realisierung einer Äußerung ist entweder mündlich/akustisch (code phonique) oder schriftlich/visuell (code graphique). Diese beiden Extrempole sind durch eine entweder- oder- Relation (Dichotomie) strikt voneinander getrennt. Trotzdem stellen Koch/ Oesterreicher fest, dass sich alle Kommunikationsformen, zumindest bedingt, in das jeweils andere Realisierungsmedium überführen lassen: Ein mündlich geführtes Interview kann verschriftlicht werden /ein Zeitungsartikel kann vorgelesen werden (Vgl. ebd. 1985: S.18). Die Konzeption der Realisierung einer Äußerung kann ebenfalls mündlich (code parlé) oder schriftlich (code écrit) sein, vielleicht, je nach Länge der Äußerung kann sie sogar beide Seiten beinhalten. Es handelt sich hier jedoch nicht um eine strikte entweder- oder- Relation, sondern ein Kontinuum, d.h. es handelt sich um einen fließenden Übergang, in dem sich zwei Extreme auf einer graduellen Skala gegenüberstehen (Vgl. Koch, 1986: S.114). Auf dieser Skala bergen die Konzeptionsmöglichkeiten zahlreiche, nuancenhafte Abstufungen für eine eher mündliche oder eher schriftliche Konzeption und es „entstehen zahlreiche Sprech-, Schreib- und Texttraditionen, die spezifischen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen unterliegen.“ (ebd. S.116). Dieser Meinung schließt sich Mair (1979: S.190) an, da ihm zufolge die Konzeption abhängig vom sozioökonomischen Status des Sprechers und von der sozialen Situation in der der Diskurs stattfindet. Das Verhältnis zwischen Konzeption und Medium ist im nachfolgenden Schaubild dargestellt:

[...]


[1] Prüßmann- Zemper, Helga (1990, S. 830) nach Coseriu, Eugenio: Einführung in die strukturelle Betrachtung des Wortschatzes. Tübingen: Narr, 1973.

[2] Im Text von 1985 taucht der Begriff „Diamesik“ noch nicht auf, aber im Text von 2011, der primär die Grundlage dieser Arbeit ist, schon.

[3] Siehe 2

[4] 26 Buchstaben (a, b, c) , 13 Buchstaben mit diakritischen Zeichen ( é, ô, à) und 2 Diagraphen (œ, æ)

[5] Siehe dazu auch markierte Kombinationen in Kapitel 4

[6] Der dazu auch von Prüßmann- Zemper (1990: S.840) und Koch/Oesterreicher (2011:3) zitiert wird

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ist die "Diamesik" eine eigenständige Varietät? Zum Begriff der Nähe- und Distanzsprache nach Peter Koch und Wulf Oesterreicher
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Varitätenlinguistik
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V321602
ISBN (eBook)
9783668210356
ISBN (Buch)
9783668210363
Dateigröße
879 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diamesik, Nähesprache, Distanzsprache, Peter Koch, Wulf Oesterreicher
Arbeit zitieren
Stephanie Franz (Autor), 2012, Ist die "Diamesik" eine eigenständige Varietät? Zum Begriff der Nähe- und Distanzsprache nach Peter Koch und Wulf Oesterreicher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321602

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