Sklaverei im atlantischen Raum der Frühen Neuzeit. Zu den Auswirkungen afrikanischer Sklaven auf die Wirtschaft der amerikanischen Kolonien und Europa


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Der Schwarze Atlantik

II. Der Schwarze Atlantik in der Frühen Neuzeit
1) Sklaverei in Afrika vor dem Kontakt mit den Europäern
2) Sklaverei in Afrika nach dem Kontakt mit den Europäern
3) Sklaven für die Amerikas – Warum Afrikaner?
4) Auswirkungen der Sklaverei in den Kolonien und in Europa
a) Auswirkungen in den Kolonien
b) Auswirkungen in Europa
5) Zwischenfazit

III. Endbetrachtungen

IV. Literaturverzeichnis
1) Primärliteratur
2) Sekundärliteratur

I. Der Schwarze Atlantik

Sklaverei war im Europa der Frühen Neuzeit kein neues Phänomen, das plötzlich aus heiterem Himmel entstanden ist. Seit der Antike gab es Sklaverei; zunächst nur im Mittelmeerraum angesiedelt und danach, ab dem Frühmittelalter und dem Aufkommen des Feudalsystems, auch im restlichen Europa unter der Bezeichnung „Leibeigenschaft“.

Doch auch in Afrika gab es bereits vor Ankunft der Europäer[1], vor allem in der westafrikanischen Küstenregion, eine Sklaventradition.

Doch was war anders an der europäischen Variante des Sklavenhandels, den zunächst die Portugiesen initiierten und die Spanier etablierten und die anderen Kolonialmächte perfektionierten?

The inclusion of the New World in the international economy ranks among the improtant events in modern history. Slavery was the foundation of that inclusion in its early chapters, and slavery accounts for the growth and importance of the transatlantic trade.[2]

In dieser Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, warum Sklaven aus Afrika nach Amerika deportiert worden sind. Mit welcher Begründung haben die Europäer diese Verschleppung organisiert? Was waren die vermeintlichen Vorzüge schwarzer Zwangsarbeiter im Gegensatz zu europäischen oder indigenen Arbeitern? Was versprachen sich die Kolonialherren davon und wie wirkte sich der Einsatz von Sklaven auf die Wirtschaft der Kolonien und der Mutterländer in Europa aus?

Zunächst werde ich auf die Sklaventradition in Afrika vor der Ankunft der Europäer eingehen, um danach die Sklaverei in Afrika zu beleuchten, die nach der europäischen Ankunft stattfand. Daraufhin werde ich der Frage nachgehen, was aus europäischer Sicht afrikanische Sklaven für die Neue Welt so attraktiv gemacht hat, um letztendlich die Auswirkungen der Sklaverei auf die Wirtschaft der Kolonien und der Mutterländer in Europa zu schildern. Hierbei werde ich mich auf die gesamte Frühe Neuzeit beziehen, da es mir in dieser Hausarbeit primär darum geht, einen Überblick über den Sklavenhandel als solcher aus europäischer Sicht zu geben und zu begründen, warum der Sklavenhandel so wichtig für das Wachstum der Kolonialwirtschaft (in den Kolonien und in der Metropolis) war.

II. Der Schwarze Atlantik in der Frühen Neuzeit

1) Sklaverei in Afrika vor dem Kontakt mit den Europäern

Sklaverei herrschte in Afrika schon lange Zeit bevor die ersten Portugiesen ihren Fuß auf den schwarzen Kontinent setzten. Vor allem in der westafrikanischen Küstenregion von Senegambia bis Angola im Süden, aber auch im subsaharischen Savannengürtel herrschten Gesellschaften vor, die Sklavenhandel betrieben.[3]

In den küstennahen Waldgebieten Westafrikas überwogen Gesellschaften mit Sklaven, in den nördlicheren Savannenregionen entwickelten sich einige Sklavengesellschaften. Daneben gab es zahlreiche Übergangsformen. In dem riesigen Gesamtraum südlich der Sahara herrschte eine enorme klimatische, ethnische, sprachliche und religiöse Vielfalt. Es gab Gesellschaften mit und ohne Sklaverei, und die Formen der Sklaverei unterschieden sich zum Teil ganz erheblich.[4]

Zwar ist es schwierig festzustellen, in wie fern diese Aussagen über die Sklaverei in Afrika vor 1500 stimmen, da kaum Quellen vorhanden sind[5]. Es kann jedoch als sicher gelten, dass vor allem in den großen afrikanischen Reichen[6] Sklaven vor allem für Land- und Hausarbeiten gebraucht wurden, da viele Königsfamilien große Ländereien besaßen, die vor allem von Sklaven, die in eigens dafür eingerichteten Dörfer lebten, bewirtschaftet wurden.[7]

Als der Islam Einzug in Afrika hielt, wurde die Sklaverei in den islamischen Ländern erlaubt, um die „Ungläubigen“ zu bekehren, was bedeutete, dass die Sklavenhalter ihre Sklaven religiös unterrichten mussten.[8]

Nichtsdestoweniger arbeiteten auch diese Sklaven in den traditionellen Arbeitsbereichen für Zwangsarbeiter: Landwirtschaft und Goldmienen.[9] Aber auch in weniger traditionellen Bereichen wie Militär und in der Verwaltung wurden Sklaven eingesetzt.[10]

Die Gründe für die Versklavung von Menschen in Afrika waren nicht weniger unterschiedlich als die, die die Europäer für ihren Einsatz von Sklaven in der Neuen Welt anführten.

Jedoch war der Produktionsfaktor Arbeit in Afrika noch bedeutender als in Europa, da Land in Afrika weniger gehandelt wurde und da die der Schlafkrankheit verwandte Naganaseuche den Einsatz von Arbeitstieren erschwerte. Die Versklavung wurde nicht ausschließlich durch unmittelbare Gewalt vollzogen. Auch von der eigenen sozialen Gruppe ausgestoßene, verarmte oder von Hunger bedrohte Menschen konnten den Schutz eines mächtigen Herrn suchen und sich ihm als Sklaven ausliefern. Die Verfügungsgewalt über Arbeit – und damit über zahlreiche Gefolgsleute und Nachkommen – erhöhte (wie auch in Europa) Wohlstand, Macht und Ansehen einer Familie, eines Clans oder einer Herrscherdynastie. […] In der Regel war Substanzwirtschaft [in Afrika gebräuchlich] […]. So waren Sklaven meist relativ gut in die Sozialverbände ihrer Herren integriert und durften darauf hoffen, den Status eines Freien zu erlangen. Dies galt gerade für ihre Kinder.[11]

Auch konnte man sich, wie beim Sklavenhandel der Europäer, als Sklave, wenn man zu eigenem Vermögen gekommen war, sich selbst freikaufen.[12] Dennoch gehörte die Brutalität des Menschenraubs, Gewaltmärsche zu den Umschlagsplätzen[13] und die völlige Entrechtung und Unterwerfung […] zum Alltag der afrikanischen Sklaverei.[14]

Hierin unterschied sich auch die afrikanische Sklaverei vor dem Kontakt mit den Europäern in nichts.

2) Sklaverei in Afrika nach dem Kontakt mit den Europäern

Als die Portugiesen am Anfang des 15. Jahrhunderts anfingen in die subsahara Region vorzustoßen, brachte dies neue Möglichkeiten für die afrikanischen Sklavenhändler mit, ihr Handelsgebiet zu erweitern.[15] Denn um die Nachfrage nach Sklaven auf der iberischen Halbinsel[16] zu decken, mussten die Portugiesen in die bereits existierenden afrikanischen Sklavenmärkte eindringen.[17] Erst nach Bündnissen mit lokalen Herrschern konnten Sklaven auf Schiffe beladen werden, wie es ab 1444 geschah.[18]

Lediglich in der Anfangsphase des transatlantischen Sklavenhandels machten die Europäer selbst an den Küsten direkte Gefangene, doch wurden sie von den örtlichen Autoritäten schnell in die Schranken verwiesen.[19]

So berichtet der Sklavenhändler John Hawkins, als sie am 18. November 1567 Kap Verde erreichten:

Wir setzten an dieser Stelle 150 Mann an Land, in der Hoffnung, etliche Neger einfangen zu können. Aber wir bekamen nur wenige zu fassen, und auch diese nur unter großen Verlusten und unter Inkaufnahme zahlreicher Verwundungen bei unseren Leuten; Schuld trugen daran vor allem vergiftete Pfeile [der Eingeborenen] . […] Von da an brachten wir unsere Zeit vor der Guineaküste zu und suchten eifrigst die Flußgebiete […] ab […]. Doch in all der Zeit hatten wir keine 150 Neger zusammenbekommen.[20]

Es wird ersichtlich, dass die Europäer zwar versucht haben, Sklaven selber zu fangen, aber von der indigenen Bevölkerung Afrikas daran gehindert wurden. Auch berichtet Hawkins, dass

gerade in diesem Augenblick uns ein Bote von einem König, der sich von benachbarten Königen bedrängt sah und der uns um unsere Hilfe bat. Er sagte uns zu, daß alle Neger, die bei diesen Kämpfen gefangen würden, gleich ob von seinem Stamm oder von uns, uns gehören sollten.[21]

Aus diesem Zitat dürfte ersichtlich werden, dass der Sklavenhandel an den Küsten nicht aufgezwungen war, sondern dass hier eine Marktsituation existierte, in der die afrikanischen Händler vielfach den größeren Spielraum hatten.[22]

Doch mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts, unterlief auch der Sklavenhandel der Europäer mit den Afrikanern größere strukturelle Veränderungen, with a combination of the effective settlement of the island depot and plantation centre of Sao Tomé in the Gulf of Guinea and the beginning of intense trade relations with the Kingdom of the Kongo after 1512, wich brought West Central Africa into the Atlantic slave trade in a major way for the first time.[23]

Diese Handelsbeziehungen mit dem Königreich Kongo und der Etablierung der Plantagenwirtschaft auf Sao Tomé ab 1512 veränderten auch die Beziehung der Europäer zu den Afrikanern. Spätestens jedoch, als die Spaniern begannen die Karibischen Inseln zu erobern und die Portugiesen Brasilien besiedelten, wurde der Sklavenhandel, der zunächst vorwiegend für die iberische Halbinsel und den Plantagen auf den westafrikanischen Inseln gedacht waren, für den transatlantischen Markt geöffnet.[24]

This letter developement marked a major shift in sources for African slaves for America. The acculturated and Christianized blacks from the Iberian Peninsula had been the first Africans forced to cross theAtlantic. Now it was non-Christian and non-Romance language speakers taken directly from Africa, […], who made up the overhelming majority of slaves comming to America.[25]

Auf der Seite der afrikanischen Herrscher war der „Staat“ mit von der Partie, wenn es sich um den Verkauf von Sklaven handelte. So musste der Kapitän, der für den Kauf der Sklaven verantwortlich war[26], nicht nur für den Hafen, in dem er anlegte, sonder auch für Dolmetscher und Beamte Abgaben an den afrikanischen „Staat“ entrichten; auch musste er Ausfuhrzölle für die eingekaufte „Ware“ entrichten, sowie eine gewisse Zahl von Sklaven zuerst von staatlichen Sklavenhändlern selber kaufen, bevor er weitere Sklaven von privaten Händlern kaufen konnte.[27]

[...]


[1] Bevor die Portugiesen und die Spanier sich in Afrika etablierten, waren es die islamischen Reiche, die großen Einfluss auf den Sklavenhandel hatten.

[2] vgl. Solow, Introduction, 1.

[3] vgl. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 23.

[4] ebd.

[5] vgl. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 24.

[6] Wagadu und den Mali- und Sonhay-Reichen.

[7] vgl. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 24.

[8] ebd.

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] s. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 25.

[12] vgl. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 25-26.

[13] Die Einzugsregionen der afrikanischen Sklavenhändler waren vor allem der östliche Teil des Tschad-Sees und die Sahararegion.

[14] s. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 26.

[15] vgl. Klein, Atlantic Slave Trade, 9.

[16] Vgl. Klein, Atlantic Slave Trade, 11.

[17] vgl. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 51.

[18] vgl. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 52.

[19] s. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 51.

[20] s. John Hawkins, 71.

[21] s. John Hawkins, 71-72.

[22] s. Meissner/Mücke/Weber, Schwarzes Amerika, 52.

[23] s. Klein, Atlantic Slave Trade, 10.

[24] vgl. Klein, Atlantic Slave Trade, 10-11.

[25] s. Klein, Atlantic Slave Trade, 11.

[26] vgl. Mückner/Meissner/Weber, Schwarzes Amerika, 63.

[27] Vgl. Mückner/Meissner/Weber, Schwarzes Amerika, 62.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sklaverei im atlantischen Raum der Frühen Neuzeit. Zu den Auswirkungen afrikanischer Sklaven auf die Wirtschaft der amerikanischen Kolonien und Europa
Hochschule
Universität Bayreuth
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V321605
ISBN (eBook)
9783668209893
ISBN (Buch)
9783668209909
Dateigröße
851 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sklaverei, raum, frühen, neuzeit, auswirkungen, sklaven, wirtschaft, kolonien, europa
Arbeit zitieren
Alexander Hinz (Autor), 2009, Sklaverei im atlantischen Raum der Frühen Neuzeit. Zu den Auswirkungen afrikanischer Sklaven auf die Wirtschaft der amerikanischen Kolonien und Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321605

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