"Das Gleichnis vom Hochzeitsfest" oder "Das hochzeitliche Kleid". Eine Exegese zu Mt 22,1-14


Quellenexegese, 2016

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textsicherung
2.1 Wirkungsgeschichtliche Reflexion
2.2 Abgrenzung der Perikope
2.3 Übersetzungsvergleich

3. Sprachlich-sachliche Analyse
3.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen
3.2 Textlinguistische Fragestellungen

4. Die Aussageabsicht des Autors
4.1 Formkritik
4.2 Textpragmatische Analyse

5. Kontextuelle Analyse
5.1 Traditionsgeschichte
5.2 Synoptischer Vergleich

6. Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts
6.1 Kompositionskritische Analyse
6.2 Redaktionskritik

7. Ergebnis

Literaturverzeichnis

A. Anhang
A.1 Tabellarische Übersicht des Übersetzungsvergleichs
A. 2 Tabellarische Übersicht des synoptischen Vergleichs

1. Einleitung

Die folgende Exegese bezieht sich auf die Textstelle ‚Das Gleichnis vom Hochzeitsfest’ oder auch ‚Das hochzeitliche Kleid’ aus Matthäus 22,1-14. Sie wird im Rahmen des universitären Seminars ‚Literaturwerke der Bibel und ihre Exegese’ verfasst, dabei soll die Textstelle anhand einiger historisch-kritischer Methoden untersucht werden. Mir persönlich ist dieser Bibelabschnitt vor einiger Zeit beim Bibellesen aufgefallen, als ich mich mit den Himmel- und Höllenbildern, die die Bibel zeichnet, befassen wollte. Ich habe allerdings daraufhin nie eine Predigt oder eine andere Vertiefung über genau dieses Gleichnis gehört, sodass mir demgegenüber viele Fragen offengeblieben sind, die ich im Laufe dieser exegetischen Arbeit bearbeiten möchte. Im Vordergrund steht für mich die Frage über wen genau Jesus in diesem Gleichnis spricht und was den Kern der dahinterstehenden Botschaft darstellt, die Jesus auch zusammenfassend im letzten Vers formuliert.

Die Bibel stellt für mich eine Ansammlung an authentischen Schriften dar, die von Erlebnissen berichten, die Menschen mit Gott erlebt haben. Es ist dabei wichtig die Schriften in ihrem historischen Kontext zu betrachten und gleichzeitig die aktuelle Relevanz herauszustellen. Ich denke nicht, dass die Bibel mit der Zeit an Wahrhaftigkeit oder Gültigkeit verloren hat, vielmehr vertraue ich darauf, dass Gott besonders durch die Bibel, als lebendiges Buch, in allen Zeiten an den Menschen wirken will. Es können Erklärungsversuche geliefert werden, aber alleine die unterschiedlichen Interpretationen in unterschiedlichen Epochen sind kennzeichnend dafür, wie vielschichtig die biblischen Texte sind und wie sehr ihre Interpretation von dem Interpreten abhängig ist. Diese Art des Bibelverständnisses lege ich der folgenden Ausarbeitung zugrunde.

2. Textsicherung

2.1 Wirkungsgeschichtliche Reflexion

Das Gleichnis vom Hochzeitsfest wurde in den einzelnen Epochen unterschiedlich ausgelegt und hatte somit auch verschiedene Wirkungen auf bestimmte Bereiche. Eine der zentralen Fragen und die daraus resultierenden Deutungsversuche bezogen sich auf die Frage, was das Hochzeitsgewandt darstellt, durch dessen Nichtvorhandensein einer der Gäste ausgeschlossen wird:

Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein. (Mt 22,11-13)[1]

Zur Zeit der Alten Kirche und im Mittelalter war kein eschatologischer Bezug der Parabel vorhanden. Die beschriebene Hochzeit wurde meist entweder als Inkarnation des Logos in Jesus oder als Verbindung Christi mit der Kirche gesehen, während ‚das Himmelreich’ (Mt 22,2) folglich in der Gerechtigkeit der Kirche als vollendet betrachtet wurde. Dem angeschlossen beschrieb auch der Kirchenvater Origenes (t254 n.Chr.), dass die Hochzeit die Darstellung der Heilsgeschichte und damit die Gemeinschaft des Logos mit der menschlichen Seele sei. Das ‚hochzeitliche Gewandt’ (Mt 22,12) wurde zu dieser Zeit meist in guten Werken gesehen oder auch, nach Augustin (t430 n.Chr.), in der Liebe. Diskutiert wurden außerdem, ob damit die Taufe, der Empfang des Heiligen Geistes oder die Einheit in Christus gemeint sein könnten. Zur Zeit der Reformation wurde dies hingegen auf alles bezogen, was nicht zur Ehre Gottes geschah, dabei wurden einzelne Aspekte allegorisch gedeutet, zum Beispiel ‚die Heere’ (Mt 22,7) als Engel. Das ‚hochzeitliche Gewand’ wurde auf den Glauben übertragen, durch den, laut Zwingli (t531 n.Chr.), dann Liebe und gute Werke folgen würden. Im 18. Jahrhundert wurde bekannt, dass es bei Feierlichkeiten im Orient durchaus üblich war Gewänder und Kleider an die Gäste zu verschenken. Diese Annahme beeinflusst bis heute die protestantischen Auslegungen des Textes, ist exegetisch allerdings nicht haltbar.[2]

2.2 Abgrenzung der Perikope

Die Perikope Matthäus 22,1-14 bildet zwar auf den ersten Blick eine Einheit, die durch die Einleitung (Mt 22,1) und das Schlusswort (Mt 22,14) markiert ist, schließt sich allerdings ebenso nahtlos an die beiden vorherigen Gleichnisse, ‚Von den ungleichen Söhnen’ (Mt 21,28-32) und ‚Von den bösen Weingärtnern’ (Mt 21,32-46), an. Die drei Gleichnisse, die zusammen die Gleichnisse vom Himmelreich bilden, werden von Jesus in Mt 21,28 eingeleitet. Ein Orts- und Personenwechsel ist allerdings bereits schon vorher zu finden, als Jesus im Tempel lehrt und die Hohenpriester und Ältesten ihn fragen, woher er das Recht nimmt mit solcher Vollmacht aufzutreten (Mt 21,23). Dieser Wechsel lässt auf den Anfang der Gesamtperikope schließen. Mt 22,1 bildet die Verbindung zum letzten Vers der vorangehenden Parabel. Der Abschluss wird in Mt 22,14 durch die Worte „Denn viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt“ deutlich. In einigen Übersetzungen wird ebenfalls ergänz „schloss Jesus“[3]. In Mt 22,15 heißt es dann bereits: „Da gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn in seinen Worten fangen könnten“. Hier findet also ein Personen- und Ortswechsel statt. Zusätzlich ist das Bewegungsverb „gingen“ zu finden, wodurch ebenfalls die neue Perikope markiert wird.

2.3 Übersetzungsvergleich

Bei dem Vergleich der vorliegenden deutschen Übersetzungen weisen diese bei dem Bericht des Gleichnisses nur in einigen Versen bedeutsame Unterschiede auf.[4] Diese sollen im Folgenden anhand von drei Übersetzungen exemplarisch hinsichtlich ihrer Unterschiedlichkeit betrachtet und differenziert werden. In Vers zwei wird im Theologischen Kommentar zum Neuen Testament (ThK) das ‚Himmelreich’ mit dem ‚Hochzeitsmahl’ verglichen, während die revidierte Elberfelder und die Übersetzung nach Luther allgemein von einer ‚Hochzeit’ sprechen. Das ThK verwendet hierbei eine präzisere Umstandsbeschreibung, da es sich in dem Gleichnis um das Hochzeitsmahl, nicht um die Hochzeit an sich handelt. Das griechische Wort ‚γάμους’[5] kann dabei zu beiden Übersetzungen führen. In Vers fünf weicht die Übersetzung nach Luther ab, als es heißt „aber sie verachteten das“ anstatt „kümmerten sich nicht darum“, wie in den anderen Übersetzungen. Die Übersetzung weist dabei eine etwas größere Interpretation in der Formulierung auf, denn etwas zu verachten ist eine extremere Art der Ablehnung, als sich um etwas nicht zu kümmern. Ebenso formuliert Luther in Vers acht: „aber die Gäste waren’s nicht wert“, anstelle von „nicht würdig“ in den anderen beiden Übersetzungen. Laut dem Duden ist die Würde der innere Wert des Menschen, während der Wert eine begehrenswerte Qualität, als etwas Greifbares und Messbares, beschreibt. Interessant ist, dass gerade Luther, der sich stark gegen den Zuspruch von Gerechtigkeit durch gute Werke aussprach, hier das Adjektiv ‚wert’ verwendet. In Vers 9 übersetz Luther „hinaus auf die Straßen“, während die beiden anderen Übersetzungen ‚Straßenmündungen’ oder ‚Kreuzwege der Stadtgrenzen’ schreiben. Im griechischen Text steht das Wort ‚ διεξόδους’, das Kreuzwege, also die Schnittpunkte der Landstraße mit der Stadt, bedeutet. Es ist also auch hier deutlich zu erkennen, dass Luthers Übersetzung vor allem das Verständnis des biblischen Texte zum Ziel hat. Aufgrund dessen gibt es Abweichungen vom Urtext, die zu einem besseren Verständnis beitragen sollen, während die revidierte Elberfelder und der Text aus dem ThK sich enger an den Urtext halten. Im folgenden wird die Übersetzung nach Luther bei Zitaten genutzt, da sie mir persönlich am vertrautesten ist und es keine inhaltlich relevanten Abweichungen von den näher am Urtext orientierten Übersetzungen gibt.

3. Sprachlich-sachliche Analyse

3.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen

In Vers eins heißt es „Jesus [...] redete [...] zu ihnen [...]“. Hierbei ist die Betrachtung des Gesamtzusammenhangs wichtig, um zu verstehen, zu wem Jesus hier spricht. In Mt 21,23 wird Jesus von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes im Tempel in Jerusalem angesprochen, worauf die drei Gleichnisse vom Himmelreich folgen, die Jesus ihnen anschließend erzählt. Um das Gleichnis besser verstehen zu können, ist es bedeutsam im Folgenden die Adressaten, also die Hohenpriester und Ältesten, zu definieren. Das Amt der Hohenpriester war das oberste Amt an den jüdischen Heiligtümern und in Jerusalem. Zur Zeit des Neuen Testaments bezeichnete dieser Titel die führende Gruppe des Hohen Rates. Sie stammten in der Regel aus vornehmen priesterlichen Familien, aus denen sie in den Rat gewählt wurden und gehörten der jüdischen Religionspartei der Sadduzäern an. Diese sind klar von den, oftmals im neuen Testament erwähnten, Pharisäern zu differenzieren. Die Partei der Pharisäer setzte sich insbesondere für die Einhaltung aller schriftlich und mündlich überlieferten jüdischen Riten und Regeln ein, um die Vorbedingungen des Kommens des erwarteten Messias zu erfüllen, während die Sadduzäer alle Lehre ablehnten, die über die fünf Bücher Mose hinausging. Interessant ist, dass in Mt 21,45 und Mt 22,15 zusätzlich die Pharisäer erwähnt werden, die zu Beginn der Begebenheit noch nicht explizit auftauchen. Es ist also anzunehmen, dass sie ebenfalls Adressaten der Gleichnisse waren, oder sich unter den erwähnten Ältesten des Volkes befanden. Die Ältesten waren die Stammesältesten und Weisen, die ebenfalls meist aus den mächtigsten Familien stammten. Sie bildeten zusammen mit Sadduzäern und Schriftgelehrten den Hohen Rat, der als oberste Behörde des jüdischen Volkes galt.[6] Beide Gruppierungen zweifelten die Autorität Jesu als Sohn Gottes an und wollten nicht, dass er seine Lehre verbreitete. Dadurch kam es oft zu Streitgesprächen, die viele der strenggläubigen Juden verärgerte. Ebenfalls in Vers eins heißt es, dass „Jesus [...] in Gleichnissen [...] sprach“. Ein Gleichnis bezeichnet im Allgemeinen bildliche Rede. Jesus verwendet dabei meist Bilder des alltäglichen Lebens, die an die Zuhörer appellieren und zum weiter- und mitdenken anregen sollen. Gleichnisse sind von Allegorien und Parabeln zu unterscheiden. Während Allegorien etwas Uneigentliches ausdrücken und nur durch eine Schlüsselgeschichte oder ähnliches zu verstehen sind, handelt es sich bei Parabeln um die Beschreibung eines ungewöhnlichen Vorfalls mit einer überraschenden Wendung und nicht um Alltägliches, wie bei Gleichnissen im engeren Sinn. In der Bibel ist allerdings im griechischen immer nur von Gleichnissen die Rede, es wird also keine Unterscheidung gemacht. Der Evangelisch Katholische Kommentar (EKK) bezeichnet das Gleichnis in Mt 22,1-14 als Parabel mit allegorischen Anteilen.6,[7]

In Mt 22,2 gebraucht Jesus den Begriff ‚Himmelreich’. Dieser Begriff wird nur von Matthäus verwendet und ist, wie sich später zeigen wird, auf seine jüdische Herkunft zurückzuführen. Die Bezeichnung meint „die Königsherrschaft oder das Reich Gottes, das mit Jesu Kommen angebrochen ist. [...] Beide Bezeichnungen meinen [auch] das ewige Königreich, welches Gott errichten [...] wird und das geistlich schon [...] auf Erden existiert [...]“[8]. Der Begriff des Himmelreiches hat also aktuelle als auch eschatologische Bezüge.

3.2 Textlinguistische Fragestellungen

Zu Beginn des Matthäustextes lässt der König, der für seinen Sohn eine Hochzeit ausrichtet, die Gäste holen, als alles bereit ist. Die Basisopposition besteht im Text vor allem in den Ablehnungen der Einladungen, bis am Ende schließlich alle Tische im Hochzeitssaal voll sind (V.10). Dies wird auch durch Bewegungsverben deutlich, die durch die vierfache Sendung der Knechte auftreten: „sandte [….] aus“ (Mt 22,3), „gingen weg“ (Mt 22,5), „schickte aus“ (Mt 22,7). Insgesamt dreimal werden die Knechte ausgesandt um Gäste einzuladen, ein Mal die Heere, um die Mörder zu vernichten. Die ersten zwei Aussendungen enden jeweils mit einer Ablehnung im kollektiven Sinn, die letzte beinhaltet hingegen die Ablehnung eines einzelnen. Die letzte Ablehnung wird durch das Gegensatzpaar ‚sprach’ und ‚verstummte’ (V. 12) markiert. Der Gast ohne Hochzeitsgewandt verstummt, als der König ihn anspricht. Ebenso wird dies deutlich bei „ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet“ (V. 8) gegenüber dem Befehl des Königs „werft ihn [...] hinaus!“ (V. 13). Diese Reaktion des Königs scheint in zweifacher Sicht unpassend, denn zum einen sollen die Knechte einladen, wen sie finden, es liegt also keine Differenzierung vor, und dennoch differenziert der König anschließend die Gäste an ihren Gewändern. Außerdem werden die neuen Gäste kaum Zeit gehabt haben, sich angemessen auf die Hochzeit vorzubereiten, abgesehen davon, dass sie von der Straße stammten und deswegen sicherlich zu den Ärmeren gehörten. Durch die drei genannten Ablehnungen weist die Parabel zwei markante Höhepunkte auf, auf die jeweils eine Peripetie folgen. Zu Beginn folgen zwei Ablehnungen der Gäste auf die Einladung der Knechte, wobei die zweite sogar in der Ermordung der Knecht mündet. Der Höhepunkt findet sich hier, als der König sich an dem Mord seiner Knechte recht, indem er die Mörder umbringen und ihre Stadt anzünden lässt (V. 7). Der erst Höhepunkt ist gefolgt von einem Umschwung (V. 9), der in der Einladung neuer Gäste besteht. Die zweite Einladung ist im Gegensatz zur ersten erfolgreich und es scheint das Ende der Parabel zu sein, als das Ziel, nämlich Tische zu füllen (V. 10), erreicht wird. Hier findet allerdings ein zweiter Umschwung in den Versen 11-13 statt. In Vers 13 befindet sich schließlich der zweite Höhepunkt, als einer der Gäste hinausgeworfen wird, weil er kein hochzeitliches Gewandt trägt. Die beiden Höhepunkte des Gleichnisses enden also jeweils in einer unerwarteten Katastrophe. Formal werden die Höhepunkte und Umschwünge durch das Auftreten von bestimmten Adverbien und Konjunktionen gekennzeichnete: ‚da’ (V. 7, 11, 13), sowie ‚dann’ (V. 8) und ‚darum’ (V.9). Das Auftreten dieser Adverbien und Konjunktionen wird in einem der folgenden Abschnitte dieses Kapitels zusätzlich vertieft.

Da die Handlungen des Königs in dem vorliegenden Gleichnis durch direkte Rede ausgedrückt werden, leitet das Verb ‚sprach’ meist neue Handlungsprozesse ein. Diese werden dann durch Verben der Bewegung ausgeführt. Das Geschehen wird also durch Bewegungsverben wie ‚aussenden’ (V. 3,4), ‚schicken’ (V. 7), ‚kommen’ (V. 4) und ‚hereinkommen’ (V. 12), ‚weggehen’ (V. 5) und ‚hinausgehen’ (V.9) vorangetrieben und bestimmt. Ein weiteres Begriffsfeld bilden die Begriffe um das Wort ‚Hochzeit’ von der das Gleichnis handelt und das schon in den Überschriften der meisten Übersetzungen zu finden ist. Dazu zählen beispielsweise die ‚Gäste’ (z.B. V. 3, 8), das ‚hochzeitliche Gewand’ (V. 11, 12) und die ‚Mahlzeit’ (V. 4). Zusätzlich gehören einige Begriffe dem Begriff ‚König’ (V. 2ff) zugeordnet. Zum Beispiel der ‚Sohn’ (V. 2), die ‚Knechte’ (V. 3ff), und ‚Diener’ (V. 13), sowie das ‚Heer’ (V. 7). Aus den vielen Begriffen, die dem Bildfeld des Königs zugehörig sind, wird deutlich, dass der König als Befehlsgebender die bedeutungstragende Rolle hat. Dies zeigt sich ebenfalls in der Tatsache, dass die Figur des Königs die einzige ist, bei der direkte Rede zu finden ist. Durch die direkte Rede veranlasst er das Handeln der Knechte und Diener, denen folglich eine nebengeordnete Rolle innewohnt. Sie sind lediglich diejenigen, die die Befehle ausführen und umsetzen. In Vers fünf und sechs sind die zuerst eingeladenen Gäste die Handlungsträger: „Aber sie verachteten das und gingen weg […]. Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie“. Die Akteure unterliegen dabei in ihrem Auftreten einer festen Reihenfolge: der König befiehlt etwas, die Knechte führen es aus und die Gäste reagieren darauf, woraufhin der König wieder etwas befiehlt. Dies wiederholt sich zwei Mal bei den Einladungen der ersten Gäste, bis schließlich der bereits erwähnte Umschwung in Vers acht stattfindet, bei dem der König die Knechte losschickt um andere Gäste einzuladen. Fast am Ende der Parabel setzt Vers 11 mit einer neuen passiven Nebenfigur ein, dem Gast ohne Hochzeitsgewandt. Auffällig ist, dass „keine Nebenfigur [...] durch die ganze Geschichte hindurch eine Rolle spielt“[9]. Die Handlung und das Auftreten der Personen lassen ein klares Hirachiegefälle erkennen, dessen Spitze der König als bestimmende Kraft bildet. Um so deutlicher zeigt sich die Parabel als Konstrukt, denn die Einladung eines Königs abzulehnen, ja gar seine Knechte zu töten, würde wohl niemandem ernsthaft in den Sinn kommen. Aufgrund dessen kann der vorliegenden Matthäustext wie bereits erwähnt auf keinen Fall als Gleichnis im engeren Sinn verstanden werden. Quantitativ lässt sich also festhalten, dass der König in jeglichem Sinne die im Mittelpunkt stehende Person ist. Wie bereits erwähnt spielen Bewegungsverben, neben der direkten Rede, die entscheidende Rolle in der Parabel. Es handelt sich um ein fortschreitendes Ereignis, dass durch die Vielschichtigkeit allegorisch zu betrachten ist.

[...]


[1] Bibelstellen werden grundsätzlich nach der Lutherbibel (1984) zitiert.

[2] vgl. Lutz (1997): EKK, S.246-249.

[3] Zum Beispiel die ‚Gute Nachricht Bibel’.

[4] vgl. Anhang A.1.

[5] vgl. Elberfelder Studienbibel, mit Sprachschlüssel und Konkordanz (2015): S. 1901.

[6] vgl. Stuttgarter Erklärungsbibel, Lutherbibel mit Erklärungen (2007): S. 1866, 1899, 1917, 1890.

[7] vgl. Lutz (1997): EKK, S.231.

[8] Elberfelder Studienbibel, mit Sprachschlüssel und Konkordanz (2015): S. 1558.

[9] Lutz (1997): EKK, S. 231.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
"Das Gleichnis vom Hochzeitsfest" oder "Das hochzeitliche Kleid". Eine Exegese zu Mt 22,1-14
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Literaturwerke der Bibel und ihre Exegese
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V321610
ISBN (eBook)
9783668210257
ISBN (Buch)
9783668210264
Dateigröße
1026 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gleichnis, hochzeitsfest, kleid, eine, exegese
Arbeit zitieren
Malina Fagin (Autor), 2016, "Das Gleichnis vom Hochzeitsfest" oder "Das hochzeitliche Kleid". Eine Exegese zu Mt 22,1-14, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321610

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