Die hier vorliegende Arbeit zielt darauf, die lernwirksamen Einsatzmöglichkeiten des Computers in den Sekundarstufen zu konkretisieren, um der in internationalen Studien konstatierten Benachteiligung des Computers entgegenzuwirken. Dabei möchte ich der Frage nachgehen, welches fachdidaktische Potential dem Computer als unterrichtliches Medium innewohnt, sowohl als Lernmedium für den Schreibprozess als auch als Lerngegenstand zur Ausbildung der Medienkompetenz.
Der Computer ist für einen Großteil der Schüler*innen ein alltägliches Medium, mit dem sie täglich spielen, surfen, chatten und arbeiten. Während diese Benutzung vorrangig im privaten Umfeld stattfindet, wird der Computer in der Schule bloß sehr zurückhaltend als produktives Werkzeug verwendet. Diese sehr skeptische Betrachtung der technischen Möglichkeiten seitens der Lehrer*innen führt zu einem „diametrale[n] Widerspruch zu den Mediengewohnheiten der Schüler(innen)“ (Frederking, Krommer und Maiwald 2012, 229). In zahlreichen Statistiken wird diese Aversivität deutscher Schulen in der Nutzung aktueller Technik seit einigen Jahren häufig angemerkt. So kommen laut aktueller Studienergebnisse in Deutschland auf 11,5 Schüler*innen nur ein Computer. Deutschland belegt im internationalen Vergleich der Häufigkeit der Computernutzung durch Lehrpersonen im Unterricht den letzten Platz, da in keinem anderen der teilnehmenden Länder der Computer so selten wie in Deutschland verwendet wird. Hierin wird die enorme Lücke zwischen der privaten und schulischen Nutzung von Computern deutlich.
Betrachtet man die didaktischen Möglichkeiten des Computers für den Unterricht, wirkt die Skepsis der Schulen vor diesem Medium unbegründet. Der Computer vereint als Symmedium mit Text, Bild, Ton und Film sämtliche mediale Optionen und birgt so als Lernmedium ein enormes Potential, um Schreib- und Lernprozesse der Schüler*innen zu fördern. Außerdem kann der Computer im Unterricht als Lerngegenstand thematisiert werden, um so, gerade im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung des Web 2.0, im Sinne der Medienkompetenz medienbezogene Kritikfähigkeit sowie Medialitätsbewusstsein der Schüler*innen zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Definitorische Näherung des Mediums Computer
1.1 Technischer Medienbegriff
1.2 Computer als Symmedium
2 Forschungsstand zum Einsatz von Computern im Unterricht
3 Potential des computergestützten Deutschunterrichts
3.1 Funktionen und Leitsätze für den computerunterstützenden Unterricht
3.2 Lerngegenstand: Medienkompetenz
3.2.1 Fachdidaktische und sachanalytische Grundlegung
3.2.2 Umsetzungsvorschlag für die Praxis
3.3 Lernmedium: Schreibprozess
3.3.1 Fachdidaktische und sachanalytische Grundlegung
3.3.2 Umsetzungsvorschlag für die Praxis
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das fachdidaktische Potenzial des Computers als unterrichtliches Medium, indem sie analysiert, inwiefern dieser sowohl als Lernmedium für den Schreibprozess als auch als Lerngegenstand zur Ausbildung von Medienkompetenz in der Sekundarstufe eingesetzt werden kann.
- Empirischer Forschungsstand zur Computernutzung im Unterricht
- Entwicklung von Medienkompetenz im Zeitalter des Web 2.0
- Der Computer als Werkzeug zur Förderung des Schreibprozesses
- Didaktische Konzepte für den Umgang mit sozialen Netzwerken
- Synästhetische Handlungsmöglichkeiten durch Computernutzung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Fachdidaktische und sachanalytische Grundlegung
Nachdem nun die theoretische Grundlage des computergestützten Deutschunterrichts beleuchtet wurde, sollen nun zwei praxisnähere konkrete Kompetenzen fokussiert werden, die vom Computereinsatz profitieren. Zunächst widmen wir uns der Medienkompetenz. Die Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss führen unter anderem den Standard „Lesen – Umgang mit Texten und Medien“ (KMK 2004, 8) auf, in dessen Untertitel bereits der Umgang mit neuen Medien impliziert wird. Bezüglich dieses Umgang heißt es in den Bildungsstandards: „[Die Schüler*innen] [...] nutzen die verschiedenen Medien, um Informationen zu gewinnen und kritisch zu beurteilen“ (ebd., 9). Dieser Standard beinhaltet demnach zwei Kompetenzen. Zum einen geht es bei der Verwendung auch neuer Medien um Informationsgewinnung sowie der kritischen Betrachtung der Medien unter ausgewählten analytischen Gesichtspunkten. Ein Substandard von Lesen – Umgang mit Texten und Medien ist „Medien verstehen und nutzen“ (ebd., 15), bei dem die Schüler*innen unter anderem „Intentionen und Wirkungen [medienspezifischer Formen] erkennen und bewerten[, ...] zwischen eigentlicher Wirklichkeit und virtuellen Welten unterscheiden [und] Informationen zu einem Thema/Problem in unterschiedlichen Medien suchen, vergleichen, auswählen und bewerten (Suchstrategien)“ (ebd., 15).
Dieser Substandard beinhaltet also zahlreiche Möglichkeiten, die zwar einige Aspekte der Computernutzung ansprechen, um sein Potential im Deutschunterricht auszuschöpfen und fruchtbar zu machen, jedoch aktuelle Aspekte der Mediennutzung und -kompetenz außer Acht lassen. Ein großes Versäumnis der Bildungsstandards in Bezug auf Medienkompetenz fällt auf, wenn man sich die aktuelle Problematik der Internetnutzung von Jugendlichen betrachtet. Die mediale Revolution des Web 2.0, mit der sich das Internet von einem Informationsanbieter auch zu einem interaktiven und kollaborativen globalen sozialen Netzwerk entwickelt hat, greifen die 2004 veröffentlichten Bildungsstandards aufgrund ihres Alters noch nicht auf und verspielen damit ein bedeutsames medienkompetentes Potential. Zwar lässt sich aus Teilkompetenzen wie der Unterscheidung zwischen eigentlicher Wirklichkeit und virtuellen Welten auch die Fähigkeit interpretieren, die „Metaphorik sozialer Netzwerke, in denen von Freunden, Fotoalben und Pinnwänden die Rede“ (Frederking, Schmitt und Krommer 2014, 209) ist, zu erkennen, explizit wird jedoch nicht auf die Fähigkeit hingewiesen, den Schüler*innen einen medienkompetenten Umgang mit sozialen Netzwerken näherzubringen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und kontrastiert die alltägliche Mediennutzung der Schüler*innen mit der zögerlichen Haltung gegenüber Computern im schulischen Alltag.
1 Definitorische Näherung des Mediums Computer: Hier wird der Computer als technisches Medium definiert und als Symmedium eingeordnet, das verschiedene mediale Kategorien wie Text, Bild und Ton vereint.
2 Forschungsstand zum Einsatz von Computern im Unterricht: Dieses Kapitel stellt empirische Forschungsergebnisse vor, die den positiven Einfluss von Computern auf die Eigenaktivität, Kollaboration und Motivation der Lernenden belegen.
3 Potential des computergestützten Deutschunterrichts: Das Hauptkapitel analysiert Funktionen des Computers als Lernmedium sowie als Lerngegenstand, mit Fokus auf Medienkompetenz und Schreibförderung.
3.1 Funktionen und Leitsätze für den computerunterstützenden Unterricht: Hier werden grundlegende didaktische Funktionen wie Lern-, Schreib-, Informations- und Kommunikationsmedium sowie klassische Leitsätze für den Unterrichtseinsatz diskutiert.
3.2 Lerngegenstand: Medienkompetenz: Dieses Kapitel untersucht die Förderung von Medienkompetenz, insbesondere im Kontext von sozialen Netzwerken und Web 2.0.
3.2.1 Fachdidaktische und sachanalytische Grundlegung: Hier erfolgt eine theoretische Einbettung der Medienkompetenz in Bildungsstandards und fachspezifische Teildimensionen.
3.2.2 Umsetzungsvorschlag für die Praxis: Dieser Abschnitt skizziert eine Unterrichtssequenz zur kritischen Auseinandersetzung mit Identitätsdarstellungen in sozialen Netzwerken.
3.3 Lernmedium: Schreibprozess: Hier wird das Potenzial des Computers zur Unterstützung des Schreibens als Problemlöseprozess unter theoretischer Bezugnahme auf Schreibmodelle beleuchtet.
3.3.1 Fachdidaktische und sachanalytische Grundlegung: Dieser Teil betrachtet den Schreibprozess als komplexen Vorgang und ordnet die Rolle des Computers innerhalb dieses Prozesses ein.
3.3.2 Umsetzungsvorschlag für die Praxis: Dieser Abschnitt zeigt Möglichkeiten auf, den Computer als Schreibwerkzeug in den Deutschunterricht zu integrieren, ohne den Schreibprozess auf eine bloße Technikübung zu reduzieren.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer kompetenten Integration des Computers in den Deutschunterricht des 21. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Computer, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Symmedium, Schreibprozess, Web 2.0, Soziale Netzwerke, Didaktik, Medienpädagogik, Schüleraktivität, Lernmedium, Lerngegenstand, Textproduktion, Medienkritik, Kollaboration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Potenzial des Computers als Lernmedium und Lerngegenstand im Deutschunterricht der Sekundarstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Medienkompetenz, die Förderung von Schreibprozessen und der Einsatz neuer Medien in der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den fachdidaktischen Nutzen des Computers darzulegen und Wege für eine pädagogisch sinnvolle Integration in den Unterricht aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller fachdidaktischer Forschungsergebnisse und didaktischer Konzepte für den Deutschunterricht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Funktionen des Computers, definiert Medienkompetenz im Kontext sozialer Netzwerke und beleuchtet den Computer als Werkzeug zur Schreibförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Symmedium, Medienkompetenz, Schreibprozess, Computerdidaktik und kritische Mediennutzung.
Warum wird der Computer als "Symmedium" bezeichnet?
Der Begriff beschreibt die Fähigkeit des Computers, verschiedene mediale Optionen wie Text, Bild, Ton und Film in einem Gerät zu integrieren.
Wie kann der Computer zur Schreibförderung beitragen?
Durch seine Flexibilität entlastet der Computer den Schreibprozess und ermöglicht eine bessere Verzahnung von Planungs-, Formulierungs- und Überarbeitungsphasen.
Was bemängelt der Autor an den existierenden Bildungsstandards?
Die Standards von 2004 greifen die aktuellen Anforderungen an die Medienkompetenz im Zeitalter von Web 2.0 und sozialen Netzwerken nur unzureichend auf.
Welchen Stellenwert nimmt die Schüler-Lehrer-Interaktion ein?
Der Autor betont, dass Lehrpersonen den Computer nicht wertend oder rein technisch einsetzen sollten, sondern als kooperatives Werkzeug in einem modernen Unterricht.
- Citar trabajo
- Lukas Baumanns (Autor), 2016, Einsatzmöglichkeiten des Computers im Deutschunterricht. Zum Potential eines Symmediums als Lerngegenstand und Lernmedium, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321622