In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob die in den 14 Lehrplänen der Bundesländer und zwei ausgewählten Schulbüchern aufgeführten Inhalte zur Sexualerziehung den aktuellen Anforderungen und Notwendigkeiten entsprechen. Es wird geschaut, ob wichtige Inhalte und Ziele innerhalb der Lehrpläne und Schulbücher thematisiert werden, so dass sie anhand der Schulbücher bearbeitet und möglicherweise sogar erreicht werden können.
Auf allgemeine Informationen und Begriffserklärungen zu Beginn der Arbeit folgen Argumente und Thesen, die die Bedeutung von Sexualerziehung in den ersten Schuljahren darlegen. Innerhalb der Fachliteratur formulierte Ziele und wichtige Inhalte für die Sexualerziehung bilden zusammen mit gesammelten Wünschen und Fragen von Grundschulkindern zur Thematik einen Kriterienkatalog. Mit diesem werden dann die 14 aktuellen Grundschullehrpläne in der Bundesrepublik Deutschland untersucht und es wird aufgezeigt, welche Inhalte innerhalb eines bestimmten Lehrplans auftauchen und welche nicht.
Auf die Lehrplananalyse folgt dann die Schulbuchanalyse, wobei die Auswahl der Schulbücher sich aus der Lehrplananalyse ergibt. Zwei Schulbücher für die dritte und vierte Klasse werden dahingehend untersucht, ob sie die im Kriterienkatalog gesammelten Themengebiete beinhalten, also ob sie den aktuellen Anforderungen, Wünschen und Interessen entsprechen. Ebenso werden Differenzen und Übereinstimmungen zwischen Büchern und Lehrplänen im Bezug auf vorkommende Themengebiete aufgezeigt. Die Schulbuchanalyse, der Hauptaspekt dieser Arbeit, ist in relativ weit hinten verortet, da sie der Lehrplananalyse zugrunde liegt. Abschließend folgt ein vergleichendes und zusammenfassendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schulische Sexualerziehung
2.1 Begründungen für Sexualerziehung in der Grundschule
2.2 Allgemeine Ziele der Sexualerziehung
2.3 Wissen, Wünsche und Fragen von Grundschulkindern zur Sexualität
3. Analyse der Lehrpläne der 16 Bundesländer
3.1 Baden-Württemberg
3.2 Bayern
3.3 Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern
3.4 Bremen
3.5 Hamburg
3.6 Hessen
3.7 Nordrhein-Westfalen
3.8 Niedersachsen
3.9 Saarland
3.10 Sachsen
3.11 Sachsen-Anhalt
3.12 Schleswig-Holstein
3.13 Thüringen
3.14 Rheinland-Pfalz
3.15 Zusammenfassung der einzelnen Lehrplananalysen
4. Analyse von zwei Schulbüchern
4.1 Arbeitsbuch Pusteblume 3/4
4.2 Mobile Sachunterricht 3/4
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die aktuellen Lehrpläne der 14 Bundesländer sowie zwei ausgewählte Sachunterrichtsbücher für die Grundschule den heutigen Anforderungen an eine zeitgemäße Sexualerziehung gerecht werden. Das Ziel ist es, Diskrepanzen zwischen fachwissenschaftlichen Forderungen, kindlichen Bedürfnissen und der offiziellen curricular-schulischen Umsetzung aufzuzeigen.
- Bedeutung der Sexualerziehung als Bestandteil der Gesamterziehung und Sozialisation
- Analyse der curricularen Vorgaben zur Sexualerziehung in verschiedenen Bundesländern
- Evaluation von Sachunterrichtsbüchern hinsichtlich ihrer Eignung für eine fundierte Sexualaufklärung
- Integration von kindlichen Fragen, Wünschen und Vorkenntnissen in den Unterrichtsprozess
- Rolle der Lehrkraft bei der Gestaltung eines offenen und sensiblen Lernraums
Auszug aus dem Buch
2.1 Begründungen für Sexualerziehung in der Grundschule
Nachdem der Begriff „Sexualerziehung“ geklärt wurde, soll nun der Frage nachgegangen werden, wieso diese überhaupt schon als Aufgabe der Grundschule gelten kann.
Schon früh nach der Geburt finden sexuelle Lernprozesse statt, so wird dem Kind oft unbewusst vermittelt, was moralisch als richtig oder falsch angesehen wird. Durch die Vermittlung von sexualkundlichem Wissen, durch Verbote und Gebote und auch durch die eigene Art, Sexualität zu leben, wird das Kind durch seine Eltern beeinflusst und erste sexuelle Normen und Einstellungen werden weitergegeben. Das Verhalten der Eltern verfestigt ein Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit, es entstehen schon vor dem Beginn der Schulzeit geschlechtsspezifische Verhaltensvorstellungen. Die schulische Sexualerziehung folgt auf die familiäre und frühkindliche Sexualerziehung und „soll aufbauend und korrigierend auf sie wirken“. Wie auch in anderen Bereichen hat die Schule hier also die Aufgabe, auf das Wissen der Schülerinnen und Schüler einzugehen, es gegebenenfalls zu korrigieren und zu fundieren. Die verschiedenen Wissensstände müssen erkannt und auf eine einheitliche Ebene gebracht werden.
Ein weiterer aktueller Grund, der für eine frühzeitige Sexualerziehung spricht ist, dass Sexualität mittlerweile einen großen Platz in den Medien einnimmt. Dieses ist keine subjektive Einschätzung, sondern Ergebnis wissenschaftlicher Forschung. So wurde in einer Studie von Helmut Lukesch im Jahr 2004 festgestellt, dass etwa ein Drittel der beobachteten Beiträge im Fernsehen Sexualität thematisieren. Gerade in Musiksendungen und in nicht fiktionalen Unterhaltungssendungen wurden vermehrt Darstellungen von Sexualität gefunden. Auch andere Studien zeigen ein erhöhtes Aufkommen von sexuellen Handlungen im Fernsehen. Zwar stellen die untersuchten Sendungen vermutlich nicht das typische Programm für Kinder da, doch ist davon auszugehen, dass viele Kinder im Grundschulalter trotzdem mit Inhalten dieser Sendungen konfrontiert werden. Zusätzlich wurden speziell in Kindersendungen sexuelle Inhalte zu einem Anteil von 5,7 Prozent entdeckt. Darstellungen von Sexualität im Fernsehen und natürlich auch in anderen Medien können sich auf das Wissen, die Entwicklung, die Einstellung und auch auf das Verhalten von Kindern in Bezug zur Sexualität auswirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit motiviert das Forschungsinteresse durch das Fehlen sexualpädagogischer Inhalte im Lehramtsstudium und formuliert das Ziel, Lehrpläne und Schulbücher auf ihre inhaltliche Qualität zur Sexualerziehung hin zu prüfen.
2. Schulische Sexualerziehung: Dieses Kapitel definiert Sexualerziehung als fächerübergreifenden Erziehungsauftrag, erörtert dessen Notwendigkeit aufgrund kindlicher Lebenswelten und Medienpräsenz und entwirft einen Lernzielkatalog.
3. Analyse der Lehrpläne der 16 Bundesländer: Hier erfolgt eine systematische Überprüfung von 14 Lehrplänen anhand eines Kriterienkatalogs, wobei deutliche Unterschiede in der inhaltlichen Tiefe und Breite der curricularen Vorgaben festgestellt werden.
4. Analyse von zwei Schulbüchern: Die beiden ausgewählten Schulbücher "Pusteblume" und "Mobile" werden auf ihre didaktische Eignung und inhaltliche Erfüllung der zuvor definierten Kriterien hin untersucht und bewertet.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die meisten Lehrpläne den heutigen Anforderungen nur unzureichend entsprechen, und betont die entscheidende Verantwortung der Lehrkraft für eine gelingende, kontinuierliche Sexualerziehung im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Sexualerziehung, Grundschule, Sachunterricht, Lehrplananalyse, Schulbuchanalyse, Körperwissen, Pubertät, Medienkompetenz, Prävention, Sexualaufklärung, soziale Entwicklung, Geschlechterrollen, Partnerschaft, sexuelle Selbstbestimmung, Kriterienkatalog
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit setzt sich kritisch mit dem Stellenwert und der inhaltlichen Ausgestaltung der Sexualerziehung im Sachunterricht der Grundschule auseinander, indem sie curriculare Vorgaben und Lehrmittel untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Begründungen für eine frühzeitige Sexualerziehung, der kindliche Wissensstand, biologische Grundlagen, präventive Ansätze zum Schutz vor sexueller Gewalt sowie die Auseinandersetzung mit Rollenbildern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu evaluieren, ob die aktuellen Lehrpläne der Bundesländer und zwei exemplarische Schulbücher den komplexen Lebenswelten und Wissensbedürfnissen heutiger Grundschulkinder gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine inhaltsanalytische Vorgehensweise gewählt, bei der Lehrpläne und Schulbücher anhand eines induktiv entwickelten Kriterienkatalogs qualitativ ausgewertet und verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Analyse der 14 untersuchten Lehrpläne sowie eine konkrete inhaltliche Prüfung der Schulbücher "Pusteblume" und "Mobile".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Sexualerziehung, Lehrplananalyse, Sachunterricht, Kindliche Sexualität und Pädagogische Verantwortung definieren.
Warum wird im Fazit die Rolle der Lehrkraft so stark betont?
Weil die Autorin feststellt, dass Schulbücher und Lehrpläne nur eine Grundlage bieten; die letztendliche Qualität und Sensibilität des Unterrichts hängen entscheidend vom Handeln der Lehrperson ab.
Wie gehen die untersuchten Schulbücher mit dem Thema Homosexualität um?
Die Analyse zeigt, dass das Thema Homosexualität in beiden ausgewählten Lehrwerken weitgehend ausgeklammert wird und diese sich fast ausschließlich auf heterosexuelle Lebensmodelle konzentrieren.
- Arbeit zitieren
- Jannik R. (Autor:in), 2015, Sexualerziehung im Sachunterricht. Eine exemplarische Analyse der Schulbücher und Lehrpläne der 16 Bundesländer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321758