Der Versorgersektor galt in der Vergangenheit als krisenfeste Branche. Die Entdeckung der Nuklearenergie und der Wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit ließen ein Kernkraftwerk nach dem anderen aus dem Boden sprießen. Ein Großteil davon entstand mit staatlichen Subventionen und Kooperationen mit Versorgerunternehmen. Lange Zeit wurde die Kernenergie in Deutschland von der Politik gefördert. Beginnend durch Franz Josef Strauß im Jahr 1955 und weitergeführt durch Helmut Schmidt in Zeiten der Ölkrise.
Seit der Katastrophe von Fukushima befindet sich der energieversorgende Sektor in einem radikalen Umbruch. Die in Deutschland vorangetriebene Energiewende veränderte sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Versorgerunternehmen grundlegend. Alte Vereinbarungen wurden verworfen und ein neuer Kurs für eine sichere und saubere Energieversorgung aufgenommen. Das Ziel: Der gänzliche Ausstieg der deutschen Bundesrepublik aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie bis zum Jahr 2022.
Die Energieversorgungsunternehmen (EVU) werten dies als Vertrauensbruch der deutschen Bundesregierung. Sie sehen sich hohen regulatorischen Risiken ausgesetzt und sehen sich gezwungen, durch zusätzliche Bildungen von Rückstellungen vorzusorgen.
Ziel dieser Arbeit soll die Beantwortung der Frage sein inwieweit die Ereignisse von Fukushima und deren Folgen in der deutschen Energiepolitik sich auf die Zuführungen und Auflösungen der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen ausgewirkt haben.
1 Einleitung
2 Bilanzierung der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen nach IFRS
2.1 Rechtliche Grundlagen...
2.2 Begriff der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpf...
2.3 Ansatz...
2.3.1 Gegenwärtige Verpflichtungen
2.3.2 Nutzenabfluss
2.3.3 Schätzung des Verpflichtungsbetrages
2.4 Abgrenzung der Rückstellungen von den Verbindlichkeiten
2.5 Bewertung
2.6 Bildung, Inanspruchnahme und Auflösung...
2.7 Ausweis und Erläuterungen von Rückstellungen
3 Bilanzpolitische Gestaltung der Rückstellungen
4 Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima und der Energiewende...
4.1 Bilanzierende Versorgungsunternehmen und deren Kraftwerke in Deutschland
4.2 Maßgebliche Ereignisse der Energiewende für die Kernenergie
4.2.1 Ereignisse ab 2009
4.2.2 Die Katastrophe von Fukushima Daiichi
4.2.3 Ereignisse ab 2012
4.3 Auswirkungen auf die Rückstellungen
4.3.1 Auswertungsschema der Konzernberichte
4.3.2 Auswirkungen auf die Rückstellungen
5 Fazit
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bilanzierung der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen nach IFRS
2.1 Rechtliche Grundlagen nach dem Atomgesetz
2.2 Begriff der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen
2.3 Ansatz von Verbindlichkeitsrückstellungen
2.3.1 Gegenwärtige Verpflichtungen
2.3.2 Nutzenabfluss
2.3.3 Schätzung des Verpflichtungsbetrages
2.4 Abgrenzung der Rückstellungen von den Verbindlichkeiten
2.5 Bewertung - Best Estimate
2.6 Bildung, Inanspruchnahme und Auflösung von Rückstellungen
2.7 Ausweis und Erläuterungen von Rückstellungen
3 Bilanzpolitische Gestaltung der Rückstellungen nach internationaler Rechnungslegung
4 Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima und der Energiewende auf die Rückstellungen
4.1 Bilanzierende Versorgungsunternehmen und deren Kraftwerke in Deutschland
4.2 Maßgebliche Ereignisse der Energiewende für die Kernenergie
4.2.1 Ereignisse ab 2009
4.2.2 Die Katastrophe von Fukushima Daiichi
4.2.3 Ereignisse ab 2012
4.3 Auswirkungen auf die Rückstellungen
4.3.1 Auswertungsschema der Konzernberichte
4.3.2 Auswirkungen auf die Rückstellungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich die Katastrophe von Fukushima und die daraus resultierende deutsche Energiewende auf die Zuführungen und Auflösungen von Rückstellungen für nukleare Entsorgungs- und Stilllegungsverpflichtungen in den Konzernabschlüssen der vier größten deutschen Energieversorgungsunternehmen (E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall) ausgewirkt haben.
- Grundlagen der Bilanzierung von nuklearen Rückstellungen nach IFRS (IAS 37)
- Bilanzpolitische Gestaltungsspielräume in der internationalen Rechnungslegung
- Analyse der energiepolitischen Ereignisse in Deutschland zwischen 2009 und 2014
- Quantitativer Vergleich der Rückstellungsbewegungen der vier größten Energiekonzerne
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Gegenwärtige Verpflichtungen
Das erste Kriterium zum Ansatz einer Rückstellung nach IAS 37.14 ist das Bestehen einer Außenverpflichtung (present oblogation). Diese wird in eine rechtliche Verpflichtung (legal obligation) und eine faktische Verpflichtung (constructive obligation) eingeteilt. Gemäß IAS 37.10 können rechtliche Verpflichtungen durch Verträge, Gesetze oder sonstige unmittelbare Auswirkungen anderer Rechtsgrundlagen entstehen, deren Verpflichtung sich das Unternehmen nicht entziehen kann. Vertragliche und gesetzliche sowie öffentlich-rechtliche Schuldverhältnisse gelten ebenfalls als Rechtsgrund. Hierbei muss der Gläubiger nicht bekannt sein, um bilanzbegründend zu wirken, was besonders im Fall des Umweltschutzes seine Wichtigkeit hat.
Eine faktische Verpflichtung ist eine gemäß IAS 37.10 durch Aktivitäten des Unternehmens entstehende Verpflichtung, wenn (a) das Unternehmen durch seine Handlungen in der Praxis, ein bestimmtes Verhalten der Vergangenheit, öffentlich angekündigte Maßnahmen, oder eine spezifische, aktuelle Aussage anderen Parteien gegenüber signalisiert hat bestimmte Verpflichtungen bereitwillig zu übernehmen, und (b) das Unternehmen damit bei den anderen Parteien eine gerechte Erwartung geweckt hat, diesen Verpflichtungen nachzukommen.
Nach IAS 37.14 a) müssen die gegenwärtigen Verpflichtungen aus einem vergangenem Ereignis (past event) entstanden sein. IAS 37.17 bezeichnet ein vergangenes Ereignis, welches zu einer gegenwärtigen Verpflichtung führt, als ein verpflichtendes Ereignis (obligation event). Weiterhin ist dieses Ereignis ein verpflichtendes Ereignis, wenn das Unternehmen keine Alternativen zur Begleichung dieser Verpflichtung zur Verfügung hat. Dies ist der Fall, wenn ein Rechtsweg zur Erfüllung dieser Verpflichtung vollzogen und durchgesetzt werden kann; oder durch ein Ereignis, oder eine Handlung des Unternehmens im Falle einer faktischen Verpflichtung eine gerechtfertigte Erwartung herbeiführt, derer das Unternehmen nachkommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die krisenhafte Entwicklung des Versorgersektors durch die deutsche Energiewende ein und definiert das Forschungsziel der Untersuchung von Rückstellungsbewegungen.
2 Bilanzierung der Rückstellungen für nukleare Entsorgungsverpflichtungen nach IFRS: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Anforderungen an die Bilanzierung nach dem Atomgesetz sowie die Ansatz- und Bewertungsvorschriften des IAS 37.
3 Bilanzpolitische Gestaltung der Rückstellungen nach internationaler Rechnungslegung: Es werden die Ziele und Instrumente der Bilanzpolitik sowie die bestehenden Gestaltungsspielräume bei der Bemessung von Rückstellungen in den IFRS dargelegt.
4 Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima und der Energiewende auf die Rückstellungen: Dieses Kernkapitel analysiert die politische Entwicklung der Energiewende und stellt die Auswirkungen auf die Rückstellungen der vier größten deutschen Energieversorger quantitativ dar.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach regulatorische Eingriffe die Unternehmen zu erheblichen, jedoch unterschiedlich gehandhabten Rückstellungsanpassungen veranlasst haben.
Schlüsselwörter
Rückstellungen, nukleare Entsorgungsverpflichtungen, IFRS, IAS 37, Energiewende, Kernkraftwerke, Bilanzpolitik, Fukushima, Stilllegung, Rückbau, Best Estimate, Diskontierungszins, Energieversorgungsunternehmen, Atomgesetz, Außenverpflichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der durch die Katastrophe von Fukushima ausgelösten Energiewende auf die Bilanzierung nuklearer Rückstellungen bei deutschen Energiekonzernen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die IFRS-Bilanzierung, die bilanzpolitischen Spielräume der Unternehmen und die konkrete quantitative Analyse der Rückstellungsbewegungen von 2009 bis 2014.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die Ereignisse von Fukushima und die Änderungen in der deutschen Energiepolitik die Zuführungen und Auflösungen der nuklearen Entsorgungsrückstellungen beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine quantitative Auswertung der Konzernberichte der vier größten Energieversorger und korreliert diese mit den politischen Ereignissen im Untersuchungszeitraum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der IFRS-Bilanzierungsvorschriften und eine detaillierte empirische Untersuchung der Rückstellungsdaten unter Berücksichtigung des regulatorischen Umfelds.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rückstellungen, nukleare Entsorgung, IFRS, Energiewende, Bilanzpolitik und Energieversorgungsunternehmen charakterisiert.
Wie gehen die verschiedenen Energiekonzerne unterschiedlich mit ihren Rückstellungen um?
Die Untersuchung zeigt, dass während ein Großteil der Konzerne auf regulatorische Eingriffe mit immensen Zuführungen reagierte, RWE eine abweichende Strategie verfolgte und kontinuierlich Rückstellungen auflöste.
Welche Rolle spielt der Diskontierungszins bei der Bewertung?
Der Diskontierungszins hat maßgeblichen Einfluss auf die Barwerte der Rückstellungen; das Sinken des Zinsniveaus in Deutschland zwang die Unternehmen zu deutlichen Anpassungen ihrer Bewertungsparameter.
- Citar trabajo
- Maximilian Pfautz (Autor), 2016, Rückstellungen für nukleare Stilllegungs- und Entsorgungsverpflichtungen im IFRS-Konzernabschluss, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321773