Verfahren zur Schätzung des Produktionspotentials


Seminararbeit, 2001
20 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Modelle mit einem Produktionsfaktor
2.1 Modell des Sachverständigenrates
2.2 Modell von Okun

3. Modelle mit mehreren Produktionsfaktoren
3.1 Modell der Bundesbank

4. Weiter Modelle
4.1 Methode gleitender Durchschnitte
4.2 Peak – to – Peak – Methode
4.3 Ifo – Methode

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt viele Versuche zur Erklärung des Konjunkturphänomens. Einer davon versucht Konjunkturschwankungen als Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung zu erklären. Wendepunkte sind die jeweils höchsten bzw. niedrigsten Auslastungsgrade, die Ausschläge lassen sich direkt am Auslastungsgrad ablesen. Zur Berechnung der Kapazitätsauslastung benötigt man einen Wert für die maximal mögliche Produktion – das Produktionspotential. Unter diesem versteht man die gesamtwirtschaftliche Leistung, welche bei voller oder normaler ( differiert je nach Modell ) Auslastung der Produktionsfaktoren möglich wäre. Für die Ermittlung bzw. Schätzung des Produktionspotentials gibt es eine Reihe von Modellen, auf die ich im folgenden näher eingehen werde.

2. Modelle mit einem Produktionsfaktor

2.1 Modell des Sachverständigenrates

Das Modell des Sachverständigenrates zur Schätzung des Produktionspotentials berücksichtigt lediglich den Produktionsfaktor Kapital. Der er berechnet das Potential über die Entwicklung der volkswirtschaftlichen Kapitalproduktivität. Der Auslastungsgrad des Produktionspotentials ergibt sich dann als Quotient aus dem tatsächlichen und dem potentiellen Bruttoinlandsprodukt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

W[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials, Yt das reale Bruttoinlandsprodukt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gesamtwirtschaftliche Produktionspotential angibt.

Der Normalauslastungsgrad des Produktionspotentials wird als Durchschnitt der Auslastungsgrade der letzten Produktivitätszyklen berechnet. Für die Jahre 1963 – 1993 betrug [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]H.[1].

Das gesamtwirtschaftliche Produktionspotential setzt aus dem zu errechnenden Produktionspotentials des Unternehmenssektors und den Produktionspotentialen des Staates, der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, der Wohnungsvermietung, der privaten Haushalte, der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck, sowie der nicht abzugsfähigen Umsatzsteuer und den Einfuhrabgaben zusammen. Es wird angenommen, daß das Produktionspotential aller genannten Sektoren, mit Ausnahme des Unternehmenssektors stets voll ausgelastet ist.

Zur Bestimmung des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials muß dann nur noch das des Unternehmenssektors bestimmt werden.

Dieses ist das Produkt aus der potentiellen Kapitalproduktivität und dem durchschnittlichen Bruttoanlagevermögen des Unternehmenssektors innerhalb eines Jahres.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

W[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Produktionspotential des Unternehmenssektors, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] die potentielle Kapitalproduktivität und Kt das durchschnittliche Bruttoanlagevermögen des Unternehmenssektors eines Jahres darstellen.

Das Bruttoanlagevermögen berechnet sich hierbei als Durchschnitt aus dem Jahresanfangs- und dem Jahresendbestand. Diese Bestände werden vom statistischen Bundesamt geschätzt und vom Sachverständigenrat übernommen. Die Abgänge werden nach einem Verfahren geschätzt, welches einer quasi – logistischen Verteilungsfunktion ähnelt.[2]

Die Kapitalproduktivität, welche zur Berechnung des Produktionspotentials noch notwendig ist, wird in mehreren Schritten berechnet.

Zunächst werden die trendmäßigen Kapitalproduktivitäten für abgeschlossene Produktivitätszyklen ermittelt.

Dies geschieht mit Hilfe einer logarithmischen Trendfunktion:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die V[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] hier für die trendmäßige Kapitalproduktivität. Die Schätzung der Koeffizienten wird mittels einer Regression durchgeführt. Der Stützbereich der Funktion entspricht dabei der Länge eines abgeschlossenen Konjunkturzyklus, gemessen vom unteren Wendepunkt zum nächsten unteren Wendepunkt.

Es wird also aus den Beobachtungen für die tatsächliche durchschnittliche Kapitalproduktivität eine lineare Trendfunktion geschätzt. Abweichungen von dieser Trendfunktion werden als konjunkturell bedingte Auslastungsschwankungen interpretiert.

Um den Verlauf der potentiellen Kapitalproduktivität zu ermitteln, wird die Trendgerade für den gesamten Beobachtungszeitraum parallel durch denjenigen Wert verschoben, der empirisch gemessen am weitesten von seinem Trendwert nach oben abweicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten steht hier für die potentielle Kapitalproduktivität, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für die trendmäßige Kapitalproduktivität [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]ür die empirisch gemessene Kapitalproduktivität.

Um die Trendwerte der Kapitalproduktivität für die kommenden bzw. das kommende Jahr zu ermitteln, wird der empirische Wert der Kapitalproduktivität des vorangegangenen Jahres mit der trendmäßigen Zunahmerate der Kapitalproduktivität des vorhergehenden Stützzeitraumes fortgeschrieben.

Folgende Graphik zeigt die Verschiebung der Trendgerade ( Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten ) auf diejenige Kapitalproduktivität, die am weitesten von den trendmäßigen nach oben abweicht. (diese fällt auf das Jahr 1960[3] ) Man erhält dann die Gerade [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], welche die potentielle Kapitalproduktivität darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

eigene Darstellung

Mit der Bestimmung der potentiellen Kapitalproduktivität ist es nun möglich das Produktionspotential und dessen Auslastungsgrad, nach den oben genannten Formeln zu berechnen.

Die Methode des Sachverständigenrates zur Berechnung des Produktionspotentials ist zwar relativ einfach anzuwenden und zu berechnen, aber sie bezieht nur einen Produktionsfaktor ein, das Kapital. Zur Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung bzw. des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials sollte man aber noch andere Faktoren, vor allem den Produktionsfaktor Arbeit, welcher hier vollkommen vernachlässigt wird, heranziehen. Auch der Faktor Energie könnte in die Schätzung einbezogen werden. Durch die Konzentration auf nur einen Produktionsfaktor kann man auch zu beträchtlich anderen Schätzungen kommen, als bei Einbeziehung mehrerer Faktoren, da sich zum Beispiel die Auslastungsgrade von Arbeit und Kapital recht unterschiedlich entwickeln können.

Ein weiters Manko der Methode des Sachverständigenrates ist, daß innerhalb einer von ihm gewählten Stützperiode ein Maximalwert auftritt, in dem definitionsgemäß die Auslastung des Produktionspotentials 100 vH. beträgt. Aber es ist durchaus möglich, daß selbst in diesem Maximalwert die Kapazitätsauslastung nicht 100 vH. betragen hat.

Somit würden dann sämtliche Auslastungsgrade des Produktionspotentials dieser Stützperiode nicht den wirklichen entsprechen.

Daß bei dieser Methode das Produktionspotential bei höchsterreichbarer und nicht bei durchschnittlicher Auslastung geschätzt wird, ist ein weiterer Punkt den man kritisieren kann.

[...]


[1] Sachverständigenrat 1997/1998 S 255

[2] Sachverständigenrat 1997/1998 S 255

[3] Sachverständigenrat 1997/1998 S. 254

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Verfahren zur Schätzung des Produktionspotentials
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar Konjunktur und Wachstum
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V3218
ISBN (eBook)
9783638119474
Dateigröße
2020 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verfahren, Schätzung, Produktionspotentials, Seminar, Konjunktur, Wachstum
Arbeit zitieren
Stephan Wallburg (Autor), 2001, Verfahren zur Schätzung des Produktionspotentials, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3218

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