Das Ziel der Arbeit ist es, einen Einblick in ein eher komplexes System zu geben, dessen Produkt Strom von jedem Menschen in Deutschland verwendet wird. Die meisten wissen jedoch nicht genau, woher dieser denn stammt und wie dieser in einen Haushalt gelangt.
Außerdem soll die Arbeit darauf abzielen, die Eckpfeiler des Strommarkts im Hinblick auf die Einführung der derzeit brisant diskutierten Kapazitätsmechanismen vorzustellen. Abgerundet wird die Arbeit mit einem Vergleich, der Länder miteinbezieht, in denen bereits Kapazitätsmechanismen implementiert wurden, um somit nicht nur einen theoretischen, sondern auch einen praktischen Blick auf die Implementierung werfen zu können und um daraus auf mögliche Tipps und Gefahren für Deutschland schließen zu können.
Elektrizität zählt heutzutage, nicht nur in Deutschland, zu einem der Grundbedürfnisse der Bürger. Doch stellt es eine äußerst schwierige Aufgabe dar, erzeugten Strom landesweit zur Verfügung zu stellen, beziehungsweise ihn zu verteilen. Da Strom nur sehr kostenintensiv in großen Mengen gespeichert werden kann, gilt es seit Jahrzenten ein System zu entwickeln, das den Strom problemlos zu jeder Zeit in sämtliche Haushalte oder sämtliche Unternehmen transportiert und dabei die Effizienz im Mittelpunkt steht.
Dieses System wird Strommarkt genannt, dessen Design für die Erzeugung, den Transport und den Handel der Energie verantwortlich ist. Da sich dieses Design in den letzten Jahrzehnten geändert hat und sich noch weiter verändern wird, gilt es in dieser Arbeit einen genauen Blick auf den früheren und den heutigen, im Wandel befindlichen Strommarkt zu werfen.
Des Weiteren werden dessen Aufgaben, Schwierigkeiten und dessen regionale Disparitäten aufgezeigt. Durch Nuklearkatastrophen, den Klimawandel und knapper werdenden fossilen Brennstoffen steigt täglich die Notwendigkeit nach erneuerbaren und somit umweltverträglicheren Energien. Der geplante Atomausstieg wirft jedoch die Frage auf, ob das derzeitige Strommarktdesign auch zukünftig die Versorgungssicherheit gewährleisten könnte. Aus diesem Grund gibt es aktuell zahlreiche Diskussionen um die Einführung von Kapazitätsmechanismen und damit verbunden um eine Umgestaltung des aktuellen Strommarktdesigns, das sich dann um „das magische Dreieck: Wirtschaftlichkeit – Versorgungssicherheit – Umweltschutz“ drehen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziel der Arbeit
3. Der Strommarkt in Deutschland
3.1. Die Entwicklung des Strommarkts & der Energiewende in Deutschland
3.1.1. Der Weg zum liberalisierten deutschen Strommarkt
3.1.2. Die Energiewende & das Erneuerbare-Energien-Gesetz
3.2. Das heutige Strommarktdesign in Deutschland und dessen Aufgaben
3.2.1. Stromerzeugung
3.2.2. Verteilungs- & Transportnetze
3.2.3. Stromgroßhandel & Strompreis
3.3. Die Herausforderungen des deutschen Strommarktdesigns
3.3.1. Ausgleich regionaler Disparitäten & Netzengpässe
3.3.2. Merit-Order-Effekt & Missing-Money-Problem
3.3.3. Auswirkungen der Marktmacht
3.4. Die Versorgungssicherheit auf dem zukünftigen Strommarkt Deutschlands
4. Die mögliche Umgestaltung des Marktes durch die Implementierung von Kapazitätsmechanismen
4.1. Die Ausgestaltung von Kapazitätsmechanismen
4.1.1. Preisbasierte Kapazitätsmechanismen
4.1.1.1. Administrative Zahlungen
4.1.1.2. Strategische Reserven
4.1.1.3. Operative Reserven
4.1.1.4. Bewertung der preisbasierten Kapazitätsmechanismen
4.1.2. Mengenbasierte Kapazitätsmechanismen
4.1.2.1. Kapazitätsbörse
4.1.2.2. Kapazitätsoptionen
4.1.2.3. Bewertung der mengenbasierten Kapazitätsmechanismen
4.2. Der Ausblick auf die Implementierung von Kapazitätsmechanismen in Deutschland
5. Vergleich mit 2 europäischen Beispielen mit implementierten Kapazitätsmechanismen
5.1. Spanisches Modell der administrativen Zahlungen
5.2. Schwedisches und finnisches Modell der strategischen Reserve
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe System des deutschen Strommarktes unter Berücksichtigung des Wandels durch erneuerbare Energien und den daraus resultierenden Herausforderungen für die Versorgungssicherheit. Das primäre Ziel ist es, die Möglichkeiten und Risiken einer Umgestaltung des aktuellen Strommarktdesigns durch die Einführung von Kapazitätsmechanismen zu analysieren, wobei auch ein internationaler Vergleich als Orientierungshilfe dient.
- Historische Entwicklung des liberalisierten deutschen Strommarktes
- Strukturen des heutigen "Energy-Only-Marktes" und dessen Aufgaben
- Herausforderungen wie Netzengpässe, Merit-Order-Effekt und Marktmacht
- Klassifizierung und Bewertung preis- und mengenbasierter Kapazitätsmechanismen
- Vergleich europäischer Modellansätze für die deutsche Energiepolitik
Auszug aus dem Buch
3.3.1) Ausgleich regionaler Disparitäten & Netzengpässe
Man könnte den deutschen Strommarkt vereinfacht mit einer Badewanne vergleichen, die immer mit einer bestimmten Menge an Wasser gefüllt sein muss, wobei das Wasser das Stromvorkommen verkörpert. Jedes Mal wenn an einer Stelle Wasser hinzukommt, muss zeitgleich irgendwo genauso viel Wasser entnommen werden. Der Zufluss der Wassermassen wäre somit Aufgabe der Kraftwerke, der Abfluss hingegen Aufgabe der Verbraucher und der Weg zwischen den beiden stellt das Stromnetz dar.
Somit lässt sich der Strommarkt nur in Bezug auf seine Transport- und Verteilungswege geographisch anaylsieren. Das Stromnetz bietet heutzutage allmählich eine geographische Einteilung in zwei Zonen, nämlich Nord- und Süddeutschland, die ein Ungleichgewicht in Bezug auf die Stromversorgung aufweisen, denn wenn „es zwischen zwei verbundenen Netzen zu Engpässen in der verfügbaren Übertragungskapazität“ (HENSING ET AL. 2007: 211) kommt, ist die deutschlandweite Versorgungssicherheit in Gefahr. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen ist es angedacht zwei Stromtrassen zu errichten, „um mehr Strom aus dem windreichen Norden und Osten der Republik in den industriereichen Süden“ (SCHULTZ 2015) zu transportieren. Der Süden Deutschlands ist im Zuge der Energiewende daher immer mehr auf die norddeutsche, aus erneuerbaren Energien gewonnene Elektrizität angewiesen, um das Stromnetz deutschlandweit zu entlasten. Doch die süddeutsche Politik und die Bevölkerung ist vom Stromtrassenbau noch nicht überzeugt, da die süddeutsche Landschaft darunter leiden müsste und der finanzielle Aufwand hoch wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Grundbedürfnisse der Stromversorgung ein und thematisiert das magische Dreieck aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltschutz im Kontext der Energiewende.
2. Ziel der Arbeit: Das Kapitel definiert den Anspruch, die Eckpfeiler des Strommarktes sowie die Notwendigkeit von Kapazitätsmechanismen theoretisch wie praktisch zu beleuchten.
3. Der Strommarkt in Deutschland: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der historischen Entwicklung, des aktuellen Marktdesigns und der existierenden Herausforderungen wie Netzengpässe und das Missing-Money-Problem.
4. Die mögliche Umgestaltung des Marktes durch die Implementierung von Kapazitätsmechanismen: In diesem Hauptteil werden verschiedene preis- und mengenbasierte Instrumente zur Sicherung der Versorgungssicherheit vorgestellt, bewertet und deren Eignung für das deutsche Marktdesign erörtert.
5. Vergleich mit 2 europäischen Beispielen mit implementierten Kapazitätsmechanismen: Es wird untersucht, wie Spanien, Schweden und Finnland mit Kapazitätszahlungen bzw. strategischen Reserven umgehen, um Erkenntnisse für Deutschland zu gewinnen.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Situation, in der ein optimierter Strommarkt 2.0 mit strategischer Reserve als wahrscheinlichster Weg identifiziert wird.
Schlüsselwörter
Strommarkt, Energiewende, Kapazitätsmechanismen, Versorgungssicherheit, Energy-Only-Markt, Stromnetz, Merit-Order, Missing-Money-Problem, Preisbasierte Kapazitätsmechanismen, Mengenbasierte Kapazitätsmechanismen, Netzausbau, Strompreis, Kraftwerke, Regelenergie, Europäischer Strombinnenmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Struktur des deutschen Strommarktes, dessen Transformation durch die Energiewende und der Frage, wie die Versorgungssicherheit durch die Implementierung von Kapazitätsmechanismen langfristig gewährleistet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Aspekte sind der Aufbau des deutschen Strommarktdesigns, der Merit-Order-Effekt, die Herausforderungen durch erneuerbare Energien sowie der Vergleich zwischen preisbasierten (z.B. administrative Zahlungen) und mengenbasierten Instrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise und Bewertung verschiedener Kapazitätsmechanismen aufzuzeigen, um eine fundierte Einschätzung abzugeben, welches Instrument am besten in das deutsche Strommarktdesign integriert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich primär um eine theoretische Analyse, ergänzt durch einen Vergleich bestehender europäischer Modelle, um aus deren Erfahrungen potenzielle Gefahren und Vorteile für Deutschland abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme des Strommarktes (inkl. Schwierigkeiten wie Netzengpässe), die detaillierte Vorstellung und Bewertung verschiedener Kapazitätsmechanismen sowie eine Diskussion über deren Implementierungsmöglichkeiten in Deutschland.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Versorgungssicherheit, Kapazitätsmarkt, Energiewende, Merit-Order-Effekt und Strommarkt 2.0 beschreiben.
Warum stellt die "Badewanne" ein wichtiges Bild in der Arbeit dar?
Die Badewanne dient als Metapher für den Strommarkt, um das Gleichgewicht zwischen Erzeugung (Zufluss) und Verbrauch (Abfluss) zu veranschaulichen, wobei das Stromnetz den transportierenden Weg darstellt, der bei Störungen Engpässe aufweist.
Welche Rolle spielt der "Strommarkt 2.0" laut dem Autor?
Der Autor führt den Begriff als Bezeichnung für ein optimiertes Marktdesign ein, bei dem das existierende System durch eine strategische Reserve ergänzt wird, anstatt grundlegende Strukturen wie den Energy-Only-Markt vollständig abzuschaffen.
- Citar trabajo
- Kim Stuppi (Autor), 2015, Der Strommarkt in Deutschland und dessen mögliche Umgestaltung durch Kapazitätsmechanismen. Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit, Umweltschutz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321915