Durch die Insolvenzordnung, die am 01.01.1999 in Kraft getreten ist, hat der Gesetzgeber ein einheitliches Recht für alle Bundesländer geschaffen. Dies war aufgrund der Missstände des früheren Insolvenzrechts, das Konkurs- und Vergleichsrecht und die Gesamtvollstreckungsordnung sowie auch der gestiegenen Anzahl von Insolvenzen nötig. Darüber hinaus wurden damals bis zu 65% aller Verfahren mangels Masse abgelehnt.
Eine Insolvenz entsteht dadurch, dass das Vermögen eines Schuldners nicht mehr ausreicht, um die Forderungen der Gläubiger zu erfüllen. Somit ist das Ziel des Insolvenzverfahrens all diese Gläubiger gemeinschaftlich zu befriedigen.
Die Insolvenz kann aufgrund dreier voneinander unabhängiger
Voraussetzungen eröffnet werden: Die Zahlungsunfähigkeit, die drohende Zahlungsunfähigkeit und die Überschuldung. Der Eröffnungsgrund hängt davon ab, ob es sich beim Schuldner um eine natürliche oder juristische Person handelt. Die vorliegenden Insolvenzgründe müssen zu dem Zeitpunkt festgestellt werden, an dem über die Verfahrenseröffnung entschieden wird. Bis zur Verfahrenseröffnung kann dieser allerdings schon aufgehoben und dadurch ein Verfahren vermieden werden.
In der heutigen Insolvenzordnung ist außerdem eine Unterteilung der Insolvenzen in Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen möglich. Die Wichtigkeit dieser Unterteilung verdeutlicht der Umstand der zunehmenden Privatinsolvenzen in Deutschland.
Im Jahr 2011 beispielsweise wurden 103.289 Verbraucherinsolvenzen verzeichnet, wohingegen es lediglich 30.200 Unternehmensinsolvenzen gab.
Je nachdem, ob der Schuldner eine juristische oder sonstige Person ist, entscheidet sich welches der beiden Verfahren angewendet wird. Danach entscheidet sich auch, ob Eigenverwaltung, Restschuldbefreiung und Insolvenzplan möglich sind.
Die folgende Arbeit gliedert sich in die zwei Teilbereiche „Voraussetzungen“ und „Formen“ einer Insolvenz, in denen wir zunächst die wesentlichen Eröffnungsgründe eines Insolvenzverfahrens darstellen und im Weiteren auf die einzelnen Formen des Insolvenzverfahrens eingehen.
Inhaltsverzeichnis
2 VORWORT
3 VORAUSSETZUNGEN EINER INSOLVENZ
3.1 Die Zahlungsunfähigkeit
3.2 Die drohende Zahlungsunfähigkeit
3.3 Die Überschuldung
3.3.1 Überschuldung nach Liquidationswerten
3.3.2 Überschuldung nach Fortführungswerten
3.3.3 Konsequenzen der positiven und negativen Fortführungsprognose
4 FORMEN EINER INSOLVENZ
4.1 Regelinsolvenzverfahren (Unternehmensinsolvenz)
4.1.1 Insolvenzplanverfahren
4.1.2 Eigenverwaltung
4.2 Verbraucherinsolvenzverfahren
4.2.1 Außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
4.2.2 Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
4.2.3 Das vereinfachte Verbraucherinsolvenzverfahren
4.3 Restschuldbefreiung
4.4 Sonderformen des Insolvenzverfahrens
4.4.1 Nachlassinsolvenzverfahren
4.4.2 Insolvenzverfahren über Gütergemeinschaft
4.4.3 Grenzüberschreitendes Insolvenzverfahren
5 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die verschiedenen Erscheinungsformen der Insolvenz im deutschen Wirtschaftsraum systematisch zu untersuchen und die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu erläutern.
- Analyse der gesetzlichen Insolvenzgründe (Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung)
- Differenzierung zwischen Regelinsolvenz- und Verbraucherinsolvenzverfahren
- Bedeutung der positiven Fortführungsprognose für die Unternehmensrettung
- Prozessuale Abläufe wie Eigenverwaltung und Restschuldbefreiung
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Zahlungsunfähigkeit
Der häufigste Grund für ein Insolvenzverfahren ist die Zahlungsunfähigkeit, die in § 17 Abs. 2 InsO geregelt ist.
„(2) Der Schuldner ist zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat.“ 9
In der Betriebswirtschaft wird der Begriff der Zahlungsfähigkeit als Liquidität bezeichnet. Zur Zahlungsunfähigkeit kommt es dann, wenn die Zahlungskraft zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht genügt, um die zu dem gleichen Zeitpunkt fälligen Verbindlichkeiten zu befriedigen.
Die vorhandene Zahlungskraft setzt sich wie folgt zusammen:
Guthaben (z.B. Bankguthaben, Kassenbestand)
+ sofort liquidierbare Vermögensgegenstände (z.B. Wertpapiere)
+ freie Kreditlinien (z.B. nicht ausgeschöpfter Kontokorrentrahmen)
= ZAHLUNGSKRAFT 10
Diese vorhandene Zahlungskraft muss dann den zum gleichen Zeitpunkt fälligen Verbindlichkeiten gegenüber gestellt werden. Die fälligen Verbindlichkeiten lassen sich jedoch nicht so eindeutig definieren wie die Zahlungskraft.
Zusammenfassung der Kapitel
3 VORAUSSETZUNGEN EINER INSOLVENZ: Dieses Kapitel definiert die drei zentralen Eröffnungsgründe – Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung – und erläutert deren betriebswirtschaftliche Prüfung.
4 FORMEN EINER INSOLVENZ: Hier werden die prozessualen Unterschiede zwischen dem Regelinsolvenzverfahren für Unternehmen und dem spezialisierten Verbraucherinsolvenzverfahren für Privatpersonen detailliert dargestellt.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel reflektiert die Relevanz der Insolvenzordnung als Instrument zur Krisenfrüherkennung und unterstreicht die Notwendigkeit verantwortungsvollen Handelns bei drohender Insolvenz.
Schlüsselwörter
Insolvenzordnung, Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung, Liquidität, Insolvenzverfahren, Regelinsolvenz, Verbraucherinsolvenz, Fortführungsprognose, Restschuldbefreiung, Eigenverwaltung, Insolvenzplan, Verbindlichkeiten, Insolvenzmasse, Gläubigerversammlung, Treuhänder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen von Insolvenzen in Deutschland, insbesondere die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Verfahrens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Insolvenzgründe (Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung) sowie die verschiedenen Verfahrenswege zur Abwicklung oder Sanierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, unter welchen spezifischen Bedingungen ein Insolvenzverfahren rechtlich notwendig ist und welche Formen der Abwicklung für verschiedene Schuldner (Unternehmen vs. Privatpersonen) existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Gesetze (InsO) und betriebswirtschaftlicher Fachliteratur sowie der Anwendung auf Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Eröffnungsgründe in Kapitel 3 sowie die Verfahrensarten, einschließlich Restschuldbefreiung und Eigenverwaltung, in Kapitel 4 analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Insolvenzordnung, Liquidität, Fortführungsprognose und Restschuldbefreiung geprägt.
Warum ist die drohende Zahlungsunfähigkeit so bedeutend für Unternehmen?
Sie dient als wichtigster Indikator, um frühzeitig Maßnahmen zur Insolvenzvermeidung zu ergreifen, bevor die tatsächliche Zahlungsunfähigkeit eintritt.
Wie unterscheidet sich die Eigenverwaltung vom Standardverfahren?
Bei der Eigenverwaltung darf der Schuldner unter Aufsicht eines Sachwalters selbst über die Insolvenzmasse verfügen, anstatt diese vollständig an einen Insolvenzverwalter abzutreten.
Was passiert, wenn die Fortführungsprognose positiv ausfällt?
In diesem Fall kann eine rechnerische Überschuldung unter Umständen vermieden werden, da Vermögenswerte mit höheren Fortführungswerten statt mit Liquidationswerten bewertet werden dürfen.
Warum wurde das Verbraucherinsolvenzverfahren eingeführt?
Es dient der Verfahrensvereinfachung und Entlastung der Gerichte bei Kleinstinsolvenzen von Privatpersonen, da das Regelinsolvenzverfahren hier als zu kostspielig gilt.
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- Nicole Lehnen (Author), Dijana Bradara (Author), 2012, Formen und Voraussetzungen einer Insolvenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321922