Die Barings Bank und das operationelle Risiko


Hausarbeit, 2015
21 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung und Problemstellung

2 Bankhaus Baring Brothers & Co
2.1 Geschichte
2.2 Bedeutung und Geschäftstätigkeit
2.3 Ursachen und Verlauf der Krise

3 Operationelle Risiken
3.1 Charakterisierung operationeller Risiken
3.2 Management operationeller Risiken
3.3 Analyse der operationellen Risiken von Baring Brothers & Co
3.4 Aufsichtsrechtliche Anforderungen bei Finanzinstituten

4 Fazit und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Faktoren zur Charakterisierung von operationellen Risiken

Abbildung 2: Dimensionen operationeller Risiken

Abbildung 3: Wesentliche Bestandteile des Operational Risk Managements

Abbildung 4:überblicküber regulatorische Anforderungen bei Finanzinstituten

1 Einführung und Problemstellung

Mit nahezu jeder Geschäftstätigkeit sind operationelle Risiken verbunden.1 Noch bevorüber Markt- und Kreditrisiken nachgedacht werden muss, sind operationelle Risiken bereits vorhanden, denn sie entstehen unmittelbar bei der Gründung eines Kreditinsti- tuts. Aufgrund von drastischen Schäden durch operationelle Risiken, gerieten diese in der Vergangenheit verstärkt in den Fokus. Der Zusammenbruch der Barings Bank ver- deutlicht welch immense Schäden durch operationelle Risiken entstehen können. Auch andere Finanzdienstleistungsunternehmen erlitten Verluste in Milliardenhöhe, was nicht zuletzt an einem enormen Wachstum der derivativen Produkte Ende der 1980iger und während der 1990iger Jahre lag. Die damit verbundenen Risiken wurden teilweise nicht ausreichend erkannt undüberwacht. Zudem wurden betrügerische Handlungen attrakti- ver, da erfolgreiche Händler verstärkt höhere Bonuszahlungen erhalten haben. Die „Ba- ring Future (Singapore) Pte Ltd.“ musste im Jahre 1995 so einen erheblichen Verlust verzeichnen, da ihr Finanzmakler Nick Leeson seine Kompetenzenüberschritt und nicht autorisierte Handelsaktivitäten durchführte. Dies führte schließlich zur Insolvenz der Bank. Das Scheitern der Bank war eine der Ursachen für dieüberarbeitung der Auf- sichtansätze in Großbritannien und einige Finanzinstitute begannen Funktionen aufzu- bauen, um operationelle Risiken zu messen und zu steuern.2 Zielsetzung der unter- schiedlichen Methoden zur Quantifizierung von Risiken ist es dabei genügend Kapital zur Deckung dieser Risiken vorzuhalten.3

Die folgenden Ausführungen beschreiben die Probleme, die im Zusammenhang mit operationellen Risiken entstehen können. Als veranschaulichendes Beispiel wird dabei speziell auf das Scheitern der Barings Bank eingegangen.

Nach einer kurzen historischen Einordnung und der Beschreibung der Bedeutung sowie Geschäftstätigkeit des britischen Bankhauses Baring Brothers & Co., werden der Ver- lauf und die Ursachen der Krise erläutert. Anschließend wird nach einer kurzen Defini- tion und Charakterisierung von operationellen Risiken das Management dieser Risiken beschrieben. Veranschaulicht wird dies im Anschluss durch die gezielte Analyse der operationellen Risiken der Barings Bank. Abgeschlossen wird die Beurteilung von ope- rationellen Risiken durch eine Erläuterung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen bei Finanzinstituten. Eine kurze Zusammenfassung rundet die Arbeit ab.

2 Bankhaus Baring Brothers & Co.

2.1 Geschichte

Die damals unter dem Firmennamen „John & Francis Baring Company“ bekannte Bank wurde im Jahre 1762 von zwei Söhnen einer holländischen Händlerfamilie gegründet. Sie war damit das erste private Handelshaus in London, Mincing Lane. Aufgrund des wachsenden Handels in der damals größten Wirtschaftsmacht, konnte sich das Unternehmen schnell etablieren und zunehmend vergrößern, sodass zusätzlich zu Import- und Exportgeschäften in ansteigendem Maße auch Bankgeschäfteübernom- men wurden.4

Ab dem Jahre 1792 half das Bankhaus dabei den Krieg gegen Frankreich unter Kaiser Napoleon sowie den Kauf des Staates Louisiana durch die Vereinigten Staaten im Jahre 1802 zu finanzieren.

Im Jahre 1806 fand eine Umfirmierung zu „Baring Brothers and Company“ statt.

Nach dem Tod von Sir Francis Baring im Jahre 1810 wurde das Unternehmen zum füh- renden Bankhaus Europas. Die Leitung des Bankhauses ging auf Sir Francis Baring’s Sohn Alexander Baringüber.5 Unter seiner Leitung und darüber hinaus kaufte das Bankhaus argentinische Anleihen, welche zu seiner Zeit einen schnellen Gewinn ver- sprachen. Zudem gewährte die Bank Argentinien Darlehen (in Form von Akzeptanzkre- diten), welche im Jahre 1890 zusammen rund 30 Millionen Pfund betrugen. Als Ende des Jahres die Rohstoffpreise in Südamerika stark sanken und die argentinische Regie- rung ihre Auslandskredite nicht mehr zurückzahlen konnte, geriet die Bank zum ersten Mal in Schieflage, konnte aber durch Unterstützung von der Regierung und Privatban- ken gerettet werden.6

Rund hundert Jahre später, im September 1986, gründete das Unternehmen eine Nieder- lassung in Singapur, die Baring Future (Singapore) Pte Ltd.. Als der Finanzmakler Nicholas (Nick) Leeson im Jahre 1992 in der Niederlassung eine Stelle im Bereich des Future Handels antrat, türmte dieser fortan Verluste in Höhe von insgesamt 827 Millio- nen Pfund auf. Aufgrund dessen stellte die Bank am 27. Februar 1995 ihren Handel ein und beantragte die Insolvenz. Schließlich wurde das Bankhaus „Baring Brothers & Co.“ im März 1995 von dem niederländischen Allfinanz- Dienstleister „ING“ (Internationale Nederlanden Groep NV)übernommen.7

2.2 Bedeutung und Geschäftstätigkeit

Nach der Gründung seines Handelsunternehmens John & Francis Baring Company, begann Francis Baring Waren wie Baumwolle, Leinen, Kupfer und Diamanten in das Königreich zu importieren. Er erkannte schnell, dass es lukrativer war den Handel zu finanzieren als selbst die Waren zu erwerben und anschließend zu veräußern. Daraufhin spezialisierte er sich fortan auf Garantien und Kreditgeschäfte, die den internationalen Warenaustausch erleichterten. Die John & Francis Baring Company galt damit als Vor- reiter des Handelskreditgeschäfts, wodurch sie nach dem Bankhaus Rothschild zur zweitmächtigsten Bank Londons zählte.

Mit Kriegsbeginn im Jahre 1799 gewährte die Barings Bank Kredite für die Finanzierung von Kanonen und half dabei das Geld für den Krieg gegen die Vereinigten Staaten und Frankreich zu beschaffen.

John & Francis Baring Company machte jedoch auch Geschäfte auf eigene Rechnung. So kaufte sie Anteile an der amerikanischen Eisenbahn, Staatsanleihen von Panama und französische, englische, österreichische und russische Aktien.8 Der größte Teil wurde allerdings in südamerikanische Unternehmen und argentinische Staatsanleihen inves- tiert.9

Im Jahre 1886 als die Brauerei Guinness an die Börse ging, war ein Drittel aller Aktien für die Familie Baring und weitere 800.000 Pfund für die Barings Bank und wichtige Geschäftskunden reserviert, sodass viele Beteiligte damals von Insiderhandel sprachen. Da die Nachfrage nach den Guinness Wertpapieren so hoch war, waren diese schnellüberzeichnet. Die Papiere wurden für 10 Pfund herausgegeben und nach Eröffnung des Handels stiegen sie auf 16 Pfund an, wodurch die Barings Bank und Familie stark profi- tierte.

Aufgrund der hohen Anzahl an erfolgreichen Geschäften in Südamerika und guter Er- fahrungen mit Wasserversorgungsunternehmen in Peru, Venezuela und Mexiko stieg die Barings Bank 1889 bei den Wasserwerken in Buenos Aires ein. Sie kaufte Aktien der Wasserwerke in Höhe von zwei Millionen Pfund. Da sie diese bereits bezahlt hatte, bevor sie die Papiere an die Kunden weiterverkaufte, aber keiner diese in London kaufen wollte, war die Barings Bank plötzlich der größte Aktionär des privatisierten Unternehmens. Durch die Vielzahl an südamerikanischen Staatsanleihen und Aktien, geriet das Bankhaus mit Beginn der Finanzkrise in Südamerika ins Schwanken. Der damalige Gouverneur der Bank of England schmiedete 1890 ein Konsortium, durch welches 17,33 Millionen Pfund (mehr als eine Milliarde Euro nach heutigem Wechselkurs) aufgebracht wurden, um die Bank zu retten.10

Die rund 100 Jahre später gegründete Niederlassung Baring Future (Singapore) Pte Ltd. sollte die Aktivitäten im asiatischen Wertpapiergeschäft verstärken. So wurde an den Börsen in Singapur, Osaka und Tokio gehandelt und es wurden Arbitragegeschäfte in Futures durchgeführt.11 Allerdings wurden dort auch von der Zentrale in London untersagte, hochriskante Spekulationsgeschäfte ausgeführt, wodurch ein dreistelliger Millionenschaden entstand, sodass die Barings Bank folglich abgewickelt und zum Preis von einem Pfund veräußert werden musste.12

2.3 Ursachen und Verlauf der Krise

Nur kurze Zeit nachdem der Finanzmakler Nick Leeson im Jahre 1992 in der Niederlas- sung in Singapur eingestellt wurde, eröffnete dieser ein Verrechnungskonto „88888“, um seine, der Bank unbekannten, Verluste in Höhe von 2 Millionen Pfund zu verber- gen. Dieser Verlustbetrag blieb bis zum Oktober 1993 größtenteils unverändert. Zwi- schen November und Dezember 1993 stiegen die Verluste auf 23 Millionen Pfund an, während der Gewinn des gesamten Konzerns 100 Millionen Pfund betrug. Ein Jahr spä- ter türmten sich die Verluste bereits auf 208 Millionen Pfund auf und somit um mehr als den 205 Millionen Pfund hohen Konzerngewinn. Während dieser Zeit erkannten die Wirtschaftsprüfer der Barings Bank „Coopers & Lybrand“ die Kontrollen der Nieder- lassung in Singapur als zufriedenstellend an.

Im Jahre 1994 erwirtschaftete Leeson einen Rekordumsatz von 28,5 Millionen Pfund, welcher 77% des gesamten Nettokonzerngewinns entsprach. Die Zentrale in London erkundigte sich jedoch nicht wie solchüberproportional hohe Gewinne entstanden. Nick Leeson begann fortan in Optionen des japanischen Aktienindex Nikkei 225 zu investie- ren. Doch ein Erdbeben in der japanischen Stadt Kobe am 17. Januar 1995 führte zu

Marktturbulenzen und Leeson begann schließlich Nikkei Futures zu erwerben. So konnte er den zusätzlichen durch das Erbeben entstandenen Schaden zum Teil ausgleichen, sodass der Verlust der Barings Bank am 6. Februar des selben Jahres um 22% auf 253 Millionen Pfund anstieg. Trotz des andauernden Abwärtstrends auf dem Markt, erhöhte Leeson seine offenen Positionen, wodurch drei Wochen später ein Verlust in Höhe von 827 Millionen Pfund zu verzeichnen war.

Als Mitte Februar 1995 ein Kollege Leesons in Ruhestand ging, wurde ein leitender Angestellter der Abwicklung (senior settlement clerk) aus London nach Singapur ver- setzt. Dieser erkannte schnell die Probleme und deckte ein 190 Millionen US Dollar großes Schuldenloch in den Konten der Baring Future (Singapore) Pte Ltd. auf. In ei- nem anschließenden Gespräch am 23. Februar verließ Leeson den Raum und flüchtete. Das resultierende Scheitern der Bank Ende Februar 1995 hätte vermieden bzw. größten- teils abgeschwächt werden können, wenn in früheren internen Auditberichten potenziel- len Risiken die erforderliche Bedeutung geschenkt und daraufhin rechtzeitig reagiert worden wäre.13 Beispielsweise war Leeson zusätzlich zu seiner Position als Händler (Frontoffice) für die Abwicklung und das Kontrollwesen (Backoffice) zuständig.14 Ebenfalls wurden Verrechnungskonten der Niederlassung nicht vernünftig abgeglichen und aufgrund von Eifersüchteleien in den Londoner Büros fragte keiner nach Nachwei- sen der „Kunden“, für die vermeintlich Positionen eingegangen wurden waren und an welche Gewinnmargen gezahlt werden mussten.

Die Barings Niederlassung in Singapur erhielt im Januar 1995 zwei Briefe der SIMEX (Singapore International Monetary Exchange). Der erste Brief am 11. Januar verwies auf das Verrechnungskonto „88888“ und beanstandete die Genauigkeit von Informatio- nen der Niederlassung. Inhaltlich bezog man sich in dem Brief auf bestimmte Anforde- rungen für Gewinnmargen, beschwerte sichüber den Mangel an Informationen und Er- klärungen während der Abwesenheit Leesons und wies auf eine mögliche Verletzung der SIMEX Regeln hin. Leeson‘s Managerüberließ es Leeson eine Antwort auf das Schreiben zu verfassen. Der zweite Brief, der am 27. Januar eintraf, verlangte eine Zu- sageüber die Fähigkeit der Baring Future (Singapore) Pte Ltd. ihre Nachschussauffor- derungen zu finanzieren.

Schlussfolgernd wurden die Verluste durch unautorisierte und verdeckte Handelsaktivi- täten verursacht. Außerdem wurde die tatsächliche Position nicht früher erkannt, be- gründet durch ein folgenschweres Versagen der Kontrollen und Verwirrungen der Führungsebene innerhalb des Konzerns. Auch haben Wirtschaftsprüfer, Aufsicht und Regulator versagt die reelle Position rechtzeitig aufzudecken.

Leeson benötigte zudem eine Einlage bei der Börse (margin cash), um zu gewährleisten, dass genügend Geldmittel vorhanden waren, um etwaige offene Risikopositionen im Future- und Optionsgeschäft zu decken. Somit erklärte die Niederlassung in Singapur der Zentrale in London die Geldmittel für das Kundengeschäft zu benötigen und nicht für den eigentlich getätigten Eigenhandel. Daraufhinüberwies der Konzern zwischen dem 19. und 23. Februar 1995 insgesamt widerspruchslos 550 Millionen Pfund nach Singapur und unterstütze damit Leeson’s unautorisierten Eigenhandel. Niemand schien den Transfer hinterfragt oder angezweifelt zu haben, obwohl er die gesamte Liquiditäts- ausstattung des Unternehmens an ihr Limit gebracht haben muss.15

3 Operationelle Risiken

3.1 Charakterisierung operationeller Risiken

Allgemein werden Risiken im Finanzsektor nach der Hauptursache für die Ergebnisver- änderung im Unternehmen kategorisiert. Es wird daher zwischen Markt-, Kredit- und operationellen Risiken unterschieden. Im Falle der Barings Bank ist die Ursache für das Scheitern auf den ersten Blick nicht eindeutig, daher muss zunächst eine Abgrenzung zwischen Marktpreisrisiken und operationellen Risiken vorgenommen werden. Markt- preisrisiken sind Risiken, die sich durch nachteilige Veränderungen der Marktpreise ergeben, sodass dem Unternehmen durch Wertschwankungen Verluste entstehen.16 Da- gegen wird das operationelle Risiko vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wie folgt definiert:

„Operationelles Risiko ist die Gefahr von Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder in Folge externer Ereignisse eintreten. Diese Definition schliesst Rechtsrisiken ein, beinhaltet aber nicht strategische Risiken oder Reputationsrisiken.“17

[...]


1 Vgl. Auer (2008), S.13.

2 Vgl. Stickelmann (2002), S.4.

3 Vgl. Auer (2008), S.13.

4 Vgl. Müller (ohne Datum a).

5 Vgl. Encyclopædia Britannica (2015).

6 Vgl. Müller (ohne Datum a).

7 Vgl. Müller (ohne Datum b).

8 Vgl. Malcher (2013).

9 Vgl. Müller (ohne Datum a).

10 Vgl. Malcher (2013).

11 Vgl. Müller (ohne Datum b).

12 Vgl. o.V. (1996).

13 Vgl. o.V. (2009), S.1.

14 Vgl. Auer (2008), S.16.

15 Vgl. o.V. (2009), S.1f.

16 Vgl. Auer (2008), S.22.

17 Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2004), S.157.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Barings Bank und das operationelle Risiko
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Theorie der Finanzdienstleistungen
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V321924
ISBN (eBook)
9783668212237
ISBN (Buch)
9783668212244
Dateigröße
954 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
barings, bank, risiko
Arbeit zitieren
Nicole Lehnen (Autor), 2015, Die Barings Bank und das operationelle Risiko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321924

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Barings Bank und das operationelle Risiko


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden