Das Phänomen der Unterrichtsstörung greift die vorliegende Hausarbeit auf, indem als erstes eine definitorische Abgrenzung von Unterrichtsstörungen sowohl auch ihre Erscheinungsformen, ihre Ursprünge differenziert betrachtet werden. Im Hinblick hierauf werden wissenschaftliche Erkenntnisse zu pädagogischen Maßnahmen zur Prävention solcher Unterrichtsstörungen erläutert und auf Grundlage eines erfolgreichen Klassenmanagements eine Schlüsselrolle näher diskutiert.
Tagtäglich sind Lehrkräfte unabhängig von Schulform oder Bildungsgang mit Disziplinkonflikten und Unterrichtsstörungen in der Schule konfrontiert. Circa 35 % der Zeit im Klassenunterricht geht durch Unterrichtsstörungen verloren. In Anbetracht einer Unterrichtsstunde von 45 Minuten sind dies circa 16 Minuten, bei einer Doppelstunde von 90 Minuten sogar knapp 32 Minuten – eine Zeit, die Lehrer als auch Schüler für das Erarbeiten von Unterrichtsinhalten effektiver nutzen könnten.
Jede Lehrperson bedient sich dabei unterschiedlicher Strategien und Maßnahmen, um mit Unterrichtsstörungen im Klassenzimmer umzugehen. Dabei ist bewiesen, dass Unterrichtsstörungen nicht nur das Lehr-Lerngeschehen und die Wirksamkeit auf den Lernprozess der einzelnen Schüler maßgeblich beeinträchtigen können, sondern auch eine zunehmende psychische Belastung für die einzelnen Lehrkräfte darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was sind Unterrichtsstörungen
2.1 Arten von Unterrichtsstörungen
2.2 Unterrichtsstörungen aus perspektivischer Sicht
3. Unterrichtsstörungen – woher kommen sie?
4. Classroom Management als Präventionsstrategie gegen Unterrichtsstörungen
4.1 Ansatz Jacob Kounin zur Klassenführung
4.2 Erkenntnisse und Erwartungen an ein erfolgreiches Klassenmanagement
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem Phänomen der Unterrichtsstörungen auseinander und untersucht präventive Ansätze, um Lehr-Lernprozesse effektiv zu gestalten. Das primäre Ziel ist es, auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse Strategien eines erfolgreichen Klassenmanagements zu analysieren, wobei die Perspektiven von Lehrkräften und Schülern sowie die Bedeutung präventiver Maßnahmen beleuchtet werden.
- Definitorische Abgrenzung und Ursachen von Unterrichtsstörungen
- Die Rolle der Perspektivität bei der Deutung von Unterrichtsstörungen
- Jacob Kounins Dimensionen der Klassenführung
- Präventionsstrategien und erfolgreiches Classroom Management
- Reflexion der Lehrkraft und systemische Betrachtung des Unterrichts
Auszug aus dem Buch
4.1 Ansatz Jacob Kounin zur Klassenführung
Während die Forschung anfangs die Intervention im Blick hatte, war es Jakob Kounin, der in den 70er Jahren sich zunehmend dem Aspekt der Prävention angenommen hat. Seine einstige Forschung begann in einer seiner Vorlesungen, als ein Student durch das Lesen einer Zeitung von Kounin gemaßregelt worden war (Vgl. Kounin, 2006). Diese Maßregelung zeigte mitunter Wirkung auf andere beobachtende Studenten, die sich vielmehr betroffen fühlten obwohl sie nicht direkt ermahnt worden waren. Diese „Welleneffekte“ versuchte er in weiteren Studien näher zu untersuchen, unter anderem mit der Frage welche Ermahnung nach einer Störung erfolgte und welchen Effekt diesen auf das Verhalten der Schüler hatte (Vgl. Kounin, 2006). Die vielen Befunde und Korrelationen zwischen Ermahnung seitens der Lehrperson und dem Störverhalten der Schüler seiner Studien erwiesen sich jedoch als widersprüchlich und nicht eindeutig (ebd.). Erfolgreiche Zurechtweisungen in der einen Klasse, führten zu keinen Effekten in der anderen Klasse. Mittels weiterer Videoanalysen fanden Kounin und seine Forscher heraus, dass vielmehr das Geschehen vor der Störung und weniger das Lehrerverhalten nach einer Unterrichtsstörung von Bedeutung sein kann (ebd.). Damit konnte aufgezeigt werden, dass ein angestrebter Effekt vielmehr von anderen Dimensionen als das der Lehrerermahnung abhängig sein kann. Kounin sah dabei den Aspekt der Prävention als überaus wichtig an (Lohmann, 2014), um gute Mitarbeit und geringes Fehlverhalten im Unterricht zu erreichen (Nolting, 2014). Dabei formulierte Kounin vier Dimensionen des Lehrerverhaltens für erfolgreiche Klassenführung als essentiell heraus:
• Allgegenwärtigkeit und Überlappung
• Reibungslosigkeit und Schwung
• Aufrechterhaltung des Gruppenfokus
• Programmierte Überdrussvermeidung
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Problemfeld der Unterrichtsstörungen ein und verdeutlicht deren Einfluss auf Lernzeit und psychische Belastung der Lehrkräfte.
2. Was sind Unterrichtsstörungen: Dieses Kapitel definiert Unterrichtsstörungen wissenschaftlich und beleuchtet verschiedene Erscheinungsformen sowie die unterschiedliche Wahrnehmung aus Lehrer- und Schülerperspektive.
3. Unterrichtsstörungen – woher kommen sie?: Hier werden die Ursachen von Störungen aus drei Blickrichtungen analysiert: der Institution Schule, den Schülern und dem Lehrerverhalten.
4. Classroom Management als Präventionsstrategie gegen Unterrichtsstörungen: Das Kapitel stellt das Konzept des Classroom Managements als präventiven Ansatz vor, inklusive Kounins vier Dimensionen und empirischer Erkenntnisse für erfolgreiche Klassenführung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung präventiver Maßnahmen zusammen und betont, dass Klassenmanagement als flexible Orientierung und nicht als starres Regelwerk verstanden werden sollte.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Classroom Management, Klassenführung, Prävention, Jacob Kounin, Lehrerverhalten, Schülerperspektive, Disziplin, Unterrichtsgestaltung, Allgegenwärtigkeit, Lernprozess, Schulpädagogik, Verhaltensauffälligkeiten, Bildungsforschung, Sozial-emotionale Beziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Phänomen der Unterrichtsstörungen in der Schule, ihre Ursachen sowie die Möglichkeiten, diesen durch ein effektives Klassenmanagement präventiv zu begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Störungen, die systemische Betrachtung der Ursachen, die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit und die Analyse von Präventionskonzepten.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über präventive Maßnahmen im Unterricht zusammenzutragen, um aufzuzeigen, wie Lehrer störungsarmen Unterricht durch professionelles Klassenmanagement fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien und Theorien führender Pädagogen wie Jacob Kounin, Nolting und anderer Experten im Bereich der Bildungsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Störungen, die Ursachenforschung, die Vorstellung des Classroom Managements und die Analyse spezifischer Kompetenzen wie Allgegenwärtigkeit und Schwung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Unterrichtsstörungen, Classroom Management, Prävention, Klassenführung, Lehrerverhalten und Schülerinteraktion.
Warum ist die Perspektive der Schüler bei Unterrichtsstörungen wichtig?
Da Störungen subjektiv interpretiert werden, ist der Abgleich zwischen Lehrer- und Schülerperspektive essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden und ein positives Klassenklima zu fördern.
Was versteht man unter dem Welleneffekt nach Kounin?
Der Welleneffekt beschreibt die Beobachtung, dass Ermahnungen eines einzelnen Schülers auch das Verhalten anderer, nicht direkt angesprochener Schüler positiv beeinflussen können.
Warum sollte Klassenmanagement nicht als starres Regelwerk gelten?
Da jede Klasse und jede Unterrichtssituation individuell ist, muss eine Lehrkraft flexibel agieren und Klassenmanagement eher als pädagogische Orientierung statt als starre Anweisung begreifen.
Welche moderne Herausforderung wird im Fazit erwähnt?
Im Fazit wird darauf hingewiesen, dass moderne Medien wie Smartphones und soziale Netzwerke neue Formen von Unterrichtsstörungen hervorbringen, die in das Klassenmanagement integriert werden müssen.
- Citation du texte
- Verena Born (Auteur), 2015, Unterrichtsstörungen und ihre Prävention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322057