Frauenbewegung und Sprachwissenschaft. Welche Einflüsse feministischer Theorie finden sich in der Linguistik?


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschlechterforschung
2.1 Die Neue Frauenbewegung
2.2 Anfänge der feministisch-linguistischen Diskussion

3. Entstehung der feministischen Sprachwissenschaft
3.1 Frauensprachen
3.2 Hypothesen zum weiblichen Sprachverhalten

4. Sprachwandelphänomene unter dem Einfluss der Frauenbewegung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ein Sprachverfall wird befürchtet, gäbe man den Feministinnen, die sogar Kunstwörter erfinden und diese verbissen verteidigen, das Ruder in die Hand.“ (Samel 2000: 9) Aus dieser These heraus ist mein Interesse an Sprachwandelphänomene aus der linguistischen Perspektive sowie seitens der Geschlechterforschung entstanden.

Die deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten, die Sprache zu feminisieren. Seit langem wird jedoch das Argument diskutiert, ob die Doppelnennung von Frauen und Männern nicht unökonomisch sei („Liebe Wählerinnen und Wähler!“). Gründe, welche zu dieser Aussage führen, können damit zusammenhängen, dass Frauen in der Sprache und auch in der Gesellschaft nicht dominieren sollen oder nur an zweiter Stelle vorkommen sollen (vgl. Hufeisen 1993: 7). Hufeisen thematisiert in ihren Aufsätzen die Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs und ihre linguistische Brauchbarkeit, die von der feministischen Linguistik aus vorgeschlagen wurde. Das heißt, es wird der Frage nachgegangen, ob eine linguistische Notwendigkeit für die vorgeschlagenen Veränderungen besteht. Dies hier ist eines der Themen, welches aus der Sicht der feministischen Linguistik in dem Werk „Das Weib soll schweigen…“ von Britta Hufeisen (1993) untersucht wird.

In der vorliegenden Ausarbeitung soll unter anderem dargestellt werden, inwiefern sich Frauen und Männer bezüglich des Sprachverhaltens voneinander unterscheiden. Laut Grässel (1991: 12) wurde die erste Untersuchung in diesem Gebiet bereits 1664 als „Dictionnaire Caraibe-Francais“ von Wilhelm Breton veröffentlicht, in dem in einem umfassenden Wörterverzeichnis Wörter gekennzeichnet sind, die ausschließlich von Frauen gebraucht werden und genauso Wörter, die ausschließlich von Männern bevorzugt werden. Die heutigen Sprachforscher und Sprachforscherinnen haben daraus resultierend die Begriffe Frauensprache und Männersprache neu aufgelegt. Heute werden diese Begriffe weiter verwendet, wobei diskutiert wird, wie die Frau aufgrund eines abweichenden Sprachverhaltens und –gebrauchs in der Gesellschaft bzw. in Gesprächen wirkt.

Feministisches Nachdenken über die Sprache hat eine breitere Öffentlichkeit erreicht, doch wiederum hat die ‚Feministische Sprachwissenschaft‘ als Fach Schwierigkeiten, sich innerhalb der Universitäten zu profilieren. „In der Bundesrepublik hielt zuerst Ingrid Guentherodt im Wintersemester 1974/75 ein Hauptseminar zu ‚Rollenverhalten der Frau und Sprache‘ ab.“ (Samel 2000: 10) Aus diesem Grunde möchte ich in dieser Arbeit die bisherigen Befunde zur Entstehung, Entwicklung und zu den wichtigsten Forschungsschwerpunkten zusammenfassend darstellen. Allerdings bleibt laut Samel (ebd.) die Geschichte der Feministischen Linguistik heute immer noch spärlich, wie Trömel – Plötz, die in weiteren Abschnitten noch vorgestellt wird, davon berichtet.

Samel stellt in ihrem Buch die wichtigsten Forschungsschwerpunkte der feministischen Sprachwissenschaft dar und liefert zudem eine Einführung für Studierende der Sprachwissenschaft und andere Interessierte. Das Werk ist als einen ersten Überblick über die Themenbereiche und Positionen gedacht (vgl. Samel 2000: 10). Dies ist der Grund, weshalb ich in erster Linie Samel vor Augen haben möchte und gleichzeitig ältere Gedanken und Quellen mit einbeziehen werde.

Im ersten Teil soll die Neue Frauenbewegung erläutert werden und im Übergang wird das Interesse der Frauenbewegung an der Sprache erklärt. Die Anfänge der feministisch-linguistischen Diskussion sind als Grundbaustein wichtig für den weiteren Verlauf dieser Arbeit, weshalb diese in dieser Arbeit genauso aufgegriffen werden. Im Hauptteil habe ich die typischen Redestrategien und Sprachverhalten von Frauen als Untersuchungsgegenstand festgelegt, welcher gleichzeitig der Schwerpunkt dieser Arbeit ist. Die kommunikativen Sprachverhalten der Frau werden mittels Hypothesen seitens unterschiedlicher Sprachforscher beschrieben und beleuchtet.

Zuletzt möchte ich auch den Sprachwandel unter dem Einfluss der Frauenbewegung anknüpfen. „Der von Frauen in Gang gesetzte Sprachwandel … bringt nicht nur laufend neue Wörter und Begriffe hervor, sondern er verändert unser System grammatischer Regeln vor allem im Bereich der Kongruenz.“ (Pusch 1984: 79; zit. n. Samel 2000: 11) Dieses Zitat soll an dieser Stelle meinen letzten Abschnitt zusammenfassend darstellen. Weitere Forschungsergebnisse werde ich im vierten Teil meiner Arbeit vorstellen.

Nun soll aber das Thema eingeführt werden, wo näher darauf eingegangen wird, weshalb Feministinnen beziehungsweise Frauen der Neuen Frauenbewegung gesellschaftliche Strukturen hinterfragten und wie es anschließend zum Interesse an der Sprache gekommen ist.

2. Geschlechterforschung

Die Gender Studies entwickelten sich aus der Frauenbewegung, die in den 1960er und 70er Jahren in einigen US-amerikanischen eine der größten sozialen Revolutionen des 20. Jahrhunderts ausgelöst haben. Der Gedanke bei der Entstehung der Geschlechterforschung war es, dass einerseits gezeigt werden sollte, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, andererseits sollte diese Idee betonen, dass es auch eine eigene Frauenkultur gibt. Durch diese Uneinigkeit wurde offiziell 1975 die Geschlechterforschung entwickelt (vgl. Hönig: 2004). Die Einzelheiten und nähere Informationen zur Geschichte der Frauenbewegung werden im folgenden Abschnitt dargestellt.

2.1 Die Neue Frauenbewegung

„Sich als Subjekte einer Bewegung zu konstituieren, war für Frauen schwierig: Sie wurden in der Moderne meist auf den privaten Bereich von Familie/Haushalt festgelegt und hatten kaum öffentliche Stimmen.“ (Lenz 2008: 24) Diese Feststellung stellt die Situation der Frau vor der Frauenbewegung zusammenfassend dar. Bis 1933 kämpften die Frauen bereits um ihre ökonomische, politische, soziale und kulturelle Gleichberechtigung. Dies ist die erste große Aktion von Frauen in Deutschland, bei der sie sich in bürgerlichen sowie in proletarischen Vereinen und Verbänden organisierten.

Die zweite Phase der Frauenbewegung hat ihre „Anfänge in der Studentenbewegung und der außerparlamentarischen Opposition 1967/68“ (Samel 2000: 16). Die Frauenbewegung in Deutschland lässt sich durch diese zwei zeitlich aufeinanderfolgenden Phasen identifizieren.

Wie die Neuen Frauenbewegungen, ihre Entwicklung und auch ihre Veränderungen zu begreifen sind, wird im Folgenden aufgegriffen:

„Die Neuen Frauenbewegungen sind mobilisierende kollektive AkteurInnen, d.h. in ihnen handeln Menschen gemeinsam, um geteilte Anliegen und Ziele zu verfolgen. Die beteiligten Personen fordern angesichts einer öffentlichen formalen Rechtsgleichheit individuelle Selbstbestimmung, Freiheit, Gleichheit und Solidarität und wirken auf einen grundlegenden Wandel der Geschlechterverhältnisse hin. (Lenz 2008: 22)

Das heißt, dass sie die herrschenden geschlechtlichen Leitbilder kritisieren, aktuelle Normen und Diskurse entwerfen und Alternativen verwirklichen, die zu neuen Leitbildern und Normen führen können (vgl. ebd.). Die Motivation und die Suche nach ihren individuellen Subjektpotentialen und Lebenschancen führten dazu, sich der Frauenbewegung anzuschließen. „Die Feministinnen beziehungsweise die Frauen der Neuen Frauenbewegung hinterfragten gesellschaftliche Strukturen, die Frauen immer zum Nachteil gereichten und dennoch vordem als selbstverständlich akzeptiert worden waren.“ (Samel 2000: 17) Anders betrachtet kann ergänzt werden, dass die Frauen der Neuen Frauenbewegung versuchten zu definieren, was Weiblichkeit ist und genauso was die weibliche Identität ausmacht. Als Untersuchungsgegenstand wurden die Sprache und das Sprechen ins Zentrum der weiblichen Selbstfindung gerückt. Die Frage, wie sie auf die Idee gekommen sind, die weibliche Identität mit dem Thema Sprache der Frauen zu verknüpfen, wird im folgenden Zitat annähernd beantwortet:

Nachdem die Frauen erkannten, daß die herkömmlich herrschenden sprachlichen Ausdrucksmittel von männlichen Denken und Empfinden geprägt sind, fragten sie, welche Möglichkeiten für den Ausdruck von Weiblichkeit bestehen. (Samel 2000: 19)

Im Ganzen kann besagt werden, dass sie Veränderungen in der Sprache und im Sprechen anstrebten, da sie sich eine Kommunikation wünschten, in der männliches Denken und Empfinden nicht existiert. Die Erkenntnis, dass Männer und Frauen verschieden kommunizieren, taucht auch bereits im Jahr 1993 auf. Laut Mauthner (1913: 637; zit. n. Grässel 1990: 13) ist die Sprache „kein Besitz des Einsamen, weil sie nur zwischen den Menschen ist; aber die Sprache ist auch zwei Menschen nicht gemeinsam, weil auch bloß zwei Menschen niemals das gleiche bei den Worten“ sich vorstellen.

Zusammenfassend sei erwähnt, dass sich die Neuen Frauenbewegungen aus dem Grund herausgebildet haben, damit Subjekte oder AkteurInnen der Bewegung entstehen, welche als Subjektkonstitution benannt werden. Zudem bedarf es zu einer Frauenbewegung, da sie sich zusammenschließen und Gruppen bilden, die diese tragen und fortführen, anders gesagt auch die Organisation zur Mobilisierung von Ressourcen übernehmen. Sie versuchen eine Sprache zu entwickeln, die in an ihren individuellen Erfahrungen von Ungerechtigkeit ansetzen und sie in Anliegen und Visionen sowie in diskursiven Auseinandersetzungen weiterführen (vgl. Lenz 2008: 24).

2.2 Anfänge der feministisch-linguistischen Diskussion

Ein neues Forschungsgebiet innerhalb der Sprachwissenschaft ist entstanden, in dem „feministisch motiviert der Zusammenhang zwischen Sprache und Geschlecht neu erarbeitet wird“ (Samel 2000: 9). Die Frage in diesem Abschnitt ist es, wie es zu dieser Idee ursprünglich gekommen ist. Bereits 1991 befasste sich die Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung damit, ob die Sprache ein Geschlecht hat und auch Feminisierungstendenzen aufweist. In der deutschen Sprache ist davon die Rede, dass Schreibweisen wie dem großen ‚I‘ mitten im Wort auffallen und „das Deutsche angeblich verstümmeln“ (ebd.).

Doch wie hat es sich entwickelt, dass die Neue Frauenbewegung seit Beginn der siebziger Jahre Interesse an der Sprache hat? Welches Interesse verfolgt die Neue Bewegung tatsächlich bei ihrer Beschäftigung mit Sprache?

Laut diversen Quellen ist uns bekannt, dass es ohne die 68er die Neue Frauenbewegung und somit die feministisch-linguistische Diskussion gar nicht gäbe. „Mit der Neuen Frauenbewegung fing die feministische Sprachreflexion in der Bundesrepublik an.“ (Samel 2000: 15)

Da schon zu Beginn der Studentenbewegung Spannungen zwischen Frauen und Männern im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) auftraten, wurde in der Studentenbewegung „nicht nur das politische Geschehen diskutiert und analysiert, sondern auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander“ (ebd.). An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die feministisch-linguistische Diskussion anfangs mithilfe von Frauen wie Sente Trömel-Plötz verbreitet wurde. „Prinzipiell gelingt eine männliche Herrschaftssicherung über Sprache und Sprechen“ (Samel 2000: 20), sodass diese seit den siebziger Jahren seitens der Sprachwissenschaftlerinnen kritisiert wird.

Seit Frauen sich politisch als Gruppe verstanden und damit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerieten, seit sie auf ihre Benachteiligung aufmerksam machten, begann auch in der Linguistik ein Interesse, ihrer Benachteiligung in der Sprache und durch die männlichen Sprecher nachzuspüren. (Trömel-Plötz 1982: 36; zit. n. Samel 2000: 20)

Desweiteren sind als wichtige Namen Mary Ritchie Key und Robin Lakoff aus den USA bekannt, die die ersten Hypothesen zum Thema Sprache und Geschlecht aufgestellt haben. Senta Trömel-Plötz hat jedoch dazu beigetragen, dass die ersten Hypothesen im deutschsprachigen Raum verbreitet sind, um daraufhin ihre eigenen Forschungen in der alten Bundesrepublik publizieren zu können (vgl. Samel 2000: 31).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Frauenbewegung und Sprachwissenschaft. Welche Einflüsse feministischer Theorie finden sich in der Linguistik?
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Feministische Theorien
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V322080
ISBN (eBook)
9783668216259
ISBN (Buch)
9783668216266
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenbewegung, feministische Linguistik, feministische sprachwissenschaft, Neue Frauenbewegung, feministische Theorien, soziologie, linguistik, sprachwissenschaft
Arbeit zitieren
Yeliz Öcal (Autor), 2016, Frauenbewegung und Sprachwissenschaft. Welche Einflüsse feministischer Theorie finden sich in der Linguistik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322080

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