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Interessenkonflikte zwischen Bankenaufsicht und Geldpolitik innerhalb der Europäischen Zentralbank

Title: Interessenkonflikte zwischen Bankenaufsicht und Geldpolitik innerhalb der Europäischen Zentralbank

Master's Thesis , 2015 , 61 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Reddig (Author)

Business economics - Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
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Der 4. November 2014 ist ein historisches Datum für die europäische Bankenaufsicht. Seit diesem Zeitpunkt übt die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen des einheitlichen europäischen Bankenaufsichtsmechanismus die direkte Aufsicht über die bedeutendsten Banken bzw. Bankengruppen im Euroraum aus. Der einheitliche Aufsichtsmechanismus bildet ein Netzwerk aus der EZB sowie den nationalen Aufsichtsbehörden und stellt zugleich den ersten Baustein der europäischen Bankenunion dar. Dieses Projekt soll die Umgestaltung der europäischen Aufsichtsarchitektur vorantreiben. Es ist das Ergebnis des sich vollziehenden regulatorischen Wandels der vergangenen Jahre und verkörpert eine notwendige Reform für einen widerstandsfähigeren europäischen Bankensektor, um die Schwächen der seit 2007 bestehenden Krisensituation zu beseitigen. Als ein langfristig ausgelegtes Rahmenwerk komplettiert die Bankenunion die europäische Währungsunion.
In der wissenschaftlichen Literatur und auch in der Öffentlichkeit gibt es vermehrt Anhänger, die die Bestrebungen der europäischen Bankenunion in Frage stellen. Insbesondere wird die zusätzliche Übertragung der Aufsichtsverantwortung auf die EZB im Zuge des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus kritisiert. Als Hauptgrund werden unvermeidbare Interessenkonflikte zwischen den geldpolitischen und den neuen aufsichtsrechtlichen Zuständigkeiten der EZB genannt. Die zentrale Zielsetzung der folgenden Untersuchung besteht darin, das Spannungsfeld dieser beiden Themenfelder aufzuzeigen und zu überprüfen, ob Interessenkonflikte zwischen dem Mandat der Geldpolitik und der Bankenaufsichtsfunktion innerhalb der Handlungsfelder der EZB bestehen. Ferner werden die wesentlichen Ziele und Inhalte des neu geschaffenen Bankenaufsichtsmechanismus vorgestellt. Bisher existieren wenige Forschungsergebnisse, die sich mit dieser expliziten Fragestellung auseinandersetzen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Ziele der Arbeit

1.2 Gang der Untersuchung

2 Einheitlicher Bankenaufsichtsmechanismus als erste Säule des Projekts Bankenunion

2.1 Europäische Bankenunion

2.1.1 Wesentliche Ursachen für die Reform der europäischen Finanzarchitektur

2.1.2 Säulen der europäischen Bankenunion

2.2 Bankenaufsicht im Rahmen des einheitlichen Aufsichtsmechanismus

2.2.1 Bankenaufsicht

2.2.1.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung

2.2.1.2 Rechtfertigung der Bankenaufsicht

2.2.2 Einheitlicher Bankenaufsichtsmechanismus

2.2.2.1 Ziele

2.2.2.2 Rechtliche Grundlagen

2.2.2.3 Geltungsbereich

2.2.2.4 Zuständigkeiten der beteiligten Institutionen

3 Europäische Zentralbank und ihr erweitertes Aufgabenspektrum

3.1 Europäische Zentralbank als integraler Bestandteil des Eurosystems und des Europäischen Systems der Zentralbanken

3.2 Handlungsfelder der Europäischen Zentralbank

3.2.1 Geldpolitik

3.2.1.1 Geldpolitische Strategie

3.2.1.2 Instrumente der Geldpolitik

3.2.2 Bankenaufsichtsfunktion

3.2.3 Sonstige Aufgaben der Europäischen Zentralbank

4 Analyse potenzieller Interessenkonflikte zwischen geldpolitischer und aufsichtsrechtlicher Funktion der Europäischen Zentralbank

4.1 Institutionelle Entscheidungsstrukturen

4.2 Mögliche Interessenkonflikte aufgrund einer auf Finanzstabilität ausgerichteten Geldpolitik

4.2.1 Europäische Zentralbank als Aufsichtsbehörde mit Zugang zu Zentralbankliquidität

4.2.2 Untersagung von Leitzinserhöhungen aufgrund aufsichtlicher Bedenken

4.3 Mögliche Interessenkonflikte aufgrund der Dominanz geldpolitischer Ziele

4.3.1 Untersagung von Eigenkapitalerhöhungen aufgrund geldpolitischer Bedenken

4.3.2 Mögliche Zielinkongruenzen zwischen Wirtschaftspolitik und Bankenaufsicht

4.3.3 Mögliche Folgen niedriger Leitzinsen für die Bankenaufsicht

4.4 Andere mögliche Interessenkonflikte

4.4.1 Reputationsverluste

4.4.2 Unvereinbarkeit des Strafzinses der Einlagefazilität mit aufsichtlichen Anforderungen

4.4.3 Studienergebnisse von Ioannidou

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die potenziellen Interessenkonflikte zwischen der geldpolitischen Funktion und der neu geschaffenen Bankenaufsichtsfunktion der Europäischen Zentralbank (EZB) innerhalb der Bankenunion.

  • Grundlagen der europäischen Bankenunion und des einheitlichen Aufsichtsmechanismus
  • Aufgabenspektrum und Entscheidungsstrukturen der EZB
  • Analyse institutioneller Konfliktpotenziale zwischen Geldpolitik und Aufsicht
  • Auswirkungen geldpolitischer Maßnahmen auf die Stabilität von Kreditinstituten
  • Empirische Erkenntnisse zu Interessenkonflikten in der Zentralbanktätigkeit

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Europäische Zentralbank als Aufsichtsbehörde mit Zugang zu Zentralbankliquidität

Eine in der Literatur oft skizzierte Konstellation ist ein Konfliktszenario, bei dem die Zentralbank als Aufseher mit Zugang zur Zentralbankliquidität fungiert. Eine solche Bereitstellung von Zentralbankgeld wird von der Bedürftigkeit der Banken abhängig gemacht. Auf Basis von aufsichtsrechtlichen Motiven wird eine expansive Geldpolitik herbeigeführt. Demgemäß wird der gesamte Bankenmarkt besser mit Liquidität versorgt. Notleidende Banken werden gestützt, die anderenfalls nicht überlebensfähig wären. Goodhart und Schoenmaker weisen darauf hin, dass Ansteckungseffekte zwischen den Banken und systemische Krisen abgewendet werden sollen, indem die Liquiditätssituation im Interbankenmarkt verbessert wird.

Entsprechend den weiter oben genannten Erläuterungen stellt die Gewährleistung der Preisniveaustabilität das Hauptanliegen der EZB dar. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, geht die EZB bzw. das ESZB gemäß Artikel 3 des EU-Vertrages wirtschaftspolitischen Aufgaben und damit auch in impliziter Weise der Aufgabe der Finanzstabilität nach. Das Hauptziel der Bankenaufsicht im Rahmen des einheitlichen Aufsichtsmechanismus ist die Sicherheit und Solidität der einzelnen Kreditinstitute sowie die Stabilität des Finanzsystems in der EU. Da die EZB für die Einhaltung der Aufsichtsanforderungen der bedeutenden Kreditinstitute selbst zuständig ist, würde sie etwaige negative Entwicklungen in Bezug auf die Stabilität und Solidität der Banken erkennen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung der Bankenunion ein und definiert das Ziel, Interessenkonflikte zwischen der Geldpolitik und der Bankenaufsicht der EZB zu analysieren.

2 Einheitlicher Bankenaufsichtsmechanismus als erste Säule des Projekts Bankenunion: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Bankenunion sowie die rechtlichen und organisatorischen Strukturen der Bankenaufsicht.

3 Europäische Zentralbank und ihr erweitertes Aufgabenspektrum: Hier wird die Rolle der EZB im Eurosystem beleuchtet und ihre geldpolitischen sowie aufsichtsrechtlichen Aufgabenbereiche werden detailliert beschrieben.

4 Analyse potenzieller Interessenkonflikte zwischen geldpolitischer und aufsichtsrechtlicher Funktion der Europäischen Zentralbank: Das Hauptkapitel untersucht kritisch die institutionelle Struktur und analysiert anhand verschiedener Szenarien, wo Interessenkollisionen zwischen Geldpolitik und Aufsicht entstehen können.

5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass zwischen den beiden Politikbereichen in Einzelfällen Zielkonflikte existieren, die durch die aktuelle institutionelle Rahmenbedingung nicht vollständig ausgeräumt werden.

Schlüsselwörter

Bankenunion, EZB, Bankenaufsicht, Geldpolitik, Interessenkonflikt, Finanzstabilität, SSM, ESZB, Preisstabilität, Leitzins, Bankenregulierung, Zentralbankliquidität, Risiko, Eigenkapitalanforderungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit untersucht, ob durch die Übertragung der Bankenaufsicht auf die Europäische Zentralbank Interessenkonflikte mit deren geldpolitischem Mandat entstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Architektur der europäischen Bankenunion, die Instrumente und Strategien der Geldpolitik sowie die aufsichtsrechtlichen Befugnisse der EZB gegenüber großen Kreditinstituten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen dem geldpolitischen Stabilitätsmandat und der neuen aufsichtsrechtlichen Verantwortung der EZB aufzuzeigen und zu prüfen, ob Interessenkollisionen institutionell vermieden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einem induktiven Vorgehen, das auf einer fundierten Literaturanalyse und der Untersuchung der institutionellen Entscheidungsstrukturen innerhalb der EZB basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden institutionelle Strukturen analysiert sowie konkrete Konfliktszenarien beleuchtet, wie etwa die Zuteilung von Zentralbankliquidität, die Auswirkung von Leitzinsentscheidungen auf Banken oder die Interaktion mit Eigenkapitalanforderungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Bankenunion, EZB, Bankenaufsicht, Geldpolitik, Finanzstabilität und Interessenkonflikt charakterisieren.

Warum wird eine "Chinesische Mauer" innerhalb der EZB thematisiert?

Die "Chinesische Mauer" beschreibt das institutionelle Trennungsprinzip, das durch die SSM-Verordnung vorgesehen ist, um Interessenkonflikte zwischen der Geldpolitik und der Bankenaufsicht durch eine personelle und organisatorische Trennung zu verhindern.

Welche Bedeutung haben die Studienergebnisse von Ioannidou?

Die Studie von Ioannidou dient als empirischer Beleg dafür, dass Zentralbanken in Zeiten restriktiver Geldpolitik dazu neigen, die Bankenaufsicht weniger streng auszuüben, was als Indiz für potenzielle Abhängigkeiten gewertet wird.

Wie bewertet der Autor die aktuelle institutionelle Lage?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle personelle Vermischung in den Entscheidungsgremien (z.B. EZB-Rat und Aufsichtsgremium) eine wirksame Trennung der beiden Politikbereiche erschwert und somit Interessenkonflikte begünstigen kann.

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Details

Title
Interessenkonflikte zwischen Bankenaufsicht und Geldpolitik innerhalb der Europäischen Zentralbank
College
Martin Luther University  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Course
Masterarbeit - Finanzierung und Banken
Grade
1,3
Author
Sebastian Reddig (Author)
Publication Year
2015
Pages
61
Catalog Number
V322123
ISBN (eBook)
9783668214958
ISBN (Book)
9783668214965
Language
German
Tags
Zielkonflikt Europäische Zentralbank Interessenkonflikt Bankenaufsicht Geldpolitik Einheitlicher Bankenaufsichtsmechanismus SSM Single Supervisory Mechanism Bankenunion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Reddig (Author), 2015, Interessenkonflikte zwischen Bankenaufsicht und Geldpolitik innerhalb der Europäischen Zentralbank, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322123
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