Die Folgen der demographischen Entwicklung für die Schule


Seminararbeit, 2004
23 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Ziele und Fragestellungen der Arbeit
1.2 Begründung für die Einengung der Thematik
1.3 Zum Aufbau der Arbeit

2. Demographische Faktoren
2.1 Internationale Wanderung und Binnenwanderung seit 1945
2.2 Geburtenentwicklung in Deutschland seit 1945
2.3 Altersstruktur des Lehrpersonals

3. Prognosen zur zukünftigen Schülerentwicklung

4. Lehrerbedarf

5. Schulplanung für die Zukunft
5.1 Prinzipielle Probleme, die bei der Planung bedacht werden müssen
5.2 Vorschläge für zukünftige Planungen

6. Schulplanung am Beispiel der mittelfristigen SCHULENTWICKLUNGSPLANUNG (MitSEPL-VO) IN DER STADT HALLE (Saale) FÜR DIE SCHULJAHRE 2004/05 BIS 2008/09 (Gymnasien)
6.1 Geplante Veränderungen bei den Gymnasien in Halle (Saale)
6.1.1 Gymnasien im Bereich Süd
6.1.2 Gymnasien in Neustadt
6.2 Voraussetzungen in der Stadt Halle (Saale)
6.3 Auswirkungen auf den Bildungsstandort Halle

7. Zusammenfassung und Ausblick

8. Anhang

9. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einführung

1.1 Ziele und Fragestellungen der Arbeit

Schon immer hat sich ein Wandel in der Bevölkerungsstruktur vollzogen, hervorgerufen durch die verschiedensten Faktoren. Gerade in Deutschland fand im letzten Jahrhundert ein immenser Wandel in der Gesellschaft statt. Neben den Auswirkungen der zwei Weltkriege trug auch die politische Wende zu einer Neugliederung der Bevölkerung bei. Im Interesse der aktuellen Debatte stehen nun die Folgen dieser Entwicklung, die sich besonders durch einen starken Geburtenrückgang bemerkbar machen. Gerade die fehlenden Kinder stehen im Mittelpunkt, wenn es um die Folgen der demographischen Entwicklung für die Schule geht. Bei fallenden Schülerzahlen wird die Debatte um Schulschließungen und neuen Lernmodellen immer lauter, wohingegen andere Lager von Lehrermangel und schlechten Bildungsvoraussetzungen sprechen.

Doch welche Veränderungen im Ganzen und im Osten im speziellen haben sich seit der Zeit nach dem 2. Weltkrieg zugetragen? Wie sind die Auswirkungen auf die Schüler und Lehrer von heute und der Zukunft? Diese Fragen sollen im Blickpunkt dieser Arbeit stehen, die anhand theoretischer und praktischer Beispiele Ansätze aufzeigen soll, wie eine neue Schulstruktur besonders im Osten aussehen könnte.

1.2 Begründung für die Einengung der Thematik

Gerade der Osten der Bundesrepublik Deutschland hat sich wirtschaftlich noch immer nicht von 40 Jahren Sozialismus erholt. Besonders viele junge Menschen kehren der Heimat den Rücken und gehen der Arbeit nach. Aus diesem Grund sollen gerade die Veränderungen und die Auswirkungen dieser in den neuen Bundesländern beleuchtet werden, da sich die Entwicklung hier am dramatischsten darstellt.

Die Vorschläge für eine neue Schulstruktur sind im speziellen nach Weishaupt orientiert. Dieser Professor für Erziehungswissenschaften hat schon einige Schriften zu diesem Thema veröffentlicht. Seine Vorschläge sollen im Einzelnen untersucht werden, um eine möglichst genaue Vorstellung seiner Ideen zu bekommen.

Weiterhin soll der mittelfristige Schulentwicklungsplan der Stadt Halle vom Dezember 2003 Gegenstand der Untersuchungen sein. Dies ergibt sich daraus, dass die Debatte um diesen Plan gerade im vollsten Gange ist, sowie sich die Auswirkungen der demographischen Veränderungen in dieser sachsen-anhaltinischen Stadt stark zu spüren sind.

1.3 Zum Aufbau der Arbeit

Im Folgenden sollen nun die demographischen Faktoren – Wanderung, Geburtenzahlen, Altersstruktur - aufgezeigt und untersucht werden. Dabei wird besonders die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und der damit zusammenhängenden Teilung Deutschlands bis zur Gegenwart von Bedeutung sein.

Anschließend werden prognostizierte Zahlen zur Schülerentwicklung und zum errechneten Lehrerbedarf untersucht und ausgewertet. Die theoretischen Lösungsansätze nach Weishaupt sollen Bestandteil des anschließenden Kapitels sein. Daraufhin wird die Umsetzung solcher Vorschläge am Beispiel des Halleschen Schulentwicklungsplanes untersucht.

2. Demographische Faktoren

Als demographische Faktoren werden die verschiedensten Einflüsse bei der Bevölkerungsentwicklung betrachtet. Neben Überschüssen und Verlusten durch Geburtenzahlen und Wanderungen werden auch Alterungsstrukturen, Bildungsniveau und ethnische Zugehörigkeit zu solchen Faktoren gezählt. Auch Kriminalstatistiken gehören in diesen Bereich der interdisziplinären Forschung. Im Zusammenhang der demographischen Entwicklung und Schule der Zukunft sind allerdings besonders Geburtenzahlen und Wanderungssalden sowie die Altersstruktur des Lehrerpersonals von Bedeutung. Hierzu gibt es verschiedene Prognosen unterschiedlicher Institute. Allerdings ist zu beachten, dass diese keine absolute Wahrscheinlichkeit haben, wie angenommen einzutreffen. Deshalb sind die hier aufgeführten Werte nicht als total zu betrachten.

2.1 Internationale Wanderung und Binnenwanderung seit 1945

Nach dem verlorenen Krieg und der damit verbundenen Besatzung sind die Bereiche Ost und West differenziert zu betrachten.

Während in den westlichen Besatzungszonen die Zahl der Einwohner bis in die Mitte in der 1970er Jahre um circa 16 Millionen zunahm, sank diese im östlichen Teil bis zum Bau der Mauer 1961 stetig ab. Hervorgerufen wurde diese unterschiedliche Entwicklung durch eine Zuwanderung von Flüchtlingen aus dem Ausland als auch aus dem Osten Deutschlands in die BRD sowie die damit unvermeidlich zusammenhängende Abnahme der Einwohner der späteren DDR. Erst mit dem Bau der Mauer 1961 wurde durch die verschlechterte Möglichkeit der Ausreise eine geringere, dennoch kontinuierliche Abwanderung erreicht.

Zwischen 1974 und 1988 sank die Stärke der Zuwächse in der BRD auf ein kontinuierliches, aber niedrigeres Niveau. Weniger Ausländer wanderten in die westlichen Besatzungszonen ein. Erst 1988, mit dem Einsetzen der politischen Wende im Osten und den damit verbunden Flüchtlingswellen aus diesem, nahm die Zahl der „Übersiedler“ aus dem Osten enorm zu. Diese Entwicklung kam in den folgenden Jahren zu ihrem Höhepunkt – bis 1993 waren es eine Million Menschen aus der ehemaligen DDR - und setzt sich bis heute fort, wenn auch in abgeschwächter Form.[1] Konsequenterweise schwinden in den neuen Bundesländern die Einwohnerzahlen stetig.[2]

Nach Einschätzung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung wird es in den kommenden Jahren besonders in einigen Regionen im Osten als auch in kleineren Teilen der alten Bundesländer zu geringen bis starken Abwanderungen kommen. Während für Städte wie Halle und Leipzig eine Abnahme prognostiziert wird, wird die Bevölkerungszahl in umliegenden Gemeinden ansteigen.[3] Dieses mögliche Szenario ist darauf zurückzuführen, dass mehr und mehr Familien, besonders auch mit Kindern, die Großstädte verlassen und ein Eigenheim im Umland erwerben. Durch diese „Umverlagerung“ von schulpflichtigen Kindern müssen immer häufiger städtische Schulen geschlossen werden. In Gera im Bundesland Thüringen sind allein noch drei der ehemals sechs städtischen Gymnasien im Schulentwicklungsplan vorgesehen, wohingegen das Gymnasium des Landkreises vollends ausgelastet ist.

Die weiter angenommene Abwanderung Ostdeutscher in die alten Bundesländer lässt sich erkennen, wenn man die starken Zuwächse in Ballungsgebieten in diesen Ländern betrachtet. Besonders profitieren werden wahrscheinlich Städte und deren umliegende Gemeinden wie München und Ingolstadt in Oberbayern, Regensburg in der Oberpfalz oder Mainz in Rheinland-Pfalz sowie einige Städte in Baden-Württemberg.

Nur durch eine enorm gesteigerte Geburtenzahl kann eine solche Masse an Abwanderungen abgefangen werden. Diese Frage wird sich allerdings nicht stellen, wenn man betrachtet, wer und aus welchen Gründen abwandert. Besonders besorgniserregend für die Zukunft deutscher Schulen ist die Tatsache, dass besonders gut ausgebildete junge Leute, insbesondere Frauen, in die alten Bundesländer gehen, um einen Arbeitsplatz zu finden. Gerade diese jungen Leute fehlen nun im Osten, wodurch einerseits eine Elitenbildung stattfindet und andererseits die Frage des Kinderkriegens immer öfter negativ beantwortet wird, da man sich häufig zwischen Karriere und Kind entscheiden muss.

2.2 Geburtenentwicklung in Deutschland seit 1945

Auch bei der Geburtenentwicklung sind die Besatzungszonen des Ostens und des Westens differenziert zu betrachten.

Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem immensen Anstieg der Geburten im gesamten Deutschland. Dieser Anstieg ist als durchaus normal zu bezeichnen. Besonders nach Kriegen kam es schon immer zu stark anwachsenden Geburtenzahlen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass gegen Ende der 1960er Jahre ein Rückgang an Geburten vor allem im Westen zu verzeichnen war. Monokausale Erklärungen wie der „Pillenknick“[4] sind hierfür keine ausreichenden Argumente. Vielmehr kann man hier von einer demographischen Normalisierung sprechen. Anschließend kam es zu einer relativ konstanten Geburtenzahl mit etwa 1,4 Kindern pro Frau.

Im östlichen Teil Deutschlands hingegen kam es nach dieser rapiden Abnahme an Geburten bis 1975 später wieder zu steigenden Zahlen. Anfang der 80er Jahre betrug die Geburtenzahl 1,9 Kinder pro Frau. Bis 1989 verzeichnete man einen leichten Rückgang, wohingegen es im Jahr 1990 zu einem enormen „Absturz“ kam. Im Vergleich zum Vorjahr waren plötzlich nur mehr ein Drittel der Babys des Vorjahres geboren worden. Die Geburtenzahl fiel auf 0,8. Bis heute hat sich diese Zahl bei etwa 1,2 eingependelt. Die Tendenz ist leicht steigend.[5]

[...]


[1] siehe Anhang: S.19, Abbildung 1.

[2] siehe Anhang: S.19, Abbildung 2.

[3] siehe Anhang: S.20, Abbildung 3.

[4] Der „Pillenknick“ ist eine am Ende der 1960er aufgetretene Erklärung zurückgehender Geburtenzahlen in Deutschland. In dieser Zeit wurde die Antibabypille als Verhütungsmittel eingeführt. Allerdings kamen zu dieser Zeit auch andere Verhütungsmittel zum Einsatz, so dass nicht von der Pille als Ursache gesprochen werden kann.

[5] siehe Anhang: S.20, Abbildung 4.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Folgen der demographischen Entwicklung für die Schule
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Die Schule im Umbruch
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V32213
ISBN (eBook)
9783638329903
Dateigröße
769 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Folgen, Entwicklung, Schule, Umbruch
Arbeit zitieren
Lydia Brandl (Autor), 2004, Die Folgen der demographischen Entwicklung für die Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32213

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