Der Nutzen von Produktbilanzen. Herkunft, Untersuchungsmethoden und Anwendung von Produkt-Ökobilanzen


Hausarbeit, 2014

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundzüge der Ökobilanzierung
2.1 Allgemeines
2.2 Betriebsbilanz
2.3 Prozessbilanz
2.4 Produktbilanz
2.5 Standortbilanz

3 Produktbezogene Konzepte
3.1 Produkt-Ökobilanz
3.2 Produktlinienanalyse (PLA)
3.2.1 Die anfängliche Konzeption
3.2.2 Die heutige Konzeption
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Produkt-Ökobilanzen und Produktlinienanalysen
3.4 Produkt-UVP
3.5 Produkt-Ökoauditing

4 Die Anwendung von Produkt-Ökobilanzen
4.1 Das Prozessschema von Produkt-Ökobilanzen
4.1.1 Festlegung des Ziels und des Untersuchungsrahmens
4.1.2 Sachbilanz
4.1.3 Wirkungsabschätzung
4.1.4 Bilanzbewertung
4.1.5 Schwachstellen- und Optimierungsanalyse
4.2 Anwendungsbereiche der Produkt-Ökobilanz
4.3 Problemfelder und Fehlerquellen der Produkt-Ökobilanz
4.4 Nutzen von Produkt-Ökobilanzen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Umweltpolitik in den siebziger und achtziger Jahren wurde stark umweltmedien- und anlagebezogen betrieben. Die rauchenden Industrieschornsteine oder die Schaumberge auf Oberflächengewässern waren für die damalige Umweltpolitik der Anstoß zur Festlegung zahlreicher Standards und Grenzwerte wie z.B. das Bundesemissionsgesetz oder das Waschmittelgesetz. Zwar dienten diese neuen Standards zur Verbesserung des Umweltschutzes, doch erfassten sie nicht das komplette Übel. Die Betrachtungsweise bezog sich lediglich auf die jeweiligen Produktionsprozesse bzw. auf die jeweilig betroffenen Umweltmedien. Eine detaillierte Betrachtungsweise der Umweltauswirkungen, sowie auch ihrer Ursachen fehlte. Dies änderte sich erst, nachdem die Umweltpolitik ihren Blickwinkel in Richtung der Produkte erweiterte. Hierzu sagte Eberhard Weise1 einst:

ÄDie eigentlichen Emissionen der Chemischen Industrie … sind also im Grunde genommen nicht die im Zuge der Produktion entstehenden, mengenmäßig geringen Emissionen, sondern die Produkte selbst.“2

Mit diesem Zitat deutete Eberhard Weise die Kehrtwende in der staatlichen, aber auch in der wirtschaftlichen Meinung zur Umweltpolitik an. Man erkannte, dass das Produkt selber die Quelle der Umweltbelastung war und suchte einen Weg die Umweltbelastungen von Produkten entlang ihres Lebenszyklus zu optimieren.3

Aus diesen Erkenntnissen heraus entwickelte sich die Produkt-Ökobilanz, auf die in der vorliegenden Hausarbeit näher eingegangen wird. Ziel ist es dabei, die Herkunft der Produkt-Ökobilanz genauer zu erörtern, verwandte Untersuchungsmethoden vorzustellen, die Anwendung von Produkt-Ökobilanzen exakt zu erläutern und schließlich ein Resümee darüber abzugeben.

2 Grundzüge der Ökobilanzierung

2.1 Allgemeines

Der Begriff Öko-Bilanz kennzeichnet einen gleichgewichteten Vergleich von der Wertgesamtheit, welche die wechselseitigen Relationen zwischen Leistungserstellungsprozess und Umweltauswirkungen ausdrückt. Dieser Vergleich erfolgt über die Jahresanalyse von allen ein- beziehungsweise ausgegangenen Stoff- und Energiemengen des Betriebes, sowie über die Bestände und Bestandsveränderungen im Betrieb.4

Die Öko-Bilanz hat das Ziel, eine ausführliche transparente Informationsgrundlage der Umweltauswirkungen auf Basis der Stoff- und Energieströme zu erarbeiten. Der Fokus liegt hierbei auf der Informationsbereitstellung der Differenzen zwischen dem Bedarf an Input in Relation mit dem produzierten Output. Alle ein- beziehungsweise ausgehenden Stoff- und Energiemengen des Betriebs müssen von der Bereitstellung des Produktionsmaterials, über den Produktionsprozess und den anfallenden Betriebsstoffeinsatz bis hin zur Entsorgung in ihren physikalischen Dimensionen dokumentiert werden. Aufgrund der differenzierten Betrachtung wird die Öko-Bilanz in eine Betriebsbilanz, Prozessbilanz, Produktbilanz und Standortbilanz untergliedert.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Aufbau von Ökobilanzen

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Holze 2003, S. 85.)

2.2 Betriebsbilanz

Die Basis für die Input-/Output-Bestandsaufnahme erarbeitet die Betriebsbilanz. In die Betriebsbilanz werden alle ein- beziehungsweise ausgehenden Stoff- und Energieflüsse des Betriebes in ihren physikalischen Größeneinheiten erfasst.

Aus der Betriebsbilanz resultiert, dass für die Input-Darstellung alle wesentlichen Materialverbräuche, Wasser, Luft und Energieträger untersucht werden müssen. Die Analyse des Outputs konzentriert sich dabei im Wesentlichen auf die erstellten Produkte, Energieabgabe, Abluft, Abwässer und Abfälle. Eine Gegenüberstellung der Input- und Outputmengen erfolgt über mindestens zwei Jahre, Vorjahr und Berichtsjahr, um die Betrachtung von Veränderungen zu gewährleisten. Da jedoch die Betriebsbilanz lediglich Informationen über die Veränderung von Input- und Output-Daten gibt, müssen zur Erzielung präziserer Ergebnisse zusätzlich die Transformationsprozesse analysiert werden.6

2.3 Prozessbilanz

Im Mittelpunkt der Prozessbilanz stehen die Arbeits- und Produktionsprozesse. Die Prozessbilanz erfasst dabei alle einfließenden und resultierenden Stoff- und Energieströme aus den einzelnen Produktionsschritten und ordnet die jeweiligen In- beziehungsweise Outputfaktoren den unterschiedlichen Prozessen zu. Der Betrachtungshorizont ist dabei sehr vielfältig, da die Systemgrenzen auch unterstützende betriebliche Tätigkeiten, wie z.B. Reparatur und Wartung einbeziehen.

Dies hat zur Folge, dass prozessindividuelle Schwachstellen und Optimierungspotenziale schneller analysiert und verbessert werden können.7

2.4 Produktbilanz

Die Produktbilanz bildet das dritte Element der Öko-Bilanz. Sie erfasst die eingesetzten Stoffe und Energien je Produktmenge, die in den jeweiligen Phasen des Wertschöpfungsprozesses verwertet werden. Wichtig ist hierbei, dass auch die Zulieferer und Abnehmer einbezogen werden, um eine ganzheitliche ökologische Gesamtrisikominimierung vornehmen zu können. Auf die Produktbilanz wird im Unterkapitel 3.1 nochmal detaillierter eingegangen.8

2.5 Standortbilanz

Die Standort- oder Substanzbilanz beinhaltet alle überbleibenden, umweltrelevanten und standortbezogenen Bereiche und Aktivitäten des Unternehmens, die von den vorherigen Bilanzen nicht einkalkuliert wurden. Dies ermöglicht die Beschreibung der gleichbleibenden, kontinuierlichen Nutzung der Umwelt durch das Unternehmen. Der Schwerpunkt bei dieser Bilanz liegt auf der Untersuchung der Bestände der anhaltenden betrieblichen Nutzung, Beeinträchtigungen und zweckmäßigen Prozessen. Die Erhebungen beziehen sich überwiegend auf zwei Kernbereiche. Zum einen werden Punkte wie z.B. die Standortbebauung, der Bodenzustand und die Flächennutzung analysiert und zum anderen betrachten die Erhebungen Bestandsveränderungen der betriebstechnischen Anlagen, wie z.B. die Kommunikations- und EDV-Anlagen, den Fuhrpark oder das Einrichtungsmobiliars.9

3 Produktbezogene Konzepte

3.1 Produkt-Ökobilanz

Die Produkt-Ökobilanz ist ein Umweltmanagementinstrument, das die potenziellen Umweltauswirkungen von Dienstleistungen, Prozessen und Waren in ihrem kompletten Lebenszyklus analysiert und miteinander vergleicht. Dabei befasst sich die Produkt- Ökobilanz ganzheitlich mit dem Ressourcenverbrauch und den ausgestoßenen Emissionen des kompletten Produktsystems. Der Grundsatz hierbei lautet: Ävon der Wiege bis zur Bahre“ und zielt darauf ab, alle Umweltbelastungen der verschiedenen Lebensphasen mit einzubeziehen und die Wirkung auf Mensch und Natur zu ermitteln. Mithilfe dieser mehrdimensionalen Analyse ist es möglich, die Verlagerung von Umweltproblemen zwischen zwei verschiedenen Umweltmedien oder Produktlebensphasen frühzeitig festzustellen und korrigierende Maßnahmen einzuleiten.10

Dabei lässt sich die Produkt-Ökobilanz auf zwei unterschiedliche Entwicklungslinien zurückführen:

- Den Ursprung hat die Produkt-Ökobilanz in der Wissenschaft und Politikberatung. Anfang der 70er Jahren wurden zum ersten Mal systematische Untersuchungen über das Umweltverhalten von Produkten durchgeführt. Grund war damals die Diskussion über die Umweltverträglickeit von Getränkeverpackung in den USA und Europa.11

- Der zweite Impuls entwickelte sich in den 80er Jahren maßgeblich durch deutsche Umweltorganisation. Die Umweltorganisationen forderten eine systematische Analyse über die Umweltwirkungen von Produkten, um ihre Produktkritiken wissenschaftlich zu belegen und ihre Argumentationsposition zu stützen.12

Jedoch dauerte es zirka zehn weitere Jahre bis die ersten methodischen Richtlinien zur Produkt-Ökobilanz von der SETAC13 definiert wurden. Inzwischen ist die Verfahrensweise der Ökobilanz von der International Standards Organization sowie vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) auf europäischer Ebene und vom Deutschen Institut für Normung (DIN) in Normen festgelegt worden. Im Jahr 1997 ist die ISO 14040 verabschiedet worden, die allgemeine Anforderungen und Prinzipien für die Erstellung einer Ökobilanz definiert. Die darauffolgende ISO Norm 14041 befasst sich mit dem Untersuchungsrahmen, der Definition des Zieles und der Durchführung der Sachbilanz. Die beiden weiteren ISO Normen 14042 und 14043 zur Produkt- Ökobilanz beschäftigen sich mit der Wirkungsabschätzung und der abschließenden Auswertung von Produkt-Ökobilanzen. Gemäß den Grundsatzpapier des DIN besteht das allgemeine Prozessschema von Produkt-Ökobilanzen aus den vier Gliederungsteilen: Zieldefinition, Sachbilanz, Wirkungsabschätzung und Auswertung, jedoch wird die Auswertung in der Praxis häufig noch untergliedert in die Bilanzbewertung und die Schwachstellen- und Optimierungsanalyse. Das Prozessschema wird im Gliederungspunkt 4.1 nochmals genauer betrachtet.14

3.2 Produktlinienanalyse (PLA)

Im Jahr 1987 präsentierte die Projektgruppe Ökologische Wirtschaft zum ersten Mal das Konzept der Produktlinienanalyse (PLA). Das Ziel der PLA war es dabei, die ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen und Konsequenzen von Produkten retrospektiv und antizipativ zu dokumentieren und zu bewerten. Aus der Sicht des Produktes sollte versucht werden, die ökologische Misere mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Implikationen in Angriff zu nehmen. Dabei hatte die PLA gleich zwei Aufgaben auf einmal zu bewältigen:

- Einerseits soll die PLA die Aspekte einbeziehen und beschreiben, die zur Entfremdung und Naturzerstörung führen und in der traditionellen Rechnungslegung, bewusst oder unbewusst, nicht aufgeführt werden.
- Zum anderen hat die PLA auch die Aufgabe diese Entfremdung und Naturzerstörung zu dezimieren, indem diese Analyse auch von den Betroffenen angewendet werden kann.15

Nachfolgend wird zuerst die anfängliche Konzeption der PLA mit ihren vier Leitideen erläutert. Darauf aufbauend wird auf die Entwicklung der PLA bis heute kurz eingegangen und gezeigt, wie die PLA sich verändert hat.

3.2.1 Die anfängliche Konzeption

3.2.1.1 Bedürfnisorientierung

Zu Beginn der PLA steht die Bedürfnisorientierung. In ihr wird das Bedürfnis für das zu untersuchende Produkt geklärt und die Gründe genannt, die das Bedürfnis ausgelöst haben. Ziel ist es dabei, verschiedene Perspektiven zu veranschaulichen, die dieses Bedürfnis auf unterschiedliche Weise befriedigen können.16

[...]


1 Eberhard Weise war Vorstandsmitglied der Bayer AG im Jahre 1990

2 Rubik/Grotz/Scholl[1996], S. 1.

3 Vgl. Rubik/Grotz/Scholl[1996], S. 1.

4 Vgl. Holze[2003], S. 85.

5 Vgl. Holze[2003], S. 85.

6 Vgl. Holze[2003], S. 87.

7 Vgl. Biewald[2011], S. 21.

8 Vgl. Holze[2003], S. 94.

9 Vgl. Holze[2003], S. 96.

10 Vgl. Cord-Landwehr/Kranert[2010], S. 536.

11 Vgl. Cord-Landwehr/Kranert[2010], S. 536.

12 Vgl. Rubik/Teichert[1997], S. 38.

13 SETAC ist die Abkürzung für die Society of Environmental Toxicology and Chemistry 7

14 Vgl. Cord-Landwehr/Kranert[2010], S. 536.

15 Vgl. Teichert[1995], S. 65f.

16 Vgl. Rubik/Teichert[1997], S. 46.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Nutzen von Produktbilanzen. Herkunft, Untersuchungsmethoden und Anwendung von Produkt-Ökobilanzen
Hochschule
Hochschule Fresenius München
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V322179
ISBN (eBook)
9783668213364
ISBN (Buch)
9783668213371
Dateigröße
859 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Produktbilanzen, Ökobilanzen
Arbeit zitieren
Alexander Baier (Autor:in), 2014, Der Nutzen von Produktbilanzen. Herkunft, Untersuchungsmethoden und Anwendung von Produkt-Ökobilanzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322179

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