Oral history in der Schule. Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht


Referat (Handout), 2016

5 Seiten


Leseprobe

Gliederung:

1.Erste Informationen zu ,,oral history“:

2.Durchführung eines Interviews:

3.Problemfelder:

4.Zeitzeugenbefragung in der Schule:

5.Arbeitsauftrag für Kommilitonen/ - innen:

6.Literaturverzeichnis

1. Erste Informationen zu ,,oral history“:

- oral history entstand in den USA der vierziger Jahre - in Deutschland in den 1970er Jahren

- "Geschichte von unten", d.h. oral history intendiert Angehörigen sozialer Schichten eine Stimme zu verleihen, die in der Geschichtsschreibung bis dahin vernachlässigt wurden

- der Versuch, mündliche Überlieferung von Geschichte für die historische Forschung zu erschließen
- die Dokumentation von Aussagen und persönlichen Erfahrungen von Zeitzeugen (àauf Tonband, Film oder Video aufgezeichnete Interviews) dienen als Quelle
- diese Methode strebt danach, Lücken schriftlicher Quellen zu schließen
- Interviews sind keine bloße Darstellung des Themengebiets, sondern führen auch zu
neuen Fragestellungenà kritischer Vergleich mit anderen Quellen notwendig
- In der Forschung ist Oral history auf ergänzende historische Quellen angewiesen, denn die Repräsentativität für größere Bevölkerungsgruppen kann kaum gewährleistet werden.
- die Interviews können viele Probleme in der Methodik aufweisen

2. Durchführung eines Interviews:

- Bei der Erstellung des Fragenkatalogs sind Zeitungs-und Archivrecherchen nötig

- Offene Fragen stellen, keine Suggestivfragen

- Wichtig: Thema, klare Zielsetzung, lokales Umfeld, Personenkreis, Vorgespräch mit dem Interviewten

- Thematisches Biografisches Interview

- Fragenkatalog ist entweder chronologisch (Beginn: Kindheit) aufgebaut, führt vom Allgemeinen zum Speziellen oder ist thematisch geordnet

- Wo findet man Zeitzeugen? à Archivare, an die Kommune (Stadt, Gemeinde, Landkreis) wenden, Heimat- oder Sportvereinen, Kontakt zur lokalen Presse, bekannte Personen vermitteln weitere

- Möglicher Ablauf:

1. Lebensgeschichte wird ohne zeitliche Angabe und ohne Unterbrechung erzählt (besser: max. 90 Minuten)
2.Interviewer dürfen zu einzelnen Abschnitten Fragen stellen. Interviewter erläutert verkürzte Passagen/ Unverständliches
3. Ausgelassenes & Probleme werden besprochen

- Ort der Befragung ist wichtig, weil sich Menschen natürlicher, authentischer verhalten, wenn sie an gemütlichen Orten interviewt werden

- Rechte bei der Veröffentlichung des Interviews besprechen

- Notizen zu nonverbalem Verhalten ( Mimik, Gestik) & Emotionen (Ärger, Wut, Traurigkeit) führen

- Transkript zum Interview: wortgenaue Abschriften (inklusive Pausen, Versprecher, …), sprachliche Verbesserungen (ohne Sinnverfremdung) möglich

- Auswertung des Interviews (optimaler Vergleichàmehrere Gespräche führen) / Selbstreflexion von Vorteil

- Abgleich, ob Fragen beantwortet werden konntenà ansonsten neuer Gesprächstermin

3. Problemfelder:

- Risiken bei der Auswahl der Interviewten oder Interviewpartner

- subjektive Wahrnehmungen der Befragten müssen in einen Kontext gestellt werden

- Das Erzählte spiegelt nicht immer das Erlebte wider! à die Bewertung des Erlebten

verändert sich im Laufe der Zeit

- die Bewertung des Erlebten wird bei neuen Denkweisen/Normen der Gesellschaft verändert

- Interviewte halten sich häufig an gesellschaftlich akzeptierten Deutungen fest

- emotional belastende Ereignisse werden beim Erzählen verdrängt/ ausgelassen àInterviewer muss häufig nachfragen

- ungeübte Zeitzeugen weinen, verstummen oder können sich nicht gut genug ausdrücken

- beim Erzählen der Lebensgeschichte liegt eine veränderte Version der Ereignisse vor (beeinflusst durch Alter, Geschlecht, Umfeld, Gruppen…)

- die Richtigkeit/ Zuverlässigkeit des Erzählten ist nicht garantiert, da Erinnerungen verschwiegen oder verdeckt werden können

- Realitätsgehalt des Erzählten (Daten/Fakten) müssen ggf. überprüft werden à denn genauste Rekonstruktion der Ereignisse ist durch oral history nicht möglich (Verarbeitung der Erfahrung & gesellschaftliche Umdeutung wird ersichtlich)

- Themengebiete sind meist auf Alltagsgeschichte beschränkt (politisch engagierte Zeitzeugen schwieriger zu finden)

4. Zeitzeugenbefragung in der Schule:

- Vorteile:

- authentische Vermittlung von Geschichte
- unmittelbarer Transport von Ereignissen (reale persönliche Lebenswege und Lebensabschnitte werden vorgelegt)
- Eigeninitiative der Schüler wird angeregt àhandlungsorientierter Unterricht
- Kommunikation zwischen den Generationen findet statt
- außerschulisches Leben wird in den Geschichtsunterricht einbezogen (Erfahrungen durch Großeltern, Bekannte, Verwandte etc.)

- Mögliche Aufgabenfelder für SuS:

- Zeitzeugen suchen und auswählen
- stichwortartiges Mitschreiben
- sich eigene Fragen überlegen
- Erzähltes ordnen, zusammenfassen, systematisieren
- Vergleich mit anderen Interviews/ anderen Quellen oder Darstellungen
- gemeinsames Gespräch(sachlich & zielgerichtet) mit älteren Personen führen
- Gespräche analysieren und kritisch reflektieren …

- Nachteile:

- SuS müssen über Sachwissen verfügen, um Fragen stellen zu können
- intensive Vor- und Nachbereitung sowohl durch Lehrkraft als auch durch Schüler
nötig à zeitlicher Aufwand
- Kompetenzen, wie z.B. die Fähigkeit, sich für die jeweilige Lebenssituation des Gesprächspartners zu interessieren und die Erfahrungen in einen Kontext einzubetten wird ohne weiteres von den SuS verlangt àschwierig
- weiterführende oder zu vertiefende Ansatzpunkte werden durch Schülerinnen und Schüler häufig nicht erkannt.
- SuS halten die Aussagen des Zeitzeugen für glaubwürdiger als die Aussagen in den Schulbücher, Historikeraussagen oder die Aussagen der Lehrer
- unkritische Übernahme von Ansichten und Bewertungen des Zeitzeugen durch SuS

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Oral history in der Schule. Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historicum)
Autor
Jahr
2016
Seiten
5
Katalognummer
V322196
ISBN (eBook)
9783668213449
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
oral, schule, zeitzeugenbefragung, geschichtsunterricht
Arbeit zitieren
Merve Kosmaz (Autor), 2016, Oral history in der Schule. Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322196

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