Federico García Lorca thematisiert in seinem tragischen Theaterstück „Yerma“ insbesondere die Ehre der Frau in der spanischen Gesellschaft seiner Zeit, welche sie erst durch die Mutterschaft und die Treue zu ihrem Mann erhielt. Mit dieser Arbeit soll untersucht werden, was die unfruchtbare Yerma, die mit ganzem Herzen Leben schenken will, dazu veranlasst, ihren Ehemann und damit den Vater ihres erwünschten Kindes zu töten.
Dabei stehen folgende Fragen im Zentrum der Betrachtungen:
- Wodurch wird der Wert der Frau zum einen biblisch und zum Anderen in der spanischen Gesellschaft begründet?
- Welche Ideale vom Leben besitzt Yerma und in welcher realen Situation befindet sie sich dabei?
- Inwieweit löst der Ehrenkodex ihren inneren Konflikt aus, sodass sie letztlich entgegen ihrer eigenen Ideale handelt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Wert der Frau
2.1 Das Frauenbild der Bibel
2.2 Die Frau in der spanischen Gesellschaft zu Beginn des 20.Jahrhunderts am Beispiel Yerma von F.G.Lorca
3. Das Paradoxon „Leben geben – Tod bringen“ bei Yerma
3.1 Die Ideale der Figur „Yerma“ und ihre reale Situation
3.2 Der innere Konflikt
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychologische und gesellschaftliche Zwangslage der Protagonistin in Federico García Lorcas Theaterstück "Yerma", indem sie das Spannungsfeld zwischen einem rigiden traditionellen Ehrenkodex, persönlichen Idealen und dem christlich geprägten Frauenbild analysiert.
- Vergleich zwischen biblischem Frauenbild und spanischen Gesellschaftsnormen
- Die Bedeutung von Mutterschaft als zentrale Daseinsberechtigung der Frau
- Analyse des inneren Konflikts zwischen persönlichem Freiheitsdrang und sozialem Druck
- Das Paradoxon von "Leben geben" und der finalen Zerstörung durch Mord
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Ideale der Figur „Yerma“ und ihre reale Situation
Yerma, die Hauptfigur des gleichnamigen Stückes von Lorca, wird bei Carlos Rincón als Verkörperung der bäuerlichen Gemeinschaft ihrer Zeit beschrieben, da sie sich mit dem Ideal der Frau als Mutterfigur vollkommen identifizieren kann. Doch es stellt sich die Frage, ob sie außer der Pflicht und dem Wunsch, Kinder zu gebären noch weitere Ideale vertritt und inwiefern diese der Realität widersprechen.
Grundsätzlich definiert Yerma ihre Ehre über die Mutterschaft und die Treue zu ihrem Mann, indem sie sagt: „La mujer del campo que no da hijos es inútil como un manojo de espinos, […]. Creen [die Leute aus ihrem Dorf] que me puede gustar otro hombre y no saben que, aunque me gustara, lo primero de mi casta es la hondradez […]”. Damit entspricht sie der von der Gesellschaft geforderten Einhaltung des Ehrenkodexes, wobei sie die Treue über die Mutterehre stellt. Dies wird besonders in einem Gespräch mit einer ungläubigen Alten deutlich, die ihr zu unkeuschem Leben rät, um den ersehnten Sohn zu bekommen. Denn wie die Bedeutung des Namens „Yerma“ (yermo = brach, trocken, unfruchtbar) bereits vermuten lässt, konnte sie in drei Jahren der Ehe auf Grund von Unfruchtbarkeit noch kein Kind empfangen. Das bedeutet, ein wichtiger Bestandteil ihrer angestrebten Identität wurde ihr bisher noch nicht zuteil, sodass sie sich selbst zu dem bereits zitierten „inútil manojo de espinos“ zählt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des "Ehrenkodex" ein, spannt den Bogen von realen Ehrenmorden zu Lorcas literarischer Aufarbeitung und definiert die Forschungsfrage bezüglich Yermas innerem Konflikt.
2. Der Wert der Frau: Dieses Kapitel kontrastiert das biblische Frauenbild, welches Ebenbürtigkeit postuliert, mit den strengen, traditionellen gesellschaftlichen Erwartungen an die Frau im Spanien des frühen 20. Jahrhunderts.
3. Das Paradoxon „Leben geben – Tod bringen“ bei Yerma: Die Analyse beleuchtet Yermas Identitätsverlust durch Unfruchtbarkeit und ihren daraus resultierenden inneren Zerrissenheitsprozess, der schließlich zur fatalen Tat führt.
4. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und zieht Parallelen zwischen der literarischen Figur und realen Phänomenen von Ehrverletzungen, wobei Yermas Scheitern als Folge gesellschaftlicher Zwänge gedeutet wird.
Schlüsselwörter
Yerma, Federico García Lorca, Ehrenkodex, Mutterschaft, Frauenbild, spanische Gesellschaft, innerer Konflikt, Unfruchtbarkeit, Tradition, Ehe, Ehrenmord, Identität, Literaturanalyse, Patriarchat, Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftlichen und psychologischen Hintergründe, die zur tragischen Entscheidung der Titelfigur in Federico García Lorcas Stück "Yerma" führen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen das christliche Frauenbild, den traditionellen Ehrenkodex der spanischen Landbevölkerung, die Rolle der Mutterschaft sowie das Spannungsfeld zwischen individuellen Wünschen und gesellschaftlichen Konventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum eine Frau, die sich nach Leben sehnt, schließlich ihren Ehemann tötet und damit ihre eigene Existenzgrundlage zerstört.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das Werk im Kontext zeitgenössischer religiöser und soziologischer Rahmenbedingungen interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Wertes der Frau (biblisch und gesellschaftlich) und eine detaillierte Analyse der Figur Yerma hinsichtlich ihrer Ideale und ihres inneren Konflikts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Yerma, Ehrenkodex, Mutterschaft, Tradition, Patriarchat und gesellschaftlicher Druck.
Warum spielt der Name "Yerma" eine so große Rolle?
Der Name bedeutet auf Spanisch "brach", "trocken" oder "unfruchtbar", was den zentralen Konflikt der Figur – ihre Unfähigkeit, dem traditionellen Ideal der Mutter zu entsprechen – direkt auf den Punkt bringt.
Inwieweit lässt sich Yermas Mord mit modernen Ehrenmorden vergleichen?
Die Arbeit zieht Parallelen in der Motivation, bei der sich die Täter in ihrer Ehre verletzt fühlen und glauben, das Ansehen durch die Tat wiederherzustellen, wenngleich Yerma ihr Handeln nicht religiös begründen kann.
- Quote paper
- Franziska Kober (Author), 2009, Ehre und Ehrenkodex in der spanischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zur Rolle der Frau in Federico García Lorcas „Yerma“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322216