Welche Funktionen erfüllt unsere Kleidung? Und inwiefern hängt unsere Kleiderwahl mit unserer Persönlichkeit zusammen? Kleidungsträgern werden durch eine bestimmte Farbe, eine Form oder ein Muster eines Kleidungsstückes automatisch bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Einigen Attributen sind wir uns vollends bewusst, daher setzen wir bestimmte Kleidungsstücke taktisch-strategisch ein, um eine bestimmte Botschaft unseres Selbst zu vermitteln. Auch gibt es Menschen, die "aus der Reihe tanzen" möchten, um gerade gegen die gedachten Attribute anzukämpfen.
Die vorliegende Arbeit untersucht, warum sich der Mensch kleidet. Diesbezüglich lassen sich zunächst einmal grundlegende Motive wie Schutz, Scham und Schmuck finden. Aber auch soziologische, psychologische und psychoanalytische Faktoren spielen eine wichtige Rolle.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Schutz-Theorie
2. Die Scham-Theorie
3. Die Schmuck-Theorie
4. Die soziologische Sicht
5. Die psychologische Sicht
6. Die psychoanalytische Sicht
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Motive, warum sich Menschen kleiden. Dabei wird analysiert, wie Kleidung nicht nur funktionale Bedürfnisse erfüllt, sondern auch als nonverbales Kommunikationsmittel dient, das soziale, psychologische und psychoanalytische Informationen über den Träger vermittelt.
- Die grundlegenden Motive: Schutz, Scham und Schmuck.
- Die soziologische Bedeutung von Mode als Symbol und Kommunikationssystem.
- Die psychologische Funktion von Kleidung als Ausdruck der Persönlichkeit.
- Die psychoanalytische Differenzierung verschiedener "Kleidertypen" nach John Flügel.
Auszug aus dem Buch
6. Die psychoanalytische Sicht
Soziologische und psychologische Faktoren stehen bezüglich Kleidung nicht isoliert voneinander, sondern müssen aufeinander bezogen werden, da sie ineinander greifen. Menschen müssen ein unterschiedliches Kleidererleben haben (soziologisch) und verschiedene Empfindungen bei dem Tragen von Kleidung (psychologisch) verspüren. JOHN FLÜGEL entwickelte dafür neun ‚Kleidertypen‘. Bei den differenten Typen hat jeder ein anderes Interesse an Kleidung und somit auch eine andere Einstellung. Grundvoraussetzung ist dabei, dass bei dem Menschen überhaupt ein Interesse an Kleidung besteht. Dies wiederum geht davon aus, dass der Träger mit Kleidung angenehme Empfindungen wahrnimmt, wenn z.B. sein Körper in Kontakt mit besonderen Stoffen kommt oder aber auch Bewunderung über seine Kleidung geäußert wird.
1. Der ‚rebellische Typ‘ ist der schlichteste Typ, weil er wenig positive Befriedigung aus der Kleidung erhält. Kleidung engt ihn ein und behindert ihn. Er trägt, wenn überhaupt, nur dünne und leichte Kleidungsstücke.
2. Der ‚resignierte Typ‘ hat ähnliche Neigungen wie der rebellische Typ, nur hat er vor den Gewohnheiten und Konventionen des Kleidertragens kapituliert. Er zieht widerwillig an, was alle anziehen. Aufgrund einer unbewußten Hemmung hat er allerdings keine Vorstellung von der für ihn idealen Kleidung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Abgrenzung von Mode zu funktionaler oder kultureller Kleidung vorgenommen und die enge Verknüpfung von Kleidung und Persönlichkeit sowie nonverbaler Kommunikation eingeführt.
1. Die Schutz-Theorie: Dieses Kapitel behandelt Kleidung als Ersatz für körperliche Mängel und als Schutzfunktion gegen Umwelteinflüsse.
2. Die Scham-Theorie: Hier wird Nacktheit als körperlicher Mangel definiert, der den Wunsch nach Bedeckung und Scham auslöst.
3. Die Schmuck-Theorie: Das Kapitel erläutert das Schmücken als ästhetischen Hauptantrieb und grundlegendes Motiv der Kleidung.
4. Die soziologische Sicht: Kleidung wird hier als Symbol für soziales Milieu, Wertorientierung und als Zeichensystem für Kommunikation betrachtet.
5. Die psychologische Sicht: Der Fokus liegt auf dem Kompromiss zwischen kollektivem Anspruch und individueller Identität sowie auf der Bedeutung der Kleidung als "zweite Haut".
6. Die psychoanalytische Sicht: Es werden neun verschiedene Kleidertypen nach John Flügel vorgestellt, um die unterschiedlichen individuellen Motivationen hinter dem Kleidungsverhalten zu klassifizieren.
Schlüsselwörter
Mode, Kleidung, Psychologie, Soziologie, Psychoanalyse, Schutz-Theorie, Scham-Theorie, Schmuck-Theorie, Identität, nonverbale Kommunikation, Persönlichkeit, Modewandel, Kleidertypen, Körperbild, Symbole.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über die soziologischen, psychologischen und psychoanalytischen Faktoren, die das menschliche Kleidungsverhalten bestimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die Grundmotive Schutz, Scham und Schmuck sowie die wissenschaftliche Betrachtung von Mode unter soziologischen und tiefenpsychologischen Aspekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die vielfältigen Hintergründe und Funktionen zu beleuchten, warum Menschen Kleidung tragen und wie sie diese zur nonverbalen Kommunikation nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um die Theorien renommierter Fachvertreter (wie Flügel, Ziege, Wirtz) zusammenzuführen und in einen fachlichen Zusammenhang zu bringen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen theoretischen Sichtweisen auf Kleidung, von der Schutz- über die Scham- bis zur Schmuck-Theorie, und vertieft diese durch soziologische und psychologische Analysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Mode, Identität, nonverbale Kommunikation, Persönlichkeit und die spezifischen Theorien zu Schutz, Scham und Schmuck.
Was zeichnet laut der Autorin den "sublimierten Typ" aus?
Der sublimierte Typ ist nach der Definition von Flügel der ideale Kleidungsträger, da bei ihm narzisstische Eigengefühle und die Befriedigung durch Kleidung zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.
Wie unterscheidet sich der "nicht-emotionale Typ" von anderen Typen?
Dieser Typ empfindet Kleidung als völlig gleichgültig und zeigt kein Interesse an Schicklichkeit oder Schutzfunktionen; Kleidung hat für ihn keinen persönlichen Stellenwert.
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- Karolin Strohmeyer (Author), 2013, Warum kleidet sich der Mensch? Ein Überblick über soziologische, psychologische und psychoanalytische Faktoren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322286