Ziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten von J.M.W. Turners „The Fighting Temeraire“ aufzudecken und die unterschiedlichen Interpretationsansätze zu analysieren. Bei dieser Aufgabe erweist sich die Popularität des Werkes bei den Briten als bedeutend für die Auswahl an wissenschaftlicher Literatur. Die Literaturrecherche ergab eine ausführliche, wenn auch teilweise widersprüchliche Aufarbeitung des Lebens von William Turner sowie eine umfangreiche Auseinandersetzung mit seinem Gesamtwerk in englischer Sprache.
Um den Zugang für Interpretationsansätze zu ermöglichen, wird der Arbeit eine umfassende Bildbeschreibung vorangestellt. In Kapitel 3 soll die Werkgenese umfangreich ausgeführt werden. Dabei soll der Technik Turners besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, jedoch auch die Problematik des Entwurfs besondere Beachtung finden.
Basierend auf der Bildbeschreibung soll nun eine ausführliche Ikonologische Interpretation den Hauptteil dieser Arbeit bilden. Dabei sollen unter verschiedenen Gesichtspunkten Deutungsansätze herausgearbeitet werden.
Bevor auf den historischen Hintergrund und den persönlichen Bezug Turners zur britischen Schifffahrt und zum Sujet eingegangen wird, sollen anhand des Titels und der Bildunterschrift Hinweise Turners zur Interpretation herausgearbeitet werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Ikonologischen Interpretation stellt die Frage dar, ob Turner selber Zeuge des gemalten Ereignisses gewesen ist, um Rückschlüsse von der Szenerie unter besonderer Beachtung der Gestirne, der geografischen Lage und der dargestellten Symbole auf die Deutungsebene zu ziehen.
Dabei soll auch untersucht werden, ob sich in der „Fighting Temeraire“ Industrialisierungskritische Tendenzen im Sinne der Romantik erkennen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildbeschreibung – „The Fighting Temeraire“
3. Werkgenese
3.1 Entstehungszeit des Werkes und Provenienz
3.2 Skizzen und Studien zur Fighting Temeraire
3.3 Vorzeichnung zum Gemälde
3.4 Farbauftrag
3.5 Zustand des Bildes
4. Ikonologische Interpretation
4.1 Symbiose zwischen Bildtitel und Bildunterschrift
4.2 Die Temeraire – eine historische Einordnung
4.2.1 Differenzen von Turners Darstellung und den historischen Begebenheiten
4.2.2 Die Temeraire und die Briten
4.3 Turner und die Schiffe auf dem Gemälde
4.4 Anwesenheit Turners
4.5 Szenerie
4.6 Die Gestirne
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit verfolgt das Ziel, die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten und Interpretationsansätze des Gemäldes „The Fighting Temeraire“ von J.M.W. Turner zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Turner die historische Begebenheit des Abschleppens des Kriegsschiffes verarbeitet und welche symbolische Bedeutung dem Werk im Kontext der aufkommenden Industrialisierung sowie der britischen Nationalidentität zukommt.
- Analyse der Werkgenese und bildnerischen Technik von Turner
- Untersuchung der ikonologischen Symbolik von Titel und Bildunterschrift
- Historische Einordnung der „Temeraire“ und deren Bedeutung für die britische Marine
- Deutung der Kontrastierung von Tradition (Segelschiff) und Moderne (Dampfschiff)
- Untersuchung von Turners persönlicher Haltung zum industriellen Wandel
Auszug aus dem Buch
2. Bildbeschreibung – „The Fighting Temeraire“
Das 1838 entstandene querformatige Ölgemälde The Fighting Temeraire, welches heute in der National Gallery in London zu sehen ist, bemisst 91 x 122 cm. Der vollständige Titel des Bildes The Fighting Temeraire, tugged to her last Berth to be broken up, 1838 (Abb. 1), zu deutsch „Das Kriegsschiff Temeraire, wird zu seinem letzten Ankerplatz geschleppt um abgewrackt zu werden, 1838“, lässt auf das zentrale Sujet, das anmutige große Segelschiff, schließen. Dieses Schiff wird von einem Raddampfer geschleppt. Im Hintergrund sind vier weitere Schiffe zu sehen. Obwohl das Gemälde ein Seestück darstellt, lässt sich die Ufernähe durch die im Dunst liegende Stadt am rechten Bildrand und die Poller, die sich rechts und links neben dem Schiff im Bildvordergrund befinden, erahnen.
Der Horizont, der über dem unteren Viertel des Bildes verläuft, trennt sanft die See vom leuchtenden Himmel. Die tiefstehende Sonne auf der rechten Bildhälfte taucht die Szenerie in ein warmes Licht, welches durch die Reflexion auf dem Wasser noch verstärkt wird. Die dadurch entstehende harmonische Grundstimmung beim Betrachter wird durch die unbewegte Wasseroberfläche intensiviert.
Eine imaginäre, senkrechte Linie teilt das Bild in eine helle, überwiegend in Orangetönen gehaltene und eine dunklere Hälfte, bei der die Farben Blau, Grün und Braun überwiegen. Ausgehend von der Sonne erstreckt sich der Farbverlauf von Rot über Orange zu Gelborange bis hin zu Zitronengelb in den Wolken vor dem leuchtenden Blau des Himmels nahe des Horizonts. Das Himmelblau spiegelt sich auf der Wasseroberfläche wider, gleich den Orange- und Gelbtönen der Sonne, die im Vordergrund in einen grünlichen Farbton verlaufen.
Das große, dreimastige Segelschiff mit eingeholten Segeln wird diagonal auf den Betrachter zu in Richtung rechte Bildhälfte bewegt. Während der untere Teil des Schiffsrumpfes auf Grund der Wolke aus Gischt nicht deutlich zu erkennen ist, ist der obere Teil klar ausgearbeitet. Das Schiff scheint in einer Wolke aus Gischt heranzuschweben. Die Färbung von Gelb, Weiß und Beige verleiht dem Schiff ein majestätisches und edles Aussehen. Die Geschützpforten, die an der rechten Seite des Rumpfes angedeutet sind, stehen offen und leer. Darüber ragen die Kranbalken an beiden Seiten heraus, hinter denen die Anker verstaut sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk von J.M.W. Turner ein, beleuchtet dessen Popularität bei der britischen Bevölkerung und skizziert das Ziel der Arbeit, die Deutungsebenen des Gemäldes zu untersuchen.
2. Bildbeschreibung – „The Fighting Temeraire“: Es erfolgt eine detaillierte formale Beschreibung des Gemäldes, die sich auf die Komposition, Farbgebung und die dargestellten Schiffe konzentriert.
3. Werkgenese: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte, Turners Arbeitsweise ohne explizite Vorzeichnungen, den Farbauftrag sowie den Erhaltungszustand des Bildes durch wissenschaftliche Untersuchungen.
4. Ikonologische Interpretation: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, der die Bedeutung von Titel, Bildunterschrift, historischem Kontext, der Rolle des Dampfers, der Anwesenheit des Künstlers sowie die symbolische Aufladung der Szenerie tiefgehend interpretiert.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei die Bedeutung des Gemäldes als Meisterwerk des Übergangs in das Industriezeitalter und als Ausdruck von Turners romantischer Ader hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
J.M.W. Turner, The Fighting Temeraire, Industrialisierung, Romantik, britische Marine, Seeschlacht von Trafalgar, Bildinterpretation, Dampfschifffahrt, Kunstgeschichte, Farbauftrag, Ikonologie, Nationalidentität, Schiffsmalerei, Werkgenese, Lichtmalerei
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Ölgemälde „The Fighting Temeraire“ von J.M.W. Turner aus kunsthistorischer Perspektive, insbesondere hinsichtlich seiner Bedeutung für das britische Nationalbewusstsein und den technologischen Wandel im 19. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Bildbeschreibung, der Werkgenese, der ikonologischen Deutung der Symbole und dem historischen Kontext der Industrialisierung in Großbritannien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die vielschichtigen Deutungsmöglichkeiten des Werkes aufzudecken und zu analysieren, wie Turner den historischen Abschied der Ära der Segelschiffe zugunsten des industriellen Zeitalters künstlerisch verarbeitet hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin verwendet eine kunsthistorische Methode, die auf einer detaillierten formalen Bildanalyse basiert und diese mit einer ikonologischen Interpretation sowie der Auswertung zeitgenössischer Literatur, Zeitungsberichte und Forschungsdaten verknüpft.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Im Hauptteil werden der Titel und die Bildunterschrift gedeutet, die historische Rolle der Temeraire beleuchtet, die Kontrastierung von Dampf- und Segelschiff analysiert und die Frage nach der Anwesenheit Turners beim dargestellten Ereignis diskutiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie J.M.W. Turner, Romantik, Industrialisierung, Nationalidentität, Ikonologie und Bildbeschreibung beschreiben.
Konnte zweifelsfrei geklärt werden, ob Turner beim Abschleppvorgang anwesend war?
Nein, die Frage konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Die Autorin diskutiert verschiedene Berichte und Thesen (unter anderem von J. Egerton), kommt aber zu dem Schluss, dass ein persönliches Beobachten des historischen Ereignisses durch Turner historisch nicht zweifelsfrei belegbar ist.
Wie interpretiert die Autorin die Rolle des Fischerbootes am Bildrand?
Das kleine, unbeleuchtete Fischerboot wird als Kontrast zu den anderen Schiffen gesehen und symbolisiert vermutlich die Verlierer der Industrialisierung, die abseits der neuen und alten Epoche stehen.
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- Karolin Liebig (Author), 2013, J. M. W. Turners "The Fighting Temeraire". Werkgenese und ikonographische Interpretation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322315