In dieser Seminararbeit möchte ich herausarbeiten wie Thomas Bernhard in seinen Werken mit dem Thema Krankheit umgeht. Ich möchte untersuchen wie er die Krankheiten darstellt, ob eine Differenzierung der unterschiedlichen Krankheiten vorgenommen werden muss und mit welchen Motiven er diese verwendet.
Die zwei Protagonisten in dem Werk „Wittgensteins Neffe“ von Thomas Bernhard werde ich anschließend in die herausgearbeiteten Muster versuchen einzuordnen, ihre Krankheiten darstellen und sie miteinander vergleichen.
Bei dem Lesen von Thomas Bernhards Texten fällt schnell auf, dass die zentralen Schnittstellen zwischen allen Werken die Verwendung von negativen Motiven wie Krankheiten, Tod und Vernichtung sind. Aus diesem Grund wird die Grundstimmung in seinen Schriften oft als düster, schwarz und melancholisch wahrgenommen. Der Grund dafür, dass Thomas Bernhard in seinen Werken das Motiv der Krankheit so oft einbringt liegt unter anderem daran, dass er selber und auch in seiner Familie viele Krankheitsgeschichten ertragen und miterleben musste.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Krankheitsmotive bei Thomas Bernhard
3. Krankheit in der Gesellschaft
4. Krankheitsdarstellungen in „Wittgensteins Neffe“
5. Paul Wittgenstein
6. Thomas Bernhard
7. Unterschiede & Gemeinsamkeiten der beiden Protagonisten
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion von Krankheitsmotiven im literarischen Schaffen von Thomas Bernhard, wobei der Fokus insbesondere auf dem autobiographischen Werk „Wittgensteins Neffe“ liegt, um die Identität der Protagonisten und ihr Verhältnis zur Gesellschaft sowie zum Wahnsinn zu analysieren.
- Krankheit als zentrales, negatives Motiv in Bernhards Werken
- Differenzierung und Typologisierung von „Geistesmenschen“ und „Gefühls- und Tatmenschen“
- Die Isolierung kranker Individuen durch die bürgerliche Gesellschaft
- Vergleich der Protagonisten Thomas Bernhard und Paul Wittgenstein
- Die Gratwanderung zwischen Geistigkeit und Wahnsinn
Auszug aus dem Buch
2. Krankheitsmotive bei Thomas Bernhard
Die Figuren in Thomas Bernhards Werken leiden fast ausnahmslos an Krankheiten. Die Arten und Erscheinungsformen sind dabei so variabel und zahlreich, dass sie von körperlichen bis geistigen, von erlittenen bis eingebildeten, sowie von leichten bis schweren Krankheitsformen reichen. Bei dieser Varianz und Fülle könnte die komplette dargestellte Welt als krank bezeichnet werden.
Jede einzelne Person ist auf ihre Art von Krankheit gezeichnet und muss mit ihr leben. Dadurch dass alle Personen eine Krankheit besitzen kann keine Einteilung in Gesunde und Kranke Menschen erfolgen. Die Differenzierung muss viel mehr in unterschiedliche Stufen und Formen des Krankseins und eine entsprechende Typologisierung von Krankheit und Kranken erfolgen. So kann eine Unterscheidung der Kranken in „Geistesmenschen“ und „Gefühls- und Tatmensch“ durchgeführt werden.
Die Krankheiten können an sich in körperliche und psychische Krankheiten unterteilt werden. Weiterhin ist auffällig, dass eine Krankheit für einen Geistesmenschen eine andere Bedeutung hat als für einen Menschen aus dem normalen Bürgertum. Für den Gefühls- und Tatmensch bedeutet seine Krankheit eine Beeinträchtigung seiner Lebensweise. Die Krankheit stellt eine Last dar. Für den Geistesmenschen hingegen ist die Krankheit eine Chance um eine Steigerung seines Weltverstehens zu erlangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung negativer Motive wie Krankheit und Tod im Werk von Thomas Bernhard ein und umreißt die Untersuchung der Protagonisten in „Wittgensteins Neffe“.
2. Krankheitsmotive bei Thomas Bernhard: Das Kapitel erläutert die allgegenwärtige Krankheit in Bernhards Figurenkonstellationen und differenziert zwischen „Geistesmenschen“ und „Gefühls- und Tatmenschen“ hinsichtlich ihres Umgangs mit Leiden.
3. Krankheit in der Gesellschaft: Hier wird die soziale Ausgrenzung und Isolation von Kranken sowie deren Konflikt mit der bürgerlichen Normalitätsvorstellung thematisiert.
4. Krankheitsdarstellungen in „Wittgensteins Neffe“: Dieses Kapitel stellt die Protagonisten des Werkes – den Ich-Erzähler und Paul Wittgenstein – vor und verortet sie im Krankenhaus-Setting des Romans.
5. Paul Wittgenstein: Eine Charakterisierung Paul Wittgensteins als Geistesmensch, der zwischen Vollkommenheit und Wahnsinn schwankt und dessen Krankheitsbild durch Unstetigkeit geprägt ist.
6. Thomas Bernhard: Dieses Kapitel widmet sich dem Ich-Erzähler, der seine Lungenkrankheit und seine Verrücktheit als existenzielle Quelle für seine Kunst und Genialität nutzt.
7. Unterschiede & Gemeinsamkeiten der beiden Protagonisten: Ein Vergleich der beiden Hauptfiguren, der sowohl Parallelen (wie Beobachtungsdrang und Außenseiterrolle) als auch fundamentale Unterschiede in der Beherrschung der eigenen Krankheit aufzeigt.
8. Fazit: Die Zusammenfassung der Ergebnisse betont, dass Thomas Bernhard Krankheitsmotive aufgrund eigener Lebenserfahrung nutzt und zwischen erfolgreichen Geistesmenschen und gescheiterten Existenzen differenziert.
Schlüsselwörter
Thomas Bernhard, Wittgensteins Neffe, Krankheitsmotive, Geistesmensch, Wahnsinn, Isolation, Gesellschaftskritik, Paul Wittgenstein, Autobiographisches Werk, Lungenkrankheit, Existenzsteigerung, Außenseiter, Melancholie, Verrücktheit, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Funktion von Krankheiten im literarischen Werk von Thomas Bernhard, speziell in „Wittgensteins Neffe“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Krankheit und Geistigkeit, die gesellschaftliche Ausgrenzung, die Gratwanderung zum Wahnsinn und die existenzielle Bedeutung des Leidens für den Künstler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Krankheitsmuster bei Bernhard zu identifizieren und die zwei Hauptcharaktere in „Wittgensteins Neffe“ anhand dieser Muster zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine werkanalytische Methode, die auf den Texten von Thomas Bernhard sowie auf existierender Forschungsliteratur zur Krankheitsdarstellung und Ästhetik Bernhards basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Krankheitsmotive bei Bernhard theoretisch hergeleitet, die gesellschaftliche Position des Kranken untersucht und eine detaillierte Gegenüberstellung der Protagonisten Bernhard und Paul Wittgenstein vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Krankheitsmotive, Geistesmensch, Wahnsinn, Isolation, Thomas Bernhard und Wittgensteins Neffe.
Wie unterscheidet sich der Ich-Erzähler Thomas Bernhard von Paul Wittgenstein?
Während Bernhard seine Verrücktheit und Krankheit als Energiequelle kontrollieren kann und produktiv bleibt, scheitert Paul Wittgenstein letztlich an seiner Krankheit, da er von ihr vollständig beherrscht wird.
Warum wird Ludwig Wittgenstein in der Arbeit erwähnt?
Der Philosoph Ludwig Wittgenstein dient als Vergleichsfolie für den Ich-Erzähler, da auch er als „verrückter Geistesmensch“ gilt, der jedoch – ähnlich wie Bernhard – seine Krankheit in den Dienst seines Erfolgs stellen konnte.
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- Anonym (Author), 2010, "Wittgensteins Neffe". Krankheitsdarstellung bei Thomas Bernhard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322377