In dieser Arbeit soll die Fragestellung behandelt werden, welche Gründe es für das Zustandekommen von Integration im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik gibt und welche Schwierigkeiten darin bestehen, Europa mit einer Stimme sprechen zu lassen.
Kooperation im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik der europäischen Nationalstaaten hat es immer schon gegeben, als Beispiele gelten hier das Bündnissystem von Bismarck im Kaiserreich oder die verschiedenen Bündnisse der europäischen Länder in den beiden Weltkriegen.
Um Frieden und Sicherheit auf dem europäischen Kontinent zu gewährleisten, gibt es seit dem Ende des 2. Weltkriegs das Projekt der europäischen Integration, das im Bereich der Wirtschaft beginnend mit der Zusammenlegung der französischen und deutschen Kohle und Stahl Produktion (EGKS) über die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes mit freiem Personen- und Warenverkehr bis hin zur Einführung einer gemeinsamen Währung eine vergleichsweise erfolgreiche war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Entwicklung der GASP
3. Theoretischer Hintergrund
4. Empirische Überprüfung der Theorien
5. Zukunft der GASP
6. Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert die Gründe für die Integration im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) in Europa und untersucht die Herausforderungen, die einer einheitlichen europäischen Stimme entgegenstehen. Dabei wird kritisch hinterfragt, warum trotz divergierender nationaler Interessen Integrationsschritte möglich waren.
- Historische Entwicklung der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik
- Analyse durch Theorien des Intergouvernementalismus
- Untersuchung des Rationalen und Konstruktivistischen Supranationalismus
- Empirische Überprüfung nationalstaatlicher Präferenzen
- Herausforderungen der Zukunft für die GASP
Auszug aus dem Buch
3. Theoretischer Hintergrund
Eine Definition von Manfred G. Schmitt beschreibt den Begriff „Integration“ im Bereich der Politischen Soziologie als „..Vorgang und Ergebnis des Zusammenwachsens von zuvor unabhängigen Staaten zu einer teils supranationalen, teils intergouvernementalen Organisation“. (Schmitt 2010, 364). Hierbei wird außerdem zwischen dem Grad der „Vergemeinschaftung“- je supranationaler die Institutionen organisiert sind, desto größer die Vergemeinschaftung (vertikale Integration), der Anzahl der unabhängigen Staaten (horizontale Integration) und der einbezogenen Politikfelder (sektorale Integration) unterschieden (Holzinger 2005, 48). Diese Unterscheidung ist wichtig, um den europäischen Integrationsprozess, der in den folgenden Theorien behandelt wird, zu verstehen. So kam es beispielsweise im Politikfeld Außen- und Sicherheitspolitik relativ spät zu einer Integration, zudem mit intergouvernementalem Charakter, aber der Einschließung aller Mitgliedsländer.
Realistischer Intergouvernementalismus
Als Gründervater dieser Theorie gilt Stanley Hoffmann, der von der Annahme ausgeht, dass im Bereich Sicherheitspolitik Fragen, die das Überleben des Staates selbst betreffen (High Politics) Vorrang haben vor Fragen weniger fundamentaler Natur (Low Politics) (Holzinger 2005, 50). Das Überleben des Nationalstaates soll als oberstes Gut gelten und die Interessen der Mitgliedsregierungen sich aufgrund dessen durch ihre Unterschiedlichkeit in Tradition, Wertevorstellungen und geopolitischer Lage, erheblich voneinander unterscheiden (Holzinger 2005, 51). Zur Integration kommt es demnach dann, wenn sich die Interessen der Mitgliedsländer einander annähern und sich dadurch nach Kosten-Nutzen-Kalkül ein Vorteil ergibt. Je größer die Machtressourcen eines Staates, desto größer ist sein Einfluss und desto geringer ist er bereit seinen Vorteil durch Vergemeinschaftung zu verlieren. Für kleinere, machtpolitisch schwächere Staaten gilt dies genau im entgegengesetzten Sinn.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Entwicklung der europäischen Kooperation und leitet zur Fragestellung nach den Gründen und Schwierigkeiten der Integration in der Außen- und Sicherheitspolitik über.
2. Entstehung und Entwicklung der GASP: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von der EGKS über den Fouchetplan bis hin zur Etablierung der GASP als 2. Säule im Vertrag von Maastricht nach.
3. Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale theoretische Ansätze wie der realistische und liberale Intergouvernementalismus sowie der rationale und konstruktivistische Supranationalismus eingeführt.
4. Empirische Überprüfung der Theorien: Die zuvor genannten Theorien werden auf die nationalstaatlichen Präferenzen angewandt, um die Beweggründe der Akteure für oder gegen Integration zu erklären.
5. Zukunft der GASP: Es wird die Frage diskutiert, wie eine fortschreitende Integration unter Berücksichtigung des Einstimmigkeitsprinzips und der unterschiedlichen Interessen der 27 Mitgliedstaaten erreicht werden kann.
6. Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst die Erklärungsbeiträge der verschiedenen Theorien zusammen und betont die Komplexität der europäischen Integration.
Schlüsselwörter
GASP, Europäische Integration, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Intergouvernementalismus, Supranationalismus, Europäische Union, Vertrag von Maastricht, Krisenmanagement, Nationalstaaten, Souveränität, Institutionen, Kooperation, Sicherheitskultur, transatlantisches Bündnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und theoretische Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der europäischen Integration, die Rolle der Nationalstaaten in Sicherheitsfragen und die theoretische Fundierung europäischer Außenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, welche Faktoren die Integration in der Außen- und Sicherheitspolitik begünstigen oder behindern und wie die unterschiedlichen nationalen Interessen dabei interagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse angewandt, indem politikwissenschaftliche Theorien (Intergouvernementalismus und Supranationalismus) auf empirische Gegebenheiten in den Mitgliedstaaten bezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der GASP, die Erläuterung der theoretischen Rahmenbedingungen und deren Anwendung auf reale politische Prozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie GASP, Integration, Intergouvernementalismus, Souveränität und Sicherheitspolitik charakterisiert.
Warum war Frankreich in der Anfangsphase besonders aktiv bei Integrationsinitiativen?
Frankreich wollte Deutschland durch Integration in eine europäische Gemeinschaft einbinden, um zukünftige Konflikte zu verhindern, und strebte zudem ein „European Europe“ zur Verringerung der US-Dominanz an.
Inwieweit spielt die NATO eine Rolle für die europäische Integration?
Die Existenz der NATO bot vielen europäischen Staaten eine Sicherheitsgarantie, die den Druck zur Schaffung einer eigenen, supranationalen europäischen Sicherheitsarchitektur lange Zeit minderte.
- Arbeit zitieren
- Carsten Müller (Autor:in), 2012, Der steinerne Weg zu einer gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322388