Die Persistenz geschlechtsspezifischer Ungleichheiten am Arbeitsmarkt

Ausgewählte Erklärungstheorien nach Pierre Bourdieu


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

24 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Habituskonzept
2.1 Geschlechtshabitus
2.2 Die männliche Herrschaft und symbolische Gewalt

4 Kapitalkonzept
4.1 Inkorporiertes Kulturkapital
4.2 Institutionalisiertes Kulturkapital

5 Geschlechtsspezifische Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt
5.1 Arbeitsmarksegregation: horizontal vs. Vertikal
5.2 Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und das Normalarbeitsverhältnis
5.3 Gesellschaftlicher Wandel und strukturelle Chancen
5.4 Spannungsverhältnis: Haushalt und Beruf und die doppelte Vergesellschaftung der Frau
5.5 Bildung und Geschlechterordnung

7 Schlussbemerkungen und Diskussion

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Seit mehr als 60 Jahren ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Artikel 3, Absatz 2 des deutschen Grundgesetzes juristisch verankert. Entgegen dieser festen Bestimmung zeichnet die gesellschaftliche Realität ein eher dynamisches Bild, bezüglich der sozialen Gleichheit der Geschlechter. Das jüngst erlassene Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 sowie die von den Sozialdemokraten zum schwarz-roten Regierungsbündnis 2013 geforderte Frauenquote für Aufsichtsräte und Vorstände in Unternehmen spricht für die aktuelle Relevanz des Themas geschlechtsspezifische Ungleichheiten. Insbesondere letzteres zeigt, dass gegenwärtig aktiv Gleichstellungspolitik zugunsten von Frauen am Arbeitsmarkt betrieben wird.

Die traditionelle Vorstellung vom männlichen Alleinernährermodell und der damit einhergehenden Ausgrenzung der Frau aus dem Erwerbsleben zugunsten der häuslichen Familienversorgung, ist längst nicht mehr zeitgemäß. Heutzutage besitzen Frauen adäquate Bildungsabschlüsse und die gleichen beruflichen Qualifikationen wie Männer. Aber bedeuten gleiche Qualifikationen und Bildungsabschlüsse zwischen den Geschlechtern auch gleiche berufliche Chancen und eine gleichstarke Integration auf dem Arbeitsmarkt?

Die Leitfrage, die sich daraus für die Hausarbeit ergibt und im folgenden beantwortet werden soll, lautet: Nehmen die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt ab oder bleiben sie trotzdem bestehen? Und wenn ja, wie lässt sich die eventuelle Persistenz der Ungleichheiten erklären? Für die Analyse der Fragestellung werden ausgewählte Theoriebausteine von Pierre Bourdieu verwendet. Demnach sollen der Geschlechtshabitus, die männliche Herrschaft und die symbolische Gewalt Aufschluss über die Entstehung und das Fortbestehen von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten geben können. Um die eventuelle Abnahme der Ungleichheiten zu berücksichtigen, wird das Kulturkapital erläutert, das durch seine institutionalisierte sowie inkorporierte Form zu dieser Diskussion beitragen soll.

Nach diesem theoretischen Teil folgt ein Überblick über die Chancen und Ungleichheiten von Frauen am Arbeitsmarkt. Dieser setzt sich aus den Kapiteln der Arbeitsmarktsegregation, des Normalarbeitsverhältnis, des gesellschaftlichen Wandels und der doppelten Vergesellschaftung der Frauen zusammen, die damit Chancen und Hürden für diese aufzeigen können. Ergänzt wird der Teil durch das Kapitel Bildung, das die erhöhte Bildungsbeteiligung von Frauen aufgreift und zum Verständnis über die vermeintlich abnehmenden sowie weiter bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern beiträgt.

In einer abschließenden Diskussion wird erörtert, inwieweit die Theoriebausteine Bourdieus die Verbesserungen oder das Fortbestehen der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt erklären können.

2 Das Habituskonzept

Was ist ein Habitus ? Wie hängt er mit dem Geschlecht zusammen und wie wirkt sein Mechanismus auf die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen? Diese Leitfragen werden entlang der folgenden Erläuterungen zum Bourdieuschen Habitusbegriff, zur Theorie des Geschlechtshabitus sowie zur sogenannten männlichen Herrschaft und symbolischen Gewalt beantwortet. Damit bilden sie einen Teil der theoretischen Grundlage für die Analyse der Fragestellung nach einer Beständigkeit der Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, die sich als ’roter Faden’ durch diese Arbeit zieht.

Um den Habitusbegriff zu verstehen, bedarf es einiger kurzer Erläuterungen der Begrifflichkeiten Bourdieu s vorweg, da diese mit Ersterem im Zusammenhang stehen und die Grundsteine seiner Sozialtheorie bilden.

Bourdieu konstatiert, dass menschliches Handeln nicht nur auf rationalen Entscheidungen und Abwägungen beruht, sondern zugleich auch unbewusstes und spontanes Reagieren auf die soziale Praxis darstellt. Beiden Handlungsweisen, insbesondere dem spontanen Verhalten schreibt er einen sozialen Sinn zu. Er unterscheidet zwischen einem theoretischen Sinn und praktischen Sinn. Dabei wird letzterem eine besondere Bedeutung zuteil, weil er in Abgrenzung zum bewussten Handeln nicht aus rationalem Wissen resultiert, sondern aus der doxischen Erfahrung (Barlösius 2006: 32). Die Doxa definiert eine natürlich erlebte und von den Individuen selbstverständlich vorgegebene und verankerte Welt der Überlieferung, die zweifelsfrei von ihnen hingenommen wird (ebd. 2006: 32).

Analog dazu differenziert Bourdieu zwischen theoretischem und praktischem Handeln. In Anlehnung an die doxische Erfahrung, lässt sich das praktische Handeln vor allem als ein vom Individuum verinnerlichtes Handlungsprinzip erklären, welches auf dem jeweiligen Habitus einer Person basiert. Sinnlichkeit und Spontanität statt rationaler Reflexion bestimmen dieses Verhalten. (ebd 2006: 32) Habituelles Verhalten ist demzufolge als ein automatisches, gewohnheitsmäßiges Handeln zu identifizieren, dessen verbundener Sinn in ihm verborgen liegt und sich diese verinnerlichten Muster erst im jeweiligen Verhalten abzeichnen (ebd. 2006: 32). Diese Sicht-, Denkweisen, Wahrnehmungsmuster und Prinzipien des Urteilens und Bewertens werden in der Gesellschaft produziert und durch individuelles Verhalten reproduziert, die wiederum einen konstruierenden Einfluss auf die Produktion haben. In diesem komplexen Konstruktionsprozess fungiert der Habitus als wichtigstes, soziales Erzeugungsprinzip zwischen Individuum und Gesellschaft (Gebauer/Krais 2002: 5).

Er definiert sich laut Bourdieu als die inkorporierte, unsichtbare Tiefenstruktur und eingefleischte Gewohnheit, die nur in Interaktion mit einem Feld aktualisiert werden kann (ebd. 2002: 5). Dieses Feld beschreibt die sozialen Einheiten und Einrichtungen, aus denen die Gesellschaft zusammengesetzt ist. Besonders der Wechsel zwischen den Feldern ist mit habituellen Umprägungen verbunden, die wiederum Einfluss auf die Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Denkschemata sowie die Praxisformen der Individuen ausüben, ohne sie grundlegend zu verändern (Barlösius 2006: 91).

Das bedeutet, dass die Teilungen und Unterscheidungen, die die Gesellschaft konstruiert, auch in den Denkmustern der Akteure stecken und in ihre individuellen habitualisierten Konstruktionen mit eingehen. Bremer (2005) konstatiert, dass die strukturalistische Konstruktionsarbeit auch in Abhängigkeit vom jeweiligen sozialen Raum steht, in dem Zwänge und Notwendigkeiten, Ressourcen und Chancen unterschiedlich verteilt sind (Bremer 2005: 65). Damit geht eine Produktion und Reproduktion sozialer Differenzen einher und die Herausbildung sozialer Lagen qua Verteilung von sogenannten Kapitalarten, die letztendlich Einfluss darauf haben, welcher Habitus ausgebildet wird (Meuser 2010: 113).

Was Bourdieu unter diesen Kapitalarten versteht, wie er sie unterscheidet und welche Rolle die Verteilung im Bezug auf die Frage nach der Abnahme oder dem Fortbestehen von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt einnimmt, wird in Kapitel 4 genauer untersucht.

Hier wird damit lediglich deutlich, wie komplex der jeweilige Habitus sein kann, wie sehr seine Tiefenstruktur von gesellschaftlichen Einflussgrößen abhängt und dass Differenzen, die in der Gesellschaft generiert werden im Konstruktionsprozess des Habitus verankert sind und durch ihn wiederum reproduziert werden.

Auf Basis der vorausgegangenen Erläuterungen zum Habitus kann nun der Fokus der nachfolgenden Analyse auf seine Verknüpfung mit dem Geschlecht gelegt werden, um den eingangs gestellten Leitfragen bezüglich dieser Verbindung und den damit einhergehenden Ungleichheiten nachzugehen. Mit dem Konzept des Geschlechtshabitus zeigt Bourdieu in seinem Werk die männliche Herrschaft (2005) erstmals, wie das Geschlechterverhältnis zwischen Männern und Frauen in der sozialen Praxis produziert und reproduziert wird.

2.1 Geschlechtshabitus

Der Geschlechtshabitus bezeichnet nach Bourdieu eine inkorporierte soziale Geschlechtsstruktur, die auf einer zweigeschlechtlichen Weltsicht beruht, zur zweigeschlechtlichen Teilung der sozialen Welt führt und wiederum einen folgenreichen Einfluss auf die vergeschlechtlichten Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien hat (Engler 2004: 225). Dieser vergeschlechtlichte und gleichzeitig vergeschlechtende Habitus hat seinen Ursprung in der biologischen Natur, der von Geburt an zur sozialen Identität der Subjekte, durch die körperlichen Merkmale entsteht (Bourdieu 2005: 44). „Der biologische Unterschied zwischen den Geschlechtern, [...] insbesondere der anatomische Unterschied zwischen den Geschlechtsorganen, kann als natürliche Rechtfertigung der gesellschaftlichen, konstruierten Unterschiede zwischen den Geschlechtern und besonders der geschlechtlichen Arbeitsteilung erscheinen“ (Bourdieu 2005: 44).

Geschlecht wird damit als polarer Gegensatz konstruier in Abgrenzung zu sozialen Klassen, die einer mehrstufigen Klassifikation untergeordnet werden können (Gebauer/Krais 2002: 50). Damit unterliegt die geschlechtsspezifische Habitusgenese einem ständigen Orientierungsprozess von Handlungen, Signalen und Wahrnehmungen an einem „binären Code“, bei dem eine von zwei geschlechtstypischen Möglichkeiten in den Habitus inkorporiert und die andere ausgeschlossen wird. Diese Unterscheidung prägt ebenfalls die Körperwahrnehmung, Ausdrucksweisen und Gewohnheiten der Subjekte (ebd. 2002: 50).

Nicht außer Acht gelassen werden darf, dass diese Geschlechterdifferenzierung, die im Habitus haftet von den Menschen selbst produzierte und beständig reproduzierte Struktur ist, die gewissermaßen als das Nat ü rliche der Welt im Geist und Körper wahrgenommen und legitimiert wird (ebd. 2002: 51). Diese (re)produzierende Konstruktion wird von Bourdieu als zirkelhafte Kausalbeziehung betitelt (Bourdieu 2005: 23).

Festhalten lässt sich demzufolge, dass der Geschlechtshabitus ’Produkt’ als auch gleichzeitig ’Erzeuger’ beziehungsweise ’Verstärker’ der Unterschiede zwischen den Geschlechtern ist. Ob mit der Differenzierung und Kategorisierung zwischen Männern und Frauen auch geschlechtsspezifischen Ungleichheiten einhergehen, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Zur Beantwortung dieser zentralen Frage bedarf es eines weiteren Theoriebausteins Bourdieus, der an den Geschlechtshabitus anknüpft. Dazu wird im Folgenden die männlichen Herrschaft sowie die damit einhergehende symbolischen Gewalt vorgestellt werden.

2.2 Die männliche Herrschaft und symbolische Gewalt

Bourdieu führt zu der Aufdeckung dieser vergeschlechtlichten Struktur eine anthropologische Analyse am Beispiel der kabylischen Gesellschaft an einem Bergvolk in Algerien durch. Er wählt diese Gesellschaft als repräsentatives Beispiel aus zweierlei Gründen. Zum einen, weil die kulturelle Tradition musterhafte Verknüpfungspunkte mit unserer Tradition aufweist und zum anderen, da die ganze europäische Kultur unzweifelhaft an dieser Tradition mitbeteiligt ist (Bourdieu 2005: 15). Bourdieu konstatiert in seinen Forschungsprozessen eine Ein- und Aufteilung aller Praktiken und Gegenstände entlang dem männlichen und weiblichen Geschlecht der kabylischen Gesellschaft (Engler 2004: 226). Auf Basis der hocharbeitsteiligen und geschlechtsspezifischen Ordnung, entsteht eine Herrschaftsbeziehung, die als fester Bestandteil in den Habitus der Individuen inkorporiert ist. Diese Herrschaftsbeziehung ist laut Bourdieu, eine auf das männliche Geschlecht bezogene Herrschaft (männliche Herrschaft), da die männliche Kategorie in der Teilung der Geschlechter kontinuierlich die überlegenere symbolisiert (Bourdieu 2005: 18).

Die Einteilung der Geschlechter erfolgt über die anatomischen Unterschiede zwischen dem weiblichen und männlichen Geschlechtsorgan das jeweils etwas ’Natürliches’ darstellt und somit die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern legitimiert (Scholz 2006: 226).

Bourdieu (2005) argumentiert, dass diese biologische Einteilung als willkürliche gesellschaftliche Konstruktion durch seine körperlichen Gebrauchs- und Funktionsweisen zu verzeichnen ist. Damit wird ein Herrschaftsverständnis in die biologische Natur konstruiert, welches selbst eine naturalisierte gesellschaftliche Konstruktion darstellt (Bourdieu 2005: 44).

Durch die erzieherischen und kulturellen „Einsetzungsriten“ der kabylischen Gesellschaft wird das Hierarchiekonzept in die soziale Welt objektiviert (als etwas Naturgegebenes konstruiert) und in die Wahrnehmungs- und Deutungsschemata subjektiviert, beziehungsweise habitualisiert. Diese Sozialisationsarbeit erfolgt über die Regelmäßigkeiten der physischen und sozialen Ordnung (Bourdieu 2005: 46). Als Beispiel für die Verinnerlichung beschreibt Bourdieu die sozialen Praktiken der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Er berichtet, dass die Frauen von den „edelsten“ Tätigkeiten (Pflug führen) ausgeschlossen und ihnen die schlechteren, mühevollen und niederen Aufgaben („Mist wegkarren, Oliven auflesen, die der Mann mit einer Stange vom Baum schlägt“) übertragen würden (Bourdieu 2005: 46).

Dabei ziehen sie generell Nutzen aus den biologischen Unterschieden im Sinne grundlegender Voraussetzungen, die es dann so aussehen lassen, als ob diese biologischen Unterschiede den sozialen Unterschieden zugrunde lägen“ (Bourdieu 2005: 46).

Durch diese allgemein geteilten Zuordnungsschemata der weiblichen Verhaltensweisen, werden den Frauen Schranken auferlegt, die sich in die körperlichen Dispositionen einprägen und über eine unbewusste Nachahmung dessen, diese Art zu ihrer eigenen machen (ebd. 2005: 63). An dieser Stelle, findet der Begriff der Doxa wieder eine Verwendung, der auf dem gemeinsamen Erkenntnisakt basiert, beziehungsweise einer gemeinsamen Übereinstimmung, die als ’Glaube’ anerkannt wird und sich dennoch nicht als solches behaupten muss, weil er strukturell produziert ist und zugleich reproduziert wird (Barlösius 2006: 32).

Für das Bestehen der Ordnung muss ein „gewisses Einverständnis“ bei den Beherrschten (Frauen) und den Beherrschern (Männern) vorausgesetzt sein. Das Einverständnis ist dabei lediglich kein rationales, sondern ein praktisches, welches durch die alltägliche Normalität der Individuen legitimiert wird und gleichzeitig mit symbolischer Gewalt einhergeht (ebd. 2004: 226). Infolgedessen kommt der Beherrschte nicht um eine Zustimmung herum, „[…] da er um ihn und sich selbst, oder besser, seine Beziehung zu ihm zu erfassen, nur über Erkenntnismittel verfügt, die er mit ihm gemein hat“ (Bourdieu 2005: 66).

Bourdieu argumentiert, dass allein die ’Waffen des Bewusstseins’ nicht ausreichen, die männliche Herrschaft zu durchbrechen, sondern es vielmehr auf eine radikale Umgestaltung der gesellschaftlichen Produktionsbedingungen jener Dispositionen ankäme, die die Beherrschten dazu bringen den Herrschenden eine reproduzierende Struktur zu ebnen (ebd. 2005: 67).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Theorie der männlichen Herrschaft einen Ansatz zur Erklärung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten bieten kann und in Verbindung mit dem ’Reproduktionsprinzip’ des Geschlechtshabitus eine mögliche Antwort auf die gesellschaftlich stabile Persistenz dieser Ungleichheiten gibt.

Demzufolge kann hinsichtlich der Frage dieser Hausarbeit nach der Abnahme oder dem Fortbestehen von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt eine eventuelle Kontinuität der Ungleichheiten anhand dieser Theorien diskutiert werden.

Ob Bourdieus Befunde in der Männlichen Herrschaft zur kabylischen Arbeitsteilung, bei der Frauen niedere Arbeiten verrichten als Männer, Rückschlüsse zur Ungleichheitsstruktur des Arbeitsmarktes in Deutschland erlauben, wird im Anschluss an den Teil zum Überblick über den Arbeitsmarkt in einer Diskussion erörtert werden.

Um neben dem Fortbestehen der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt auch einen Erklärungsansatz für eine eventuelle Abnahme der Ungleichheiten zu diskutieren, wird zunächst das Bourdieusche Kulturkapital vorgestellt. Dieses könnte in seiner institutionalisierten Form einen vermeintliches Analyseinstrument für die Reduktion der Ungleichheiten darstellen.

4 Kapitalkonzept

Gemäß Bourdieu (1992) verfügt jedes Subjekt in der sozialen Welt über eine individuelle Zusammensetzung bestimmter Kapitalarten, die sich über einen gewissen Zeitraum und durch das interaktive Wechselspiel mit dieser sozialen Welt anhäufen (Bourdieu 1992a: 49). Er bezeichnet das Kapital demzufolge als akkumulierte Arbeit, entweder in Form von Material oder in verinnerlichter Form (ebd. 1992a: 49). Die Anhäufung und Verteilung der Kapitalarten definiert die Position im sozialen Raum und zugleich eine Machtressource, die es dem Individuum laut Bourdieu ermöglicht in einem bestimmten Feld zu existieren (Barlösius 2006: 105).

Das Kapital kann in dreierlei grundlegenden Bedeutungen auftreten: als ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital und soziales Kapital (Bourdieu 1992a: 52).

Unter dem ökonomischen Kapital versteht Bourdieu jede Form, die direkt in Geld umzuschreiben ist. Als Beispiele sind Produktionsmittel, Grund, Boden, Vermögen, Geld, Aktien, Schmuck u.ä. zu nennen (ebd. 1992a: 52).

Das kulturelle Kapital existiert in drei Ausprägungen: erstens in inkorporiertem Zustand, zweitens in objektiviertem Zustand durch kulturelle Güter wie beispielsweise Bücher, Lexika, Gemälde und drittens in institutionalisiertem Zustand durch schulische und akademische Titel (ebd. 1992a: 53). Dem ökonomischen und kulturellen Kapital ist das symbolische Kapital anzureihen, welches die soziale Anerkennung und Prestige definiert und als übergeordnete Kategorie zu verstehen ist (ebd.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Persistenz geschlechtsspezifischer Ungleichheiten am Arbeitsmarkt
Untertitel
Ausgewählte Erklärungstheorien nach Pierre Bourdieu
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Pierre Bourdieus Theorien sozialer Praktiken
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V322406
ISBN (eBook)
9783668215740
ISBN (Buch)
9783668215757
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
persistenz, ungleichheiten, arbeitsmarkt, ausgewählte, erklärungstheorien, pierre, bourdieu
Arbeit zitieren
Insa Genausch (Autor), 2013, Die Persistenz geschlechtsspezifischer Ungleichheiten am Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322406

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