Lohneinbußen von Frauen durch kindbedingte Erwerbsunterbrechungen

Ländervergleichende Analyse zwischen dem schwedischen und dem deutschen Wohlfahrtsstaat


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erwerbsbeteiligung und Beschäftigungsmuster von Frauen
2.1 Deutschland
2.2 Schweden

3 Wohlfahrtsregimetypologie nach Esping-Andersen
3.1 Konservative-korporatistische Wohlfahrtsstaat
3.2 Sozialdemokratischer Wohlfahrtstaat

4 Familienpolitische Leistungen für Mütter nach einer schwangerschafts-bedingten Erwerbsunterbrechung
4.1 Deutsche Sozialleistungen
4.2 Schwedische Sozialleistungen

5 Ausgewählte Studien über Lohnstrafen nach der Mutterschaft in Abhängigkeit von der Unterbrechungsdauer und dem Bildungsgrad
5.1 Deutschland und Schweden im Vergleich

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit kindbedingten Erwerbsunterbrechungen von Müttern in Deutschland1 und Schweden. Dabei wird der Ländervergleich auf den beruflichen Wiedereinstieg und deren Karrierefolgen gelenkt.

Die zentrale Leitfrage, die sich daraus ergibt und im folgenden beantwortet werden soll, lautet: Welche Auswirkungen haben schwangerschaftsbedingte Erwerbsunterbrechungen von Müttern auf deren Wiedereinstieg in das Berufsleben und deren Lohnentwicklung innerhalb der unterschiedlichen Wohlfahrtsstaatsregime Deutschland und Schweden?

Unter Bezug auf die jeweiligen landestypischen familienpolitischen Maßnahmen soll am Ende diskutiert werden durch welche Leistungen Anreize und Restriktionen für deutsche und schwedische Mütter entstehen, die die eventuellen Lohneinbußen nach der Mutterschaft verhindern oder fördern.

Um einen Einblick in die jeweilige Erwerbsbeteiligungsstruktur und Beschäftigungsmuster von Frauen in Deutschland und Schweden zu bekommen werden diese im nachfolgenden erläutert. Daran schließt sich die Wohlfahrtstypologie von Esping-Andersen an, die als Zuordnungsprinzip der jeweiligen Länder dient, um im daran folgenden Kapitel zu den modernen Sozialpolitiken besser verstehend kann, auf welcher Wohlfahrtsstaatslogik bestimmte Leistungen gründen und sich zuordnen lassen. Daran schliesst sich das Kapitel mit den länderspezifischen Ergebnissen der empirischen Studien zu Lohneinbußen nach der Mutterschaft. Unter Kontrolle von Unterbrechungsdauer und Bildungsgrad, werden die Einkommensentwicklungen vergleichend empirisch geklärt.

2 Erwerbsbeteiligung und Beschäftigungsmuster von Frauen

Um die Auswirkungen der diskontinuierlichen Erwerbsverläufe von Müttern zu untersuchen, muss zunächst die weibliche Erwerbsbeteiligungsstruktur des deutschen und schwedischen Arbeitsmarktes jeweils kurz erläutert werden. Gesellschaftliche Veränderungen, wie die Verschiebung der sektoralen Wirtschaftsstruktur zur Dienstleistungsgesellschaft, die damit einhergehende Erosion des „Normalarbeitsverhältnis“ sowie eine Zunahme atypischer Beschäftigungsmuster in Form von Teilzeit, geringfügiger Beschäftigung oder Leiharbeit beschreiben einige repräsentative Entwicklungen im europäischen Raum Ende des 20. Jahrhunderts, die eine Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit begünstigten (Schulze Buschoff 1999: 3). Mit dem Lissabon-Ziel haben es sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zur Aufgabe gemacht, die Erwerbstätigenquote von Frauen im Jahr 2010 auf 60 Prozent zu erhöhen, um eine durchschnittliche Gesamtgesellschaftliche Erwerbstätigenquote von 70 Prozent zu erreichen (Dressel 2005: 104). In welchem Maß sich diesem ‚Richtwert’ in Deutschland und Schweden angenähert wurde und welche Beschäftigungsmuster für Frauen dabei als ländertypisch zu erkennen sind, wird im folgenden dargelegt.

2.1 Deutschland

Deutschland gehört zu den Staaten in Westeuropa in denen ein traditionelle Ernährermodell lange Zeit politisch propagiert und in der Gesellschaft institutionell gefestigt wurde. Bis heute bestehen familienpolitische Regelungen, die eine familiale Arbeitsteilung2 zwischen den Geschlechtern begünstigen. Dennoch gab es seither strukturlösende Veränderungen, die zu einer Modernisierung dieser Gesellschaftsform geführt haben (Rüling 2007: 19). Die ansteigende Integration der Frauen in den deutschen Arbeitsmarkt gehört zu einer dieser ‚entgrenzenden’ Entwicklungen der Neuzeit, die es allerdings in West- und Ostdeutschland zu differenzieren gilt, da die gegensätzlichen Gesellschaftsmodelle vor der Wende 1989/1990 einen unterschiedlichen Einfluss auf das Erwerbsverhalten der Frauen hatten (Rüling et al. 2007: 21).

Für Westdeutschland ist eine steigende Frauenerwerbstätigkeitsquote Ende des 20. Jahrhunderts zu beobachten, die sich bis ins heutige 21. Jahrhundert ausgedehnt hat. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sich speziell durch den Ausbau atypischer Beschäftigungsverhältnisse die weibliche Erwerbsbeteiligung in Westdeutschland deutlich erhöht hat (Pfarr 2013: 32).

Anhand eines Kohortenvergleichs von Ziefle (2009) zwischen den Geburtsjahrgängen 1920 und 1960 zeigt sich, dass die Erwerbsquote der jüngsten Kohorten 25 Prozent höher lag, als die aus den Jahren zuvor: 73).

In Ostdeutschland gab es hingegen um 1989 und 1996 einen Beschäftigungsrückgang von Frauen, der unmittelbar mit der steigenden Arbeitslosigkeit zusammenhing, bedingt durch die ökonomischen Folgen der Wende (Rüling 2007:32). Dennoch lag die Frauenerwerbstätigkeit nach der Wiedervereinigung 1990 im Osten immer noch mit 66,7 Prozent höher als mit 54,6 Prozent in Westdeutschland (Rüling et al. 2007: 38). 2004 war der Anteil arbeitsloser Frauen in Ostdeutschland auf 19,5 Prozent gestiegen und lag somit 11 Prozent höher als in Westdeutschland (8,4 Prozent). Rüling und Kassner (2007) gehen davon aus, dass das Beschäftigungsniveau von Frauen in Ostdeutschland bei 80 Prozent läge, würden diese arbeitslosen Frauen einen Arbeitsplatz haben (Rüling et al. 2007: 38). Diese Annahme deutet auf die hohe Erwerbsorientierung der ostdeutschen Frauen hin (ebd. 2007: 38). Diese Erwerbsneigung umfasst auch den hohen Grad an Kontinuität mit der die ostdeutschen Frauen ihre Erwerbstätigkeit nach einer Schwangerschaft fortsetzen (Gustafsson et al. 1996 in Schulze Buschoff 1999: 16). Dies bestätigen beispielsweise die empirischen Befunde von Anger et al. (2008) in ihrer Untersuchung über das Arbeitsangebotsverhalten von Müttern in Vollzeit, Teilzeit sowie geringfügiger Beschäftigung aus West- und Ostdeutschland mit den Messzeitpunkten vor und nach dem Erziehungsurlaub im Jahresverlauf zwischen 1991 und 1997 (Anger et al. 2008: 12 f.). Darin werden insbesondere die Arbeitsvolumina betrachtet, die es zu unterscheiden gilt, wenn sich mit weiblicher Erwerbsbeteiligung beschäftigt wird. Nach Anger et al. (2008) behalten 61 Prozent von 86 Prozent der ostdeutschen Mütter ihre Vollzeiterwerbstätigkeit nach dem Erziehungsurlaub bei, was unter anderem mit den guten Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten in Ostdeutschland zusammenhängt (Statistisches Bundesamt 2004: 62 in Anger et al. 2008: 12). Dementgegen gehen von den 79 Prozent der vollzeiterwerbstätigen Mütter aus Westdeutschland, nur 19 Prozent in ihr ehemaliges Beschäftigungsverhältnis von 35 Stunden pro Woche zurück (Anger et al. 2008: 12). Dieser charakteristischen Entwicklung Westdeutschlands steht eine Zunahme der Teilzeiterwerbstätigen Mütter mit 63 Prozent nach der Erwerbspause gegenüber sowie eine knapp fünffache Steigerung der geringfügigen Tätigkeit. Dieser Trend lässt sich auch noch für das Jahr 2000 in einer Studie von Rüling et al. (2007) über die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Kleinkindern von 0 bis 3 Jahren bestätigen (Rüling et al. 2007: 61). Aus den Teilzeiterwerbstätigkeitsquoten von 2004 zeichnet sich ab, dass ostdeutsche Frauen mit 28 Prozent weniger in Teilzeit arbeiten als westdeutsche Frauen mit 45 Prozent (Rüling et al. 2007: 42).

Gemäß der bisherigen Erkenntnisse ist es also notwendig das Erwerbsverhalten von Frauen und speziell von Frauen mit Kindern in Deutschland differenziert nach Ost und West zu betrachten, da sich charakteristische Erwerbsmuster aus unterschiedlichen Regierungssysteme vor der Wiedervereinigung herausgebildet haben (Rüling et al. 2007: 42). Auch wenn oder gerade weil eine Angleichung von sozialpolitischen und institutionellen Regelungen der neuen an die alten Bundesländer erfolgt, werden die Unterschiede in den Erwerbsmustern der jeweiligen Staaten deutlich (Schulze Buschoff et al 1999: 16).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Erwerbstätigkeit von Frauen in Westdeutschland seit den 1960er Jahren deutlich erhöht hat, dies aber mit der Zunahme an Teilzeiterwerbsmustern einhergeht. In Ostdeutschland ist stattdessen eher eine Vollzeitbeschäftigung von Frauen zu berichten, die mit guten Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten zusammenhängen. Bezüglich der hier zu untersuchenden Fragestellung nach den negativen Folgen einer kindbedingten Erwerbspause von Müttern auf deren Einkommensentwicklung, kann für Westdeutschland festgestellt werden, dass die meisten Frauen nach der Mutterschaft in eine Teilzeitwerbstätigkeit wechseln und somit auf erste Lohneinbußen oder geschlossen werden kann.

Im folgenden wird die Erwerbsbeteiligung in Schweden analysiert und beobachtet, ob sich ähnliche oder unterschiedliche Trends verzeichnen lassen, die gegebenenfalls Mutterschaftsbedingte Lohneinbußen oder Karrierenachteile erkennen lassen.

2.2 Schweden

Schwedens Arbeitsmarktpolitik setzte schon seit den 1960ern auf eine aktive Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere auf die Integration von Müttern am schwedischen Arbeitsmarkt. Demnach wird der sozialdemokratische Staat heutzutage oft als ein erfolgreiches ‚Musterbeispiel’ genannt, das durch seine emanzipatorische Familienpolitik eine hohe weibliche Erwerbsbeteiligung erzielt, mit gleichzeitig hohen Fertilitätsraten (Evertsson et al. 2011: 436).

Anhand weiblicher Beschäftigungszahlen aus den Jahren 1968 bis 2000 der Datensätze einer Studie zur Arbeitskraft von Frauen in Schweden von Korpi und Stern (2003) wird deutlich, dass sich die Beschäftigung von Frauen im Alter von 20 bis 50 seit den 1960ern kontinuierlich, bis auf die Zeit zwischen 1991 und 2000 erhöht hat (Korpi et al. 2003: 11). Die Autoren vermuten, dass der zwischenzeitliche Abfall der Berufstätigkeit unter anderem aus einer Zunahme der universitären Bildungsbeteiligung hervorgeht (ebd. 2003: 11). Diese Annahme bestätigt sich gleichermaßen in den Entwicklungstrends für Deutschland und ergibt sich als Folge der Bildungsexpansion, die sich als positiver, länderübergreifender Einflussfaktor auf die Integration von Frauen auf dem Arbeitsmarkt auswirkte (Schulze Buschoff 1999: 4). Dieser Aspekt wird im folgenden noch einmal beleuchtet, wenn es um den Zusammenhang zwischen Humankapitalausstattung und Lohnentwicklung nach der Mutterschaft geht.

Des Weiteren finden sich in Anlehnung an das eingangs geschilderte Vereinbarkeitsphänomen von Frauenerwerbstätigkeit und Geburtenrate auch hier empirische Belege dafür, dass Frauen mit jungen Kindern (unter 7 Jahren) seit 1968 noch mit 34,7 Prozent und 23 Jahre später schon zu 80,5 Prozent erwerbstätig sind (Korpi et al. 2003: 11). Dies spricht zunächst für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familienarbeit. Trotzdem sollte auch hier das Arbeitszeitvolumen bei dieser Entwicklung berücksichtigt werden (Pfarr 2013: 32). Den Ergebnissen von Korpi et al (2003) zufolge, arbeiten speziell Frauen mit jungen Kindern lieber in Teilzeit, wobei die Teilzeiterwerbstätigkeitsquote im zeitlichen Gesamtverlauf von 1968 bis 2000 eher abnimmt (Korpi et al. 2003: 19). Dieser Trend setzt sich von 2000 bis 2009 noch weiter fort (Ludwig-Mayerhofer 2012).

So scheint diese Erwerbsform in Schweden nicht die gleiche Bedeutsamkeit zu haben, wie in Deutschland. Dementgegen beträgt die Vollzeiterwerbstätigkeit schwedischer Frauen 44% im Jahr 2000 und liegt damit fast doppelt mal höher über der Vollzeiterwerbsquote (23%) der deutschen abhängig beschäftigten Frauen (Rüling 2007: 42).

Werden Erwerbsvolumen und Arbeitszeitvolumen aus gleichstellungspolitischer Ebene betrachtet, indem die jeweiligen Entwicklungstrends der Frauen mit denen der berufstätigen Männern gegenübergestellt werden, zeigt sich in Schweden ein Bild der stärker egalitären Erwerbsstruktur, im Gegensatz zu Deutschland (Rüling 2007: 44). So lag die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Schweden 2004 mit 71 Prozent über dem Niveau der deutschen weiblichen Beschäftigten und erreichte damit knapp den Beschäftigungsgrad der Männer (Rüling 2007: 37).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Schweden als auch in Deutschland die Erwerbsquoten von Frauen auf ein europäisches Maß gestiegen sind, sich aber jeweils unterschiedliche landestypische Erwerbsmuster erkennen lassen und Frauen vor allem mit unterschiedlichen Arbeitszeitumfängen in den länderspezifischen Arbeitsmärkten integriert sind. Die teilzeiterwerbstätigen Quoten fallen nach diesen Ergebnissen in Schweden geringer aus als in Westdeutschland. Entgegen dieser Feststellung sind die Vollzeiterwerbsquoten dafür höher in Schweden als in Westdeutschland.

Anzumerken ist ebenfalls, dass das schwedische System eine höhere Egalität zwischen weiblichem und männlichem Erwerbsverhalten aufweist, sodass auf eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschlossen werden kann. Welche familienpolitischen Leistungen in dieser Hinsicht wirklich geboten werden und wie sich die jeweiligen Wohlfahrtsstaaten durch ihre Leistungen abgrenzen, wird anhand nachfolgender Kapitel erläutert.

3 Wohlfahrtsregimetypologie nach Esping-Andersen

Der Wohlfahrtsstaat charakterisiert sich als Staat, der durch seine umfassenden sozialpolitischen Leistungen eine gesellschaftliche Grundversorgung schafft, in die möglichst alle Bev ö lkerungsmehrheiten eingeschlossen werden (Ullrich 2005: 17). Der Definitionsbegriff Wohlfahrtsstaat wird häufig im internationalen Raum verwendet und mit dem Sozialstaat oder dem Versorgungsstaat synonym verwendet (Kaufmann 1997: 21 in Ullrich 2005: 16). Gosta Esping-Andersen (1990) hat drei Wohlfahrtsstaattypologien konstruiert, die durch ihre unterschiedlichen sozialpolitischen Muster jeweils unterschiedliche Idealtypen abbilden, die zwar in ihrer reinen Form auf die realen Staaten nicht übertragbar sind, aber sie zumindest tendenziell rubrizieren können (Ullrich 2005: 46). Diese nachfolgenden Erläuterungen dienen dazu die tatsächlichen sozialpolitischen Zusammenhänge und nationalen Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Schweden besser zu verstehen. Damit soll ein ‚Grundgerüst’ geschaffen werden, auf das das daran anschließende Kapitel zu den tatsächlichen familienunterstützenden Maßnahmen der jeweiligen Länder aufbaut. Im Folgenden werden zwei von drei Wohlfahrtsstaattypologien kurz skizziert und den beiden zu untersuchenden Ländern zugewiesen.

3.1 Konservative-korporatistische Wohlfahrtsstaat

Der konservative Wohlfahrtsstaat ist an hohen sozialen Sicherungsleistungen orientiert und hält dabei gesellschaftliche Statusunterschiede aufrecht (Ullrich 2005: 46). In Abgrenzung zum liberalen Regime ist hier keine „Kommodifizierung“ oder „Effizienzbesessenheit“ zu finden (Lessenich 1998: 44). Ebenfalls charakteristisch für diesen Typus ist der Erhalt von Statusunterschieden durch die Bindung sozialer Rechte an Klassen (Ullrich 2005: 46). Des Weiteren ist der Einfluss der Kirche sehr groß, sodass sich daraus eine Verpflichtung zur Aufrechterhaltung traditioneller Familienmuster ergibt, so dass insbesondere familienpolitischen Maßnahmen dieses Typus die Mutterschaft stärken (Lessenich 1998: 44).

Dementgegen sind Kindertageseinrichtungen und andere familienbezogenen Leistungen rückständig. Korporatistische Wohlfahrtsstaaten handeln außerdem nach dem „Subsidaritätsprinzip“, das ein staatliches Eingreifen auf individueller Ebene darstellt, wenn die familiale „Selbsthilfefähigkeit“ erschöpft ist. Ein Beispiel dafür wäre die deutsche Arbeitslosenhilfe, die nichterwerbstätige Personen unterstützt, wenn die finanziellen Reserven der Familie für die Lebensversorgung nicht ausreichen (ebd. 1998: 44). In diesen Wohlfahrtstaatstypus lassen sich einige Parallelen zur deutschen Sozialpolitik ziehen, deswegen wäre Deutschland ein Beispiel dieses Typs.

Im folgenden

3.2 Sozialdemokratischer Wohlfahrtstaat

Der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat ist eine Mischung aus dekommodifizierender und universalistischer Politik (Esping-Andersen 1990: 28 in Ullrich 2005: 47). Die Dekommodifizierung beschreibt eine Form der maximalen Marktunabhängigkeit, in der die Individuen und Familien ohne Teilnahme am Arbeitsmarkt trotzdem einen bestimmten Lebensstandard aufrechterhalten können durch die Kompensation familienpolitischer Leistungen (Schulze Buschoff 1999: 12). Damit zusammenhängend ist das Prinzip des Universalismus. Es zeichnet sich insbesondere durch eine Grundsicherungsleistung für alle Bürger und Schichten, unabhängig von vorherigen Einkünften, Abgaben oder Arbeitsleistungen (Lessenich 1998: 36). Idee dieses Wohlfahrtststaates ist eine angestrebte Gleichheit und Solidarität auf höchstem Niveau. Entgegen dem korporatistischen „Subsidaritätsprinzip“, welches familiale ‚Versorgungslücken’ erst schließt, wenn sie entstanden sind, zielt dieses Modell auf eine vorausgehende „Vergesellschaftung“ familialer Kosten ab (Lessenich 1998: 45). Gleichzeitig wird die Erwerbstätigkeit von Frauen erhöht, indem die Bereitstellung vieler sozialer Dienste gefördert wird, die damit eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen (ebd. 1998: 45). Durch den Dualismus aus Arbeit und Wohlfahrt entsteht ein Kreislauf, der zum einen zu Vollbeschäftigung verpflichtet und auf selbiges angewiesen ist. Demnach kann der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat seine sozialen Leistungen nur durch ein hohes Steueraufkommen decken und das wiederum nur unter der Berücksichtigung, dass die meisten Menschen in diesem System arbeiten und nur wenige von den Sozialleistungen leben (ebd. 1998: 46). Schweden kommt diesem Wohlfahrtsstaatstypus am nahsten.

[...]


1 Hinzuzufügend ist, dass dieser Analyse werden maßgebliche Unterschiede zwischen Ostund Westdeutschland verwiesen.

2 Die familiale Arbeitsteilung definiert sich über die Formierung zweier geschlechtsspezifischer Bereiche mit unterschiedlichem gesellschaftlichen Wert. Die lohnabhängige Produktionsarbeit erhielt eine Sonderstellung gegenüber allen anderen geellschaftlichen Tätigkeitsformen und wurde dem männlichen Geschlecht zugeschrieben. Die familiäre Reproduktionsarbeit zu Hause bekam eine niedere Stellung und galt der Frau (Hirata et al. 2001).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Lohneinbußen von Frauen durch kindbedingte Erwerbsunterbrechungen
Untertitel
Ländervergleichende Analyse zwischen dem schwedischen und dem deutschen Wohlfahrtsstaat
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Diskontinuitäten im Wohlfahrtsstaat
Note
3,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V322410
ISBN (eBook)
9783668215726
ISBN (Buch)
9783668215733
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lohneinbußen, frauen, erwerbsunterbrechungen, ländervergleichende, analyse, wohlfahrtsstaat
Arbeit zitieren
Insa Genausch (Autor), 2013, Lohneinbußen von Frauen durch kindbedingte Erwerbsunterbrechungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322410

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