Habsburg versus Preußen. Von Antipoden zu Antagonisten im Deutschen Bund nach 1815


Seminararbeit, 2016

60 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Entwicklungen bis zum Wiener Kongress

Die sächsisch-polnische Frage

Die Neuordnung Deutschlands und die Stellung von Österreich und Preußen im Deutschen Bund

Preußen dominiert den Zollverein

Die Revolution 1848 und die Fortsetzung des Deutschen Bundes

Österreichs Bestrebungen um eine Zollunion

Gemeinsame Interessen im Deutsch-Dänischen Krieg 1864

Der Deutsche Krieg 1866

Preußen gründet Norddeutschen Bund

Quellen:

Vorwort

Zweck dieser Arbeit ist es, näher auf das Verhältnis der beiden großen Staaten Österreich und Preußen in ‚Deutschland‘ gerade auch hinsichtlich der persönlichen Animositäten der handelnden Akteure einzugehen und daraus abzuleiten, warum unterschiedliche Ansichten, Erwartungen, Mentalitäten und Vorurteile, gepaart mit dem jeweiligen Bestreben von Habsburg und Preußen, eine Dominanz unter den deutschen Staaten zu erreichen bzw. die Vorherrschaft des anderen Staates zu verhindern, nicht dazu führen konnten, ein gemeinsames deutsches Reich in Mitteleuropa zu errichten. Die Darstellung des politischen Geschehens wurde daher auf die zentralen Ereignisse reduziert, da die geschichtlichen Abläufe bereits in zahlreichen anderen Veröffentlichungen erschöpfend ausgearbeitet wurden.

Diese Abhandlung wurde im Rahmen eines interdisziplinären Seminars über die Habsburgermonarchie in der Kongresszeit an der Doktorschule der Andrassy-Universität in Budapest erstellt.

Entwicklungen bis zum Wiener Kongress

Durch Napoleons Feldzüge in Europa waren die Grenzen der einzelnen Staaten stark verschoben worden und die Machtverhältnisse waren mehr als unausgeglichen. Vor allem Preußen hatte große Ländereien verloren und war 1806 fast auf sein früheres Kerngebiet Brandenburg, Preußen, Schlesien geschrumpft.

Die Darstellung in der Karte auf der folgenden Seite zeigt die von Frankreich besetzten Gebiete in schraffierter Färbung. Österreich war bis dahin noch von derartigen Veränderungen verschont geblieben.

Auch Österreich verlor 1809 durch die Niederlage gegen Napoleon größere Teile seines Staatsgebietes (s. Karte von 1809). Österreich verlor Salzburg, Berchtesgaden und das Innviertel, Westgalizien und Ostgalizien sowie die dalmatinische Küste und Triest.

(Grafik eigene Darstellung, Kartenbasis Ausschnitt aus template europe map von San Jose, GNU free documentation license

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Template_europe_map.png)

(Grafik eigene Darstellung, Kartenbasis Ausschnitt aus template europe map von San Jose, GNU free documentation license

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Template_europe_map.png)

Obwohl sich nach dem Russlandfeldzug 1812 Preußen mit als erster deutscher Staat gegen Napoleon erhob[1] und Österreich sich erst später nach erfolglosen Verhandlungen mit Frankreich[2] der Allianz gegen Napoleon anschloss (zum Herbstfeldzug 1813) und sich Preußen und Österreich im Teplitzer Geheimvertrag vom 09. September 1813[3] gegenseitige Freundschaft versicherten , schafften es die Habsburger, im Pariser Frieden als Führer der Allianz (sogenannter Höchster Alliierter[4] ) aufzutreten und wie selbstverständlich die weiteren Verhandlungen statt Russland, England oder Preußen zu führen. Später erschien sogar Frankreich als gleichberechtigter Verhandlungspartner am Konferenztisch.

In diesem Zusammenhang musste es Preußen wohl irritieren, wenn Metternich in einer Note vom 22. Oktober 1814[5] auf den Tag verweist, „…an dem der österreichische Kaiser dem preußischen König riet und ihn darin unterstütze und ihn dazu bewog sich Ende 1812 den militärischen Aktionen des russischen Kaisers gegen Napoleon anzuschließen… “, um ihm damit die Gewogenheit des Kaisers zu versichern. Tatsächlich hatte Österreich ja erst ein Jahr später die Seiten gewechselt.

Als eines der Hauptziele des Wiener Kongresses[6] galt, die Landverluste auszugleichen (Restauration – Wiederherstellung des politischen Zustandes vor 1792) aber auch eine Art Gleichgewichtssystem zu erstellen, in dem keinem Staat zu viel Macht zukommen sollte - es sollte wieder Frieden herrschen und keinen Anlass zu erneuten Auseinandersetzungen geben. Tatsächlich erfolgte aber in vielen Fällen keine Restauration, sondern es wurde der Status Quo beibehalten oder auch gravierend verändert.

Die sächsisch-polnische Frage

Aber bevor der Kongress am 01. November 1814 offiziell eröffnet wurde, lagen schon wieder unverhohlen Kriegsgedanken auf dem Tisch!

Auslöser war ein massiver Streit um Polen und Sachsen.

Hintergründe:

Im Vertrag von Kalisch garantierte Russland in einem geheimen Artikel die Wiederherstellung Preußens in den Verhältnissen von 1806 sowie zusätzliche territoriale Abrundungen, Landerwerbungen in Norddeutschland und eine Verbindung zu Ostpreußen, allerdings unter Verzicht auf das Herzogtum[7] Warschau.

Sachsen und ‚Polen‘ (das Herzogtum Warschau) hatten bis zuletzt[8] Napoleon die Treue gehalten und Polen und Sachsen waren durch russische und preußische Truppen besetzt, der König von Sachsen und Herzog von Warschau war interniert. Nach dem damaligen Kriegsvölkerrecht standen die Länder somit zur Disposition der Sieger.[9]

Russland hatte bereits im Vertrag von Kalisch Ansprüche auf das Herzogtum Warschau erhoben und beanspruchte nun ganz ‚Polen‘, das als Königreich in das Russische Reich integriert werden sollte.

Noch vor Kongressbeginn[10] überreichte Hardenberg als Vertreter Preußens ein Memorandum über die Ansprüche auf Sachsen an Metternich und Castlereagh.

Bereits am 29. September hatte Russland die Übertragung der Verwaltung Sachsens an Preußen zugestimmt.[11] Metternich versprach zwar die Zustimmung Österreichs, bemerkte allerdings die noch bestehende Abneigung Kaiser Franz gegen die Überlassung Sachsens an Preußen. Der russische Kaiser betrachtete die Angelegenheit rustikal: Wenn der sächsische König nicht seinen Ansprüchen entsage, wäre er nach Eroberungsrecht zu behandeln und nach Riga zu schaffen.[12] Erst am 15. Oktober willigte Metternich in die (vorläufige) Besitznahme Sachsens ein.[13]

Zwischenzeitlich bekräftigte Russland seinen Anspruch auf Polen[14].

Es kam zu erheblichen Spannungen, weil zunächst Österreich Preußen auf seine Seite gegen Russland ziehen wollte. Dafür sollte Preußen mit dem linken Weichselufer abgegolten werden, um Sachsen zu retten. England, das zunächst eine Vermittlerrolle zwischen Russland und Österreich einnehmen sollte, näherte sich mehr und mehr dem österreichischen und inzwischen auch französischen Wiederstand gegen die Übernahme Sachsens an. Inzwischen versucht jeder, den anderen auf seine Seite zu ziehen oder sie gegeneinander auszuspielen.[15] (Auch um Mainz hatte derweil ein heißes Ringen eingesetzt.) Hardenberg sollte nun zwischen Österreich und Russland vermitteln, im Dezember stand schließlich doch die Teilung Sachsens zur Debatte. Kaiser Franz begründete das gegenüber der Großfürstin Katharina: „…er wünsche, mit Preußen in gutem Einvernehmen zu lebe, aber es werde ihm gefährlich.“ [16] Die Teilung Sachsens wurde von ihm auch nicht als dauerhaft angesehen: „Das ist schon Recht. Dann kommen die beiden Teile umso eher wieder zusammen.“

Zu einem ziemlichen Eklat kam es am 10. Dezember 1814: Österreich überreichte eine Erklärung, mit der Preußen im westlichen Deutschland abgefunden werden solle und von Sachsen lediglich 400.000 Seelen in Thüringen und der Niederlausitz angeboten wurden. In der polnischen Angelegenheit wurde im Gegenzug Krakau gefordert. Die Ablehnung wird u.a. wie folgt begründet: „ Der Kaiser ist innig überzeugt, daß er, indem er sich bei einer solchen Sachlage der Einverleibung Sachsens widersetzt, sich als wahrer und einsichtsvoller Freund, und durchaus nicht als Nebenbuhler Preußens zeige.“

In der Korrespondenz dieser Note befand sich aber offenbar eine Einwilligung des Österreichischen Kaisers für die Übergabe Sachsens. Russland versicherte daraufhin Preußen, es mit aller Kraft und allen seinen Truppen zu unterstützen.

Dieser faux pas führte nun wieder zu einem Zerwürfnis zwischen Kaiser Franz und Metternich. Der russische Kaiser weigerte sich, weiter mit Metternich zu verhandeln.

Preußen und Russland schlugen nun ihrerseits vor, den sächsischen König auf dem linken Rheinufer (Luxemburg/Trier) anzusiedeln.

In einem Gespräch mit dem bayerischen Gesandten, der Hardenberg rät, sich mit diesem Teil Sachsens zufrieden zu geben, lässt Hardenberg sich zu der Äußerung hinreißen, „Preußen werde eher in den Krieg ziehen, als nur einen Teil Sachsens zu akzeptieren.“[17]

Im Verlaufe einer Konferenz erklärte Hardenberg wiederum: „Würde Österreich und Großbritannien ihre Zustimmung in dieser Frage verweigern, so betrachteten Preußen und Russland dies als gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung.“[18]

Auch von Österreich wird laut vom Krieg gesprochen: „Der König von Sachsen muss sein Land wiederhaben, sonst schieß ich.“[19] Am 03. Januar schließen Österreich, England und Frankreich einen Geheimvertrag (Triple-Allianz[20] ) gegen Russland und Preußen. Österreich zieht eine Armee in Böhmen zusammen, zu der auch bayerische Truppen stoßen sollten. Französische Truppen sollen von Rhein aus auf die Elbe vorgehen.

Das Bündnis blieb dem russischen Kaiser nicht verborgen und führte wohl zu einer größeren Verständigungsbereitschaft und Nachgiebigkeit, denn es war sicher nicht in seinem Sinn, gegen halb Europa Krieg zu führen.

[...]


[1] Konvention von Tauroggen vom 30. Dezember 1812 und Vertrag von Kalisch (Kalisz) vom 28. Februar 1813 zwischen Preußen und Russland, vollständig veröffentlicht auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Konvention_von_Tauroggen und http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag von Kalisch (1813); Rudolf Renz: Vertrag von Kalisch. In: Gerhard Taddey (Hrsg.): Lexikon der deutschen Geschichte. 2. Auflage. Kröner, Stuttgart 1982

[2] Der Waffenstillstand von Poischwitz wurde von Napoleon angeboten, um selbst Verstärkungen heranziehen zu können. Später wird er dies als einen großen Fehler ansehen. Denn Österreich erkannte darin eine französische Schwäche und wandte sich der Koalition gegen Napoleon zu. Kaiser Franz I. und sein Minister Metternich hatten lange gezögert, wollten sie in erster Linie die 1805 und 1809 verlorenen Provinzen wiedergewinnen und ein zu starkes Preußen in Deutschland verhindern. Napoleon hatte alle Zugeständnisse an Österreich schroff abgelehnt und Österreich damit praktisch in die Hände seiner Gegner getrieben. Ein in Prag versammelter Friedenskongress löste sich am 11. August ohne Ergebnis auf, und am 12. August folgte die österreichische Kriegserklärung. Österreichs Beitritt lähmte allerdings vollständig die in Kalisch verkündete deutsche Politik Russlands und Preußens. Metternich war sich der günstigen Machtstellung Österreichs zu wohl bewusst und riss die Leitung der Politik bald ganz an sich. Sein Bemühen war, die bedrohten Rheinbundstaaten in ihrer vollen Souveränität und Macht zu erhalten und Preußen nur zu dem größten unter diesen Mittelstaaten werden zu lassen; auch Napoleon sollte bloß gedemütigt, Frankreichs Rheingrenze nicht angefochten werden. Er durchkreuzte daher die kriegerische Aktion immer wieder durch Friedensverhandlungen und verhinderte wiederholt die volle Ausbeutung eines errungenen Sieges. vgl. http://www.preussenchronik.de/begriff_jsp/key=begriff_befreiungskriege.html

[3] s. Teplitzer Geheimverträge vom 09. September 1813 zwischen Österreich, Preußen und Russland, (www.dokumentenarchiv.de)

[4] Friedenstractat vom 30. May 1814:“ …zwischen Seiner Majestät dem Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, und Allerhöchst ihren Alliirten…“ (http://www.staatsvertraege.de/Frieden1814-15/1pfv1814-i.htm)

[5] Abgedruckt in: Peter Burg, ,,Der Wiener Kongreß. Der Deutsche Bund im europäischen Staatensystem", dtv 1984, bzw. Jean de Bourgoing, ,,Vom Wiener Kongreß. Zeit- und Sittenbilder", München Wien 1943

[6] ‚Wieso eigentlich Wien?‘ s.a. Radiointerview mit R. Stauder vom 04.11.2014: ‚Wien war einfach dran…‘ Der Frieden wurde ja bereits in Paris geschlossen, im Sommer 1814 gab es eine Konferenz in London. St. Petersburg war einfach zu weit entfernt und keine Alternative, da blieben nur Berlin und Wien. Und der österreichische Kaiser war neben dem russischen Kaiser ranghöchster Monarch. Allerdings war Wien lediglich als Veranstaltungsort gedacht, doch Metternich verstand es, das Zepter an sich zu ziehen.

[7] Fälschlich oft als Großherzogtum bezeichnet

[8] Völkerschlacht bei Leipzig

[9] Anselm Doering-Manteuffel, Die deutsche Frage und das europäische Staatensystem 1815-1871, München 2010

[10] 09. Oktober 1814

[11] Max Lehmann, Tagebuch des Freiherrn vom Stein während des Wiener Kongresses, in: Historische Zeitschrift, Bd. 60, H. 3 (1888), (s.a.: PrGStA, DZA Merseburg, Rep. 9)

[12] ebd.

[13] ebd.

[14] Reichenbacher Verträge, Geheimabkommen vom 27. Juni 1813 zwischen Österreich, Preußen und Russland

[15] Vgl. Tagebuch v. Stein, a.a.O.

[16] ebd.

[17] Olshausen, Die Stellung der Großmächte, S. 90.

[18] Lt. Bericht von Castlereagh an Liverpool, 1. Januar 1814, Nr. 44, in: Webster, British Diplomacy, S. 277-278.

[19] Kaiser Franz gegenüber Vertretern der deutschen Ritterschaft, 29. Dezember 1814, Tagebuch v. Stein

[20] Später traten noch Bayern, die Niederlande, Sardinien, Hannover und Hessen-Darmstadt bei

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Habsburg versus Preußen. Von Antipoden zu Antagonisten im Deutschen Bund nach 1815
Hochschule
Andrássy Gyula Budapesti Német Nyelvü Egyetem  (Doktorschule)
Veranstaltung
Seminar Die Habsburgermonarchie in der Kongresszeit
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
60
Katalognummer
V322507
ISBN (eBook)
9783668247628
ISBN (Buch)
9783668247635
Dateigröße
3005 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
habsburg, preußen, antipoden, antagonisten, deutschen, bund
Arbeit zitieren
Udo Rosowski (Autor), 2016, Habsburg versus Preußen. Von Antipoden zu Antagonisten im Deutschen Bund nach 1815, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322507

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