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Die Wahrheit hinter Denkfehlern. Logische Fehlurteile als Frage konzeptueller Kohärenz

Title: Die Wahrheit hinter Denkfehlern. Logische Fehlurteile als Frage konzeptueller Kohärenz

Scientific Essay , 2015 , 23 Pages

Autor:in: Patrick Kühnel (Author)

Psychology - Cognition
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In dieser Arbeit wurde der Versucht unternommen, bei der Analyse von kognitiven Fehlurteilen die spezifische Funktionsweise formaler Inferenz zu berücksichtigen. Grundlage hierfür bildeten die Theorie der Gefäßschemata von Lakoff/Núñez (2000) sowie die Theorie der Mental Spaces von Fauconnier (1985).

Statt also kognitive Irrtümer unter dem Aspekt der Devianz vom formallogischen Standard zu betrachten, wurde davon ausgegangen, dass die Herausforderung für die Interpreten der Testitems darin besteht, ein kohärentes Szenario zu konstruieren, das sowohl mit den gegebenen Informationen als auch dem eigenen erfahrungsbasierten Wissen kompatibel und idealerweise zudem noch ausreichend situationsadäquat sein sollte.

Der hierfür zu erbringende kognitive Aufwand weist zahlreiche Parameter auf: Für den flexiblen Einsatz unterschiedlicher Schematisierungen und der Fähigkeit diese Schematisierungen mit Hilfe unterschiedlicher Referenzstrategien situationsadäquat einzusetzen, spielt deren situationsunabhängige Verfügbarkeit eine wichtige Rolle; bei den hier analysierten Beispiel erwies sich insbesondere der relative kognitive Aufwand bei der Zurückstellung einer Wert-Wert Projektion zwischen Fiktionalem Raum und Wirklichkeitsraum als wichtiger Faktor.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die metaphorische Basis formaler Schlussregeln

3. Beispiel: Belief-Bias

4. Kognitive Repräsentationen von Syllogismen

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kognitive Fehlurteile nicht als Defizite der Rationalität, sondern als das Ergebnis des Versuchs, Informationen in einem kohärenten, situationsadäquaten mentalen Modell zu verarbeiten. Dabei wird analysiert, wie konzeptuelle Metaphern und die Theorie der Mental Spaces genutzt werden, um logische Schlussfolgerungen zu konstruieren und warum dieser Prozess bei bestimmten Aufgabenstellungen zu Bias-Phänomenen führt.

  • Die kognitive Unterscheidung zwischen erfahrungsbasierten (System 1) und formalen (System 2) Systemen.
  • Die Rolle konzeptueller Metaphern („Begriffe sind Gefäße“) bei formalen logischen Operationen.
  • Der Einfluss von Belief-Bias und anderen Bias-Phänomenen auf das logische Schließen.
  • Die referenztechnische Analyse von Syllogismen mittels Mental Space Theory.
  • Die kognitive Kosten-Nutzen-Abwägung bei der Bildung kohärenter Szenarien.

Auszug aus dem Buch

4. Kognitive Repräsentationen von Syllogismen

Die Items in Evans/Barston/Pollard (1983) und Evans (2004) wurden in Form klassischer Syllogismen präsentiert, dementsprechend ist die im zweiten Abschnitt vorgestellte Vorgehensweise ohne weiteres einsetzbar, d.h. dass bei der kognitiven Repräsentation der semantischen Beziehungen zwischen Prämissen und Schlussfolgerung diese in räumliche Relationen übersetzen werden müssen. Fehlschlüsse müssten sich dementsprechend auch in der schematischen Darstellung widerspiegeln.

(a) No police dogs are vicious Some highly trained dogs are vicious Therefore, some highly trained dogs are not police dogs

Laut Item besteht eine Schnittmenge zwischen gut abgerichteten Hunden und bösartigen Hunden, aber keine Schnittmenge zwischen Polizeihunden und bösartigen Hunden. Aus dem Alltagswissen ist zudem bekannt, dass ein recht großer Anteil von Polizeihunden zugleich gut abgerichtet ist. In diesem Fall konfligiert das Alltagswissen also nicht mit den Vorgaben des Items. Wenig überraschend ist daher die hohe Quote an richtigen Antworten. Anders jedoch liegt der Fall beim zweiten Beispiel:

(b) No nutritional things are expensive Some vitamin tablets are expensive Therefore, some vitamin tablets are not nutritional

Das Alltagswissen sagt einem, dass Vitamintabletten grundsätzlich nahrhaft sein sollen, da der Zweck ihrer Herstellung gerade darin liegt, fehlende Nährstoffe zu ergänzen. Es liegt also nach der ersten Prämisse ein Indiz für den Einsatz von System 1 vor und damit für eine Schematisierung wie in Abb.5a.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die zwei Arbeitsmodi des menschlichen Kognitionssystems ein und illustriert anhand des Wason Selection Tasks die kognitive Interferenz zwischen erfahrungsbasiertem Wissen und formaler Logik.

2. Die metaphorische Basis formaler Schlussregeln: Hier wird erläutert, wie logisches Denken auf elementaren räumlich-physikalischen Konzepten basiert, die als Metaphern (wie „Begriffe sind Gefäße“) fungieren.

3. Beispiel: Belief-Bias: Dieses Kapitel analysiert anhand der Studie von Evans/Barston/Pollard, wie die lebenswirkliche Glaubwürdigkeit von Aussagen die Beurteilung ihrer logischen Zulässigkeit beeinflusst.

4. Kognitive Repräsentationen von Syllogismen: Der Hauptteil untersucht mittels der Mental Space Theory, wie die Konstruktion fiktionaler Räume genutzt wird, um widersprüchliche Informationen innerhalb eines Syllogismus in ein kohärentes Szenario zu integrieren.

5. Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei kognitive Fehlleistungen als Ergebnis einer flexiblen, aber aufwändigen Referenzstrategie neu bewertet werden.

Schlüsselwörter

metaphor, bias, mental space, cognitive fallacies, false conclusions, logik, syllogismen, kognition, system 1, system 2, belief-bias, wissensbasiertes system, referenzstrategie, kohärenz, schlussfolgerung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die kognitiven Prozesse, die logischen Denkfehlern (cognitive fallacies) zugrunde liegen, und hinterfragt die Annahme, dass diese lediglich auf irrationalem Denken beruhen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Dual-Process-Theorie, der Metapherntheorie nach Lakoff/Núñez sowie der Mental Space Theory von Fauconnier im Kontext logischen Schließens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass logische Irrtümer oft natürliche Nebenprodukte beim Versuch des Gehirns sind, Informationen zu einem kohärenten Szenario zu verbinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse basierend auf existierenden psychologischen Studien (insbesondere Evans et al.) und wendet die Konzepte der kognitiven Linguistik und Mental Space Theory zur Modellierung von Syllogismen an.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie räumliche Metaphern formale Logik abbilden und wie durch die Konstruktion kognitiver Räume versucht wird, widersprüchliche Prämissen in Syllogismen zu harmonisieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Metapher, Bias, Mental Space, Cognitive Fallacies und logische Schlussfolgerungen.

Wie unterscheidet sich die "spezifische" von der "unspezifischen" Lesart bei Syllogismen?

Die spezifische Lesart ordnet Werten direkte Entsprechungen in Wirklichkeitsräumen zu, während die unspezifische Lesart (die bei schwierigen Aufgaben gewählt wird) das Zuordnen konkreter Werte aufschiebt und stattdessen mit Rollen operiert.

Warum ist das sogenannte "irrationale Denken" laut Autor oft als rational einzustufen?

Der Autor argumentiert, dass der Einsatz erfahrungsbasierter Strategien in Alltagssituationen effizienter ist. Fehlleistungen entstehen, weil das System versucht, dieses effiziente, kohärente Modell auf formale Aufgaben zu übertragen.

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Details

Title
Die Wahrheit hinter Denkfehlern. Logische Fehlurteile als Frage konzeptueller Kohärenz
Author
Patrick Kühnel (Author)
Publication Year
2015
Pages
23
Catalog Number
V322520
ISBN (eBook)
9783668217003
ISBN (Book)
9783668217010
Language
German
Tags
wahrheit denkfehlern logische fehlurteile frage kohärenz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Kühnel (Author), 2015, Die Wahrheit hinter Denkfehlern. Logische Fehlurteile als Frage konzeptueller Kohärenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322520
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