Die Fotobilderbücher der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, die in Zusammenarbeit mit der Fotografin Anna Riwkin-Brick entstanden, sind brillante Beispiele dafür, wie Kindern fremde Kulturen, andere Lebensweisen und ferne Länder anschaulich und altersgemäß näher gebracht werden können.
In dieser Arbeit geht es um das Phänomen des Fremden und um dessen angemessene, kindgerechte und dennoch lehrreiche Vermittlung an die wissbegierigen Sprösslinge. Zu Beginn wird eine mehrteilige, allgemeine Einführung in die Themen Kinderliteratur und das Fremde gegeben werden, um letztlich die Analysen der beiden Fotobilderbücher von Lindgren und Riwkin-Brick "Noriko-San" und "Matti aus Finnland" in den Fokus rücken zu können.
Die zentral zu beantwortenden Fragen lauten: Was zeichnet die Kinderliteratur aus? Inwiefern wirkte Lindgren an deren Entwicklung mit? Was bedeutet das Wort fremd? Inwieweit können Bilder zur Erklärung des Fremden beitragen? Was sind eigentlich Klischees? Wie kann Kindern das Fremde, ja, eine andere Welt als die ihrige angemessen erklärt werden? Und: Auf welche Art und Weise versuchen Lindgren und Riwkin-Brick die Faszination des Anderen den Kindern zu vermitteln?
Das Thema übt eine hohe Faszinationskraft aus, da es ein absolut wichtiges und dringend zu fokussierendes Sujet in der Kindererziehung ist. Denn, was Kinder vom Fremden erfahren, formt ihren Geist und lässt diesen unmittelbar reifen. Auf welche Art und Weise Kindern das Andere vermittelt wird, lässt sie eine eigene Meinung bilden. Was wir unseren Kindern von der Welt erzählen, lässt sie werden und erwachen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Kinderliteratur. Ein grober Umriss
2.1.1 Generelles zu Astrid Lindgren und ihren Kinderbüchern
2.2 Allgemeine Einführung in das Thema des Fremden
2.2.1 Das Fremde – was ist das eigentlich?
2.2.2 Das Fremde in Bildern – der Vorteil des Visualisierens
2.2.3 Andere Länder, andere Sitten – Klischee oder einfach nur Tatsache?
2.3 Beispielanalysen: Das Fremde in Noriko-San und Matti aus Finnland
2.3.1 Beispielanalyse a): Noriko-San
2.3.2 Beispielanalyse b): Matti aus Finnland
2.3.3 Vergleich der Ergebnisse der Beispielanalysen
3. Zusammenfassung und Fazit
4. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie das Phänomen des Fremden kindgerecht und lehrreich durch Fotobilderbücher vermittelt werden kann. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle von Astrid Lindgren und Anna Riwkin-Brick bei der Vermittlung von Faszination für das Andere sowie die Bedeutung von Bildern bei der Erklärung kultureller Unterschiede.
- Analyse der kindgerechten Darstellung von Fremdheit
- Bedeutung der Visualisierung in der Kinderliteratur
- Untersuchung der Fotobilderbücher Noriko-San und Matti aus Finnland
- Wissenschaftliche Herangehensweise durch Hermeneutik
- Vergleich kultureller Konzepte und der Abbau von Stereotypen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Das Fremde – was ist das eigentlich?
Das Fremde ist – ganz simpel betrachtet – erst einmal das Nicht-Eigene. Das Spiel zwischen fremd und eigen kann in allen Lebensbereichen beobachtet werden: hier ein fremdes Haus, dort ein fremdes Land, eine fremde Katze oder gar ein fremder Mensch. Dort, wo das Nicht-Eigene herrscht, liegt alles im Dunkeln, alle Facetten sind unbekannt und können somit einerseits eine interessante und Neugier weckende, andererseits jedoch auch eine angsteinflößende Wirkung auf den – fremden – Beobachter haben.
Ebenso wichtig anzumerken ist, dass die „Fremdheit […] [keine] feste Eigenschaft von Dingen oder Personen“ ist, sondern diese eben nur aus der Perspektive und in der Imagination einer fremden Person latent vorhanden ist und sie stets von beiden Seiten – der eigenen, vertrauten und der gegenüberstehenden fremden – ausgeht, denn auch „in der Fremde sind wir selbst Fremde“. Doch die Gedanken über das Fremde bergen durchaus noch Tiefgründigeres.
Auf was er im Großen und Ganzen hinaus möchte, ist das Phänomen des Blickwinkels; dies allein ist im Rahmen dieser Arbeit relevant und sollte beim Lesen von Texten über fremde Kulturen immer im Hinterkopf behalten werden. Kurz gesagt geht es um das Wissen darüber, dass aus der eigenen Perspektive etwas anderes unbekannt und fremd ist, als aus der Sicht des Anderen – alles ist eben Ansichtssache. Für einen selbst ist das Andere fremd, für den Anderen ist das Eigene fremd.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der kindlichen Neugier und die Bedeutung der Fotobilderbücher von Lindgren und Riwkin-Brick ein.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zur Kinderliteratur und zum Begriff des Fremden sowie in spezifische Analysen der Werke Noriko-San und Matti aus Finnland.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel reflektiert die zentralen Erkenntnisse über die kindgerechte Vermittlung des Fremden und die Funktion von Illustrationen als Brücke zur Welt.
4. Literaturangaben: Dieses Verzeichnis listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf, die der Untersuchung zugrunde liegt.
Schlüsselwörter
Kinderliteratur, Astrid Lindgren, Anna Riwkin-Brick, Fotobilderbücher, Das Fremde, Noriko-San, Matti aus Finnland, Stereotype, Klischees, Visualisierung, Hermeneutik, Kulturelle Alterität, Identifikationsbildung, Kindheitsbild, Interkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept des Fremden in Fotobilderbüchern von Astrid Lindgren und Anna Riwkin-Brick dargestellt wird und wie diese Bücher Kindern helfen, Unbekanntes zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kinderliteratur, der Definition des Fremden, der Rolle von Illustrationen und dem Abbau von Stereotypen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lindgren und Riwkin-Brick durch eine spezifische visuelle und textliche Gestaltung Neugier und Toleranz gegenüber fremden Kulturen wecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methodik der wissenschaftlichen Hermeneutik, um die Texte und Bilder im Sinne eines Sinnverstehens zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Einführung, eine Analyse der beiden genannten Fotobilderbücher sowie einen direkten Vergleich ihrer Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Kinderliteratur, Fremdwahrnehmung, Stereotype, Hermeneutik und kulturelle Alterität sind zentral für die Untersuchung.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in Noriko-San von Matti aus Finnland?
In Noriko-San erfolgt eine explizite Auseinandersetzung mit dem Fremden als etwas Neuem, während in Matti aus Finnland der Fokus auf universellen menschlichen Gefühlen liegt, die das Fremdsein eliminieren.
Welche Bedeutung haben Bilder für das Verständnis des Fremden?
Bilder fungieren laut der Analyse als Arbeitserleichterung, da sie den Transfer zwischen Symbol und Referent verkürzen und eine unmittelbare, emotionale Identifikation ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Tanja Schill (Autor:in), 2016, Das Wunderbare im Fremden - Was Kinder am Anderen fasziniert. Analysiert an den Fotobilderbüchern "Noriko-San" und "Matti aus Finnland" von Astrid Lindgren und Anna Riwkin-Brick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322765