Metaphern - Umbau von Symbolfeldern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist eine Metapher?
2. 1 Konzepte nach denen wir leben sind metaphorisch strukturiert
2. 2 Systematik metaphorischer Konzepte
2. 3 Metapher beleuchtet einen Aspekt, verbirgt andere

3 Klassifizierung von Metaphern
3.1 Orientierungsmetaphern
3.2 Eigenschaften metaphorischer Konzepte
3.3 Empirische Grundlagen von Metaphern
3.4 Kulturelle Kohärenz
3.5 Ontologische Metaphern
3.5.1 Metaphern der Entität
3.5.2 Gefäßmetaphern

4 Personifikation.

5 Metonymie

6 Kohärenz und Konsistenz von Metapher

7 Das Symbolfeld der Sprache

8 Umbau von Symbolfeldern

9 Umbau von Symbolfeldern in Bezug auf Metaphern

10 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Wer auch immer denkt, strukturiert den Kosmos seines Bedeutungsuniversums durch Metaphern.“ (M. Buchholz in einem Vorwort zu Lakoff & Johnson, 1998).

So oder ähnlich lassen sich schon in der Einleitung zu Lakoff & Johnsons Werk über das Prinzip der metaphorischen Konzeptualisierung, Metaphern finden mit Hilfe derer sich diese Grundaussage Lakoff & Johnsons ausdrücken lässt. Im Folgenden wollen wir uns mit der Arbeit von Lakoff & Johnson auseinander setzen, um eine Einschätzung darüber abgeben zu können, ob für das Prinzip der metaphorischen Konzeptualisierung ein Umbau von Symbolfeldern nötig ist.

Um einen Überblick über unsere Vorgehensweise zu geben, gliedert sich die vorliegende Hausarbeit wie folgt.

2 Was ist eine Metapher?

2.1 Konzepte nach denen wir leben sind metaphorisch strukturiert

Während die Metapher noch immer für die meisten Menschen als poetisches Mittel gilt, räumen Lakoff & Johnson (1998) mit diesem Vorurteil auf. Sie versuchen vielmehr zu belegen, dass die Metapher nicht nur als rein sprachliches Phänomen zu betrachten ist, sondern darüber hinaus, dass die Metapher unser Alltagsleben durchdringt und zwar nicht nur die Sprache selbst, sondern auch unser Denken und Handeln. Das Konzeptsystem nach dem wir tagtäglich denken und handeln, ist , so Lakoff & Johnson, metaphorisch strukturiert.

Daraus ergibt sich die Frage danach, was ein solches Konzept überhaupt ist. Lakoff & Johnson (1998) geben darüber Auskunft. Ihnen zufolge strukturieren Konzepte das, was wir wahrnehmen, wie wir uns in der Welt bewegen und wie wir uns auf andere Menschen beziehen. Um aber ausreichend verstehen zu können, was Lakoff & Johnson meinen, wenn sie sagen dass Konzepte, nach denen wir leben metaphorisch strukturiert sind, ist ein Blick auf eine Definition der Metapher hilfreich.

Laut Lexikon der deutschen Sprache (Metzler, 2000) versteht man unter dem Begriff Metapher:

Übertragung eines Wortes in eine uneigentliche Bedeutung, bildlicher Ausdruck,

wörtlich: “das Weg- und Anderswohintragen”.

Weiter beschreibt das Lexikon: Die Metapher:

- setzt die Ähnlichkeit zweier Begriffe voraus, die eine Ersetzung des “eigentlichen” Wortes (verbum proprium) durch ein Wort ermöglicht, das einen ähnlichen Begriff (immutatio) bezeichnet
- ist ein gekürzter Vergleich, der Vergleich als solcher wird jedoch nicht ausgedrückt
- ist in der antiken Rhetorik ein Tropus (d.h. eine Figur des Ersatzes)[1]
- beruft sich auf Denkkonventionen
- durchsetzt unsere Sprache; sie wird konventionalisiert als lexikalische Metapher ohne besonderen Ausdruckswert gebraucht (z.B. Wolkenkratzer, Kotflügel)

Lakoff & Johnson definieren die Metapher wie folgt:

“Das Wesen der Metapher besteht darin, dass wir durch sie eine Sache oder einen Vorgang in Begriffen einer anderen Sache bzw. eines anderen Vorgangs verstehen und erfahren können.” (Lakoff & Johnson, 13)

Nachdem wir diese zwei Begriffsbestimmungen vorgenommen haben, möchte ich mich nun wieder dem Grundprinzip der metaphorischen Konzeptualisierung widmen. Wenn wir also davon ausgehen, dass die Konzepte nach denen wir leben metaphorisch strukturiert sind, wie Lakoff & Johnson das vorgeben, so lässt sich dies an dem Beispiel des metaphorischen Konzepts ARGUMENTIEREN IST KRIEG (z.B. Seine Kritik traf ins Schwarze. Ich schmetterte seine Argumente ab. Wenn du nach dieser Strategie vorgehst, wird er dich vernichten. ) aufzeigen. Wir sprechen über das ARGUMENTIEREN in dieser Weise, weil wir es uns in dieser Weise vorstellen – und wir handeln gemäß der Weise, wie wir uns Dinge vorstellen: Wir betrachten die Person, mit der wir argumentieren als Gegner, wir greifen seine Position an und verteidigen die unsrige.

Da Argumentieren für uns eine relativ abstrakte Handlung ist, ermöglicht uns das metaphorische Konzept ARGUMENTIEREN IST KRIEG ein Verständnis für unsere Handlungen beim Argumentieren aufzubringen. Es strukturiert folglich unser Denken und unsere Alltagshandlungen.

2.2 Systematik metaphorischer Konzepte

Anhand dieses Beispiels beschreiben Lakoff & Johnson (1998, 13), wie dieses metaphorische Konzept das Verständnis unser Handlungen beim Argumentieren strukturiert: “Argumentation und Krieg sind zwei verschiedene Dinge – verbaler Diskurs und bewaffneter Konflikt -, und die jeweils ausgeführten Handlungen sind verschiedene Aktionsarten. Dennoch wird die ARGUMENTATION partiell in Begriffen des KRIEGES strukturiert, verstanden, ausgeführt und diskutiert.” Sodann lässt sich zur Systematik metaphorischer Konzepte sagen, dass Abstraktes (ARGUMENTATION) durch Konkretes (KRIEG) metaphorisch strukturiert ist. Dies lässt sich auch an einem anderen Beispiel aufzeigen, wie z.B. ZEIT IST GELD: wir verstehen Zeit (abstrakt) als etwas das wir wie Geld (konkret) ausgeben, verschwenden, ersparen oder vergeuden können. Daraus ergeben sich nach Lakoff & Johnson weitere Konzepte, nämlich ZEIT IST EINE BEGRENZTE RESSOURCE und ZEIT IST EIN KOSTBARES GUT. Wir verstehen diese metaphorischen Konzepte, weil unsere Alltagserfahrungen im Umgang mit Geld, begrenzten Ressourcen und kostbaren Gütern dazu herangezogen werden Zeit zu konzeptualisieren. Das aber ist kulturabhängig.

Wir benutzen das prägnanteste metaphorische Konzept (ZEIT IST GELD), indem wir uns am Sprachgebrauch orientieren, um das gesamte subkategoriale System zu charakterisieren. So bilden metaphorische Ableitungen ein kohärentes System metaphorischer Konzepte (siehe 6.,13).

Baldauf (1996, S. 463) fasst das Prinzip von Lakoff & Johnson wie folgt zusammen:

"Der Begriff der Metapher bezeichnet nunmehr in erster Linie eine Art der Erfahrungsbewältigung auf kognitiver Ebene - die Projektion konkreter, unmittelbarer physischer oder kultureller Erfahrungen auf abstrakte, vage Konzepte, die auf diese Weise jeweils die Struktur des als Herkunftsbereich fungierenden konkreten Konzepts erhalten. Dieses Prinzip der Konzeptbildung findet seinen Niederschlag auf sprachlicher Ebene in entsprechend bildhaften Ausdrücken, die systematisch an die Thematisierung bestimmter Gegenstandsbereiche gekoppelt sind. Die Metapher wird auf diese Weise primär als Instrument der Erfahrungsbewältigung angesehen, Metaphorik der Alltagssprache als Reflex dieser spezifischen Art der Konzeptbildung."

2.3 Metapher beleuchtet einen Aspekt, verbirgt andere

Konzepte, die unseren Alltag strukturieren, ermöglichen es uns einen abstrakten Aspekt eines Konzepts in Bildern eines anderen Konzepts zu erfassen. Diese Systematik ermöglicht es uns zwar den kämpferischen Aspekt einer Diskussion aus dem Konzept Krieg zu übernehmen, hält uns aber vielleicht davon ab, auch andere Aspekte des Konzepts Diskussion zu erkennen. So geht der Aspekt des kooperativen Diskutierens verloren, den eine Diskussion auch haben kann. Denn wenn man sich in eine Diskussion begibt, ist man auch um gegenseitiges Verstehen bemüht und schenkt dem Gegenüber seine Zeit. Folglich geht es nicht nur darum dem Anderen die kriegerischen Aspekte einer Diskussion zu vermitteln. Diese metaphorische Strukturierung kann also nur partiell und nicht total sein, denn sonst wäre ein Konzept identisch mit dem anderen und würde nicht nur vom anderen Konzept her verstanden werden. So ist Argumentation nicht identisch mit Krieg, und Zeit nicht identisch mit Geld – ein Teil des metaphorischen Konzepts passt nicht auf das andere Konzept, so gibt es z.B. keine Bank für Zeit.

3 Klassifizierung von Metaphern

3.1 Orientierungsmetaphern

Die bisher untersuchten Metaphern sind unter dem Namen Strukturmetaphern zu erfassen, denn in diesem Fall wird ein Konzept von einem anderen Konzept her strukturiert.

Bei einer anderen Art von metaphorischen Konzepten, nämlich die sogenannten Orientierungsmetaphern, wird mit einem Konzept ein ganzes System von Konzepten organisiert, welche in engem Verhältnis zueinander stehen. Sie werden Orientierungsmetaphern genannt, weil die meisten von ihnen mit der Orientierung im Raum zu tun haben: oben - unten, innen - außen, tief-flach, zentral-peripher, vorne - hinten, dran - weg, usw. Sie geben einem Konzept eine räumliche Beziehung. Weil das Konzept Glücklich sein ist oben räumlich nach oben orientiert ist, führt es zu Ausdrücken wie “Ich fühle mich heute oben auf” (Lakoff / Johnson 1998, 22).

Diese Konzepte sind nicht willkürlich. Ihre Grundlage befindet sich in der physischen und kulturellen Erfahrung des Menschen. Obwohl die obengenannten Gegensatzpaare physikalischer Natur sind, können die darauf basierenden Orientierungsmetaphern von Kultur zu Kultur verschieden sein. Was in einigen Kulturen vorne liegt, liegt in anderen Kulturen hinten.

[...]


[1] Tropen sind übertragbare, “uneigentliche” Ausdrücke, die an die Stelle der direkten eigentlichen Formulierung getreten sind

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Details

Titel
Metaphern - Umbau von Symbolfeldern
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Germanistik I)
Veranstaltung
Seminar II: 'Symbolfelder der Sprache'
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V32278
ISBN (eBook)
9783638330404
ISBN (Buch)
9783656619789
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metaphern, Umbau, Symbolfeldern, Seminar, Sprache“
Arbeit zitieren
Vesna Petruseva (Autor:in), 2003, Metaphern - Umbau von Symbolfeldern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32278

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