Giorgio Agamben gilt als „Denker des Undenkbaren“, als „Meisterdenker der Gegenwart“, als eine „Zitierautorität“, als „theologisierende[r] Provokateur“. Sein Denken wird als grenzüberschreitend beschrieben und bietet neue Perspektiven für die Behandlung von Problemen der Gegenwart.
Seine Schriften sollen Zukunftsperspektiven, die eine „Auseinandersetzung mit Komplexitätssteigerung in der politischen, lebenswissenschaftlichen und ökonomischen Reorganisation der Welt“ fordern, beinhalten. Wie sieht dieses grenzüberschreitende Denken aus und welche Zukunftsperspektiven versucht er damit aufzuzeigen? Welche Lösungswege sieht er für eine Reorganisation der Welt? Welche Rolle spielt dabei der Kapitalismus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Profanierung bei Agamben
3. Religion, Macht und der freie Gebrauch
4. Das Spiel als Organ der Profanierung
5. Kapitalismus als Religion und der Ausstellungswert
6. Die Aufgabe der kommenden Generationen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Giorgio Agambens Konzept der Profanierung als Mittel zur gesellschaftlichen Transformation und kritischen Auseinandersetzung mit modernen Machtstrukturen. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen religiöser Absonderung und menschlichem Gebrauch aufzuzeigen sowie die Rolle des Kapitalismus als moderne Ersatzreligion zu beleuchten.
- Philosophische Grundlegung der Profanierung nach Agamben
- Die Etymologie und Bedeutung von Religion im Kontext der Macht
- Die Funktion des Spiels im Prozess der Entmachtung
- Der Kapitalismus als Kultreligion und der Verlust des Gebrauchs
- Die notwendige Reorganisation der Welt durch zukünftige Generationen
Auszug aus dem Buch
Kapitalismus als Religion
Während Max Weber den Kapitalismus als eine Säkularisierung des protestantischen Glaubens sieht, geht Benjamin einen Schritt weiter. „Im Kapitalismus ist eine Religion zu erblicken, d. h. der Kapitalismus dient essentiell der Befriedigung derselben Sorgen, Qualen, Unruhen, auf die ehemals die so genannten Religionen Antwort gaben.“ Benjamin wird von Agamben fast wörtlich zitiert und hervorgehoben, dass diese Religion der Modernität von drei Wesenszügen charakterisiert wird:
1. Er ist eine ‚Kultreligion’, vielleicht die extremste, die es je gegeben hat. Es hat in ihm alles nur unmittelbar mit Bezug auf den Kultus Bedeutung, er kennt keine spezielle Dogmatik, keine Theologie. 2. Dieser Kultus ist von permanenter Dauer, es ist die ‚Zelebrierung eines Kultes sans reve et sans merci’. Es ist nicht möglich, hier zwischen Feiertagen und Werktagen zu unterscheiden [...] 3. Der kapitalistische Kultus zielt nicht auf Erlösung oder Sühnung der Schuld, sondern auf die Schuld selbst,
wodurch nicht der religiöse Wunsch nach Verwandlung der Welt, sondern dessen Zerstörung zum Ziel geworden ist. Laut Agamben sind in der äußersten Phase des Kapitalismus alle Dinge dem allgemeinen Gebrauch entzogen und auf ihren Ausstellungswert reduziert. Als Beispiel und Vergleich führt er das Museum an, in dem die Unmöglichkeit des Besitzens ihren topischen Ort hat. Das Museum ist eine abgesonderte Dimension, alles kann zum Museum werden, „die Unmöglichkeit des Benutzens, des Wohnens, des Erlebens“ wird dort ausgestellt. Im Zeitalter einer allesdurchdringenden Ökonomie verfallen die Alltagsgegenstände und die Kunstwerke der Musealisierung. Ebenso der menschliche Körper selbst, der beispielsweise in Modeschauen oder Pornofilmen zum Ausstellungsstück wird. Wie im Museum verfällt alles einer Absonderung, wodurch Agamben den Kapitalismus als Kultreligion dem Christentum gleichsetzt. Beide bewirken eine Schaffung des absolut Unprofanierbaren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung und den philosophischen Kontext von Giorgio Agamben sowie Skizzierung der zentralen Forschungsfragen.
2. Der Begriff der Profanierung bei Agamben: Definition der Profanierung als Rückgabe der Dinge an den freien Gebrauch und Abgrenzung zum rein säkularen Verständnis.
3. Religion, Macht und der freie Gebrauch: Analyse der religiösen Absonderung durch Machtstrukturen und der Versuch des Widerstands durch eine spielerische Haltung.
4. Das Spiel als Organ der Profanierung: Untersuchung des Spiels als Instrument, um Dinge ihrer festgelegten Funktion zu entreißen und Machtstrukturen zu neutralisieren.
5. Kapitalismus als Religion und der Ausstellungswert: Darstellung des Kapitalismus als Kultreligion, die durch ständige Zelebrierung und Ausstellungszwang den wahren Gebrauch verhindert.
6. Die Aufgabe der kommenden Generationen: Reflexion über die Möglichkeit einer Utopie und die Verantwortung, die Welt durch Profanierung neu zu gestalten.
Schlüsselwörter
Giorgio Agamben, Profanierung, Kapitalismus, Religion, Macht, Gebrauch, Konsum, Entweihung, Kult, Ausstellungswert, Philosophie, Gesellschaft, Moderne, Transformation, Freiheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Giorgio Agambens Werk "Profanierungen" auseinander und beleuchtet dessen philosophische Analyse von Religion, Macht und Kapitalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Entweihung metaphysischer Konzepte, die Kritik am modernen Konsumverhalten sowie die Frage nach einer alternativen Gesellschaftsform.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Agambens Konzept der Profanierung zu verstehen und zu prüfen, wie er damit eine Reorganisation der Gesellschaft im Angesicht des Kapitalismus vorschlägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Essay-Form, die auf einer theoretischen Textanalyse und der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verbindung zwischen Religion und Macht, die Rolle des Spiels bei der Profanierung sowie die Deutung des Kapitalismus als Kultreligion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Profanierung, Kapitalismus, Kultreligion, Macht, freier Gebrauch und die gesellschaftliche Utopie.
Warum spielt der Begriff "religio" für Agamben eine solch entscheidende Rolle?
Agamben nutzt die etymologische Herleitung von "religio", um die Mechanismen der Absonderung von Dingen und Menschen aus dem allgemeinen Gebrauch zu begründen.
Wie unterscheidet sich Agambens Kapitalismuskritik von der Max Webers?
Während Weber den Kapitalismus als Säkularisierung des Protestantismus sieht, betrachtet Agamben – in Anlehnung an Walter Benjamin – den Kapitalismus als eine eigene, extreme Form der Religion ohne Erlösung.
Was bedeutet es konkret, Dinge zu "profanieren"?
Profanierung meint bei Agamben, Dinge, die durch Herrschaftsstrukturen oder religiöse Absonderung ihrer Nutzung entzogen wurden, für den freien und allgemeinen menschlichen Gebrauch zugänglich zu machen.
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- Birgit Goldbecker (Autor), 2013, Gedanken zu Giorgio Agambens "Lob der Profanierung", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322824