Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Maras, da es sich hierbei um ein zentrales Thema im derzeitigen politischen Geschehen Zentralamerikas handelt. In Zentralamerika ist in den letzten Jahren ein Anstieg an Gewalttaten zu verzeichnen. Zwischen 2007-2012 kamen jährlich weltweit etwa 7,4 Personen pro 100.000 Einwohner durch Gewaltverbrechen ums Leben. In Zentralamerika beträgt dieser Schnitt mehr als 30 pro 100.000 Einwohner. Damit gehört Zentralamerika zu den gefährlichsten Regionen weltweit.
Die hohe Gewaltquote in Zentralamerika wird durch viele Faktoren beeinflusst, wie eine schnelle Verstädterung, anhaltende Armut und Ungleichheit, soziale Ausgrenzung, politische Gewalt und organisierte Kriminalität. Zusätzlich wird die Gewaltquote von gesellschaftlichen Strukturen nach konfliktgeprägten Zeiten, dem Handel illegaler Drogen sowie von autoritären Familienstrukturen beeinflusst.
Die offensichtlichste Ausprägung der Gewalt in Zentralamerika sind die Jugendbanden, welche in den letzten zwei Jahrzenten an Größe und Einfluss gewonnen haben. Die Schätzwerte, wie viele Gangmitglieder diese Region zu verzeichnen hat, gehen weit auseinander. Eine Statistik der UNODC geht davon aus, dass 5 % aller jungen Männer zwischen 15 und 24 Jahren in Honduras einer Jugendbande angehören. Im Verhältnis zur Bevölkerung ist dieser Wert in El Salvador geringer und liegt lediglich bei etwa 1,5 % und in Guatemala bei etwa 1%. In El Salvador scheint die Anzahl der Mitglieder im Verhältnis zwar relativ gering zu sein, es wird jedoch behauptet, dass auch hier etwa die Hälfte der Straftaten durch die „Maras“ verübt werden.
Um die Fragestellung: „Wieso treten so viele Jugendliche dem „Vida Loca“ bei?“ zu klären und um hieraus Maßnahmen für die Reduzierung der Jugendbandenaktivitäten abzuleiten, beschreibt die vorliegende Hausarbeit zunächst die Maras und deren Lebensstil. Daraufhin werden die Gründe, die zu einem Beitritt zu einer solchen Jugendbande führen, erörtert. Darauf aufbauend werden effektive Gegenmaßnahmen beschrieben und mit den derzeitigen politischen Maßnahmen verglichen. Ausgehend von den Ergebnissen der Forschungsfrage wird ein kurzer Blick auf die Frage geworfen, ob es sich bei „Mareros“ (Mara-Mitglieder), um Täter oder Opfer handelt. Die Hausarbeit schließt mit einem Fazit ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Maras
2.1 Struktur und symbolisch-ästhetische Dimension der Gangs
2.2 Beitrittsgründe
2.3 Ehre, Drogen und Gewalt
2.4 Opfer vs. Täter
3 Gegenmaßnahmen
4 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Maras in Zentralamerika, mit dem Ziel, die Beweggründe für den Beitritt Jugendlicher zu diesen Banden zu verstehen und daraus Ansätze für effektive Gegenmaßnahmen abzuleiten. Dabei wird analysiert, inwieweit aktuelle staatliche Repressionsstrategien wirken und welche sozioökonomischen Faktoren den Ursprung der Bandenaktivitäten bilden.
- Strukturelle und symbolische Charakteristika der Maras
- Individuelle und gesellschaftliche Beitrittsgründe
- Analyse des "Vida Loca" Lebensstils
- Vergleich zwischen staatlichen Repressionsmaßnahmen und präventiven Ansätzen
- Die Rolle nicht-staatlicher Akteure in der Prävention
Auszug aus dem Buch
2.2 Beitrittsgründe
Faktoren, wie Jugendarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Armut, Mängel in Erziehung und Bildung, zusammengefasst das Fehlen sozialer und wirtschaftlicher Integrationschancen, bilden die Grundlagen für die Gewalt und Kriminalität der Jugendlichen (Peetz 2004: 52). Gewalt und Ungerechtigkeit erleben die Jugendlichen im täglichen Leben häufig und fast überall, u. a. auf der Straße, bei der Arbeitssuche und mit den staatlichen Autoritäten (Liebel 2008: 259).
Einer Studie folgend, geben etwa 40 % der Jugendlichen als Beitrittsgrund „Vacilar“ an, was soviel heißt wie „herumziehen“. 21 %, wollen auf diese Weise Familienproblemen entfliehen und weitere 20 %, treten aufgrund befreundeter Gangmitglieder bei (Giralt / Concha-Eastman 2001: 60). Die Studie erkennt zudem eine Korrelation zwischen der Arbeitslosigkeit und dem Beitritt zu einer Gang, da sich lediglich 17 % der Gangmitglieder beim Beitritt zur Gang in einem Arbeitsverhältnis befinden. (Giralt / Concha-Eastman 2001: 45).
Dennoch betonen die meisten Untersuchungen, dass die Jugendlichen, vor ihrem Beitritt zu einer Jugendbande, über ein zu Hause in einem „barrio“ (Viertel) verfügen und nicht auf der Straße leben. Häufig ist ihr zu Hause allerdings prekär und konfliktgeladen. Zudem verfügen sie meist über eine mindestens durchschnittliche Schulbildung und gehen nach dem Verlassen der Schule zunächst einer bezahlten Arbeit nach oder versuchen dies zumindest (Liebel 2008: 449).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die hohe Gewaltbelastung in Zentralamerika dar und führt die Maras als zentrales Phänomen der regionalen Kriminalität ein.
2 Maras: Dieses Kapitel definiert die Maras als städtische Jugendbanden und beleuchtet deren Entstehung, Struktur, Ehrenkodex und den gefährlichen Lebensstil.
2.1 Struktur und symbolisch-ästhetische Dimension der Gangs: Hier wird die territoriale Gliederung in Cliquen und die Identitätsstiftung durch Zeichen und Symbole beschrieben.
2.2 Beitrittsgründe: Dieses Kapitel analysiert die sozioökonomischen Faktoren, Perspektivlosigkeit und den Wunsch nach Zugehörigkeit als Motive für den Bandenbeitritt.
2.3 Ehre, Drogen und Gewalt: Die Bedeutung von Drogenkonsum und Gewalt als prägende Elemente des Bandenalltags wird erläutert.
2.4 Opfer vs. Täter: Es wird die schwierige Grenzziehung zwischen Täter- und Opferrolle bei den Bandenmitgliedern unter Berücksichtigung der sozialen Realität in Zentralamerika diskutiert.
3 Gegenmaßnahmen: Die staatliche Repressionspolitik, insbesondere in Honduras und El Salvador, wird kritisch beleuchtet und mit präventiven Ansätzen verglichen.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Banden einen Schutzraum bieten und eine langfristige Lösung nur durch die Bekämpfung sozioökonomischer Ursachen möglich ist.
Schlüsselwörter
Maras, Zentralamerika, Jugendbanden, Gewalt, Kriminalität, Sozialpolitik, Prävention, Pandilla, Clika, Vida Loca, Repression, Integration, Bandenwesen, Armut, Soziologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Maras als Jugendbanden in Zentralamerika und analysiert deren Entstehung, Struktur und die Gründe für den Zulauf von Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Untersuchung umfasst die Lebensbedingungen der Jugendlichen, die Beitrittsmotive, die interne Organisation der Banden sowie die staatlichen und nicht-staatlichen Strategien zur Bekämpfung dieses Problems.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Analyse?
Das Hauptziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, warum Jugendliche den als "Vida Loca" bezeichneten Lebensstil wählen, und daraus Empfehlungen für effektive Gegenmaßnahmen zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand zu Jugendbanden in Zentralamerika sowie die sozioökonomischen Hintergründe und politischen Strategien systematisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Definition und Struktur der Maras insbesondere die Gründe für den Beitritt, der Ehrenkodex, die Auswirkungen des Drogenkonsums sowie der Kontrast zwischen staatlichen Repressionsmaßnahmen und präventiven Ansätzen erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Maras, Jugendbanden, Gewaltprävention, sozioökonomische Ursachen, Repression und soziale Integration charakterisiert.
Warum wird die Bezeichnung „Vida Loca“ in der Arbeit besonders hervorgehoben?
Dieser Begriff, übersetzt als „verrücktes Leben“, beschreibt den von Gewalt und Drogen dominierten Lebensstil der Bandenmitglieder und fungiert als zentrales Identitätsmerkmal innerhalb der Szene.
Welche Rolle spielen nicht-staatliche Akteure laut der Analyse?
Die Arbeit betont, dass Organisationen wie „Casa Alianza“ oder kirchliche Institutionen oft nachhaltigere und langfristigere Präventions- sowie Resozialisierungsarbeit leisten als staatliche Repressionsorgane.
- Citar trabajo
- Nicole Denker (Autor), 2016, Maras in Lateinamerika. Warum so viele Jugendliche den kriminellen Banden des "Vida Loca" beitreten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322954