Was bedeutet Armut und die aus ihr immer wieder resultierende Ausschließung für Kinder und Jugendliche, welche Folgen bringt sie mit sich? Nach einem kurzen Blick darauf, was mit Armut und sozialer Ausschließung gemeint ist und wie diese miteinander zusammenhängen, soll es dann im Weiteren konkret um Dimensionen und Folgen derartiger Ausschließungen für Heranwachsende gehen.
Oft entstehen Kreisläufe, aus denen es nur äußerst selten Auswege gibt; die Armut verfestigt sich, Perspektivlosigkeit, Gewalt und Kriminalität wachsen. Auch wenn Deutschland ökonomisch nicht mit meinem Heimatland zu vergleichen ist, es zu den reichsten Ländern unserer Erde gehört und ein breites Netz sozialer Sicherungen und Hilfsmechanismen aufzuweisen hat, so lässt sich in den letzten Jahren dennoch auch hierzulande zunehmende Armut und eine immer weiter wachsende Schere zwischen Arm und Reich beobachten. Ebenso wie Armut insgesamt, nimmt auch die Bedürftigkeit speziell von Kindern und Jugendlichen in Deutschland merkbar zu. Immer mehr Heranwachsende leben in armen oder zumindest materiell unsicheren Verhältnissen. Vor wenigen Wochen erst beschäftigte sich der Spiegel ausführlich mit diesem Thema und sprach von 2,6 Millionen Kindern, deren Alltag von Mangel und Verzicht gekennzeichnet sei. Kein Urlaub, kein Kino, keine neue Kleidung, das sind nur wenige Beispiele einer langen Liste von Benachteiligungen für Kinder aus sozial schwachen Familien. Kinder erfahren immer wieder, dass sie ausgeschlossen sind, nicht teilhaben können an Möglichkeiten oder Aktivitäten, die vielen ihrer Altersgenossen offenstehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Beziehung von Armut und sozialer Ausschließung
1.1 Armut als eindimensionale und mehrdimensionale Betrachtung
1.1.1 Eindimensionale Armut
1.1.2 Absolute Armut
1.1.3 Relative Armut
1.2 Mehrdimensionale Armut
1.2.1 Konzept der Lebenslage
1.2.2 Relative Deprivation
1.3 Kinder- und Jugendarmut
1.4 Einführungen in die Thematik Soziale Ausschließung
1.4.1 Was ist soziale Ausschließung
1.4.2 Soziale Ausschließung und Armut
2 Dimensionen und Folgen sozialer Ausschließung für Heranwachsende
2.1 Materielle Dimension
2.2 Bildung
2.3 Gesundheit
2.4 Wohn- und Lebensraum
2.5 Kriminalisierung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Armut und sozialer Ausschließung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ziel ist es, die multidimensionalen Ausprägungen dieser Prozesse aufzuzeigen und zu analysieren, wie strukturelle Benachteiligungen die Lebenschancen und die gesellschaftliche Teilhabe Heranwachsender nachhaltig beeinflussen.
- Grundlagen der Armutsdefinitionen (eindimensional vs. mehrdimensional)
- Soziale Ausschließung als dynamischer gesellschaftlicher Prozess
- Dimensionen der Exklusion: Materielle Lage, Bildung, Gesundheit und Wohnraum
- Die Rolle der Kriminalisierung bei der Stigmatisierung junger Menschen
Auszug aus dem Buch
2.1 Materielle Dimension
Ausschließung wird besonders bei ökonomischer Armut sichtbar, die sich in Deutschland weitestgehend als Einkommensarmut definieren lässt. Knappheit der finanziellen Ressourcen beschränkt Kinder und Jugendliche nicht nur in ihrer Freizeitgestaltung oder Bildung, sondern sie unterstützt auch die Ausgrenzung und minimiert ihre Perspektiven. (vgl. Gaiser Wolfgang / Gille Martine / Rijke de Johann / 2013, S.161). „Die materielle Ausstattung ist im Kontext sich verändernder jugendlicher und kindlicher Lebenswelten, mit einer durch Konsum definierten und erfahrenen Teilhabe an gesellschaftlichen Standards, von grundsätzlicher Bedeutung (…).“ (Kilb Rainer 1998,S. 26).
Für Heranwachende aus benachteiligten Familien hat die materielle Dimension eine besondere Stellung in verschiedenen Bereichen ihres Lebens, in der Schule zum Beispiel, wo teure Kleidung, das neuste Smartphone oder ähnliches oft eine hohe Bedeutung haben. Wer da nicht mithalten kann, für den beschränken sich die Möglichkeiten, zur Gruppe zu gehören, oft wird er oder sie schnell zum Außenseiter. Das Paradigma Innen-Außen zeigt sich bei diesem Beispiel. Die „uncoolen“ SchülerInnen mit billiger Kleidung bleiben draußen, werden zu Ausgeschlossenen. „Materieller Wohlstand fördert schon unter Jugendlichen neidvolle Vergleiche und ist so gesehen eine ernsthafte Quelle für psychosoziale Belastungen, die in der ungefestigten Phase der jugendlichen Persönlichkeitsentwicklung zu erheblichen Irritationen führen kann.“ (Hurrelmann, zit. n. Palentien Christinan 2004, S. 21).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Autorin legt ihre Motivation dar und thematisiert die zunehmende Armut und soziale Ausschließung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland im Vergleich zu ihrer Heimat El Salvador.
1 Beziehung von Armut und sozialer Ausschließung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie absolute und relative Armut sowie das Konzept der sozialen Ausschließung als einen dynamischen Prozess der Teilhabeverminderung.
2 Dimensionen und Folgen sozialer Ausschließung für Heranwachsende: Hier werden die konkreten Lebensbereiche Bildung, Gesundheit, Wohnen und Kriminalisierung analysiert, in denen sich soziale Benachteiligung materiell und psychosozial manifestiert.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert ein Umdenken der Gesellschaft und eine stärkere Unterstützung durch die Soziale Arbeit, um Chancengleichheit zu fördern.
Schlüsselwörter
Armut, Soziale Ausschließung, Heranwachsende, Kinderarmut, Jugendarmut, Materielle Dimension, Bildungsarmut, Gesundheit, Wohnumfeld, Kriminalisierung, Stigmatisierung, Teilhabe, Chancengleichheit, Soziale Arbeit, Lebenslage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die von Armut betroffen sind und dadurch soziale Ausschließungsprozesse erfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die materielle Lebenslage, Bildungschancen, gesundheitliche Auswirkungen, die Bedeutung des Wohnraums und die Kriminalisierung armer Jugendlicher.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, durch die Armut zu sozialer Ausschließung führt, und die daraus resultierenden Folgen für die Entwicklung von Heranwachsenden darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Auswertung existierender wissenschaftlicher Literatur und Studien zum Thema Armut und soziale Exklusion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Dimensionen der Ausschließung detailliert beleuchtet, insbesondere wie ökonomische Defizite den Zugang zu Bildung, Gesundheit und Teilhabe erschweren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Armut, soziale Ausschließung, Teilhabe, Stigmatisierung, Jugendarmut und Bildungsgerechtigkeit.
Warum ist die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Armut wichtig?
Sie hilft zu verstehen, dass Armut in einem reichen Land wie Deutschland nicht nur das Überleben gefährdet, sondern primär eine Frage der gesellschaftlichen Teilhabe und des Lebensstandards ist.
Welche Rolle spielt die Wohnsituation für Kinder?
Das Wohnumfeld und der Lebensraum konkretisieren gesellschaftliche Ungleichheit; Segregation und beengte Wohnverhältnisse schränken die Entwicklungsmöglichkeiten und das soziale Umfeld maßgeblich ein.
Inwiefern führt Kriminalisierung zu weiterer Ausschließung?
Arme Jugendliche werden aufgrund von "Moral-Paniken" schneller stigmatisiert und als Gefahr wahrgenommen, was ihre soziale Integration weiter schwächt.
- Citation du texte
- Tania Huezo de Oeters (Auteur), 2015, Soziale Ausschließung durch Armut und ihre Bedeutung für Heranwachsende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322971