Diese wissenschaftliche Arbeit wird sich mit den Bildungsaussichten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auseinandersetzen und einen aktuellen Überblick darüber verschaffen, dass eine Benachteiligung vorhanden ist, welche Gründe und Erklärungsansätze es dafür gibt und letztlich auch einen möglichen Lösungsansatz präsentieren. Zu Beginn werden zuerst wichtige Definitionen festgelegt, um mögliche Unklarheiten zu vermeiden. Danach folgt eine statistische Auswertung des Statistischen Bundesamts wie der Bildungsstand der deutschen Bevölkerung aufgestellt ist, mit besonderem Fokus auf den Aspekt Migrationshintergrund. Daraufhin wird ein aktueller Forschungsüberblick darüber geboten welche Determinanten dafür verantwortlich gemacht werden können, dass es zu einer Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland kommt, woraufhin ausgewählte Determinanten exemplarisch tiefer beleuchtet werden. Abschließend wird ein potentieller Lösungsansatz näher betrachtet und vorgestellt und ein Fazit über die Ergebnisse gezogen.
In den vergangenen zehn Jahren wurden unzählige Artikel veröffentlicht, die sich mit dem Thema Migration im Allgemeinen und im Detail mit Migration und den Bildungsaussichten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auseinandergesetzt haben. Angeheizt wurden diese Themen unter anderem durch den ehemaligen Politiker Thilo Sarrazin und dessen Buch „Deutschland schafft sich ab“, indem Thesen verbreitet wurden, dass die Folgen der Geburtenrückgänge, gepaart mit einer wachsenden Unterschicht und einer deutlichen Zuwanderungszunahme aus islamisch geprägten Länder, verheerende Folgen für Deutschland haben würde. Aber auch die Rütli-Schule in Berlin-Neukölln kam zu zweifelhaftem Ruf, als Lehrer deren Schließung forderten, weil die Gewalt in der Schule unkontrollierbar wurde. Etwa 80% der Schülerinnen und Schüler hatten zu diesem Zeitpunkt einen muslimischen Hintergrund, was zu einer langen innenpolitischen Debatte über das Schulsystem führte. Die aktuellste Diskussion löste Horst Seehofer aus, indem er äußerte, dass Migranten dazu angehalten werden sollen zuhause Deutsch zu sprechen, was als zukünftiger Zwang für Migranten interpretiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Definitionen der Migrationsbegriffe
2. Bildungsbenachteiligung aufgrund eines Migrationshintergrunds
2.1. Bildungsbenachteiligung aufgrund eines Migrationshintergrunds
2.2. Gründe für die Bildungsbenachteiligung
2.2.1. Benachteiligung aufgrund kultureller Defizite
2.2.2. Benachteiligung aufgrund institutioneller Diskriminierung
2.2.3. Benachteiligung aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse
2.3. Bilinguale Klassen als Lösung?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ziel ist es, einen aktuellen Überblick über die vorhandene Benachteiligung zu geben, die zugrunde liegenden Ursachen und Erklärungsansätze kritisch zu analysieren sowie mit bilingualen Schulklassen einen möglichen Lösungsansatz zur Verbesserung der Bildungschancen zu evaluieren.
- Statistische Analyse des Bildungsstandes nach Migrationshintergrund
- Kritische Beleuchtung kultureller und sozioökonomischer Defizite
- Untersuchung institutioneller Diskriminierung im Bildungssystem
- Einfluss sprachlicher Kompetenzen auf den schulischen Erfolg
- Evaluierung bilingualer Schulmodelle als Förderansatz
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Benachteiligung aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse
Aktuellen Debatten zufolge scheint es, dass die Förderung der Sprachkenntnisse die oberste Priorität genießt und sich davon versprochen wird die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund zu verringern und dies eine Ansicht ist, die sowohl Bildungspolitiker, als auch Pädagogen teilen können. Gründe dafür sind, dass die Nachteile von Kindern mit Migrationshintergrund gegenüber deutschen Schülern ohne Migrationshintergrund, dadurch entstehen, dass jene deutliche Mängel der deutschen Sprache aufweisen, die wiederum zu schlechteren Leistungen in der Schule führen und somit viele Kinder mit Migrationshintergrund nach der Grundschule die Hauptschule besuchen müssen und einen schlechten Bildungsabschluss erreichen oder sogar gar keinen (vgl. Diefenbach, 2010, S. 145).
Die Ergebnisse der viel diskutierten PISA-Studie, PISA 2000 können als Beleg für die eben genannten Gründe verstanden werden. Ein Befund der Studie war, dass in Deutschland der Bildungserfolg von Kindern stark abhängig ist von der sozialen Herkunft. Bei genauer Betrachtung von Familien mit Migrationshintergrund wird eruiert, dass es sich negativer auf den Bildungserfolg auswirkt, wenn beide Elternteile zugewandert sind bzw. zuhause nicht die getestete Sprache gesprochen wird, als in anderen Ländern, die ebenfalls an der Studie teilgenommen haben (vgl. Baumert & Deutsches PISA-Konsortium, 2001 S. 394ff.). Als entscheidenden Faktor des geringeren Bildungserfolgs „werden in dieser Studie allerdings nicht die sozio-kulturellen, sondern die sprachlichen Faktoren angesehen.“ (Siebert-Ott, 2013, S. 145).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definitionen der Migrationsbegriffe: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Definitionen von Migration und den spezifischen Begriff des Migrationshintergrunds zur Vermeidung von Unklarheiten.
2. Bildungsbenachteiligung aufgrund eines Migrationshintergrunds: Hier wird der Einfluss eines Migrationshintergrunds auf die schulische Ausbildung anhand aktueller Daten und theoretischer Konzepte analysiert.
2.1. Bildungsbenachteiligung aufgrund eines Migrationshintergrunds: Dieser Abschnitt untersucht aktuelle statistische Daten des Statistischen Bundesamtes zu Bildungsschlüssen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.
2.2. Gründe für die Bildungsbenachteiligung: Das Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene Determinanten wie kulturelle Defizite und institutionelle Faktoren, die den Bildungserfolg beeinflussen können.
2.2.1. Benachteiligung aufgrund kultureller Defizite: Es wird kritisch hinterfragt, ob mangelnde Sprachkenntnisse oder Bildungsaspirationen der Eltern als kulturelle Erklärungsansätze für Bildungsunterschiede ausreichen.
2.2.2. Benachteiligung aufgrund institutioneller Diskriminierung: Dieser Teil analysiert die Theorie, dass das Schulsystem selbst durch Selektionsmechanismen und Notengebung zur Benachteiligung von Migrantenkindern beiträgt.
2.2.3. Benachteiligung aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse: Hier wird die Rolle der Sprachbeherrschung als zentraler Faktor für den schulischen Erfolg und die damit verbundenen Herausforderungen beleuchtet.
2.3. Bilinguale Klassen als Lösung?: Abschließend wird das Konzept der bilingualen Schulklassen als pädagogische Alternative zur Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund vorgestellt und bewertet.
Schlüsselwörter
Migrationshintergrund, Bildungsbenachteiligung, Bildungsungleichheit, Schulsystem, Institutionelle Diskriminierung, Sprachförderung, Bilinguale Klassen, Sprachkenntnisse, Interkulturelle Erziehung, Bildungserfolg, Schulerfolg, PISA-Studie, Migrantenfamilien, Bildungschancen, Mehrsprachigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der bildungspolitischen und pädagogischen Problematik, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland häufiger von Bildungsbenachteiligung betroffen sind als Kinder ohne diesen Hintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Migrationsbegriffen, der statistischen Datenlage zu Bildungsabschlüssen, der Untersuchung möglicher Ursachen für Bildungsdisparitäten sowie der Erörterung innovativer Schulmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, zu klären, warum Bildungsnachteile bestehen, welche wissenschaftlichen Erklärungsansätze (kulturell, institutionell, sprachlich) existieren und ob bilinguale Klassen eine effektive Lösung zur Chancengleichheit darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und empirisch gestützte Aufarbeitung. Die Autorin greift auf aktuelle Forschungsberichte, Statistiken des Bundesamtes und Sekundärliteratur zu einschlägigen Studien wie PISA oder IGLU zurück.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Bestandsaufnahme, eine tiefgehende Analyse von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen wie Diskriminierung und Sprachbarrieren sowie eine detaillierte Betrachtung des Hamburger Modells für bilinguale Grundschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Kernbegriffe sind Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, Mehrsprachigkeit und Bildungschancen.
Welche Rolle spielen bilinguale Klassen bei der Lösungsfindung?
Bilinguale Klassen werden als hoffnungsvolle Alternative diskutiert, da sie die Herkunftssprache der Kinder integrieren, die Lesekompetenz stärken und nachweislich dazu beitragen können, den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg zu lockern.
Widerlegt die Arbeit das Vorurteil mangelnder Bildungsaspiration bei Migrantenfamilien?
Ja, unter Verweis auf Studien wie die von Paulus & Blossfeld (2007) führt die Arbeit aus, dass Familien mit Migrationshintergrund oft ein überdurchschnittliches Bildungsbestreben aufweisen, welches als Aufstiegswille zu interpretieren ist.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Bildungsbenachteiligung aufgrund eines Migrationshintergrunds bei Schülerinnen und Schülern. Erklärungs- und Lösungsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322984