Gibt es einen Zusammenhang zwischen Armut und Ernährung? Wie sich Hartz IV auf die Ernährungsgewohnheiten auswirken kann


Hausarbeit, 2015
30 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1.Einleitung

2. Armutsdefinition und Formen der Armut

3. Ernährung als Aspekt in Armutsstudien

4. Definition Ernährungsarmut

5. Gesellschaftliche Erwartungen an arme Bevölkerungsteile

6. Ist die Höhe der Sozialleistungen ausreichend für eine ausgewogene, gesunde Ernährung?

7. Ernährungsalltag in armen Haushalten

8. Gesundheitliche Auswirkungen der Armutssituation

9. Fazit.

10. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wie definieren Sie Armut?

1.Einleitung

Im Paragraph 1 des Zwölften Buch Sozialgesetzbuches sind Inhalt und Aufgabe der Sozialhilfe in Deutschland verankert. „ Aufgabe der Sozialhilfe ist es, den Leistungsberechtigten die Führung eines Lebens zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Leistung soll sie so weit wie möglich befähigen, unabhängig von ihr zu leben; darauf haben auch die Leistungsberechtigten nach ihren Kräften hinzuarbeiten. Zur Erreichung dieser Ziele haben die Leistungsberechtigten und die Träger der Sozialhilfe im Rahmen ihrer Rechte und Pflichten zusammenzuwirken.“ (Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz, Sozialgesetzbuch (SGB) Zwölftes Buch (XII) - Sozialhilfe, 2003)

Der UN - Sozialpakt, den auch Deutschland 1968 unterschrieben hat, enthält Rechtspflichten für die Vertragsstaaten, die jedoch nicht in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Artikel 11 Absatz 1 soll einen ausreichenden und menschenwürdigenden Lebensstandard sicherstellen und Absatz 2 zielt auf den Schutz vor Hunger ab. Eine hinlängliche Ausstattung mit Nahrungsmitteln und Bekleidung, ferner eine adäquate Wohnsituation bestimmen den Lebensstandard. (Praetor Intermedia UG „Sozialpakt. Info“)

Diesen Inhalten des Artikels 11 entspricht in Deutschland der Paragraph 27a des Zwölften Buch Sozialgesetzbuch. „Der für die Gewährleistung des Existenzminimums notwendige Lebensunterhalt umfasst insbesondere Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie ohne die auf Heizung und Erzeugung von Warmwasser entfallenden Anteile, persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens sowie Unterkunft und Heizung. Zu den persönlichen Bedürfnissen des täglichen Lebens gehört in vertretbarem Umfang eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft; dies gilt in besonderem Maß für Kinder und Jugendliche. Für Schülerinnen und Schüler umfasst der notwendige Lebensunterhalt auch die erforderlichen Hilfen für den Schulbesuch.“( Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz, Sozialgesetzbuch (SGB) Zwölftes Buch (XII) - Sozialhilfe, 2003)

Zielstellung dieser Ausarbeitung ist es herauszustellen, ob die Höhe der Sozialhilfe oder auch allgemein als Hartz IV bezeichnet, ausreichend ist, einen „menschenwürdigen Lebensstandard“ sicherzustellen. Inwieweit mit dieser ökonomische Grundlage eine bedarfsgerechte und ausreichende Ernährung möglich ist und wie diese das Ernährungsverhalten beeinflusst

Laut Barlösius wurde in Befragungen von Sozialhilfeempfängern Essen als derjenige Bereich genannt, in dem sich zuerst und einschneidend eingeschränkt wird. Schon im 19. Jahrhundert wurde das Existenzminimum definiert als das Einkommen, das eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln gewährleistet und somit der Armut entgegenwirkt. (Barlösius, et. al., 1995 , S. 12f) Zunächst werde ich mich in der Hausarbeit mit der Definition und den Formen der Armut auseinandersetzen. und was Armut überhaupt ist. Weiterhin möchte ich beschreiben, wie Nahrung und deren qualitative und quantitative Verfügbarkeit in die kulturellen und sozialen Dimensionen des Lebens hineinspielt und zur Beschreibung von prekären Lebenslagen genutzt werden kann und welche Auswirkungen sich auf die Gesundheit der Menschen feststellen lassen.

2. Armutsdefinition und Formen der Armut

Armut ist ein soziales Problem, die den Zustand einer deprivierten Lebenslage darstellt und durch die gesellschaftlichen Werte und Vorstellungen definiert wird. Georg Simmel beschäftigte sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit den Fragen: Wie konstituiert sich der Status des Armen in der Gesellschaft? Welche Attribute bestimmen, dass eine Person vor den Augen einer anderen zu einen armen Menschen wird? Worauf gründet, dass jemand als arm angesehen wird? Simmel sieht in der Unterstützung, die eine Person öffentlich von der Gemeinschaft erhält, als das Kriterium, welches den Status arm bestimmt. Unterstützung zu erhalten, ist das Charakteristikum der Armen und impliziert die Zugehörigkeit der Person zu einer Bevölkerungsschicht, die von der Gesellschaft automatisch abgewertet wird. Die Beziehung ist durch ein Abhängigkeitsverhältnis gekennzeichnet und ist einseitig. Der Empfänger von Unterstützungsleistungen ist in den Augen der Gesellschaft ein nutzloser Mensch. (Simmel, 1992, S. 512ff)

Barlösius stellt folgende generelle Definition von Armut auf: „ Wer arm ist, ohne dies zu wollen, kann die Möglichkeiten einer Gesellschaft nicht nutzen. Diese Deprivation wird in der Regel durch Maße operationalisiert, die den Zugang zu Gütern und Dienstleistungen im Vergleich zu anderen in der Gesellschaft bestimmen.“ Jedoch gibt es in der Sozialwissenschaft unterschiedliche Betrachtungsweisen und Definitionen. (Barlösius, et. al., 1995 , S. 15) Dabei wird in absolute, relative, subjektive, verdeckte und bekämpfte Armut unterschieden.

Absolute Armutsgrößen setzen eine objektive monetäre Grenze, ab der bei Unterschreitung, von einer Gefährdung der physischen Existenz ausgegangen wird. Menschen, die nicht oder nur in geringem Umfang lebensnotwendige Güter, wie Nahrung, Kleidung, Wohnung und andere grundlegende Bedarfsgegenstände besitzen, sind von absoluter Armut betroffen. (Klee, 2005, S. 48f) Von dieser ausgeprägten Form von Armut sind in hochentwickelten Industriestaaten vorwiegend Obdachlose betroffen, deren körperliche Unversehrtheit durch Verhungern, Erfrieren oder einer geringeren Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten gefährdet ist. (Scheurle, 2005, S. 96f) In Deutschland wird die Höhe der Sozialhilfe als Armutsgrenze verwendet. Wer Anspruch auf Sozialhilfe hat und sie nicht beantragt ist von absoluter Armut betroffen. (Feichtinger, 1996, S. 4) Nach einer Definition der Weltbank, gelten Menschen als absolut arm, wenn sie über weniger als 1,25 US Dollar pro Tag verfügen. (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Lexikon der Entwicklungspolitik, Armut). Klee übt Kritik am Gebrauch der absoluten Armutsgrenze, da der ernährungsphysiologische Grundbedarf nach Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, körperlicher Tätigkeit und körperlicher Konstitution variiert und sich im Zeitverlauf verändert. Der Bedarf an Nahrungsmitteln, Kleidung und Wohnraum wird ferner durch das allgemeine gesellschaftliche Niveau beeinflusst. (Klee, 2005, S. 50)

Dieser Punkt wird in den USA durch die jährliche Festlegung der Poverty Income Guideline beachtet. Dabei wird eine Einkommensgrenze in Abhängigkeit zu Familienform und –größe festgelegt, ab der ein Anspruch auf staatliche Unterstützung besteht. Als arm gilt, wer ein Drittel seines Einkommens für Nahrungsmittel aufbringen muss. Dabei stellt ein Minimal- Warenkorb die Berechnungsgrundlage, der für eine Grundsicherung der Ernährung als ausreichend betrachtet wird. Dieser Warenkorb soll eine qualitative und quantitative Versorgung mit allen essentiellen Nährstoffen sicherstellen, die ein gesunder Mensch täglich benötigt. Alter und Geschlecht werden hierbei berücksichtigt und es wird eine individuelle Grundsicherung errechnet. (Bayer, 1995, S. 207f)

Der Begriff relative Armut bezieht sich auf ein soziokulturelles Existenzminimum. Es wird durch die Wertvorstellungen, Normen und dem Wohlstand einer Gesellschaft bestimmt und geht über die Abdeckung des physischen Existenzminimums hinaus. Dies spiegelt sich auch in der Armutsdefinition des EU- Ministerrats von 1984 wider:

„ Als verarmt sind jene Einzelpersonen, Familien und Personengruppen anzusehen, die über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist.“ (zit. nach Scheurle, 2005 , S. 97) Armut kann demnach nicht als ein eindimensionales Problem betrachtet werden, das sich nur durch einen Mangel an Einkommen, sondern aus einer Vielzahl von Unterversorgungslagen in anderen wichtigen Lebensbereichen wie, Bildung, Gesundheit, Wohnen auszeichnet. Der soziokulturelle Ansatz schließt „die Realisierung qualitativer Bedürfnisse, wie eine gesunde, humane und befriedigende Umwelt sowie die Beteiligung an Entscheidungen, die das persönliche und soziale Leben, den Lebensunterhalt und die individuellen Freiheiten betreffen“ ein. (Klee, 2005, S. 51)

Aus dieser Erklärung geht hervor, dass das soziokulturelle Existenzminimum sich im Zeitverlauf, abhängig von der Veränderung von gesellschaftlichen Normen, Erwartungen und Wertvorstellungen, verändern kann. Es fußt auf der ungleichen Verteilung von Vermögen und Einkommen innerhalb einer Gesellschaft. Es existieren zwei Ansätze zur empirischen Bestimmung der relativen Armut:

1. der Ressourcenansatz
2. der Lebenslagenansatz

Basis des Ressourcenansatzes ist die Ausstattung eines Haushaltes mit finanziellen Mitteln. Der Grundgedanke ist, dass in einer marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft alle Güter und Dienstleistungen des Lebens käuflich erworben werden können. Dies schließt mit ein, dass bei einer ausreichenden Verfügbarkeit von Geld keine Armut vorliegt. (Hradil, 1999, S. 240) Die Armutsgrenze wird von den Regierungen festgelegt und beträgt einen bestimmten Prozentsatz vom Nettoäquivalenzeinkommen. In Deutschland und in der EU werden 60 % des nationalen Nettoäquivalenzeinkommens als Armutsrisikogrenze und 50 % des nationalen Nettoäquivalenzeinkommens als Armutsgrenze gesetzt. Im Jahr 2010 betrug der Median des Nettoäquivalenzeinkommens in Deutschland 1587 Euro pro Monat für eine Einzelperson, somit liegt die Armutsgrenze bei 952 Euro verfügbaren Einkommens. Das betrifft 15,8 % der deutschen Bevölkerung. Im Vergleich, innerhalb der EU liegt die Quote bei 16,9 %. Insgesamt liegt die Quote unter dem europäischen Schnitt.

Bestimmte Teile der Bevölkerung sind einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt wie Alleinstehende, Alleinerziehende oder Frauen. 2010 war jede sechste Frau (16,8 %) von Armut betroffen, bei den Männern lag die Quote bei 14,9 %. Bei den Alleinstehenden sind 32,3 % von Armut betroffen (EU 25,7 %) und 37,1 % der Alleinerziehenden (EU 34,5 %). ( Statistisches Bundesamt, Wirtschaft und Statistik, Deckl, 2013, S. 218ff)

Der Vorteil dieses quantitativen Ansatzes zur Bestimmung der Armutsschwelle besteht darin, dass Einkommensdaten für empirische Studien leicht zu erheben und auswertbar sind. Gleichwohl muss diese eindimensionale Herangehensweise kritisch betrachtet werden. Für die Festsetzung der Armutsgrenze auf 60 % des nationalen Nettoäquivalenzeinkommens gibt es keine wissenschaftlich abgesicherte Grundlage. Die 60 % sind ein rein willkürlicher gesetzter Wert, der nichts darüber aussagt, welcher Lebensstandard damit in einem einzelnen Land realisierbar ist. In einigen Ländern kann dieser verfügbare Einkommensanteil für ein angemessenes Leben und soziokulturelle Teilhabe ausreichend sein, in anderen Ländern deckt dieser Wert unter Umständen gerade das Existenzminimum ab. (Volkert, 2005, S. 81) Diese Definition lässt zudem außer Acht, dass selbst bei einer ausreichenden Ausstattung an finanziellen Mitteln, es bei einer unwirtschaftlichen Verwendung dieser, zu Unter-versorgungslagen in einzelnen Lebensbereichen kommen kann. Wenn beispielsweise ein großer Teil des verfügbaren Geldes für Genussgifte ausgegeben wird. (Habich, et al., 1995, S. 69)

Der Lebenslagenansatz geht über die am Einkommen ausgerichtete Armutsmessung hinaus. Zusätzlich werden hierbei Unterversorgungslagen in den wesentlichen Lebensbereichen wie Arbeit, Vermögen, Einkommen, Bildung, Wohnen, Ernährung, Gesundheit, Umwelt und immaterielle Gesichtspunkte, wie politische, kulturelle und soziale Teilhabe berücksichtigt. Lebenslagen setzen den Handlungsspielraum, in dem sich Individuen entwickeln und verwirklichen können und beeinflussen das Leben der Personen. Diese zentralen Lebensbereiche sind miteinander vernetzt und beeinflussen sich wechselseitig. (Engels, 2008, S 1ff) Beispielsweise erschwert ein geringer Bildungsabschluss den Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Menschen werden, wenn sie einen Arbeitsplatz finden, aufgrund ihrer Qualifikation nur für geringqualifizierte Arbeiten eingesetzt, bei denen das Lohnniveau auch geringer ist, was im Vergleich zu einem niedrigeren Haushaltseinkommen führt.

Dies verdeutlicht, dass Armut nicht als ein ausschließlich eindimensionales monetäreres Problem gesehen werden kann, sondern einen mehrdimensionalen Charakter hat. Sind mehrere Lebenslagen durch Deprivationen gekennzeichnet, so spricht man von Armut. (Reichwein, 2012, S. 33) Die Operationalisierung des Lebenslagenansatzes in der Praxis erweist sich als schwierig und wird deshalb nur selten angewendet. Zur Erfassung von Unterversorgungslagen in mehreren Lebensbereichen müssen zunächst die Dimensionen und Gewichtungen der jeweiligen Lebenslagen festgelegt werden und Kriterien, die zur Bestimmung der Schwelle zwischen normaler und prekärer Lebenslage in den jeweiligen herangezogen werden. Ferner ist zu ermitteln, wie und ob eine Unterversorgung in einem Bereich durch eine Überversorgung in anderen Bereiche kompensiert werden kann. Dazu wird eine umfassende Datenlage der Gesellschaft benötigt und klare Abgrenzungen der zu untersuchenden Bereiche. Die Schwierigkeit besteht darin festzulegen, nach welchen Kriterien bestimmte Bereiche zur Untersuchung herangezogen werden und andere nicht. Diese momentan nicht klar definierten Operationalisierungsansätze und die benötigte große Datenmenge führen dazu, dass der Lebenslagenansatz in empirischen Studien wenig Anwendung findet. Gleichwohl diese Betrachtungsweise eine systematische und eingehendere Armutsberichterstattung ermöglicht als der Ressourcenansatz. ( Hradil, 1999, S. 240) Die Bundesregierung hat den Lebenslagenansatz zur Analyse der sozialen Lage in Deutschland in ihrem 2. Armuts – und Reichtumsbericht aufgegriffen, um geeignete Maßnahmen zu finden Armut zu bekämpfen und soziale Teilhabe zu stärken. Eine Definition von Armut auf Basis des relativ verfügbaren Einkommens kann aus Sicht der Verfasser nicht als ausreichend angesehen werden. Dennoch lassen sich indirekt Rückschlüsse aus der finanziellen Situation eines Haushaltes auf das Ausmaß gesellschaftlicher Teilhabe ziehen. In dem Bericht wird deutlich, dass die empirische Messung von Unterversorgungslagen in den einzelnen Lebensbereichen schwierig ist. (BMAS, 2005, S. 6ff)

In bekämpfter Armut leben Menschen, die Sozialleistungen des Staates zur Existenzsicherung beziehen, wie Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe. Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt haben laut Paragraph 27 des Sozialgesetzbuchs Personen, die ihren Lebensunterhalt nicht oder nicht in vollem Umfang aus eigenen Mitteln absichern können. Diese finanzielle Unterstützung setzt sich aus einem Regelbedarf, der Übernahme der Wohnungskosten und Krankenversicherungskosten zusammen.

Einem bestimmten Personenkreis wie, Schwangeren, Behinderten, Älteren oder Kranken wird ein Mehrbedarf gewährt. Einer Einzelperson steht ein Regelbedarf von 399 Euro pro Monat zu, Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren 302 Euro, Kindern unter 14 Jahren 267 Euro und unter 6 Jahren 234 Euro. Die Höhe des Regelbedarfes wird auf Grundlage der Einkommens –und Verbrauchstichprobe des Statistischen Bundesamtes festgesetzt. (AMK Internetservice, 2005)

Die Hilfe zum Lebensunterhalt soll das soziokulturelle Existenzminimum absichern. Wer Sozialhilfe in Anspruch nimmt, gilt nicht als arm laut staatlicher Definition. Der Bezug von Sozialhilfe ist nicht mit einer Armutssituation gleichzusetzen. (BMAS, 2005, S. 7f) Dennoch reicht die Höhe des Regelsatzes nicht aus, um ein Leben zu führen, das dem allgemeinen Lebensstandard entspricht. Schon die Begrifflichkeit „ bekämpfte Armut“ impliziert, dass die Menschen, die Sozialleistungen beziehen, nahe der Armutsgrenze leben. In der Armutsforschung wird dezidiert betont, dass der Bezug von Sozialhilfe ein Indiz für Armut ist. Im Gegenzug dazu wird der Begriff „ verdeckte Armut“ genutzt. Unter diesen Begriff werden alle Menschen zusammengefasst, die einen Anspruch auf Sozialleistungen haben, diesen aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht geltend machen. Untersuchungen des Institutes für Arbeitsmarkt – und Berufsforschung haben ergeben, dass 3,1 – 4,9 Millionen Menschen auf staatliche Transferleistungen verzichten, obwohl sie aufgrund ihres geringen Einkommens Anspruch darauf hätten. Das bedeutet, dass circa jeder Dritte auf staatliche Unterstützung verzichtet. (Eubel, 2013)

Subjektive Definitionen beruhen auf individuellen Einschätzungen von Armut. Dabei werden Personen befragt, welches Mindesteinkommen sie benötigen, um sich nicht selbst als arm zu bezeichnen. Der Vorteil besteht darin, dass die Befragten ihre persönlichen Lebensbedingungen berücksichtigen. Dieser Ansatz zeigt die Abweichungen zwischen rein wissenschaftlich und politisch aufgestellten Armutsgrenzen und wie eine Gesellschaft Armut wahrnimmt und bewertet. (Scheurle, 2005, S. 102) Eine Person würde sich selbst als arm bezeichnen, wenn die eigenen finanziellen Mittel nicht ausreichen, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und sie nicht über Güter und Aktivitätsmöglichkeiten verfügt, die im Allgemeinen von der Gesellschaft als gebräuchlicher Maßstab angesehen wird. Aufgrund des großen Interpretationsspielraumes der Fragestellung sind die Ergebnisse nur bedingt valide. 2010 wurde in Deutschland und in den anderen Ländern der EU eine Umfrage zur Definition von Armut durchgeführt. Das Ergebnis zeigt, nach welchen Indikatoren die Gesellschaft Armut wahrnimmt.

Dazu wurden insgesamt 26635 Menschen befragt, 1577 davon in Deutschland – mit folgender Fragestellung: „ Es gibt unterschiedliche Vorstellungen davon, ab wann Menschen als arm bezeichnet werden. Welche der folgenden Aussagen kommt ihrer persönlichen Definition von Armut am nächsten? Menschen sind arm, wenn….“

Ein Drittel der Befragten in Deutschland war der Meinung, dass Armut sich dadurch darstellt, dass Menschen von staatlicher Unterstützung abhängig sind. Eine Aussage die sich auch in oben erwähnter Definition Simmels widerspiegelt. 30 % sehen als Ausdruck von Armut, dass eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht möglich ist.

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Armut und Ernährung? Wie sich Hartz IV auf die Ernährungsgewohnheiten auswirken kann
Autor
Jahr
2015
Seiten
30
Katalognummer
V323065
ISBN (eBook)
9783668221581
ISBN (Buch)
9783668221598
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gibt, zusammenhang, armut, ernährung, hartz, ernährungsgewohnheiten
Arbeit zitieren
Katharina Erdmann (Autor), 2015, Gibt es einen Zusammenhang zwischen Armut und Ernährung? Wie sich Hartz IV auf die Ernährungsgewohnheiten auswirken kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323065

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