Selbstbestimmtes Lernen und seine Bedeutung für computerunterstützte Lehr- und Lernkonzepte


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation

3. Selbstbestimmung als Ansatzpunkt für computerunterstütztes Lernen im Fernstudium
3.1 Herausforderungen eines Fernstudiums durch multimediales Lernen begegnen
3.2 Das „Ausbildungs Lern Forum“ als Ansatzpunkt für ein multimediales Konzept

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereiche wie Geschichte, Mathematik oder Lyrik sind nicht aus sich heraus langweilig – und dennoch „schaffen wir es, in jenen Jahren, die zwischen dem Enthusiasmus der Kindheit und dem Enthusiasmus des Expertentums liegen, das Interesse so vieler junger Menschen zu verlieren. Eine langweilige akademische Bildung ist Verschwendung der wertvollsten Ressource, die wir besitzen – nämlich menschliches Erleben“ (Csikszentmihalyi/Schiefele 1993, S. 220). Dabei spielen Bildung und das (lebenslange) Lernen mehr denn je eine richtungsweisende Rolle:

Wir haben uns zu einer Wissens- und Informationsgesellschaft entwickelt (vgl. Riegraf/Zimmermann 2005, S. 21). Damit steht Wissen als eine strategische Ressource im Mittelpunkt, indem ihr die Rolle eines der wichtigsten Produktionsfaktoren und ein entsprechender Marktwert zugeschrieben wird (vgl. Reinmann 2009, http://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2009/07/WM_Studientext09.pdf, S. 67). Vor diesem Hintergrund erfährt das Wissensmanagement in Organisationen eine immer größere Bedeutung: Lernende Organisationen arbeiten an einer eigenen Wissens- und Fehlerkultur. Diese Schlüsselrolle von Wissen spiegelt sich in der Neuausrichtung der Erwerbsarbeit in Raum und Zeit wieder, z.B. durch flachere Hierarchien, Netzwerkorganisationen, globale Projekte, digitale Marktplätze, kundenspezifische Problemlösungen statt Massenproduktionen usw. Damit entwickelt sich ein gänzlich neues Verständnis von Selbstständigkeit (vgl. von Wartenberg/Haß 2005, S. 123-126).

In Anbetracht lebenslang lernender Organisationen und Gesellschaften steht das Bildungssystem vor der Herausforderung, Individuen auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, die flexible und spezialisierte MitarbeiterInnen sucht (vgl. ebd., S. 129). Allerdings, „Zugangschancen offen zu halten und die Teilhabe des Einzelnen zu ermöglichen sind unverzichtbare Elemente einer sozialen Vision der Informationsgesellschaft, um die die technische und wirtschaftliche Vision zu ergänzen ist“ (ebd.). Dieser soziale Anspruch an Wissen und Lernen soll der Aufhänger der vorliegenden Hausarbeit sein: Der individuell Lernende wird hinsichtlich der Theorie des selbstbestimmten Lernens in den Fokus genommen, um mit diesem Ansatz aufzuzeigen, wie die genannten Herausforderungen, Motivlagen und Lernumgebungen in Einklang gebracht werden können. Dabei soll speziell auf das Fernstudium eingegangen werden, das mit hohen Abbrecherquoten zu kämpfen hat (vgl. Astleitner 2000, S.17) und per se schon stark an telematische[1] Lehr-Lernformen gebunden ist.

In Anbetracht der Entgrenzung von Realität und Virtualität, des enormen Wertes neuer Technologien und Informationen und dem Anspruch der Selbstständigkeit, Flexibilität und Problemlösefähigkeit des Einzelnen ist es unerlässlich, Lernen in mediale Konzepte einzubinden und auch umgekehrt, mediale Konzepte ins Lernen einzuflechten.

2. Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation

Für diese Hausarbeit fällt die Wahl auf die Selbstbestimmungstheorie, da in dieser „die wichtigsten Ansätze zur intrinsischen Motivation in eine umfassende und elaborierte Theorie der intrinsischen Motivation“ integriert wurden (vgl. Csikszentmihalyi/Schiefele 1993, S. 208). Deci und Ryan (1993) gehen davon aus, „dass hochqualifiziertes Lernen nur durch ein vom individuellen Selbst ausgehendes Engagement erreicht werden kann“ (S. 233) und damit stets an die Entwicklung eines individuellen Selbstkonzepts geknüpft ist. Diese intrinsische Motivation baut auf die grundlegenden psychologischen Bedürfnissen nach Selbstbestimmung, Kompetenz und sozialer Einbindung (vgl. ebd., S. 235).

In der Theorie der Selbstbestimmung tritt das Konzept des „Selbst“ deutlich in den Mittelpunkt. Aber was ist „das Selbst“? Man könnte sagen, es besteht aus einem „System integrierter Werte, Motivationszustände, Einstellungen und Wissensstrukturen. Diese Komponenten können sowohl originär intrinsisch sein als auch durch Introjektion, Integration oder Identifikation aus Impulsen anderer Personen assimiliert werden“ (Gruber/Rehrl/Bagusat 2004, S. 89, Herv. LR). Für Deci und Ryan (1993) stellt sich also im ersten Moment weniger Frage nach der Art der Motivation (extrinsisch, intrinsisch) eines Lernenden, sondern inwieweit er oder sie die eigene Motivation als selbstbestimmt oder fremdkontrolliert wahrnimmt (vgl. S. 236).

Der große Unterschied der Selbstbestimmungstheorie im Vergleich zu anderen motivationalen Theorien ist folglich der, dass dem motivierten Handeln qualitativ e Ausprägungen zugeschrieben werden, wodurch nicht nur zwischen motiviertem und amotiviertem Verhalten unterschieden wird, sondern intentionale Handlungen nach dem Grad der Selbstbestimmung/Kontrolliertheit weiter aufgefächert werden (vgl. ebd. S. 225). Der menschlichen Motivation wird hier also immer eine gewisse Intention unterstellt. Das heißt, dass Personen durch ein bestimmtes Verhalten einen Zweck verfolgen wollen und dabei bereit sind, auch Mittel aufzuwenden, die für das Erreichen dieses Ziels von Nöten sind. Intentionale Handlungen schließen ein, dass (1) solches Verhalten von der jeweiligen Person ausgeht und (2) das das gewünschte Ergebnis sowohl in naher Zukunft liegt als auch als ein längerfristiges Ziel anvisiert werden kann (vgl. ebd., S. 224)[2].

In diesem Zusammenhang werden dann auch die extrinsische und intrinsische Motivation wichtig, da frei gewählte Handlungen den eigenen, individuellen Zielen und Wünschen nachkommen und als selbstbestimmt empfunden werden, wohingegen andere als aufgezwungen erlebt werden. Dennoch sollte man laut Deci und Ryan Acht geben, in extrinsischer und intrinsischer Motivation ein Gegensatzpaar zu sehen und alle stark kontrollierten Aspekte der extrinsischen Motivation zuzuordnen. Auch externe Maßnahmen oder Rückmeldungen können als selbstständigkeitsfördernd wahrgenommen werden, indem sie die Eigeninitiative und damit auch die intrinsische Motivation bestärken. Indem extrinsisch motivierte Handlungen in das „Selbst“integriert oder internalisiert werden (integrierter Regulationsstil), können diese so als selbstbestimmt erlebt werden (vgl. ebd. S. 227-230).

Vor diesem Hintergrund wird zwischen „person-externen“ und „person-internen“ Komponenten selbstgesteuerten Lernens unterschieden (ebd. S. 228): Zu den externen Faktoren zählen: (1) Lernziele, (2) Lernzeit, Lernort, Lerngeschwindigkeit, Lernstrategien und die (3) Evaluation des Lernprozesses (vgl. Weinert 1982 S. 102). Person-interne Aspekte betreffen die Motivation und kognitive sowie metakognitive Strategien. Beide Komponenten können folglich dazu genutzt werden, auf die Motivation zu einzugehen. Intrinsische Verhaltensweisen sind dabei auf das Gefühl von Autonomieerleben, Kompetenzerleben und die soziale Einbindung angewiesen und können durch diese Faktoren positiv beeinflusst werden; sie tragen aber gleichzeitig auch zur Entstehung dieser Gefühle bei (vgl. Gruber et al. 2004, S. 88-89; Deci/Ryan 1993, S. 230).

[...]


[1] Der Begriff „telematisch“ leitet sich aus der Tele kommunikationstechnik und Infor matik ab und nimmt Bezug auf Zimmer (1997), der damit zwei wichtige Elemente der neuen Lehr-Lernkonzepte direkt anspricht (vgl. S. 111). Um den (theoretischen) Rahmen der Hausarbeit jedoch nicht zu sprengen und um sich nicht in Einzelheiten zu verlieren, wird dieser Begriff synonym zum computerunterstützen Lernen, E-Learning oder ähnlichen Begriffen verwendet.

[2] Verhaltensweisen ohne jegliche Intention, erkennbares Ziel oder als Folge unkontrollierter Handlungsimpulse (z.B. Wutanfall) folgen keiner Motivation in dem Sinne und werden daher als „amotivert“ bezeichnet. Amotiviertes Verhalten spielt für diese Hausarbeit keine Rolle.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Selbstbestimmtes Lernen und seine Bedeutung für computerunterstützte Lehr- und Lernkonzepte
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Mediale Konzeptionen beruflichen Lernens
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V323180
ISBN (eBook)
9783668223196
ISBN (Buch)
9783668223202
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
e-learning, selbstbestimmtes Lernen, computergestütztes Lernen, Wissensmanagement, Selbstbestimmungstheorie, Fernstudium, Wissensgesellschaft, lernende Organisation
Arbeit zitieren
Laura Röhrs (Autor), 2014, Selbstbestimmtes Lernen und seine Bedeutung für computerunterstützte Lehr- und Lernkonzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323180

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