Die Verjüngung indigener Shola-Baum- und Straucharten unter exotischen Kiefernplantagen in den Palanibergen, Südindien


Diplomarbeit, 2011

109 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ökozonen und Waldbiome Indiens
1.2 Exoten in den Palanibergen
1.2.1 Zur Akazie (Acacia)
1.2.2 Zur Kiefer (Pinus)
1.2.3 Zum Eukalyptus (Eucalyptus)
1.2.4 weitere Exoten
1.2.5 Forstwirtschaftliche Nutzung der Plantagen heute
1.3 Problemstellung und Zielsetzung
1.4 Das Untersuchungsgebiet
1.4.1 Geographische Lage
1.4.2 Klimatische Verhältnisse
1.4.3 Geologie und Böden
1.4.4 Vegetationszone und p.n.V.

2. Material und Methoden
2.1 Planung der Außenaufnahmen
2.1.1 Auswahlkriterien zur Festlegung der Plantagen
2.1.2 Anzahl, Größe und Verteilung der Aufnahmeflächen
2.1.3.Flächendesign
2.2 Durchführung der Außenaufnahmen
2.2.1 Aufsuchen der Plantagen
2.2.2 Erfassung allgemeiner Parameter auf Plantagenebene
2.2.3 Erfassung von Standortparametern auf Ebene der Aufnahmefläche
2.2.4 Aufnahme des Altbestandes
2.2.5 Aufnahme der Sholaverjüngung
2.2.6 Aufnahme der Bodenvegetation
2.3 Statistische Auswertung der Daten
2.3.1 Aufbau der Untersuchungen
2.3.2 Der Variationskoeffizient
2.3.3 Die Varianzanalyse
2.3.4 Varianz-Mittelwert-Index (Klumpungsindex)
2.3.5 Die (lineare) Regressionsanalyse
2.3.6 Die Rangkorrelationsanalyse nach spearman

3. Ergebnisse
3.1 Die Altbestände
3.1.1 Baumartenzusammensetzung und Aufbau
3.1.2 Stammzahl, Vorrat und Grundfläche
3.1.3 Totholz, Schäden und anthropogener Einfluss
3.1.4 Überschirmungsgrad und Kronenschluss
3.1.5 Verjüngung der Arten des Altbestandes
3.1.6 Humusform
3.2 Die Bodenvegetation
3.2.1 Artenzusammensetzung
3.2.2 Dominante Arten
3.2.3 Konkurrenzsituation und Deckungsgrad
3.3 Die Verjüngung
3.3.1 Artenzusammensetzung
3.3.2 Dichte
3.3.3 Entfernung zur nächsten Shola als potentielle Samenquelle
3.3.4 Verbiss und Herbivoren
3.3.5 sonstige Schäden
3.3.6 Höhen und Wurzelhalsdurchmesser
3.3.7 Sonderstandorte
3.3.8 Höhenlage, Geländeneigung und Exposition
3.3.9Verteilung

4. Diskussion
4.1 Kritische Würdigung des Aufnahmeverfahrens
4.1.1 Die Auswahl der Plantagen
4.1.2 Das Bestandesalter der Plantagen
4.1.3 Die Größe der Aufnahmeflächen
4.1.4 Einschätzung der Konkurrenzsituation
4.1.5 Bewertung der Verbiss- Situation
4.1.6 Shola als potentielle Samenquelle
4.2 unbeachtete Faktoren
4.2.1 Feuer als Einflussfaktor
4.2.2 Die Streuauflage als Einflußfaktor
4.3 Funktion der Plantagen
4.4 Mögliche Maßnahmen

5. Zusammenfassung

6. Erklärung verwendeter Begriffe

7. Quellenverzeichnis
7.1 Literatur
7.2 Internetquellen

8. Tabellen- und Abbildungsverzeichnisse 93
8.1 Tabellenverzeichnis
8.2 Abbildungsverzeichnis

9. Anhangsverzeichnis

Anhang I: mittlerer Kronenschlussgrad je Plantage nach okularer Schätzung

Anhang II: Ds. Deckungsgrad und relative Häufigkeiten der Bodenvegetation

Anhang: III Artenliste zur Bodenvegetation in den Kiefernplantagen

Anhang IV: Artenzusammensetzung der Shola- Verjüngung

Anhang V: Varianzanalysen zur Vitalität der Shola- Verjüngung

Anhang VI. durchschnittlicher Deckungsgrad nach Lebensform je Plantage

Anhang VII: Sprosslängen und Wurzelhalsdurchmesser der häufigsten Shola- Verjüngungsarten

1. Einleitung

1.1 Ökozonen und Waldbiome Indiens

Durch das Zusammenspiel abiotischer und biotischer Umweltfaktoren und den daraus resultierenden evolutionären Entwicklungen entstand im Laufe der Zeit die heutige Pflanzenwelt; es kam zum derzeitigen Verbreitungsbild der einzelnen Arten auf der Erde. Eine Gliederung der globalen Pflanzenwelt ist nun nach zwei Gesichtspunkten möglich, dabei wird entweder die Vegetation [1] oder die Flora [2] in den Mittelpunkt gestellt.

Übertragen auf Indien und ausgehend von der Flora wird der Subkontinent dem (westlichen, indoafrikanischen) paläotropischen Florenreich ( auch : Paläotropis) zugerechnet, welches die Tropen und Subtropen der Alten Welt umfasst, also den Großteil Afrikas, Vorderasiens, Indiens, Südostasiens und der pazifischen Inseln. Es ist das artenreichste und zweitgrößte der insgesamt 6 Florenreiche (vgl. fukarek et al., 1995). Nach olson, dinerstein et al. (2001) wird das Festland sogar in 7 geographische Florenreiche und 14 Biome unterteilt. Diese wesentlich detailliertere Unterteilung soll eine genauere Erfassung der Biodiversität ermöglichen sowie eine repräsentativere Darstellung der Artengemeinschaften bieten. Nach dieser neueren Einteilung werden folgende Florenreiche unterschieden: Oceania, Nearctic, Neotropic, Afrotropic, Palearctic, Indo- Malay und Australasia.

Ausgehend von der Vegetation lässt sich die Pflanzenwelt in Vegetationszonen bzw. (noch differenzierter) nach Ökozonen[3] unterteilen, die weitgehend den Klimazonen entsprechen, da sich die natürliche Vegetation den jeweilig herrschenden Klimabedingungen anpasst. Die entscheidenden Einflussfaktoren sind dabei Temperatur sowie Niederschlag und vor allem deren regionale Schwankungen.

Der Nordwesten Indiens wird nach schulz der Ökozone „ tropische/ subtropische Trockengebiete “ zugerechnet, der (süd-) östliche Teil Indiens der Ökozone „ sommerfeuchte Tropen “:

- Die tropischen/ subtropischen Trockengebiete sind mit 31 Mio. km² und damit 20,8 % der Festlandfläche die größte Ökozone. Hier dominieren im Allgemeinen Wüsten und Halbwüsten, gefolgt von Dorn- und Trockensavanne.
- Die sommerfeuchten Tropen erstrecken sich von den Regenwäldern des Äquators über Feuchtsavannen bis zu den Trockensavannen der tropisch/ subtropischen Trockengebiete. Ihre Fläche beläuft sich auf 25 Mio. km², was einem Festlandanteil von 16 % entspricht (vgl. schulz, 2010).

Tabelle 1: Ökozonen nach schulz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Unterschied zur Abgrenzung von Vegetationszonen fußt die von Ökozonen auf einem breiteren Merkmalsspektrum, zu dem auch Tierwelt, Klima, Landformen, Gewässer, Böden und Landnutzung gehören. (...).Ihre Verbreitung auf der Erde ist breitenabhängig und gewöhnlich disjunkt (fragmentiert) auf die Kontinente verteilt.“ (schulz, 2010)

Diese zonale Einteilung ist insgesamt jedoch als Modell zu betrachten, da zum Beispiel die verschiedenen Höhenstufen, welche Flora und Fauna vor Ort stark determinieren, unberücksichtigt bleiben und auch keine Zone darstellen.

Bedingt durch die weite räumliche Ausdehnung (3.287.590 km²) und die enormen Höhenunterschiede innerhalb dieses Staates mit dem Himalaya als natürliche Grenze im Norden, bietet Indien vielfältige Standorte, die zur Ausbildung der verschiedensten Waldbiome und Waldtypen geführt haben. Champion (1936) und Seth (1968) klassifizierten für Indien 16 verschiedene Haupt- Waldtypen (siehe Tab.2), darunter die kühlen Kiefern- und Zedernwälder in den Hochlagen des Himalayas, immergrüne und halbimmergrüne Feucht- und Regenwälder (auch in montan temperierter Form), laubabwerfende Feucht- und Trockenwälder, immergrüne Trockenwälder, Moor- , Küsten- und Dornenwälder sowie Zwischen- und Sonderformen, und an der Ostküste sogar Mangrovenwälder (vgl. Agarvala, 1990). Allein für die Westghats beispielsweise, die ursprünglich weithin von Regenwald bewachsen waren und die für diese Arbeit von Bedeutung sind, lassen sich heute je nach (Höhen-) Lage 4 Ökoregionen unterscheiden: (1) die Ökoregion laubabwerfender Regenwälder der nördlichen Westghats, (2) die Ökoregion Berg-Regenwälder der nördlichen Westghats, (3) die Ökoregion laubabwerfender Regenwälder der südlichen Westghats und (4) die Ökoregion laubabwerfender Ebenen-Trockenwälder des südlichen Dekhan (vgl. World Wildlife Fund, 2001).

Tabelle 2: Champion & Seth: Klassifizierung der Waldtypen Indiens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(”The most abundant types are Tropical Moist and Dry Deciduous forests, occupying over 70% of the country’s forest area, followed by the Tropical Thorn forest (6,9%), Tropical Wet Evergreen forest (6%) and Sub- tropical Pine forest (5%).” Khosla & Sehgal (1988))

Der Mensch hat jedoch großräumig starken Einfluss auf die ursprüngliche Vegetation genommen, so dass in weiten Teilen Indiens heute Kulturlandschaften und degradierte Dornbuschsavannen dominieren. Die natürliche Vegetation, die für die jeweilige Ökozone hauptsächlich zu erwarten wäre ist heute nur noch innerhalb weniger, meist schwer zugänglicher Gebiete erhalten. (Näheres zur Vegetation in Kap. 1.4.4 unter „Vegetationszone und p.n.V.“)

1.2 Exoten in den Palanibergen

Mit der Gründung britischer Siedlungen im frühen 19. Jhd. begann die Übernutzung der Sholas, wie die ursprünglichen, montanen Wälder der Palaniberge lokal genannt werden, durch die ständig wachsende Bevölkerung. 1841 wurden erstmals Maßnahmen zum Schutz der Sholas ergriffen und Versuche unternommen, den Holzeinschlag staatlich zu regeln. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch schon viele Sholas verschwunden, während zur selben Zeit der Anbau sogenannter „Exoten“ in Monokulturen auf seinem Höhepunkt war (vgl. T. N. Forest Department, 2007).

Nun wird die Bedeutung des Begriffs „exotisch“ meist mit „fremdländisch“, „ausgefallen“, „unbekannt“ oder „unüblich“ angegeben, oft verbunden mit einem gewissen positiven Reiz. Für Biologen hingegen ist dieses Wort häufig negativ belegt und bezeichnet eine ursprünglich aus einem fernen Land stammende Tier- oder Pflanzenart, die Fauna oder Flora eines Landes verfälscht, mit ihr konkurriert oder heimische Arten aggressiv verdrängt. Indes sind die meisten Pflanzen in ihrer Verbreitungsgeschichte zunächst exotisch: ab welchem Zeitpunkt eine Art als „heimisch“ bezeichnet werden kann und ihren Exotenstatus verliert, ist nicht genau festgelegt. Das Bundesamt für Naturschutz beispielsweise bezeichnet in entsprechenden Veröffentlichungen diejenigen Arten als (in Deutschland) heimisch bzw. indigen, „(...) die in unserem Gebiet seit dem Ende der letzten Eiszeit vorhanden sind, es aus eigener Kraft besiedelt haben oder hier entstanden sind “ (Bundesamt für Naturschutz, 2011). Gelingt es einer fremdländischen Art jedoch, sich nicht nur auf stark degradierten Standorten wie beispielsweise an Straßenrändern oder in anthropogen stark modifizierten Landschaften zu etablieren, sondern über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren hinweg auf weiten Flächen selbstständig, d.h. ohne menschliches Einwirken, reproduzierende Populationen aufzubauen, auch in großer Distanz von der Mutterpflanze, so wird diese Art nach Richardson & Rejmanek, (2011) als invasiv bezeichnet. In der von ihnen entworfenen “Summary of invasive trees and shrubs in 15 geographical regions of the world and representation of selected taxonomic groups “ sind entsprechend für den asiatischen Raum 36 invasive Baum- und 30 invasive Straucharten aufgelistet, darunter Acacia-, Pinus- und Eucalyptus- Arten . Daneben gibt es weltweit ähnliche Artenlisten, z.B. der IUCN (Näheres dazu im folgenden Kapitel), und in der Fachliteratur auch weitere, unterschiedliche Definitionen zum Begriff der biologischen Invasion. So ist beispielsweise nach Randall (2007) unter anderem die potentielle Ausbildung von Monokulturen eines der Kriterien, die eine Art als invasiv klassifiziert (vgl. Richardson & Rejmanek, 2011).

Nach der iucn ist zu unterscheiden zwischen „ alien species“ und „ invasive alien species.“: Erstere sind Arten, die durch anthropogenen Einfluss in ein fremdes Gebiet eingeschleppt wurden, während das Attribut „invasiv“ Arten bezeichnet, die in ihrem neuen Lebensraum bereits heimische Arten verdrängen (vgl. iucn; daisie[4], 2009).

Auch der Begriff Plantage bzw. Pflanzung bedarf einer Erklärung: Laut Definition der FAO (2001) bezeichnet der Überbegriff „Wald“ („forest“) sowohl natürlich entstandene als auch angepflanzte Wälder; entscheidend dabei ist nicht die Entstehung, sondern vielmehr eine Mindestausdehnung von über 0,5 ha sowie eine geschlossene Kronendecke bzw. Überschirmung durch Bäume auf mindestens 10% der so deklarierten Fläche (vgl. Global Forest Resource Assessment 2000; FAO, 2011). Demnach ist eine Industrieholz- oder Obstbaumplantage jedem Urwald in einem Naturschutzpark zumindest begrifflich gleichgestellt. Die ökologischen Funktionen und Leistungen sind bei beiden Waldformen annähernd gleich. Allerdings sind Forstplantagen durch strukturelle Armut, Einschichtigkeit sowie der Gleichaltrigkeit der Bäume gekennzeichnet (vgl. j. bauhus & j. schmerbeck, 2010).

Es gibt eine weitere Unterscheidung in sog. Naturwald („ natural forest“), der sich aus indigenen Baumarten zusammensetzt, und Forstplantagen („forest plantation“), die meistens aus eingeführten Wirtschaftsarten bestehen (vgl. cifor, 2001).

Die FAO (1993) gab an, dass forstliche Plantagen in den Tropen und den wärmeren Teilen der Subtropen insgesamt zwischen 40 und 50 Millionen ha Land einnehmen. Neuere Daten der FAO besagen, dass im Jahre 2005 allein Indien über 3000 Hektar Plantagenfläche besaß (bei einer Zuwachsrate von ca 84,2 ha/ Jahr).

Der Anbau von Plantagen erfolgt dabei prinzipiell aus 3 Gründen: (1) ländliche Entwicklung, (2) industrielle Nutzung und (3) Belange des Umweltschutzes.

Sowohl bei ländlichen Entwicklungsmaßnahmen als auch bei der industriellen Nutzung sind exotische Arten vorherrschend, darunter v.a. Eucalyptus sp. und Pinus sp. In der sogenannten „sozialen Forstwirtschaft“ erfüllen Acacia sp eine wichtige Funktion (vgl. evans, 1999).

Nach Evans (1992) wurden 1880 diese Baumarten für tropische Plantagen weltweit in folgenden Anteilen forstwirtschaftlich genutzt:

Tabelle 3: Baumarten nach Evans

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der globalen Bedeutung entsprechend dominieren diese 3 Gattungen auch die forstwirtschaftlichen Plantagen in den Westghats (vgl. matthew, 1999).

1.2.1 Zur Akazie (Acacia)

In den „Upper Palnis“ und damit innerhalb des Untersuchungsgebietes begann die großflächige Einführung von (teils invasiven) Exoten in den 1860ern mit dem Anbau von Akazien – 1988 waren es bereits 11,000 ha – vor allem der Arten Acacia decurrens („Green Wattle“) , Acacia dealbata („Silver Wattle“) und Acacia mearnsii („Black Wattle“) (vgl. T. N. Forest Department, 2007). Außerhalb ihres Ursprungsgebietes gilt die letztgenannte Art weltweit oft als massive Bedrohung für die angestammten Ökosysteme und als Ursache für die Reduktion der einheimischen Biodiversität. Acacia mearnsii wird, neben dem ebenfalls in den Palnis heimischen Rubus ellipticus daher auch in der „Global Invasive Species Database“ der iucn zu den hundert schädlichsten invasiven Neobioten weltweit gezählt[5] (vgl. iucn, 2011).

Die anfänglich von den Briten aus Australien eingeführten Akazien sollten rasch Feuer- und Bauholz liefern, um den steigenden Bedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken: später stellte sich jedoch die schlechte Eignung dieser Art als Bauholz heraus (vgl. T. N. Forest Department, 2007). Des Weiteren sollten sie ehemalig von Shola bewachsene Flächen sowie im Zuge forstpolitischer Vorgaben („five year plan“, siehe auch Kap. 1.3) sog. „wasteland“ möglichst schnell (wieder) begrünen. Die Gattung Acacia „... was considered “useful for covering wastelands...” (T. Jeyadev, p.2)...“ (T. N. Forest Department, 2007).

Mittlerweile verbreiten sich Akazien selbstständig und unkontrolliert, hybridisieren und sind, wie auch in anderen Regionen der Erde, zu einer massiven Bedrohung der indigenen Fauna geworden. Letztlich, Acaciawas declared a pest “(T. N. Forest Department, 2007)

1.2.2 Zur Kiefer (Pinus)

Neben einigen anderen Koniferen wurden zwischen 1905 und 1915 zur Brenn- und Bauholzproduktion auf über 370 ha teils privat, teils durch das Forstamt vor allem Kiefernarten gepflanzt, meist Pinus radiata mit ca. 80% Anteil der Plantagenflächen. Durch mehrere große Brände in den Jahren 1920 und 1940 sowie durch einen Zyklon im Jahre 1930 wurden jedoch laut Aufzeichnungen des örtlichen Forstamtes Großteile dieser Kiefernplantagen zerstört (vgl. T.N. Forest Department, 2007).

Heute ist die weitaus häufigste Art im nahen Umkreis von Kodaikanal nach eigenen Beobachtungen Pinus patula.

Unter der p.n.V. der Palaniberge fanden sich ursprünglich keine Nadelbäume: Champion & Seth (1968) charakterisierten die montanen Wälder Tamil Nadus sogar ausdrücklich als: „ montane wet temperate forests: = evergreen forests without conifers “ (vgl. V.P.Agarwala, 1990).

Gegenwärtig prägen v.a. Kiefern, aber auch andere nicht- heimische Koniferen in weiten Bereichen das Landschaftsbild entscheidend mit.

1.2.3 Zum Eukalyptus (Eucalyptus)

Auch Eukalyptusarten wie Eucalyptus globulus wurden importiert, zunächst um Sümpfe trockenzulegen, später zur Gewinnung von Eukalyptusöl und anderen Produkten.

Zwischen 1860 und 1880 trieben v.a. Beddome und Gamble, beide zu dieser Zeit höhere Forstbeamte und “Conservators of Forest”, den Anbau von Eukalyptus voran. Beddom vertrat als überzeugter Verfechter der Eukalyptusplantagen die Meinung, „(...) that native shola trees would take “at least a century to grow” (Sutton, p. 3)“(vgl. T. N. forest department, 2007).

Ebenso wie Kiefer und Akazie breitet sich auch Eukalyptus mittlerweile außerhalb der ursprünglichen Pflanzungen selbstständig aus und droht, die indigene Flora weiter zu verfälschen. Insgesamt beschreibt eine lokale Naturschutzorganisation (vattakanal conservation trust[6] ), die sich seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich um die Renaturierung der Palaniberge bemüht, die heutige Situation aus ihrer Sicht wie folgt :„... the increased rate on invasion of Pine, Eucalyptus and Wattle. The situation has turned critical and without a speedy energetic response all (gemeint: Grasland- Shola- Mosaik) will be lost… “ (balcar & stuart, 2011).

1.2.4 weitere Exoten

Neben diesen Baumarten wurden auch zahlreiche exotische Kraut- und Straucharten eingeführt, unter denen Lantana camara, Ageratina adenophora und Erigeron karvinskianus als die lokal aggressivsten gelten. Oft handelt es sich um bewusst importierte Zier- und Gartenpflanzen, die ihren Weg aus den kultivierten Gärten fanden und auch außerhalb dieser Bereiche optimale Lebensbedingungen vorfanden (vgl. Matthew, 1999)

Die Sholas selbst sind relativ immun gegen das Eindringen solcher Exoten, die bisher, bedingt durch ihren in der Regel hohen Lichtanspruch, nur auf Störflächen nach künstlich oder natürlich entstandener Auflichtung auftreten (vgl. T.N. Forest Department, 2007). In den Plantagen hingegen sind diese Kräuter und Sträucher, wie die vorliegende Arbeit belegt, zahlreich zu finden.

1.2.5 Forstwirtschaftliche Nutzung der Plantagen heute

Tamil Nadu ist gegenwärtig nach Einschätzung des „Forest Survey of India“ (State of Forest Report 2009) mit insgesamt 28,306 km² Waldfläche zu ca. 22% bewaldet. Die „National Forest Policy” von 1988 sieht jedoch eine Bewaldung des Staates zu 33,33% vor. Daher bestehen nach wie vor Bestrebungen, die gesamte Waldfläche durch massive Aufforstungen auszuweiten. Im Zuge des seit 1997 bestehenden „Tamil Nadu Afforestation Project“ sollen außerdem laut Gesetz degradierte Wälder renaturiert werden sowie ältere Plantagen auf einer Fläche von über 95,000 ha erhalten und damit nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden (vgl. pachamal, (Minister of Forests), 2010).

Es besteht außerdem ein gesetzliches Verbot, auch außerhalb der Plantagen wachsende Kiefern, Akazien oder Eukalypten zu ernten (vgl. lockwood, 2003).

1.3 Problemstellung und Zielsetzung

Während die ersten beiden forstpolitischen „Five Year Plans“ (1951 – 56 bzw. 1957- 61) der indischen Regierung zunächst die Sanierung und Erhaltung der ausgebeuteten Wälder fokussierten, war das Hauptziel des Dritten (1961 – 1966), bestehende Wälder und sogenanntes „wasteland“ großflächig durch schnellwachsende und wirtschaftlich rentable fremdländische Baumarten zu ersetzen, deren Vorteile lange unumstritten blieben (vgl. Sagareiya, 1979). So ist auch bei. Khosla und Sehgal (1988) nur vom Erfolg durch den Anbau von Exoten die Rede (“...in the dome area in Orissa, Tamil Nadu and Andhra Pradesh, mostly exotic pines have been successfully raised in locations devoid of vegetation...”), noch nicht aber von deren negativen, ökologischen Auswirkungen wie beispielsweise dem Absinken des Grundwasserspiegels durch den hohen Wasserbedarf der fremdländischen Baumarten (v.a. bei Eukalyptus, vgl. Braig, 2010), der teils schlechteren Wasserspeicherkapazität der Plantagen und der meist mit der Pflanzung von Monokulturen einhergehenden Verringerung der Biodiversität. Eukalyptusplantagen beispielsweise entziehen daher ihrem Umland große Mengen Wasser (diese Baumart benötigt bis zu 30 Liter Wasser täglich), wodurch oftmals örtlich der Grundwasserspiegel absinkt und Flüsse oder Wasserquellen versiegen (vgl. Braig, 2010).

Heute steht der Erhalt der heimischen ursprünglichen Wälder auch auf staatlicher Seite wieder im Vordergrund und die Ansichten zu den Exoten- Aufforstungen in den Palanibergen unter Fachleuten sind differenzierter. So nannte beispielsweise der Botaniker matthew (1991) die Plantagen als einen der Hauptgründe für den Rückgang der indigenen Artenvielfalt. Mehrere NGO`s („Non- Governmental Organizations“) versuchen im Rahmen unterschiedlicher Projekte aktuell, sowohl dem Verschwinden der Sholas und als auch einer weiteren Ausbreitung der Exoten entgegen zu treten, und auch die Forstbehörde von Tamil Nadu lässt nun nach eigener Beobachtung heimische Bäume pflanzen und betreibt zur Erhaltung und Vermehrung der ursprünglichen Shola- Arten einige Baumschulen. Der Erfolg dieser Maßnahmen bleibt jedoch abzuwarten.

Vereinzelte Räumungen von Plantagen brachten nicht Shola zurück, sondern führten zu vermehrtem Wachstum von Rubus und anderen lichtbedürftigen, zum Teil wiederum exotischen, unerwünschten Arten (vgl. Balcar und Stuart, 2010).

Die Mitarbeiter von VCT beobachten jedoch seit mehreren Jahren auch, dass “… in the previously encroached margins subsequently planted with Pine (Pinus patula) Shola seedlings are beginning to establish themselves along with those planted under the current Pambar Shola Restoration and Regeneration Research Project (PSRRRP) …” (vgl. Balcar und Stuart, 2003). Das bedeutet, dass die heute weitgehend ungenutzten Plantagen als Schutzschirm für Shola – Arten fungieren können und sich die potentielle, .natürliche Vegetation[7] (im Folgenden kurz „p.n.V.“) der Palaniberge ihren Lebensraum auch ohne menschliche Intervention und unter den zum Teil schwierigen Bedingungen, die in einer Plantage für andere Arten herrschen, teilweise und sukzessive zurückerobern kann. Doch diese Theorie ist laut VTC von offizieller Seite noch nicht akzeptiert; die Forstbehörden sind nach wie vor von der Notwendigkeit der aufwendigen, teuren und bisher wenig erfolgreichen Pflanzungen überzeugt.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist nun, die bisherigen Beobachtungen von VCT wissenschaftlich zu untermauern und erstmalig eine umfassende Bestandsaufnahme der sich unter Kiefernplantagen verjüngenden Sholaspezies zu liefern sowie eine Beschreibung von Artmächtigkeit (Abundanz[8] und Dominanz[9] ) und Zustand der Verjüngung. Durch vergleichende Analyse verschiedener Standortparameter sollten außerdem die wichtigsten beeinflussenden Standortfaktoren beschrieben werden.

Folgende Fragen sollten nach Möglichkeit beantwortet werden:

- Wie stellt sich die Verjüngungssituation hinsichtlich Zustand und Artenzusammensetzung in den Kiefernplantagen momentan dar?
- Wie stellt sich die Konkurrenzsituation für die Verjüngung momentan dar und welchen Einfluss hat die begleitende Bodenvegetation auf die Verjüngung?
- Welche anderen Standortfaktoren haben nachweislich einen Einfluss auf Artenzusammensetzung und Dichte der Verjüngung?
- Welche Rolle spielen wildlebende Herbivoren wie der indische Bison (Bos Gaurus) für die Verjüngung?
- Ist in der Zukunft eine erfolgreiche Besiedelung der Plantagenflächen durch Sholaspezies zu erwarten?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung I: typische Kiefernplantage (8) mit Sholaverjüngung und Ageratina adenophora

Tiefergehende Kenntnisse hierzu könnten dazu dienen, in der Zukunft Konzepte zu entwickeln, um die positive Wirkung der Plantagen aktiv durch entsprechende Maßnahmen zu fördern und für die ökologische Wiederherstellung der Palaniberge zu nutzen und dabei unnötige sowie kostspielige Pflanzungen zu vermeiden.

1.4 Das Untersuchungsgebiet

1.4.1 Geographische Lage

Die Palaniberge (auch „ Palani Hills“ oder „ Palni Hills“) liegen im Westen des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu im Distrikt Dindigul. Sie sind ein östlicher Ausläufer der Westghats. Ihre gesamte Ausdehnung beträgt 2,068 km² mit einer maximalen Ost- West- Ausbreitung von 65 km und einer maximalen Nord – Süd- Ausbreitung von 40 km. Das Gebirge wird nach Höhenlage in zwei Großgebiete unterteilt: zum einen in die höher gelegenen “Upper Palnis”, ein hügeliges Plateau mit nur wenigen Schluchten und einer durchschnittlichen Höhe von 2,200 m ü. NN, zum anderen in die tiefer gelegen “Lower Palnis” mit einer durchschnittlichen Höhe von 1800m ü. NN und einer raueren, stark zerklüfteten Landschaft voller Steilhänge sowie zahlreicher bewaldeter Täler (vgl.matthew,1999).

Die Funktion der Palnis als kritische Wasserscheide bzw. Niederschlagsgebiet und Ursprung mehrerer Ströme ist für die gesamte Bevölkerung von Tamil Nadu, vor allem für die Bewohner der Ebene, von großer ökologischer und ökonomischer Bedeutung.

Seit langem besteht das Bestreben, Teile der Palnis, die bisher nur als „reserve area[10] “ gelten, als Nationalpark auszuweisen, um die aufgrund der meist schlechten Zugänglichkeit erhaltenen enormen Artenvielfalt intensiver zu schützen.

Ian Lockwood (2003) publizierte zu diesem Thema einen Beitrag („On the danger list“), in der indischen Zeitschrift „Frontline“:

In the early 1990s, the Tamil Nadu Forest Department submitted a proposal to the State government to protect much of the Palni Hills by declaring the area a wildlife sanctuary or a national park. The proposal was the result of a remarkable collaborative effort by the State Forest Department, the Palni Hills Conservation Council (PHCC) and several concerned individuals. Ten years later, the area still awaits the notification in this regard. In the meantime, mounting pressure on the habitat from encroachment and increased tourist inflow has taken its toll on the hills.”

Bis heute (2011) blieben Bemühungen diesbezüglich jedoch ohne endgültigen Erfolg.

1.4.2 Klimatische Verhältnisse

Das Klima Indiens wird allgemein als Monsunklima bezeichnet und ist fast überall durch einen starken jahreszeitlichen Wechsel von Windrichtungen, Temperaturen und der damit verbundenen Niederschläge bestimmt.

Das im Jahresverlauf im Gegensatz zum Tiefland weniger Schwankungen aufweisende, mildere Hochlagenklima der “Upper Palnis” und die Trockenzeit von Januar bis Mai ist Hauptursache für die große Beliebtheit der Region und ihrer Bergortschaften Ooty und Kodaikanal bei vor allem indischen Touristen. Im Sommerhalbjahr (April bis September) herrschen durchschnittlich Temperaturen zwischen 11,3°C und 20,9°C, im Winterhalbjahr (Oktober bis Februar) zwischen 8,2˚C und 10,8˚C (vgl. wmo, 2011).

In den Wintermonaten ist v.a. in offenen Hanglagen Bodenfrost zwar möglich, aber selten (vgl. Matthew, 1999 ). Das letzte Frostereignis in den Upper Palnis war laut VTC im November 2007 (vgl. Balcar & Stuart, 2010).

Tabelle 4: Klimadaten zu Kodaikanal nach WMO (World Metereological Organisation)

(Zeitraum der Messungen: 1961 -1990)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der zu erwartende monatliche Niederschlag liegt bei durchschnittlich 165 mm, wobei der Großteil des Jahresniederschlags, wie in Tabelle 4 ersichtlich wird, in den Monaten Oktober bis Dezember während des Nord- Ost- Monsuns fällt, etwas weniger während des Süd- West- Monsuns zwischen Juni und September.

In der Zeit von Mai bis August können Zyklone mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/ h auftreten (vgl. matthew, 1999)

Abbildung 2: Durchschnittlicher Monatsniederschlag in Kodaikanal

( Daten von 2 Messstationen für unterschiedliche Zeiträume)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.4.3 Geologie und Böden

Geologisch betrachtet sind die Palaniberge als östlicher Ausläufer der Westghats identisch mit dem Zentralgebirge des benachbarten Sri Lankas und sind damit eines der ältesten Gebirge Indiens. Aus Glimmer, Feldspat und Quarz zusammengesetzte archäische Gneise bilden neben bläulichen Graniten, die örtlich “Charnockites“ genannt werden, sowie metamorphe Schiefer die flächig bedeutsamen Ausgangsgesteine (vgl. T.N. Forest Department, 2007). Radhakrishna (1993) führt nach neueren Untersuchungen die Entstehung der Westghats allerdings zurück auf die jüngeren Zeitalter Quartär und Neogen.

Durch die Verwitterung dieser Gesteine sind Böden entstanden, die bisher noch nicht überall im Detail untersucht sind, die aber nach Chatterji (1957) den in Südindien weit verbreiteten “Red Soils“ zugeordnet werden. Dies sind basenarme, sandige Lehme mit häufig auftretender Lessivierung und schwacher Austauschkapazität, meist mit einem schwarzen Oberboden und einer darunter liegenden, wie in Abb.3 deutlich sichtbar ist, scharf abgetrennten, durch Eisen- und Aluminiumoxiden rot gefärbten Schicht mit bis zu 1m Mächtigkeit (vgl. T.N. Forest Department, 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bodentyp “Red Lateratic Soil” entlang Kodairoad (ca. 2100m ü. NN)

1.4.4 Vegetationszone und p.n.V.

Da es eine große Vielfalt an sehr unterschiedlichen Waldtypen gibt, ist die Klassifizierung oft schwierig.[11] Meist erfolgt sie nach den Kriterien der geographischen Breite des Vorkommens, der Humidität bzw. Aridität und der Pflanzenvergesellschaftung (siehe dazu auch Kap. 1.1). Wie in Tab.5 dargestellt, liegen in den Westghats je nach Höhenlage sehr unterschiedliche Waldtypen vor.

Tabelle 5: Höhenstufen und natürliche Waldgesellschaften, Bezeichnungen nach Champion und SETH (1968)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den montanen Hochlagen über 1700 m ü. NN, in denen auch das Untersuchungsgebiet liegt, findet sich ein einzigartiges Mosaik aus sog. “Grassland “, und “Shola “. Zu dessen Ursprung herrscht unter Experten bisher Uneinigkeit: während manche den Entstehungsgrund dieser Erscheinungsform als rein anthropogenen ansehen, verfechten andere die Meinung, gestützt durch Studien zu Pollen- und Karbon- Isotopen, diese Landschaft bestehe schon seit mindestens 40.000 Jahren in dieser Form, also lange vor dem Erscheinen von Menschen in diesem Gebiet, (vgl. T. N. forest department; 2007). In den hoch gelegenen Mooren der Westghats wurden durch entsprechende Aufnahmen beispielsweise Reste von Poaceae (Süßgräsern) und Cyperaceae (Sauergräsern) gefunden, die sich auf diese Zeit zurück führen ließen (vgl. Rajagopalan, Sukumar et. al.).

Nach Sandilya, Seshan, und Hiremath, (2005) entstand dieses Shola- Grasland- Mosaik aufgrund des Zusammenspiels von Frost, periodischer Trockenheit, Viehweide, sowie meist anthropogen verursachten Bränden und stellt die heutige Klimaxgesellschaft der Westghats dar.

Das an Steilhängen oder sonstigen für Baumwachstum ungünstigen Standorten heute noch in Resten auftretende “Grassland “ bezeichnet unbewaldete, von Gräsern dominierte Kleinflächen. Typische Gattungen sind Eragrostris, Arundinella, Bothriochlora, Digitaria, Themeda, Tripogon, Chrysopogon, Cymbopogon, Apudla und Eulalia (vgl. Matthew, 1999).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Palaniberge

Der Begriff Shola entstammt dem tamilischen Wort „sholai“, das ursprünglich jeden immergrünen Wald bezeichnete (vgl. Balcar & Stuart, 2003).

Heute bezeichnet “Shola“ den indigenen, immergrünen, tropischen Bergwald (“ tropical montane evergreen forest“) der südlichen Westghats (Nilgiris, Annamalais, Palaniberge) ab 1800m ü. NN, der auf unter einem ha bis zu mehreren hundert ha großen, isolierten Flächen und meist entlang von kleinen Bächen auftritt. Diese Fragmentierung hat zum Teil zur Ausbildung von isolierten Inselpopulationen geführt. Die typischen Shola- bildenden Baumarten sind, angepasst an die immer wieder auftretenden starken Zyklone und hohen Windgeschwindigkeiten, nur bis zu 15 m hoch, stark verzweigt und besitzen meist immergrüne kleine, ledrige, widerstandsfähige Blätter. Die dominantesten Gattungen sind Syzigium, Ilex, Turpinia, Meliosma, Elaeocarpus, Eurya, Gordonia, Litsea, Michelia, Phoebe, Rhododendron und Daphniphyllum. Neben den circa 58 zum Teil endemischen Baum- und Straucharten bieten die Sholas günstige Lebensbedingungen für zahlreiche Epiphyten sowie Kriech- und Schlingpflanzen wie Clematis, Persicaria, Rosa, Rubus und Ficus sowie für einige Farne und Moose (vgl. Matthew, 1999).

Die kühl- feuchten Wälder der Westghats gelten als das artenreichste Gebiet Indiens und sind einer der bedeutendsten Biodiversitäts[12] – „Hot Spots“ der Erde (vgl. Balcar & Stuart, 2003).

Die bekanntesten Sholas rund um Kodaikanal sind “Kodaikanal- (mit „Bombay-“) Shola”, „Gundar- Shola”, „Doctor’s Delight- Shola”, „Kukkal- Shola”, „Tambirikkanal- Shola”, „Tiger- Shola”, „Perumal- Shola”, „Vanjankkanal- Shola” und „Kukkal- Shola” (Lower Palnis) (vgl. Matthew, 1999). Seit den 1830ern erschienen die ersten exotischen Pflanzen in den Palanibergen, eingeschleppt durch die ersten Siedler aus England und anderen Überseeländern (vgl. Matthew, 1969).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Shola- Grasland- Mosaik (Quelle: VTC)

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Abbildung 6: Shola , Kodairoad

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Abbildung 7: Kiefernplantage mit Pflanzung von Daphniphyllum neilgherrense

2. Material und Methoden

2.1 Planung der Außenaufnahmen

Das zugrunde liegende Konzept dieser Untersuchung bestand darin, den aktuellen Zustand von Shola- Verjüngung, Bodenvegetation und Altbestand in verschiedenen Kiefernplantagen ausreichend genau zu erfassen, um daraus Schlüsse für die weitere, kurzfristige Entwicklung der Plantagen ziehen zu können und zukünftige Vorgehensweisen hinsichtlich des Naturschutzes ableiten zu können (Aussagen über Entwicklungstrends in Waldökosystemen sind jedoch in ausreichend genauer Form erst nach langfristiger Beobachtung möglich, z.B. anhand von „permanent plots“ nach Dierschke). Dazu sollte durch analytische Vergleiche zwischen den verschiedenen Plantagen untersucht werden, inwieweit sich die Shola- Verjüngung in diesen unterscheidet und warum. Diese Überlegungen beeinflussten entscheidend die Auswahl der Plantagen im Vorfeld.

2.1.1 Auswahlkriterien zur Festlegung der Plantagen

Im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit wurden die Untersuchungen auf Kiefernplantagen konzentriert. Die Arbeit könnte in ähnlicher Weise für Akazien- und Eukalyptus- Plantagen fortgeführt werden.

Es wurden jeweils Kiefernplantagen ausgewählt, die von Kodaikanal aus in angemessener Zeit erreichbar waren sowie auf etwa selber Höhe und nicht unter 1700m ü. NN lagen, um innerhalb einer Vegetationszone vergleichbare Untersuchungsflächen zu erhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 Kiefernplantage als „tourist spot“, Kodaikanalroad

Auf die Untersuchung sehr stark anthropogen frequentierter Plantagen ohne nennenswerte Bodenvegetation oder Verjüngung wurde verzichtet, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Zwar fanden sich in allen Plantagen mehr oder weniger deutliche Spuren anthropogenen Einflusses, doch einige der Plantagen galten als „tourist spots“, wurden von Reiseveranstaltern seit Jahren als solche vermarktet und als beliebte Ausflugs- und Picknickplätze indischer Familien täglich von Reisebussen angefahren. Eine Begehung dieser Plantagen (Plantage 1 und 9) im Vorfeld ergab, dass sie großflächig weder Bodenvegetation noch Verjüngung in irgendeiner Form aufwiesen. Somit hätten Aufnahmen wenig Sinn gegeben, da das Ausbleiben der Verjüngung nicht auf Standortfaktoren im eigentlichen Sinne zurückzuführen war.

Die Flächen 4.1 und 4.2 waren keine eigenen Bestände, sondern Teile einer ca. 11,5 ha großen Plantage und an genau deren entgegengesetzten Enden gelegen mit sehr unterschiedlichem Verjüngungsaufkommen.

Insgesamt wurden 9 Kiefernplantagen im Nahbereich von Kodaikanal analysiert. Dabei sollten optimaler Weise jeweils 3 Plantagen ein geschätzt hohes, mittleres oder niedriges Shola- Verjüngungsvorkommen aufweisen, um für spätere Untersuchungen Vergleichsmöglichkeiten zu bieten.

2.1.2 Anzahl, Größe und Verteilung der Aufnahmeflächen

Der Anspruch, jeweils mindestens 5% der Gesamtfläche der einzelnen Plantagen mit Vegetations- Vollaufnahmen abzudecken, gab die Anzahl und Größe der einzelnen Flächen vor. Dementsprechend wurden je Hektar 22 Aufnahmeflächen von jeweils 25m² (5m x 5m, zur Aufnahme von Verjüngung und Bodenvegetation) bzw. 49m² (7m x 7m, zur Aufnahme des Altbestandes) aufgenommen (= 5,5%). Anhand eines Rasters wurden die Aufnahmeflächen unter Berücksichtigung von Waldrändern[13] und Freiflächen[14] schematisch über die gesamten Plantagenflächen verteilt und mit dem Maßband eingemessen. Für die Aufnahmen wurden jeweils vier PVC- Stangen an den Eckpunkten im Boden verankert, eine Schnur dazwischen aufgespannt und, wenn bei geringer Übersichtlichkeit nötig, die Flächen noch einmal in vier Quadranten unterteilt.

Fiel eine Aufnahmefläche auf einen Weg oder direkt an oder „auf“ ein Gewässer, wurde sie nicht in die Untersuchung einbezogen, da hier die Voraussetzungen für Verjüngung und Bodenvegetation entscheidend verändert waren. Diese Flächen wurden durch die durch das Raster vorgegebene nächste Fläche ersetzt. Aufnahmen in Gewässernähe (ab 1,5 m Abstand) wurden zwar enorm erschwert durch das Auftreten zahlreicher Blutegel, wurden aber dem Raster folgend mit einbezogen.

Insgesamt wurden, wie in Tab. 6 aufgeführt, 165 Einzelflächen auf einer Gesamtfläche von 7,61 ha untersucht. Die Gesamtausdehnung der Plantagen wurde mithilfe eines GPS- Gerätes (Explorist 100 von Magellan) ermittelt.

Tabelle 6: Flächengrößen der Plantagen und der Aufnahmeflächen[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.3.Flächendesign

Abbildung 9: zum Flächendesign: schematische Darstellung einer Aufnahmefläche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Durchführung der Außenaufnahmen

2.2.1 Aufsuchen der Plantagen

Da für dieses Gebiet weder Betriebskarten des Forstamtes noch sonstige brauchbare Karten verfügbar waren, aus denen geeignete Plantagen mit entsprechender Verjüngung ablesbar gewesen wären, waren die Erfahrungswerte der ortskundigen Gründungsmitglieder von VTC, Tanya Balcar und Robert Stuart, bei der Suche eine enorme Hilfe. Die Nummerierung der Plantagen erfolgte zur Vereinfachung während der Arbeit willkürlich, da nur für wenige Plantagen offizielle Bezeichnungen bestanden. Die räumliche Ausdehnung der Plantagen wurde mithilfe von GPS („Global Positioning System“) eingemessen. Da sie nicht dauerhaft markiert wurden, sind sie so jederzeit wiederauffindbar. Die Koordinaten der Rechts- und Hochwerte sind nachfolgend in Tab. 7 dargestellt.

Tabelle 7: GPS- Koordinaten zu den Plantagen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Erfassung allgemeiner Parameter auf Plantagenebene

Nähere Informationen zu den einzelnen Plantagen (wie beispielsweise das Jahr der Pflanzung oder das exakte Alter der Kiefern zum Pflanzzeitpunkt) zu geben war von Seiten des zuständigen Forstamtes leider nicht möglich, auch hier waren die Angaben von Tanya Balcar und Robert Stuart neben der relativ ungenauen Auszählung von Jahrringen ohne weitere Hilfsmittel an liegenden Kieferstämmen zum Teil einzige Informationsquelle. Ersatzweise wurde als Vegleichsparameter zur Gruppierung ähnlich alter Bestände der mittlere BHD sowie die Mittelhöhe der Hauptbaumart Kiefer herangezogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Abbildungen zu „ Pinus sp.“, Plantage 3

Die Bestimmung der Hauptbaumart war aufgrund fehlender Unterlagen und trotz intensiver Nachforschungen in einem Fall (Plantage 3, „Trichy Research Area“) nicht eindeutig bestimmbar. Diese Art wird auch in „The Flora of the PalniHills, South India (Part 1) “ bei matthew (1999) lediglich als „ Pinus sp.“ aufgelistet. Es bestand jedoch die Vermutung, dass es sich um eine aus dem Himalaya stammende Kiefernart handelte, die zu Versuchszwecken sowie zur Harzgewinnung angebaut wurde.

Bei den anderen Plantagen handelte es sich jeweils um Pinus patula (Plantage 2; 4.1; 4.2; 5; 6; 7) sowie in einem Fall (Plantage 10) um Pinus roxburghii, einer aus dem Himalaya stammenden Art.

Es wurde davon ausgegangen, dass die Artunterschiede der Kiefer keinen wesentlichen Einfluss auf die Sholaverjüngung haben.

Ob die Plantage innerhalb der gewünschten Höhenstufe von mind. 1850m ü. NN und max. 2400m ü. NN lag und damit für die geplanten Untersuchungen qualifiziert war, wurde durch Höhenmessungen am Mittelpunkt jeder Aufnahmefläche mit dem GPS- Gerät ermittelt. Auch die Distanz zur nächstgelegenen und potentiell Diasporen liefernden Shola ab Bestandesrand wurde, soweit praktizierbar, mit dem GPS- Gerät ermittelt. Da Shola zum Teil nur klein- bis kleinstflächig auftritt, wurde dabei eine qualifizierende Mindestflächengröße von 0,25 ha vorausgesetzt, um die tatsächliche Funktion der Shola als potentielle Samenquelle wahrscheinlicher werden zu lassen. Einzelne Shola- Bäume oder Kleingruppen wurden nicht als mögliche Mutterpflanze berücksichtigt. Das Auffinden der jeweils nächstgelegenen Shola war praxis- und geländebedingt jedoch sehr schwierig, daher werden diesbezüglich in dieser Arbeit Fehler nicht ausgeschlossen (siehe dazu auch entsprechenden Diskussionsteil). Für die Berechnung der Strecke zwischen Plantage und nächstgelegener Shola wurde jeweils die Distanz zwischen dem Mittelpunkt der Plantage (ermittelt über die GPS- Koordinaten) und dem nächsten Shola- Bestandesrand verwendet. In den Tabellen 8 und 9 sind die wichtigsten Bestandesdaten als Mittelwerte zu den Plantagen dargestellt.

[...]


[1] Vegetation = Pflanzendecke bzw. die von biotischen und abiotischen Standortfaktoren geprägte Gesamtheit aller Pflanzengesellschaften und –formationen in einem bestimmten Gebiet

[2] Flora = Gesamtheit aller Pflanzenarten in einem Gebiet (Bezugspunkt ist dabei die taxonomische Einheit)

[3] Ökozone n = „ Großräume der Erde, die sich jeweils durch eigenständige Klimagenese, Morphodynamik, Bodenbildungsprozesse, Lebensweisen von Pflanzen und Tieren sowie Ertragsleistungen in der Agrar- und Forstwirtschaft auszeichnen. Ihre Verbreitung auf der Erde ist breitenabhängig und gewöhnlich disjunkt (fragmentiert) auf die Kontinente verteilt.“ (vgl. J. Schulz, 2010)

[4] DAISIE: (D elivering A lien I nvasive S pecies I nventory for E urope ); more than 11,000 alien species have been documented by DAISIE, a unique three year research project with more than 100 European scientists, funded by the European Union that provides new knowledge on biological invasions in Europe

[5] Die Auswahl der Arten erfolgt hierbei nach zwei Kriterien, und zwar nach “their serious impact on biological diversity and/ or human activities, and their illustration of important issues surrounding biological invasion “ (vgl. IUCN)

[6] Vattakanal Conservation Trust is an NGO (non-governmental organization) based in the Palni Hills, Tamil Nadu. their “ (…) goal is to promote the conservation of the native plants of the South Western Ghats and the Nilgiris and their habitats by raising plant nurseries, establishing conservation gardens and restoring habitats to ensure the survival of specific species and eco-systems”(vgl. VTC.org)

[7] Potenzielle natürliche Vegetation (p.n.V.) bezeichnet den Zustand der Vegetation, der in einem Gebiet unter den heutigen Umweltbedingungen herrschte beziehungsweise sich einstellte, wenn der Mensch nicht mehr eingriffe(vgl. Reinhold Tüxen,1956)

[8] Abundanz: Anzahl von Organismen pro Flächen- oder Raumeinheit. Dabei wird unterschieden zwischen Individuenabundanz (Individuendichte), welche die Anzahl von Individuen einer Art pro Flächen- oder Raumeinheit angibt, und Artenabundanz (Artendichte), die sich auf die Artenzahl pro Flächen- oder Raumeinheit bezieht. Meist ist mit Abundanz die Individuendichte gemeint.

[9] Dominanz, in der Biozönologie ein hoher prozentualer Anteil der Individuen einer Pflanzen- (Deckungsgrad) oder Tierart an der Gesamtindividuenzahl einer Organismengemeinschaft. Deckungsgrad, in der Pflanzensoziologie der relative Anteil der von einer bestimmten Art in horizontaler Projektion bedeckten Fläche in Bezug auf die untersuchte Gesamtfläche.

(vgl. http://www.wissenschaft-online.de)

[10] reserve area = relativ schwache Schutzstufe (IUCN- Kategorie 4-6), in der Aktivitäten wie Holzernte, Jagen,Viehweide u.ä. grundsätzlich verboten sind

[11] p.n.V = potentielle natürliche Vegetation.: Definition nach Fischer (1992): „Vegetation, die sich ohne menschliches Zutun einstellen würde“

[12] Biodiversität = „the variability among living organisms from all sources including, inter alia, terrestrial, marine and other aquatic ecosystems and the ecological complexes of which they are part; this includes diversity within species, between species and of ecosystems “(Daily 1997 et. al.) ( vgl. J. Bauhus & J. Schmerbeck)

[13] Waldrand: hier wurde jeweils 5m Abstand gehalten, da die Aufnahmeflächen bedingt durch die Fragestellung im Bestand liegen sollten (dasselbe galt für Freiflächen)

[14] Freifläche: wurde definiert als Flächen mit weniger als 20% Deckung durch die Baumschicht auf über 25²m zusammenhängender Fläche

[15] Die farbigen Markierungen der einzelnen Plantagen werden in der gesamten Arbeit durchgängig zur besseren Wiedererkennung beibehalten

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Die Verjüngung indigener Shola-Baum- und Straucharten unter exotischen Kiefernplantagen in den Palanibergen, Südindien
Hochschule
Fachhochschule Weihenstephan; Abteilung Freising
Veranstaltung
Forstwirtschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
109
Katalognummer
V323195
ISBN (eBook)
9783668241497
ISBN (Buch)
9783668241503
Dateigröße
7889 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
auch auf Englisch erhältlich
Schlagworte
Verjüngung, Natürliche Verjüngung, Südindien, Kiefern, Plantagen, Westghats, Bestandsaufnahmen, Shola, Indian Gaur, Indischer Bison
Arbeit zitieren
Birgit Einhellinger (Autor), 2011, Die Verjüngung indigener Shola-Baum- und Straucharten unter exotischen Kiefernplantagen in den Palanibergen, Südindien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323195

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