Wie beeinflusst soziale Ungleichheit die Gesundheit von in Deutschland lebenden alleinerziehenden Frauen?


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund: Armut in Deutschland

3. Alleinerziehende Frauen
3.1. Zustandekommen des Alleinerziehens
3.2. Bildungs- und Erwerbsstatus
3.3. Ökonomische Situation

4. Der Zusammenhang von Armut und Gesundheit

5. Diskussion

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Viele aktuelle Studien besagen, dass es einen Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit gibt. Dieser Zusammenhang wird in der folgenden Ausarbeitung anhand des Beispiels von alleinerziehenden Frauen in Deutschland näher betrachtet; der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Aspekt der Armut. Dabei wird zunächst allgemein das Thema Armut in Deutschland beleuchtet, anschließend die Situation alleinerziehender Frauen in Deutschland und zuletzt der Zusammenhang von Armut und Gesundheit.

Meiner Themenauswahl liegt ein persönlicher Bezug zugrunde: meine Schwester lebt alleinerziehend mit ihren beiden Töchtern und hat ein Haushaltseinkommen zur Verfügung, mit dem sie an der Grenze zur Armut lebt. Ich möchte versuchen herauszufinden, wie es zu der oft schwierigen Situation des Alleinerziehens kommt und wie alleinerziehende Frauen unterstützt werden können.

1. Hintergrund: Armut in Deutschland

Im Jahr 2011 waren 16,1 % der deutschen Bevölkerung armutsgefährdet (Statistisches Bundesamt, 2013). Laut dem Statistischen Bundesamt gelten diejenigen Menschen als armutsgefährdet, deren Nettoäquivalenzeinkommen[1] weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung beträgt. Diese Grenze liegt zurzeit bei 882 Euro (Statistisches Bundesamt, 2009). Weiterhin wird Armut anhand des Einkommens in Bezug auf das mittlere Einkommen der Gesamtbevölkerung in die drei Kategorien strenge Armut, Armut und Armutsrisiko eingeteilt. Diese Einteilung nach finanziellen Mitteln ist jedoch etwas einseitig: andere Faktoren wie beispielsweise Bildungsmöglichkeiten und Freizeitgestaltung, welche die Lebensqualität ebenfalls beeinflussen, werden nicht berücksichtigt (Berger/Neu, 2007, S. 260f).

Zusätzlich fließen bei der Beurteilung des Lebensstandards subjektive Faktoren ein: nach eigener Einschätzung können sich auch Menschen mit hohen Einkommen, die gerade ihre Arbeit verloren haben, arm fühlen. Das heißt also, dass Armut in den meisten Fällen relativ ist, also einen als „normal“ angesehenen Lebensstandard nicht möglich macht (ebd.).

Weitere Auswirkungen von Armut können die Entstehung von Zukunftssorgen, Perspektivlosigkeit sowie ein Rückgang der sozialen Kontakte sein (Berger/Neu, 2007, S. 264). Im Kindes- und Jugendalter kann Armut Defizite in der Gesundheit verursachen. Diese Defizite gehen von Entwicklungsverzögerungen über eine erhöhte Quote von Unfallverletzungen bis hin zu einem schlechteren psychosozialen Wohlbefinden (Lampert et al., 2006, S. 96).

Es gibt einige Personengruppen, die besonders armutsgefährdet sind. Hierzu zählen unter anderem kinderreiche Familien, ältere Menschen (insbesondere Frauen), Menschen mit Migrationshintergrund und Langzeitarbeitslose. Die Personengruppe, die am stärksten von Armut betroffen ist, sind Alleinerziehende und folglich auch deren Kinder (Berger/Neu, 2007, S. 261ff). Die Gründe dafür werden im folgenden Kapitel erläutert.

2. Alleinerziehende Frauen

Als Alleinerziehende werden „Mütter und Väter, die ohne Ehe- oder Lebens-partner/in mit ihren minder- oder volljährigen Kindern (…) in einem Haushalt zusammenleben“ bezeichnet (Statistisches Bundesamt, 2009a).

Der Anteil der Alleinerziehenden lag im Jahr 2009 bei 19 % (Statistisches Bundesamt, 2010, S. 7), davon waren 90 % Frauen (ebd., S. 14).

Im folgenden Kapitel wird dargestellt, wie und warum es dazu kommt, dass Frauen zu Alleinerziehenden werden, anschließend werden der Erwerbs- und Bildungsstatus sowie die ökonomische Situation der Frauen dargestellt.

2.1. Zustandekommen des Alleinerziehens

Es gibt verschiedene Gründe, die dazu führen können, dass Frauen ihre Kinder alleine großziehen; der häufigste ist die Scheidung vom Ehepartner (Statistisches Bundesamt, 2010, S. 11). Zu unterscheiden ist hier zwischen Entscheidungsfaktoren, welche die Frau freiwillig trifft und solchen, zu denen sie durch äußere Umstände gezwungen wird. Eine freiwillig getroffene Entscheidung zum Alleinerziehen liegt vor, wenn die Betroffene sich „ nach ihrem eigenen Empfinden weitgehend selbstbestimmt und aktiv für diese Lebensform “ entscheidet (ebd., S. 45). Diese Situation besteht, wenn die Frauen sich nicht in einer festen Partnerschaft befinden; die Schwangerschaft ist in diesen Fällen zumeist ungeplant (ebd., S. 48f).

Es kommt jedoch auch vor, dass Frauen unfreiwillig in die Rolle der Alleinerziehenden rutschen. Auslöser hierfür können der Tod des Partners oder die Trennung durch den Partner sein. Auch Umstände, die eine Trennung vom Partner unumgänglich machen, können Frauen zu Alleinerziehenden machen – dies wären beispielsweise Gewalttätigkeit oder Sucht des Partners (Schneider et al., 2001, S. 42).

2.2. Bildungs- und Erwerbsstatus

Zu dem Bildungsstatus alleinerziehender Frauen lässt sich sagen, dass diese häufiger einen niedrigen Bildungsstand aufweisen, also keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss haben, als in Paarhaushalten lebende Frauen. „ Für eine erfolgreiche und dauerhafte Eingliederung in den Arbeitsmarkt ist nach allen Erfahrungen ein qualifizierter Schul- beziehungsweise Berufsausbildungsabschluss “ jedoch entscheidend, demnach ist es für viele alleinerziehende Frauen schwierig, langfristig eine Arbeitsstelle zu finden (Statistisches Bundesamt, 2010, S. 22f).

Bezüglich des Erwerbsstatus gibt es keinen gravierenden Unterschied von alleinerziehenden zu in Paarfamilien lebenden Frauen: 60 % der Alleinerziehenden gegenüber 58 % der Frauen in Paarfamilien sind erwerbstätig. Ein elementarer Unterschied besteht jedoch bei den Arbeitszeiten: 42 % der Alleinerziehenden arbeiten in Vollzeit, bei den Frauen in Paarfamilien sind es lediglich 27 % (ebd., S. 17ff).

Auch bei den Gründen für die Ausübung von Vollzeittätigkeiten unterscheiden sich alleinerziehende und in Paarhaushalten lebende Frauen . „Fast jede fünfte alleinerziehende Mutter ging 2009 einer Teilzeittätigkeit nach, weil sie keine Vollzeitstelle finden konnte. Das traf auf nur knapp 9% der Mütter in Paarfamilien zu“ (ebd., S. 19).

2.3. Ökonomische Situation

Trotz des hohen Anteils an Erwerbstätigen sind „ Alleinerziehende (…) überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen “. Insgesamt waren im Jahr 2009 circa 36 % der Haushalte von Alleinerziehenden armutsgefährdet (Statistisches Bundesamt, 2010, S. 5).

Auffällig ist der Unterschied zwischen dem Haushaltseinkommen von alleinerziehenden Frauen und Männern. Die Frauen müssen öfter mit weniger finanziellen Mitteln auskommen (ebd., S. 28) und nehmen besonders häufig Transferzahlungen[2] in Anspruch (ebd., S. 24f).

Doch wie kommt es zu diesen gravierenden Unterschieden? Eine Ursache ist die teilweise geringe Bildung der alleinerziehenden Frauen. Diese führt zu wenig qualifizierten Arbeitsstellen und dadurch zu geringer Bezahlung. Auch der Unterschied beim Einkommen von Männern und Frauen ist ein maßgeblicher Faktor. Ein weiterer Punkt sind die Unterhaltszahlungen, welche lediglich die Hälfte der Frauen, die Anspruch darauf haben, auch erhalten. Dies rührt in der Regel entweder daher, dass der Kindesvater sich weigert, Unterhalt zu bezahlen, oder finanziell nicht dazu in der Lage ist (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2008, S. 28).

Insgesamt kann also gesagt werden, dass unter den Alleinerziehenden besonders die Frauen aufgrund verschiedener Faktoren häufig in Armut oder an der Armutsgrenze leben und häufig nur eine geringe Chance besteht, dieser Situation zu entfliehen.

3. Der Zusammenhang von Armut und Gesundheit

Laut dem Handbuch Gesundheitswissenschaften ist es nachgewiesen, „ dass (in Deutschland) geringe Bildung, niedrige berufliche Stellung und geringes Einkommen häufig mit einem besonders schlechten Gesundheitszustand “ zusammenhängen (Mielck / Helmert, 2012, S. 493).

Der Zusammenhang von Gesundheit und Armut wird im Folgenden mithilfe von Antonovskys Modell der Salutogenese erklärt. Antonovsky beschreibt den Gesundheitszustand einer Person anhand des sogenannten HEDE -Kontinuums, bestehend aus den beiden Endpunkten H ealth- E ase und D is- E ase (Abb. 1). Entscheidend bei der Bewegung in Richtung eines Poles sind die generalisierten Widerstandsressourcen, wie beispielsweise kognitive und psychische Ressourcen, intakte Sozialstrukturen und –netzwerke (Franke, 2011, S. 487f).

[...]


[1] Das Nettoäquivalenzeinkommen berücksichtigt nicht nur das Haushaltseinkommen, sondern auch die Anzahl der Haushaltsmitglieder, so können beispielsweise ein Ein-Personen-Haushalt und eine fünfköpfige Familie miteinander verglichen werden (Berger/Neu, 2007, S. 260).

[2] Transferleistungen sind finanzielle Hilfen des Staates zur Sicherung des grundlegenden Lebensunterhaltes (Statistisches Bundesamt, 2013a), in diesem Fall beispielsweise Hartz IV, Wohngeld oder Sozialhilfe.

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Details

Titel
Wie beeinflusst soziale Ungleichheit die Gesundheit von in Deutschland lebenden alleinerziehenden Frauen?
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V323526
ISBN (eBook)
9783668226838
ISBN (Buch)
9783668226845
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ungleichheit, gesundheit, deutschland, frauen
Arbeit zitieren
Beke Freyer (Autor), 2014, Wie beeinflusst soziale Ungleichheit die Gesundheit von in Deutschland lebenden alleinerziehenden Frauen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323526

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