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Sexualerziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung

Eine Fallstudie

Title: Sexualerziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung

Bachelor Thesis , 2015 , 100 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Lisa Maria Neulist (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Anlass zu dieser Arbeit sind aktuelle Diskussionen in den Medien um Frühsexualisierung beziehungsweise Sexualerziehung im Kindergarten. Die Parallele zu Menschen mit geistiger Behinderung formuliert Rett in der These, dass Sexual-Alter und Intelligenz-Alter bei Menschen mit geistiger Behinderung divergieren. Die Heranwachsenden werden auf der sexuellen Ebene auf die Stufe eines 4-8 Jährigen gestellt, welche noch keine sexuellen Regungen und Empfindungen kennen würden. Sexualerziehung wurde daher lange Zeit als unnötig befunden.

Paradox ist, dass neben dem Vorurteil der Asexualität auch das Vorurteil besteht Menschen mit geistiger Behinderung seien hypersexuelle Wesen. Das Thema Sexualität und Sexualerziehung wird, wenn überhaupt, im allgemeinen Verständnis auf Sexualaufklärung begrenzt. Damit einhergehend werden vor allem Problemfelder behandelt wie Empfängnisverhütung, Sterilisation, Schwangerschaftsabbruch, Ehe, Nachkommenschaft und sexueller Missbrauch. Wobei hier die Schwangerschaftsverhütung und die Prävention von sexuellem Missbrauch im Vordergrund stehen.

Im Rahmen dieser Arbeit wurden viele Gespräche mit ErzieherInnen und LeiterInnen aus Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung geführt, sowie mit Angehörigen und mit einer spezialisierten Beraterin der Pro Familia Stelle in Augsburg. Die Gespräche und die Literatur ergaben einen Konsens, dass das Thema sehr belastet ist, so ist es Konvention den Bewohnerinnen ein Verhütungsmittel zu verabreichen, mit oder ohne Aufklärung.

Auch, wenn dies beispielsweise nicht gegen sexuellen Missbrauch schützt, schwingen Ängste von ungewollten wie auch gewollten sexuellen Kontakten bei dieser Praxis mit. Wenn von einer Deregulierung des sexuellen Umgangs mal die Rede ist, sind Themen wie die mangelnde Raumgestaltung in Betreuungseinrichtungen zentral, um Intimsphäre zu gewährleisten. Sowohl Sexualität, als auch Behinderungen sind schwierige Themen schon wenn es darum geht passende Begrifflichkeiten zu finden. Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass Ängste und Unsicherheiten den Umgang prägen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methode

2.1 Einzelfallstudie

2.2 Befragung

2.3 Qualitative Inhaltsanalyse

3. Terminus ‚Menschen mit geistiger Behinderung‘, Prävalenzrate und Klassifikationen

3.1 Definitionen und Ursachen der geistigen Behinderung

3.2 Klassifikationsinstrument ICD-10 auf medizinischen Grundlagen

3.3 Ergänzende Faktoren der geistigen Behinderung

3.4 Das bio-psycho-soziale Modell ICF

4. Erweiterte Definition von Sexualität

5. Pubertät und Sexualverhalten im Kontext von Eltern, ErzieherInnen und Peers

6. Pädagogik bei Menschen mit geistiger Behinderung

6.1 Das Normalisierungsprinzip

6.2 Selbstbestimmung und Empowerment

6.3 Sexualerziehung

7. Qualitative Inhaltsanalyse des Interviews

7.1 Bestimmung des Ausgangsmaterials

7.2 Verwendetes Kategoriensystem

7.3 Ergebnisaufbereitung

7.3.1 Erwachsensein und Familiensituation des Teilnehmers

7.3.2 Selbstbestimmung

7.3.3 Partnerschaft

7.3.4 Sexualität

7.3.5 Zusammenfassende Interpretation in Rückbezug auf die Theorie

8. Reflexion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Thema Sexualerziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung durch eine qualitative Einzelfallstudie. Ziel ist es, die Bedürfnisse und das Verständnis von Sexualität aus der Perspektive eines betroffenen jungen Erwachsenen zu erfassen, um eine Pädagogik zu ermöglichen, die Wertschätzung sowie Mit- und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt.

  • Theoretische Grundlagen zur geistigen Behinderung und zum Normalisierungsprinzip
  • Pubertät und psychosexuelle Entwicklung bei Menschen mit geistiger Behinderung
  • Erweiterte Definition von Sexualität jenseits rein genitaler Aspekte
  • Qualitative Analyse eines leitfadengestützten Interviews
  • Reflexion über Herausforderungen in der Sexualerziehung und Beratung

Auszug aus dem Buch

2.1 Einzelfallstudie

„Die Einzelfallstudie ist zwischen konkreter Erhebungstechnik und methologischem Paradigma angesiedelt. Die Einzelfallstudie stellt einen Approach dar, einen Forschungsansatz“ (ebd., S. 298, Hervorhebungen im Original). Im Hintergrund der Befragung stehen bereits bestehende Theorien. Der Approach gilt als ein Forschungsansatz, der "die theoretischen Vorgaben der Methologie in praktische Handlungsanweisungen umsetzt, ohne selbst Erhebungstechnik zu sein […]. Tatsächlich geht es der qualitativen Einzelfallstudie besonders darum, ein ganzheitliches und damit realistisches Bild der sozialen Umwelt zu zeichnen. Mithin sind möglichst alle für das Untersuchungsobjekt relevanten Dimensionen in die Analyse einzubeziehen“ (ebd., S. 299). Das Untersuchungssubjekt soll nicht auf ein paar Variablen reduziert werden. Der Anspruch, den Einzelnen der Studie in seiner Totalität zu betrachten, hat zur Folge, dass er als Fachmann für die Deutung und Interpretation seiner Alltagswelt gesehen wird (vgl. ebd., S. 300). „Durch die Beschäftigung mit einer einzelnen Person als Einheit sollen die alltagsweltlichen Deutungen und Interpretationen wissenschaftlich kontrolliert fremdverstanden werden“ (ebd., S. 301).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle mediale Debatte über Sexualerziehung und stellt die These auf, dass Sexual- und Intelligenzalter bei geistig behinderten Menschen divergieren, was oft zu einer Vernachlässigung der Sexualerziehung führt.

2. Methode: Hier werden das methodische Vorgehen, die Wahl der Einzelfallstudie sowie die Durchführung der Befragung mittels eines leitfadengestützten Interviews erläutert.

3. Terminus ‚Menschen mit geistiger Behinderung‘, Prävalenzrate und Klassifikationen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der geistigen Behinderung und diskutiert medizinische sowie soziale Klassifikationsmodelle, einschließlich des bio-psycho-sozialen Modells ICF.

4. Erweiterte Definition von Sexualität: Der Autor plädiert für ein über das Genitale hinausgehendes Verständnis von Sexualität als lebensbejahende Energie und Kommunikationsform.

5. Pubertät und Sexualverhalten im Kontext von Eltern, ErzieherInnen und Peers: Es wird analysiert, wie sich die Pubertät bei geistig behinderten Jugendlichen gestaltet und welche Rolle das soziale Umfeld bei diesem Entwicklungsprozess spielt.

6. Pädagogik bei Menschen mit geistiger Behinderung: Dieses Kapitel widmet sich pädagogischen Maximen wie dem Normalisierungsprinzip, Empowerment und der konkreten Ausgestaltung von Sexualerziehung.

7. Qualitative Inhaltsanalyse des Interviews: Der Hauptteil präsentiert die Auswertung des Interviews mit einem 22-jährigen Teilnehmer, wobei Themen wie Erwachsensein, Selbstbestimmung, Partnerschaft und Sexualität analysiert werden.

8. Reflexion: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert und Empfehlungen für eine ressourcenorientierte Sexualerziehung ausgesprochen.

Schlüsselwörter

Sexualerziehung, Geistige Behinderung, Einzelfallstudie, Pubertät, Sexualität, Erwachsensein, Normalisierungsprinzip, Empowerment, Partnerschaft, Qualitative Inhaltsanalyse, Selbstbestimmung, Identitätsfindung, Pädagogik, Sozialisation, Lebenswirklichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Bachelorarbeit setzt sich kritisch mit der Sexualerziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung auseinander und hinterfragt bestehende Vorurteile und gesellschaftliche Tabus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Sexualaufklärung, Pubertätskrisen, das Normalisierungsprinzip, der Anspruch auf Selbstbestimmung sowie die Bedeutung von Partnerschaft und Zärtlichkeit.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, durch die Fallstudie zu verstehen, wie geistig behinderte Menschen ihre eigene Sexualität und Identität erleben, um daraus praxisnahe, individualisierte Konzepte für die Sexualerziehung abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen qualitativen Ansatz, primär in Form einer Einzelfallstudie, basierend auf einem leitfadengestützten Interview, das mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen insbesondere die Ergebnisse des Interviews mit einem 22-jährigen Probanden aufbereitet und mit der Fachliteratur verknüpft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Sexualerziehung, Geistige Behinderung, Selbstbestimmung, Normalisierungsprinzip, Identität und Empowerment.

Warum wird die Pubertät so intensiv thematisiert?

Die Pubertät stellt eine kritische Phase dar, in der sich Identität und Sexualität intensiv entwickeln. Bei Menschen mit geistiger Behinderung wird hierbei oft eine Diskrepanz zwischen körperlicher Reife und kognitiver Verarbeitung sichtbar.

Welche Rolle spielen Angehörige und Betreuungspersonen?

Ihre Haltung prägt maßgeblich die Möglichkeiten der Jugendlichen; oft verhindern Ängste oder ein Mangel an Informationen eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema Sexualität.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Sexualität hier vom Standardverständnis?

Die Arbeit kritisiert die Reduzierung von Sexualität auf Fortpflanzung oder Verhütung und fordert stattdessen eine Anerkennung von Sexualität als integralen Bestandteil der menschlichen Identität.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für die Beratungspraxis?

Beratungsangebote müssen individualisiert werden und dürfen nicht allein auf biologisch-medizinische Fakten fokussieren, sondern müssen die persönliche Lebenswelt der Betroffenen einbeziehen.

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Details

Title
Sexualerziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung
Subtitle
Eine Fallstudie
College
University of Augsburg
Grade
1,3
Author
Lisa Maria Neulist (Author)
Publication Year
2015
Pages
100
Catalog Number
V323527
ISBN (eBook)
9783668231603
ISBN (Book)
9783668231610
Language
German
Tags
Sexualität Sexualerziehung Behinderung Sonderpädagogik Fallanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Maria Neulist (Author), 2015, Sexualerziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323527
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