Durchführung einer Präsenzveranstaltung als Mitarbeiter am Lehrgebiet. Die Konzeption eines Schulungskonzeptes


Seminararbeit, 2014
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 4CID-Modell
1.3 Szenario
1.4 Überblick

2 Theoretischer Exkurs
2.1 Pfadabhängigkeit
2.2 Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign
2.3 Bezugstheorie des 4CID-Modells

3 Hierarchische Kompetenzanalyse
3.1 Hierarchieerstellung
3.2 (Non-)Rekurrente Fertigkeiten
3.3 Hierarchiefunktion

4 Bildung von Aufgabenklassen
4.1 Funktion
4.2 Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen

5 Entwicklung von Lernaufgaben
5.1 Lernaufgaben
5.2 Variabilität
5.3 Mediale Umsetzung

6 Prozedurale und unterstützende Informationen
6.1 Unterstützende Information
6.2 Prozedurale Information

7 Part-task Practice

8 Didaktische Szenarien
8.1 Diskussion
8.2 Fidelity

9 Fazit
9.1 Verortung im ADDIE-Phasenmodell
9.2 Stärken-Schwächen-Abschätzung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1.1 Vier Komponenten von 4C/ID und zehn Schritte, nach van Merriënboer (1997, S.9), eigene Übersetzung

Tabelle 4.1 Vereinfachende Annahmen zu: Eine Präsenzveranstaltung durchführen, eigene Darstellung

Tabelle 5.1. Aufgabenklasse und Lernaufgaben zum Zeitplan der Materialvorbereitung, eigene Darstellung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1.1 Das 4CID und seine Bestandteile, nach Kirschner et al. (2009, S.249), eigene Übersetzung und Darstellung

Abbildung 3.1 Fertigkeitenhierarchie, eigene Darstellung

Abbildung 9.1 Das ADDIE-Modell, verändert nach Gagné et al. (2009, S.21), eigene Darstellung

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit wird das 4C/ID-Modell von van Merriënboer et al. (2007) und van Merriënboer et al. (2002, S.39-64) angewendet auf das Thema. Dieser Anwendungsbereich heißt „Eine Präsenzveranstaltung durchführen als Mitarbeiter am Lehrgebiet“. Besonders interessant am hier vorliegenden Thema ist für den Verfasser der Arbeit, dass er als Dozent tätig ist und somit häufig selbst Schulungen oder Seminare konzipieren, durchführen und evaluieren kann. Insofern hat sich ein Praxisbezug bei der Aufgabenstellung durchaus ergeben.

1.1 Zielsetzung

Ziel des 4CID-Modelles ist es, komplexe Fertigkeiten zu trainieren und dazu so zerlegt vorzubereiten, dass Instruktionsdesigner daraus eine Lernumgebung anfertigen können für ein Instructional Design. Damit kann schrittweise diese Fertigkeit mit all ihren Teilfertigkeiten erlernt werden und in der realen Situation anzuwenden.

Da das speziell zu vermittelnde Fachwissen der Präsenzveranstaltung nicht Gegenstand dieses Entwurfes ist, kann er auf verschiedene Lehrgebiete angewendet werden. Im Folgenden wird die Präsenzveranstaltung kurz als Seminar bezeichnet.

1.2 4CID-Modell

Das 4CID-Modell ist ein Modell in der Tradition des Instruktionsdesigns und wurde von van Merriënboer et al. (2007, S.9ff.) entwickelt mit den Komponenten Lernaufgaben (Learning Tasks), unterstützenden Informationen (Supportive Information), Ablaufinformationen oder prozeduralen Informationen (Procedural Information) und Übung von Teilfertigkeiten oder Teilaufgaben üben (Part-task Practice). Daraus wurden dann zehn Schritte entwickelt, wobei den Lernaufgaben die Schritte 1 bis 4 zugeordnet wurden, den Unterstützenden Informationen die Schritte 4 bis 6 und den prozeduralen Informationen die Schritte 7 bis 9 und den Übungen der Teilfertigkeiten der Schritt 10 von van Merriënboer et al. (2007, S.9ff.). Verpflichtend durchgeführt werden sollen die Schritte, in denen entsprechende Komponenten entwickelt werden (Design). Schritt 1, 4, 7 und 10 sind somit grundlegend wichtig. Die anderen Schritte können unterstützend durchgeführt werden, um eine vollständige Trainingsvorlage zu erarbeiten.

In der folgenden Tabelle sind diese Komponenten und Schritte noch einmal dargestellt und vom Autoren ins Deutsche übersetzt worden.

Tabelle 1.1 Vier Komponenten von 4C/ID und zehn Schritte, nach van Merriënboer (1997, S.9), eigene Übersetzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Anlehnung an Kirschner et al. (2009, S.249) lassen sich wichtige Teile des Modelles wie in der nachfolgenden Abbildung 1.1 darstellen. Dabei wird nach Festlegung der Durchführungsziele unterschieden nach den wiederkehrenden Aspekten, den gereihten Aufgabenklassen und den nicht wiederkehrenden Aspekten.

In diesem Fall eignet sich das 4CID-Modell gut, weil damit das situierte Lernen einer komplexen Tätigkeit aufgrund der vorherigen Strukturierung aus der Analyse der Teilfertigkeiten und der Vermeidung kognitiver Überlastung beim Lernenden gelingen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1 Das 4CID und seine Bestandteile, nach Kirschner et al. (2009, S.249), eigene Übersetzung und Darstellung

1.3 Szenario

Das Szenario besteht aus der Durchführung einer Präsenzveranstaltung. Die vorangegangene Planung der Veranstaltung ist also abgeschlossen und Evaluation ist noch nicht begonnen worden. Daher werden Planung Evaluation im vorliegenden Falle nicht trainiert und auch in diesem Blueprint nicht mit berücksichtigt. Die zu Trainierenden sind Lehrende, sie werden von einem Trainer nach dieser Vorlage betreut. Angelehnt an Nitschke (2013, S.11) besteht eine Art Zyklus aus Zielsetzung, Planung, Gestaltung und Auswertung eines Seminares. Diese Gestaltung wird hier im Sinne der Durchführung der Veranstaltung verstanden.

1.4 Überblick

Ausgehend von einer Analyse der notwendigen Komponenten des 4C/ID-Modelles und der grundlegenden Lerntheorien folgt eine Analyse der Fertigkeiten in Form einer Fertigkeitenhierarchie, es schließen sich vereinfachende Annahmen für die zu entwickelnden Aufgabenklassen einer Teilfertigkeit an. Diese werden ergänzt um unterstützende Informationen und Just-in-time-Informationen und beispielhaft an einem didaktischen Modell für Simulation und Erkundung dargestellt. Abgerundet wird dies durch eine Einordnung der Möglichkeiten mit dem 4C/ID-Modell Teile des umfassenderen ADDIEModelles umzusetzen und schließlich wird das Vorgehen abgeschlossen durch eine Reflektion des Entwurfes in Bezug auf seine Umsetzbarkeit.

2 Theoretischer Exkurs

2.1 Pfadabhängigkeit

Mithilfe der Methode der Pfadabhängigkeit lassen sich Entwicklungen auch außerhalb der Technik untersuchen. Ursprünglich kommt diese Methode aus der Technik. In der Entwicklung gibt es einzelne Abschnitte, die Abhängigkeiten zwischen diesen einzelnen Abschnitten entstehen lassen. Dabei haben die bereits getroffenen Entscheidungen einen aktiven Einfluss auf Zukünftiges. Der eingeschrittene Pfad ist nach Klebl (2013, S.71ff.) stets in die Zukunft gerichtet und nicht umkehrbar.

Man erwartet einen ökonomischen Nutzen auf dem gewählten Weg, die einmal eingesetzte Investition soll also durch dauerhaften Einsatz geringer werden.

Außerdem ist Momentum in Form der Eigendynamik des gewählten Pfades vorhanden. Je verbreiteter eine Lehr-Lernform wie die Allgemeine Didaktik ist, desto mehr gleichartige Unterrichtsmethoden treten auf den einmal beschrittene Weg. Desto komplizierter sind jedoch Änderungen zum Beispiel zum Instructional Design. Die deutschsprachig publizierte Forschung kann als Indikator dafür gelten, sie ist nämlich noch nicht in hoher Zahl vorhanden. Demgegenüber sind die Forschungen zur Allgemeinen Didaktik in hoher Zahl aktuell präsent und die akademisch Forschenden hier aktiv.

Weiterhin gibt es bei reifen Prozessen oder Entwicklungslinien ein stabiles Stadium. Das stabile Stadium verhindert die Abkehr oder Umkehr vom einmal eingeschlagenen Pfad. Auch die Wahl eines alternativen Weges wird verhindert. Diese Informationen lassen sich als Anwendung von Bastiaens et al. (2013, S.71-73) gewinnen.

2.2 Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign

Bezogen auf die Allgemeine Didaktik als reife Entwicklungslinie oder etablierte und somit allgemeingültig anerkannte Position bedeutet dies eine fest gesetzte Position ähnlich dem stabilen Stadium. Dieses stabile Stadium ist durch eine fest verankerte, historisch und empirische Stellung vorhanden (Klebl, 2013).

Im Gegensatz dazu stehen das Instructional Design und das 4CID-Modell. Letzteres basiert auch auf dem Kognitivismus. Dies lässt sich insofern erklären, als van Merriënboer Kognitionspsychologe ist. Er fundiert sein Modell mit der „Cognitive Load Theory“ von J. Sweller und P. Chandler. Im Jahre 1991 wurde diese publiziert in ihrem Werk „Cognitive Load Theory and the Format of Instruction, Cognition and Instruction“. Zudem werden auch komplexes Lernen und Konstruktivismus wie im Instructional Design mit einbezogen. Sowohl ID als auch 4CID nutzen realitätsnahe Umgebungen und realitätsnahe Problem- stellungen als optimale Vorbereitung auf den Berufsalltag Bastiaens et al. (2013, S.71-73). Etwas abstrakter betrachtet, fallen historisch bezogen auch Entwicklungsetappen auf. Somit könnte man auch hier die Pfad- oder Entwicklungslinienabhängigkeit anwenden. Bezugsmaß ist dann die Verbreitung der Allgemeinen Didaktik und des Instructional Designs im geschichtlichen Kontext.

Didaktik als Lehrkunst gab es schon bei J.A. Comenius in seiner „Didactica magna“ im Jahre 1657 im 17. Jahrhundert. Er forderte eine Allgemeine Didaktik einer omnipotenten und für Jeden zugänglichen Didaktik. Diese Vorstellung ist auch nach mehr als 300 Jahren noch in der Tradition der Erziehungswissenschaften vorhanden und im 20. Jahrhundert in bildungstheoretische Konzepte als Didaktik einbezogen worden. Die Trennung von theoretischer Wissenschaft der Didaktik zur Methodik als Praxis des Lernens und Lehrens wurde beibehalten (Seesink, 2006, S.36ff.).

Das Instructional Design wurde im Zweiten Weltkrieg von der US-Armee eingesetzt, um das benötigte Personal in ausreichend großer Anzahl zu qualifizieren und die Ausbildung zu systematisieren. R.M. Gagné entwarf eine passende Lernumgebung unter Berücksichtigung der Lernvoraussetzungen und weiterer wichtiger Aspekte (Seesink, 2006, S.31-55, S.90- 113).

Historisch betrachtet wurde also die Allgemeine Didaktik früher als das Instructional Design als eigenständige Disziplin begründet. Bei der Betrachtung der Verbreitung und insbesondere der weniger verbreiteten Instructional Design ist die Pfadabhängigkeit und ihre Stabilität einer getroffenen Entscheidung wichtig.

Die Allgemeine Didaktik ist in Deutschland differenzierter in Vorkommen und Ausprägungen verglichen mit dem 4CID. Da der Pfad der Allgemeinen Didaktik ausgeprägter und stabiler ist, haben sich mehr Angebote bilden können. Das 4CID ist hingegen nicht so stabil und es gibt dadurch bedingt weniger Angebote.

Abstrakt bezogen auf die beiden Disziplinen ist die Allgemeine Didaktik also aktuell nach über 300 Jahren ohne Kosten verursachende Momente, denn die Lehrstätten wurden in der Vergangenheit bereits geschaffen oder umgebaut. Auf den anderen Pfad des Instructional Designs zu wechseln, bedarf zusätzlicher Invstitionen. Der wirtschaftliche Nutzen ließe sich nicht schnell amortisieren.

2.3 Bezugstheorie des 4CID-Modells

Die Bezugstheorien des 4CID-Modells liegen in den allgemeinen Lerntheorien. Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus und das daraus entwickelte Instructional Design sind Vorläufer in Verbindung mit dem situierten Lernen für das Four Components Instructional Design (4CID) für komplexe Fertigkeiten.

Eine spezielle Bezugstheorie ist beispielsweise die Cognitive Load Thory (CLT), die davon ausgeht, dass Lernende Schwierigkeiten bekommen können, wenn sie von zu komplexen Aufgaben belastet werden. Für van Merriënboer et al. (2013, S. 22-24) lässt sich mit der CLT die Belastung der Lernenden bei den Lernaufgaben soweit reduzieren, dass sie trotz begrenzten Arbeitsgedächtnisses in Verbindung mit dem verstehenden Teil des Gehirnes lernen können. In dieser Theorie gibt es drei Arten kognitiver Belastung, die benannt sind nach den auslösenden Gründen. Zunächst gibt es intrinsische Belastung (Intrinsic Load), die direkt aus der Ausführung der Aufgabe entsteht. Zudem kann es eine zusätzliche äußere Belastung (Extraneous Load) geben, wenn die Aufgabenstellung zu schwach entworfen wurde und nicht alle notwendigen Informationen zur Bearbeitung liefert. In diesem Falle benötigen die Lernenden kognitive Leistung, um für sich die Aufgabe zu klären. Schließlich gibt es noch eine Art prozedurale Belastung (Germane Load), wenn die Lernenden Schemata bilden oder Regeln automatisiert anwenden. Dies trifft beispielsweise beim Verbinden von Bekanntem mit Unbekanntem zu. Ziel der Anwendung der CLT ist also das Vermeiden von Extraneous Load, damit die Lernenden sich auf Intrinsic Load und Germane Load konzentrieren können nach van Merriënboer et al. (2007, S. 22-24).

Da Extraneous Load, Intrinsic Load und Germane Load alle um die knappen kognitiven Ressourcen bemüht sind, setzt das Instructional Design hier einen Schwerpunkt. Dieser wird beim Germane Load zur Automatisierung von Regeln und der Aneignung von Schemata gesetzt.

In Verbindung mit den vier Komponenten wird kognitive Belastung kontrolliert. Die Lernaufgaben steigen im Schwierigkeitsgrad dabei an, um eine Überlastung zu meiden und werden jeweils komplexer in Art und Umfang. Damit wird beim Lernen durch Versuch und Irrtum als schwache Problemlösestrategie vermieden. Es werden Hilfestellungen und Informationen zu Beginn gegeben und nehmen kontinuierlich ab. Je mehr Erfahrung die Lernenden bekommen, desto weniger Unterstützung ist notwendig.

Die unterstützenden Informationen werden dem Lernenden vor Ausführung der Lernaufgaben vorgestellt, damit er sich beim Ausführen der Aufgaben nicht zusätzlichen Informationen ausgesetzt sieht. Dieses Vorgehen begünstigt, dass das Erlernte ins Langzeitgedächtnis wandern kann und sich zugleich bei späteren Aufgaben auch im Arbeitsgedächtnis aktivieren lässt. Da dieses Abrufen für weniger belastend gehalten wird, eignet sich diese vorherige Präsentation besser nach Ansicht von van Merriënboer et al. (2007, S. 22-24) als ein Vorgehen ohne unterstützende Informationen.

Zudem bestehen die Ablaufinformationen aus kognitiven Regeln und wirken nicht so sehr auf die Aufgabenteile, sodass sie während der Erarbeitung kognitiver Regeln im Arbeitsgedächtnis angeboten werden und integriert werden können. Sie werden just-in-time gegeben, wenn sie benötigt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Durchführung einer Präsenzveranstaltung als Mitarbeiter am Lehrgebiet. Die Konzeption eines Schulungskonzeptes
Hochschule
FernUniversität Hagen
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V323594
ISBN (eBook)
9783668227774
ISBN (Buch)
9783668227781
Dateigröße
1299 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
durchführung, präsenzveranstaltung, mitarbeiter, lehrgebiet, konzeption, schulungskonzeptes
Arbeit zitieren
Jan Mundhenk (Autor), 2014, Durchführung einer Präsenzveranstaltung als Mitarbeiter am Lehrgebiet. Die Konzeption eines Schulungskonzeptes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323594

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