Übergewicht und Adipositas stellen unverändert eine große gesundheitspolitische Herausforderung dar. Zum einen durch deren weitreichende Verbreitung und zum anderen birgt eine lang bestehende Adipositas erhebliche gesundheitliche Risiken. Da oftmals mehrere Organsysteme in Mitleidenschaft gezogen werden, sind viele Betroffene multimorbid. Adipositas verursacht daher erhebliche Kosten.
Es besteht eine unüberschaubare Vielzahl an Methoden zur Gewichtsreduktion. Die Grundlage und erfolgversprechendste Methode bildet die Basistherapie, bestehend aus einer Kombination von Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Jedoch ist für die psychosomatische Betrachtungsweise von Übergewicht und Adipositas ebenso ein multifaktorieller Verstehensansatz unabdingbar. Im Vordergrund jeder Therapie sollte immer die langfristige und dauerhafte Gewichtsabnahme bzw. -stabilisierung stehen. Folglich sollten alle Strategien auf eine sichere, nebenwirkungsarme, effektive und kostengünstige Vorgehensweise abzielen und eine Rückfallprophylaxe mit einschließen. Da psychosozialer Stress ein Prädiktor für Rückfälle in alte Verhaltensmuster ist, ist es sinnvoll, Methoden zur Stress- und Spannungsreduktion in verhaltenstherapeutischen Programmen zu vermitteln. Zudem scheint das Erlernen einer Entspannungsmethode förderlich, da Essen im Kontext von Adipositas häufig als dysfunktionale Entspannungsmethode Anwendung findet. Derzeit existierende Interventionsprogramme bestehen zwar überwiegend aus allen Eckpfeilern der Basistherapie, allerdings reflektieren sie die Faktoren genetische Disposition, Ernährung, Bewegung, mentaler Umgang mit dem Problem, soziale Situation sowie psychosoziale Konstellation mit unterschiedlicher Gewichtung, oftmals wird der Ernährungsmodifikation und der Bewegungstherapie jedoch die größte Bedeutung zugesprochen. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen, die Stressmanagement-Komponenten beinhalten und alternative Stressbewältigungsmöglichkeiten zum Essen in emotionalen Situationen aufzeigen, werden weitaus weniger praktiziert, weswegen nur eine geringe Anzahl wissenschaftlich evaluierter Studien aufzufinden ist.
Da die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland trotz aller Bemühungen weiterhin auf hohem Niveau liegt, und Betroffene im Vergleich zu Normalgewichtigen vermehrt unter psychischen Störungen leiden, besteht diesbezüglich ein enormer Handlungsbedarf, an dem die vorliegende Arbeit ansetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Zielsetzung
3. Gegenwärtiger Kenntnisstand
3.1 Entstehung und Verlauf von Stressprozessen
3.1.1 Definition von Stress
3.1.2 Stressoren
3.1.3 Die Stressreaktion
3.1.4 Biopsychosoziale Grundlagen der Stressreaktion
3.1.4.1 Biologische Perspektive
3.1.4.2 Soziologische Perspektive
3.1.4.3 Psychologische Perspektive
3.1.5 Stressmodelle
3.1.5.1 Cannon und Selye
3.1.5.2 Stressmodell von Lazarus
3.1.5.3 Salutogenetischer Ansatz
3.1.6 Stressbewältigung
3.1.6.1 Proaktive Bewältigung
3.1.6.2 Individuelle und strukturelle Stressbewältigung
3.1.6.3 Das Zwei-Prozess-Modell
3.2 Adipositas: Begriff, Entstehung, Stresspotentiale und Therapiemethoden
3.2.1 Definition und Klassifikation von Übergewicht und Adipositas
3.2.2 Prävalenz der Adipositas
3.2.3 Ursachen und Folgen
3.2.3.1 Lebensqualität und Barrieren im Alltag
3.2.3.2 Ernährungs- und Bewegungsverhalten
3.2.3.3 Psychosoziale Aspekte
3.2.4 Herkömmliche Bestandteile einer Adipositastherapie
3.2.4.1 Ernährungsmodifikation
3.2.4.2 Körperliche Aktivität/Training
3.2.4.3 Verhaltensmodifikation
3.2.4.4 Kombinierte Interventionen
3.2.5 Therapieziele und Voraussetzungen für den Therapieerfolg
3.2.6 Aktuelle Forschungslage bzgl. des Zusammenhangs von Stress und Adipositas
3.2.7 Status quo der Wirksamkeit von Stressmanagement-Programmen für adipöse Erwachsene
4. Methodik
4.1 Literaturrecherche
4.1.1 Recherchethemen und Definition der Fragestellung
4.1.2 Aufstellung der Suchbegriffe
4.1.3 Bestimmung der Recherchedatenbanken
4.1.4 Suchstrategie
4.1.5 Ein- und Ausschlusskriterien
4.1.6 Auswahl der relevanten Studien
4.2 Entwicklung eines Stressmanagement-Programms für adipöse Erwachsene
4.2.1 Zielsetzung und Nutzen des Programms
4.2.2 Zielgruppe
4.2.3 Einsatzbereiche
4.2.4 Rahmenbedingungen
4.2.5 Aufbau, Inhalte und Lernziele
4.2.6 Detaillierte Darstellung der Programmeinheiten
4.2.7 Mögliche Probleme bei der Programm-Durchführung
4.2.8 Verhaltensmodifikation
4.2.9 Sicherstellung der Programmqualität und des Programmerfolges
5. Ergebnisse
5.1 Ergebnisdarstellung der Literaturrecherche
5.2 Darstellung der Kernaspekte des konzipierten Stressmanagement-Programms
6. Diskussion
6.1 Gesamtdiskussion und praktische Implikationen für zukünftige Interventionen
6.2 Interpretation der Ergebnisse unter den Aspekten der Problemstellung
6.3 Grenzen der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit
6.4 Schlussfolgerung und Ausblick
7. Zusammenfassung
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen Stress und Adipositas zu untersuchen und auf Basis der aktuellen Forschungslage ein maßgeschneidertes Stressmanagement-Programm für adipöse Erwachsene zu konzipieren, um deren Stressbewältigungskompetenzen zu stärken, den psychosozialen Leidensdruck zu mindern und damit langfristig das Wohlbefinden und die Lebensqualität zu verbessern.
- Multimodale Stressbewältigung bei Adipositas
- Psychosoziale Aspekte von Übergewicht
- Wirksamkeit von Stressmanagement-Interventionen
- Entwicklung eines indikationsspezifischen Stressmanagement-Programms
- Rolle von Stresshormonen und Essverhalten
Auszug aus dem Buch
Die Stressreaktion
Die Stressreaktion umfasst alle Prozesse, die vom menschlichen Organismus als Antwort auf den Stressor in Gang gesetzt werden (Greiner, Langer & Schütz, 2012, S. 20 f.; Kaluza, 2011, S. 13). Ob ein Stressor tatsächlich eine Stressreaktion auslöst, hängt im Allgemeinen von der subjektiven Einschätzung eines Menschen ab und ob dieser eine Situation als bedrohlich oder leicht zu bewältigen beurteilt. Die Stressreaktion signalisiert somit das Erreichen der individuellen Leistungsgrenze (Rusch, 2012, S. 31). Die Antworten auf eine Stressreaktion können auf der körperlichen, auf der behavioralen und auf der kognitiv-emotionalen Ebene ablaufen (Kaluza, 2011, S. 13 f.): Auf der körperlichen Ebene der Stressreaktion kommt es zu verschiedenartigen Veränderungen, die insgesamt zur körperlichen Aktivierung sowie Energiemobilisierung führen. Spürbar sind diese Veränderungen beispielsweise an einem schnelleren Herzschlag, erhöhter Muskelspannung oder einer schnelleren Atmung. Hält diese Aktivierungssituation über einen längeren Zeitraum an, so führt dies u. U. zu negativen Folgen für die Gesundheit.
Die behaviorale Ebene der Stressreaktion umfasst jegliches „offene“ Verhalten, das von Außenstehenden zu beobachten ist und somit alles, was die betreffende Person sagt und wie sie handelt. Oft sind folgende Stressverhaltensweisen erkennbar: Hastiges und ungeduldiges Verhalten, Betäubungsverhalten, unkoordiniertes Arbeitsverhalten und konfliktreicher Umgang mit anderen Menschen.
Die kognitiv-emotionale Ebene der Stressreaktion umfasst hingegen das so genannte „verdeckte“ Verhalten und bezeichnet intrapsychische Vorgänge, die für Außenstehende nicht direkt erkennbar sind. Dazu zählen alle Gedanken und Gefühle, die bei einer mit Stress konfrontierten Person ausgelöst werden können. Häufige Stressreaktionen auf dieser Ebene sind: Gefühle der inneren Unruhe, der Nervosität und des Gehetztseins, Gefühle der Unzufriedenheit und des Ärgers, Angst, Gefühle und Gedanken der Hilflosigkeit, Selbstvorwürfe, kreisende, „grüblerische“ Gedanken, Leere im Kopf („black out“), Denkblockaden, Konzentrationsmängel und ein „Tunnelblick“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die gesundheitspolitische Herausforderung durch Adipositas und den damit verbundenen psychischen Leidensdruck, der häufig durch Stress verstärkt wird.
2. Zielsetzung: Hier wird das Ziel der Arbeit definiert, den Zusammenhang zwischen Stress und Adipositas zu beleuchten und daraus ein effektives Stressmanagement-Programm zu entwickeln.
3. Gegenwärtiger Kenntnisstand: Dieser Abschnitt schafft die wissenschaftliche Grundlage, indem er Stressprozesse, Stressmodelle und die spezifischen Belastungen bei Adipositas analysiert.
4. Methodik: Hier wird das methodische Vorgehen bei der systematischen Literaturrecherche beschrieben und das Stressmanagement-Programm „Entspannt mit Gewicht“ konzipiert.
5. Ergebnisse: Dieses Kapitel stellt die Ergebnisse der Literaturrecherche dar und präsentiert die Kernaspekte des entwickelten Stressmanagement-Programms.
6. Diskussion: Es folgt eine kritische Interpretation der Ergebnisse im Kontext der Forschungsfrage, eine Reflexion der Grenzen der Arbeit sowie ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
7. Zusammenfassung: Abschließend wird der Inhalt der Master-Thesis in kompakter Form rekapituliert.
Schlüsselwörter
Adipositas, Stressmanagement, Stressreaktion, Basistherapie, Gewichtsreduktion, Achtsamkeitstraining, Progressive Muskelrelaxation, psychische Gesundheit, Lebensqualität, Essverhalten, Stressoren, Coping-Strategien, Verhaltenstherapie, Prävention, Gesundheitsverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen bzw. Stress und der Entstehung sowie Aufrechterhaltung von Adipositas und wie stressreduzierende Interventionen diesen Prozess positiv beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die physiologischen Grundlagen von Stress, die psychologischen Mechanismen bei Adipositas, verschiedene Stressmodelle sowie Ansätze der Verhaltens- und Basistherapie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis einer fundierten Literaturanalyse ein Stressmanagement-Programm („Entspannt mit Gewicht“) für adipöse Erwachsene zu entwerfen, das als effektive Ergänzung zur Adipositastherapie fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine systematische Literaturrecherche in Datenbanken wie PubMed und Google Scholar durchgeführt, ergänzt durch die Methode des Rückwärtssuchens, um relevante klinische Studien und randomisierte kontrollierte Studien zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Stressforschung dargelegt, die aktuelle Forschungslage zur Wirksamkeit von Stressmanagement-Programmen bei Adipösen ausgewertet und das Programmkonzept detailliert ausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Adipositas, Stressmanagement, Progressive Muskelrelaxation, Coping, Gewichtsreduktion und psychosoziale Gesundheit charakterisiert.
Wie genau hilft PMR gegen stressbedingtes Essverhalten?
Die Progressive Muskelrelaxation (PMR) hilft, körperliche Spannungszustände abzubauen. Da Betroffene häufig in emotionalen Situationen aus Spannungsabbau essen, stellt die erlernte Entspannung eine funktionale Alternative zum dysfunktionalen Essverhalten dar.
Ist das entwickelte Programm für jeden Adipösen geeignet?
Das Programm richtet sich an motivierte erwachsene Adipöse. Personen mit schwerwiegenden psychischen oder psychosomatischen Beschwerden sind jedoch ausgeschlossen, da das Programm keine Psychotherapie ersetzt, sondern als begleitendes Angebot konzipiert ist.
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- Leonie Gath (Author), 2015, Der Einfluss von Stress auf Adipositas. Entwicklung eines Stressmanagement-Programms für adipöse Erwachsene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323606