Warum war Sant'Egidio während der Friedensvermittlungen im mosambikanischen Bürgerkrieg von 1990 bis 1992 der richtige Mediator?

Eine Analyse nach Giessmann und Wills


Hausarbeit, 2015
27 Seiten, Note: 1,0
Anna Schäfer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Mediation und Mediator

3. Sant`Egidio

4. Überblick zum mosambikanischen Bürgerkrieg und den Konfliktparteien
4.1 Mosambik
4.2 RENAMO und FRELIMO

5. Warum und wie die Sant`Egidio Gemeinschaft die von Wills und Giessmann beschriebenen Voraussetzungen eines guten Mediators aus Sicht der Konfliktparteien erfüllte
5.1 Wieso war es der richtige Zeitpunkt für eine Mediation durch eine dritte Partei?
5.2 Wie und warum wurde die San't Egidio Gemeinschaft zum Mediator zwischen FRELIMO und RENAMO?
5.3 Wo verlief der Mediationsprozess?
5.4 Wie verlief der Mediationsprozess?
5.5 Brachten die Mediatoren von Sant‘ Egidio die Eigenschaften mit, die sich Konfliktparteien von einem Mediator wünschen?
5.6 War der Mediator Neutral und Allparteilich?
5.7 Erfolgsmessung des Mediators: Der Friedensvertrag von Rom 1992

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Giessmann und Wills analysieren in Seeking Compromise? Mediation Through the Eyes of Conflict Parties unter welchen Umständen ein bestimmter Mediator von Konfliktparteien gewählt wird. Die von den Autoren gestellten Thesen und Gesichtspunkte werden in dieser Hausarbeit auf die Comunità di Sant`Egidio, den wichtigsten Mediator im Friedensprozess zur Beendigung des Mosambikkonfliktes, angewendet. Zwischen der Regierungspartei Frente de Libertação de Moçambique und den Rebellen der Resistência Nacional Moçambicana fand zwischen 1977 und 1992 ein Bürgerkrieg statt, der bis Ende der 80er Jahre durch externe Akteure angetrieben wurde. Die christliche Gemeinschaft Sant`Egidio begleitete ab 1990 den Mediationsprozess zwischen den Konfliktparteien und fungierte als wichtigster Vermittler für den am 4.Oktober 1992 abgeschlossenen und umgesetzten Friedensvertrag.

In dieser Hausarbeit erfolgt eine Vorstellung der italienischen Comunità di Sant`Egidio, eine Einführung zu Mosambik, dem Bürgerkrieg und den beteiligten Konfliktseiten, gefolgt von einer Analyse des Mediationsprozesses und dem Mediatorenteam. Es wurden lediglich deutsch- und englischsprachige Literatur sowie Presseartikel herangezogen. Eine Sichtweise der Konfliktparteien aus Primärquellen ist damit von vornherein ausgeschlossen. Daher erfolgt eine Analyse der von Giessmann und Wils (2011) erarbeiteten Rahmenbedingungen für Mediatoren aus internationaler Sichtweise und aus Sichtweise des Mediators, anhand der oben beschriebenen internationalen Quellen.

Nicht alle Faktoren die Giessmann und Wils beschreiben wurden von der Comunità di Sant`Egidio in Bezug auf ihre Rolle als Mediator erfüllt. Trotzdem gilt ihre Arbeit als beispielhaft. Warum die Mediation erfolgreich war lässt sich nicht an einem einzigen Punkt festhalten, sondern hat vielmehr vielschichtige Ursachen, die im Laufe der Analyse dieser Arbeit benannt werden.

2. Mediation und Mediator

Diese Hausarbeit richtet sich bei der Definition von Mediation nach den Richtlinien der Vereinten Nationen. Mediation ist demnach ein politischer Prozess, bei dem Konfliktpartien akzeptieren, dass (mind.) eine weitere Partei sie bei der Lösung des Konfliktes unterstützt und vermittelt, um eine Einigung zu finden. (United Nations 2015).

Ein Mediator ist dementsprechend eine Person oder Gruppe, die oben genannte Aufgaben und Ziele übernimmt. Dies können Personen oder Gruppen sein, die bereits in den Konflikt involviert sind oder gar einer der Konfliktparteien angehören. Dann spricht man von internen Mediatoren. Sind es aber Personen und Gruppen außerhalb des Konflikts, dann spricht man von externen Mediatoren. Die Unterscheidung zwischen offizieller (formeller) und inoffizieller (informeller) Mediation findet im Rahmen dieser Hausarbeit keine Betrachtung.

Konfliktparteien können jegliche Art von realen oder juristischen Personen sowie offiziellen, formellen, informellen oder inoffiziellen Gruppen, Organisationen oder Vereinigungen sein. Je nach Konstellation von Konfliktparteien spricht man von symmetrischen Konflikten, wenn beide Parteien sich (theoretisch) auf Augenhöhe begegnen, wie z.B. zwei Regierungen oder asymmetrischen Konflikten, wenn zwischen den Konfliktparteien ein deutliches Gefälle liegt, wie z.B. zwischen der Regierung und einer marginalisierten Sprachgruppe innerhalb des Landes.

3. Sant`Egidio

Der damals 18jährige wohlhabende Bankierssohn Andrea Riccardi, gründete 1968 zusammen mit Studienkollegen, Frauen, Arbeitern und arbeitslosen Jugendlichen eine freie, autonome christliche Laiengemeinden. Die Comunità di Sant`Egidio wurde nach ihrem Hauptsitz, einem ehemaligen Kloster in Rom benannt. (Leymarie 2000:20 & Smoltczyk 2007). Heute ist Marco Impagliazzo gewählter Präsident der „internationalen Gemeinschaft ohne Grenzen und Mauern“ (Sant`Egidio 2015) mit 50.000 Mitglieder, die in 30 Staaten der Welt aktiv sind, davon in 25 afrikanische Länder (Deckers 2009). Die Homepage der Gemeinschaft ist in 23 Sprachen zugänglich. In Deutschland ist man als eingetragener Verein (e.V.) registriert, international wird die Gemeinschaft oft mit dem englischen Terminus Non Government Organisation [1] (NGO) beschrieben. Obwohl die Comunità di Sant`Egidio, oder kurz Sant`Egidio, erst 1986 vom Vatikan als christliche Gemeinschaft innerhalb der römisch katholischen Kirche anerkannt wurde, besteht eine enge Verknüpfung dorthin. Sant`Egidio ist mit der alljährlichen Durchführung des internationalen Friedenstreffen vom Vatikan betraut, einem internationalen Austausch der ökumenischen Bewegung und des interreligiösen Dialogs. Der Vatikan hat der Gemeinschaft zudem die älteste Marienkirche Roms zur Betreuung zugesprochen, die Santa Maria in Trastevere. Insgesamt wird Sant`Egidio als „spirituell und papsttreu“ bezeichnet (Smoltczyk 2007). Haupttätigkeit der Gemeinschaft sind nach eigenen Angaben die Verkündung des Evangeliums, die soziale Arbeit mit Armen, Behinderten, Drogensüchtigen, Obdachlosen, Flüchtlingen sowie alten Menschen und die internationale Friedensarbeit. Wobei letztere ca. ein Fünftel der Tätigkeit in Rom ausmacht (Sant`Egidio 2015 & Leymarie 2000:21). Die Gemeinschaft erhielt zahlreiche Auszeichnungen in den Bereichen Friedensarbeit und humanitärem Engagement, darunter beispielweise den Karlspreis.

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre kam Sant`Egidio in Kontakt mit Don Jaime Gonçalves, späterer Erzbischof von Beira, einer Stadt im Zentrum Mosambik, der die italienische Gemeinschaft um Hilfe ersuchte. Innerhalb kurzer Zeit sendete man Hilfslieferungen nach Mosambik, erkannte jedoch schnell, dass alle Aktivitäten durch den anhaltenden Bürgerkrieg keinen Effekt hatten. Man entschied sich für einen Übergang zur diplomatischen Arbeit, um Vorrausetzungen zu schaffen, die eine humanitäre Unterstützung effizienter machen würden. Schließlich bot sich die Gemeinschaft Sant'Egidio selbst direkt als Vermittler zwischen den Konfliktparteien an und leitete so einen Friedensprozess ein. 1992 schlossen die mosambikanischen Konfliktparteien ein Friedensabkommen. Dies wurde zum größten Erfolg der Gemeinschaft (Sant'Egidio 2015). Um zu verhindern, dass ihre humanitären Hilfsprojekte durch Kämpfe zerstört würden, übernahm und übernimmt Sant` Egidio auch in Guatemala, Algerien und im Balkan eine Vermittlerrolle in angestrebten oder laufenden Friedensprozessen (Leymarie 2000:20). Durch den Status als kleine christliche Gemeinschaft ist von vornherein eine Einflussnahme mit politischen oder finanziellen Ressourcen ausgeschlossen. Mario Giro, Verantwortlich für internationale Beziehungen bei Sant`Egidio und parallel Staatssekretär im italienischen Außenministerium beschreibt die Situation wie folgt:

„ ‚Sant`Egidio kann weder eine Armee mobilisieren noch dicke Schecks unterzeichnen‘ „

(Leymarie 2000:20)

Das einzige Interesse der christlichen Gemeinschaft sei Frieden, ihr Handwerkszeug seien Vertrauen und Ernsthaftigkeit, Geduld und Dauerhaftigkeit (Leymarie 2000:20). Dabei ist eine Hauptmethode das Netzwerken. Vertreter von Sant`Egidio arbeiten zudem oft parallel zur offiziellen Diplomatie. Als ersten Schritt aller Verhandlungen bezeichnet die Gemeinschaft selbst, dass die Konfliktparteien zugeben müssen, dass sie demselben Land angehören. Nur durch Anerkennung der Existenz des anderen könne man in einen Dialog treten (Sant`Egidio 2015). Dabei kann Sant`Egidio auch auf unkonventionelle Wegen, Abseite der offiziellen Route, agieren und solche Probleme ansprechen, die hohe Diplomaten nicht berücksichtigen (können). Zum Beispiel wurde das Läuten der Kirchenglocken in Mosambik durch kommunistische Führer unterbunden - für die Christen des Landes ein großer Affront.

Hier half Sant`Egidio eine Lösung zu finden, was den Weg für einen Dialog auf anderen Feldern ermöglichte. Sant`Egidio hat durch die 25 Gemeinden in afrikanischen Ländern, intime Kenntnisse von kulturellen und innerpolitischen Abläufen in den Regionen. Auch ihre Unabhängigkeit wird von Mario Marazziti, der Pressesprecher der Gemeinschaft, betont:

" ‘Wir sind an keine Macht gebunden, weder an das große Geld noch an Lobbys oder Interessengruppen.‘ " (Klüver 2000).

Obwohl man sich selbst oft als kleine NGO darstellt, agiert Sant`Egidio auf höchster politischer Ebene und unterzeichnete beispielweise 2010 ein Abkommen mit der Afrikanischen Union, in der sie als Vermittler für Frieden „and for inter-religious and inter-cultural dialogue“ in Afrika anerkannte wurden und eine Sonderstellung erhielten (Sant`Egidio Pressemitteilung 16.Juli 2010).

Kritik an ihrer Arbeit lässt sich vor allem von europäischen Stimmen vernehmen. Unchristlicher Hochmut, ein zu strenges Kastensystem innerhalb der Gemeinschaft oder politisches Kalkül werden Sant`Egidio und ihren Oberhäuptern vorgeworfen (Nardi 2015 & Klüver 2000). Trotzdem gilt die Gemeinschaft in der internationalen Friedenspolitik als „Zauberkünstler in Sachen Diplomatie“ (Leymarie 2000:20). Sowohl Angela Merkel als auch Georg W. Busch suchten den Kontakt mit ihr (Nardi 2015).

4. Überblick zum mosambikanischen Bürgerkrieg und den Konfliktparteien

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Land, die Geschichte des Bürgerkrieges von 1977 bis 1992, sowie die partizipierenden Konfliktparteien und ihre Methoden.

4.1 Mosambik

Die Republik Mosambik ist ein ca. 800.000km2 großes subtropisches Land mit 27,7 Millionen Einwohnern und liegt im südlichen Afrika. Eine erste Besiedelung fand vermutlich vor ca. 30.000 Jahren statt. Im 15.Jahrhundert erreichten die ersten Portugiesen das Gebiet, betrieben - wie arabische Händler vor ihnen - Sklavenhandel und besetzten die Küstenstreifen. 1951 wurde Mosambik nach jahrhundertelanger Einflussnahme durch Portugal offiziell portugiesische Provinz. Die Regierung führte - wie auch in den meisten Nachbarstaaten - eine strikte Rassentrennung ein, so dass weniger als 1% der schwarzen Bevölkerung vollwertige Bürger werden konnten (Rupiya 1998:10). Es entstand eine Widerstandsbewegung und Mosambik zählte, als es 1975 nach fast zehn Jahren blutiger Kämpfe die Unabhängigkeit von Portugal erlangte, zu den ärmsten Staaten der Erde (Giesbert und Schindler 2011:6). Migrationsbewegungen, Naturkatastrophen, eine wirtschaftliche Abhängigkeit von Südafrika und ein Jahrzehnte andauernder Bürgerkrieg hinderten das Land bis in die 90er Jahre sich zu entwickeln (CIA 2015). Erst 1992 wurde Mosambik offiziell befriedet. Trotzdem ist die Republik heute noch hochgradig von ausländischen Investoren, Entwicklungshilfe[2] und Importen anderer Staaten der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft abhängig. Mosambik hat eine Wachstumsrate von 3 % und ein pro-Kopf Einkommen von nur 62 US Dollar (Weltbank 2012). Mit einem Human Development Index von 0,393 ist Mosambik auch heute noch eines der weltweiten Schlusslichter (UNDP 2014). Im Jahr 2014 wurde Filipe Nyusi Staatsoberhaupt des präsidentielles Regierungssystem, welches von der mosambikanische Befreiungsfront Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO) dominiert wird. Größte Opposition ist der Nationaler Wiederstand Mosambik Resistência Nacional Moçambicana (RENAMO). Beide Parteien fochten auch den Bürgerkrieg aus. Amtssprache der Republik ist Portugiesisch, meistgesprochene Sprache ist Emakhuwa (von 25% der Bevölkerung) mind. 40 weitere Sprachen der Niger-Kongo Sprachfamilie werden von der Bevölkerung gesprochen (SIL International 2015), dem entsprechend hoch ist die Anzahl der unterschiedlichen Kulturgruppen. Wichtigste Religionsgemeinschaft ist der Islam, gefolgt vom katholischen und evangelischen Christentum. Die Alphabetisierungsrate beträgt 50%, die Lebenserwartung 49,9 Jahre und die HIV-Rate in der Bevölkerung ca. 11% (Unicef 2012). Amnesty International berichtet in Bezug auf Mosambik von fehlender Meinungsfreiheit, Korruption und rechtswidrige Tötungen im Justizwesen (AI 2015), das Auswärtige Amt warnt seit den 90er Jahren vor Überlandfahrten und Überfällen durch bewaffnete Gruppen (Auswärtiges Amt 2015).

4.2 RENAMO und FRELIMO

Bedeutender Inhalt der mosambikanischen Geschichte und Grundlage dieser Hausarbeit ist der von 1977-1992 andauernde brutale Bürgerkrieg zwischen der Regierung beherrschenden (ehemals) marxistischen Truppen der Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO) und den Rebellen und Guerillas der Resistência Nacional Moçambicana (RENAMO). 1962, während Mosambik noch portugiesische Provinz war, vereinigte Eduardo Modlane verschiedene Gruppierungen in der FRELIMO und begann ab 1964 einen bewaffneten Kampf gegen die Kolonialmacht Portugal (Rupiya 1998:10). 1975 gelang das Aufbegehren und Mosambik wurde unabhängig Republik. Die FRELIMO, die jetzt die Regierung stellte, übernahm die Verwaltung eines der ärmsten Länder Afrikas, dessen Infrastruktur zerstört, Landflächen unbewohnbar und dessen Bevölkerung eine Analphabetenquote von 90% hatte. Sie entschieden sich für einen sozialistischen Entwicklungspfad und erklärte sich zu einer marxistisch, leninistischen Partei. Man etablierte ein kommunistisches Einparteiensystem, verstaatlichte Industriegebiete und unterdrückte die freie Religionsausübung. Förderer waren neben Tansania vor allem die Sowjetunion und andere Ostblockstaaten (wie z.B. die DDR). Die von weißen Minderheitsregimen[3] dominierten Nachbarländer Rhodesien und Südafrika fürchteten, dass schwarze Befreiungsbewegungen in ihren Ländern von der marxistisch orientierten FRELIMO unterstützt würden (Giesbert & Schindler 2011:6). Diese Vermutung traff zu (McLagan 2015). Die FRELIMO versorgte beispielsweise die schwarzen Rebellen Rodesiens, die Zimbabwean National African Liberation Army, die gegen die weiße Herrschaftsmacht agierten mit Waffen. Daraufhin wurde im Jahr 1977 vom weißen rhodesischen Geheimdienst die anti-kommunistische und terroristische Widerstandbewegung Resistência Nacional Moçambicana (RENAMO) gegründet, um gezielt die FRELIMO zu bekämpfen (Rupiya 1998:13 & Funada-Classen 2013:387). Mit zunehmender Kriegsdauer verselbständigte sich die RENAMO gegenüber ihren Förderern und schuf eine „auf Plünderungen und Auspressung der Zivilbevölkerung basierende Kriegsökonomie“ (Körner & Schlichte 2013). Die Führung der RENAMO übernahm 1979 Alfonso Dhlakama, der sie bis heute leitet. Als Rhodesien 1980 selbst unabhängig wurde, übernahm die südafrikanische Apartheits-Regierung die Unterstützung der RENAMO. Ziel war es Mosambik zu destabilisieren und zu verhindern, dass Kämpfer der südafrikanischen Unabhängigkeitsbewegung African National Congress in Mosambik eine Rückzugsbasis gründeten.

FRELIMO und RELAMO unterschieden sich also schon in Gründungsgedanken und Zielen gravierend voneinander. Während die FRELIMO Teil der schwarzen Unabhängigkeitsbewegung des südlichen Afrika war und - zumindest theoretisch - die Errichtung eines stabilen produktiven Landes zum Ziel hatte, war die RENAMO Produkt weißer Destabilisierungsmaßnahmen, welche den Deckmantel des anti-kommunistischen Kampfes trugen. Auch strategisch gingen die beiden Parteien sehr unterschiedlich vor: Die RENAMO Rebellen führten meist Guerillakämpfe und versuchten die Unterstützung der Bevölkerung für die FRELIMO zu untergraben. Sie führten Massaker an der Zivilbevölkerung durch, griffen öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kliniken aber auch Transportgüter wie Lastwagen und Fahrzeuge an und konzentrierten sich auf ländliche Gebiete, deren Kontrolle sie im Laufe der Zeit erlangten. Dort machten sie die kommunistischen Reformen rückgängig, terrorisierten die Zivilbevölkerung und zerstörten die Infrastruktur (Funada-Classen 2013:388ff). Die FRELIMO hatte im Gegenzug in den Städten und dem Beira-Limpopo Korridor die Oberhand und somit Zugang zu einer besseren Versorgung und Infrastruktur. Auch bot sie durch ein strukturiertes Militär einen gewissen Schutz in diesen Regionen, die sie als Basis für Angriffe gegen die RENAMO nutzte. Der blutige Bürgerkrieg wurde somit überwiegend auf dem Land ausgetragen. Weder FRELIMO noch RENAMO konnten jedoch einen militärischen Sieg erringen (Körner & Schlichter 2012).

Ende der 80er Jahre fiel die externe Konfliktebene mit den internationalen Akteuren weg. Das Ende der Apartheid war absehbar und für Südafrika bestand kein Interesse mehr die Region zu destabilisieren. Gleichzeitig verloren beide Seiten des Bürgerkrieges durch das Ende des kalten Krieges wichtige Geldgeber. Daraufhin fanden Treffen der Parteien vor allem mit Kirchenvertretern statt und beiden nahmen ab 1990 ernsthaft an Vermittlungen Teil. Vor allem die RENAMO musste erst einige Umwälzungen vollziehen, um sich von einer Rebellengruppierung zu einer politischen Partei zu organisieren. Am 4. Oktober 1992 wurde in Rom ein Friedensabkommen unterzeichnet. Am Ende des 16 Jahre dauernden brutalen Bürgerkrieges gab es in Mosambik fast 1 Millionen Tote, 5 Millionen Flüchtlinge und ein flächendeckendes Netz an Minen (Giesbert & Schindler 2011:6-7).

Nach dem Bürgerkrieg folgte eine weitestgehend stabile Phase. Die FRELIMO wurde zur Regierungspartei gewählt (was sie bis heute ist). Die RENAMO akzeptierte das Ergebnis, trotz Anzeichen für Wahlbetrug und wurde wichtigste Opposition. Sie verlor jedoch in den letzten Jahren zunehmend an politischer Bedeutung. Diesen Zustand versuchten RENAMO-Führer unlängst mit erneuter Waffengewalt auszugleichen. Am 21.10.2013 wurde nach 21 Jahren von Seiten der RENAMO das Friedensabkommen gekündigt (Macamo 2014 & Beck 2013). Nach einem Waffenstillstand im August 2014 unterzeichneten Präsident Armando Guebuza und RENAMO Anführer Afonso Dhlakama am 5. September 2014 jedoch erneut einen Friedensvertrag (aljazeera 2014).

5. Warum und wie die Sant`Egidio Gemeinschaft die von Wills und Giessmann beschriebenen Voraussetzungen eines guten Mediators aus Sicht der Konfliktparteien erfüllte

Giessmann und Wils veröffentlichten 2011 einen Artikel mit dem Namen Seeking Compromise? Mediation Through the Eyes of Conflict Parties. Darin beschreiben sie die Gründe, warum sich Konfliktparteien einen Mediator suchen, wie und wo Mediation stattfinden sollte, sowie welche Voraussetzungen und Eigenschaften, ein guter Mediator mitbringen sollte. Trotz des plakativen Titels der Veröffentlichung erfolgte in dem Dokument keine Meinungssammlung ehemaliger Konfliktpartner, sondern eher eine Fall- und Literaturanalyse, in die beide Autoren ihre eigenen Erfahrungen als Mediatoren einfließen ließen. Die darin beschriebenen Punkte und Voraussetzungen für einen guten Mediator bzw. eine gute Mediationsgruppe werden in diesem Kapitel genutzt, um die Rolle und Eigenschaften der Mediatoren um die Gemeinschaft Sant`Egidio und ihren Vertretern zu analysieren.

[...]


[1] Eine NGO oder im deutschen Sprachraum NRO (Nicht-Regierungs-Organisation) ist ein organisierter Zusammenschluss von Personen deren Ziel nicht Profit orientiert ist und die sich zum großen Teil ehrenamtlich engagieren und entweder humanitäre, kulturelle, religiöse, politische oder andere friedliche Ziele verfolgen. http://www.ngo.org/ngoinfo/define.html, Zugriffsdatum 6.11.2015

[2] Externe Entwicklungshilfe finanzierte den Staat zeitweise bis zu 50% (Macamo 2014)

[3] Die Bezeichnungen schwarz und weiß, die in dieser Hausarbeit genutzt werden, beziehen sich nicht auf die Hautfarbe von Personen, sondern betrachten die politische Einstellung und rassistische Einteilung im historischen Kontext der Apartheitspolitik in den verschiedenen Ländern des südlichen Afrika.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Warum war Sant'Egidio während der Friedensvermittlungen im mosambikanischen Bürgerkrieg von 1990 bis 1992 der richtige Mediator?
Untertitel
Eine Analyse nach Giessmann und Wills
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Konfliktregelung
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V323641
ISBN (eBook)
9783668227972
ISBN (Buch)
9783668227989
Dateigröße
750 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, sant`egidio, friedensvermittlungen, bürgerkrieg, mediator, eine, analyse, giessmann, wills
Arbeit zitieren
Anna Schäfer (Autor), 2015, Warum war Sant'Egidio während der Friedensvermittlungen im mosambikanischen Bürgerkrieg von 1990 bis 1992 der richtige Mediator?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323641

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