Auferstehung und Himmelfahrt Jesu in den vier Evangelien. Eine kritische Analyse


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2016

30 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Kurzgefasste Darstellung der Evangelienberichte, soweit sie die Geschehnisse nach der Kreuzigung Jesu schildern
Matthäusevangelium
Markusevangelium
Lukasevangelium
Die Erlebnisse der „Emmausjünger“
Johannesevangelium
Der ungläubige Thomas
Der Auferstandene am See Tiberias
Petrus und Johannes

II. Deutungen der von den Evangelisten geschilderten Ereignisse unter Berücksichtigung von Elementen des damals unter Griechen und Juden herrschenden Volksglaubens

III. Bedeutung der Berichte in den vier Evangelien über Jesu Auferstehung von den Toten und seine Himmelfahrt für mein eigenes Glaubensverständnis

Epilog

Vorwort

Während eines Gottesdienstes werden die Besucher regelmäßig vom Pfarrer oder der Pfarrerin dazu aufgerufen, mit ihm/ihr gemeinsam das Glaubensbekenntnis zu sprechen. Über viele Jahre hinweg habe ich bei meinen Gottesdienstbesuchen die Worte dieses Bekenntnisses mitgesprochen, habe jedoch in den letzten Jahren einzelne Sätze oder Worte verschwiegen, weil sie meinem Glaubensverständnis nicht entsprechen. Hatte ich das Glaubensbekenntnis in jüngeren Jahren noch mitgesprochen, ohne mir Gedanken über dessen Inhalt zu machen – ich hatte es halt im Konfirmandenunterricht einst so gelernt, in dem die Fähigkeit, es auswendig rezitieren zu können, Voraussetzung für das Bestehen der Konfirmandenprüfung war – wobei es für mich keine Verbindung zu meiner damaligen Lebenswelt hatte, so habe ich jetzt, in fortgeschrittenem Lebensalter, das Bedürfnis, mir darüber Klarheit zu verschaffen, was sich hinter den formelhaft rezitierten Worten des christlichen Glaubenbekenntnisses verbirgt, welche Bedeutung die Worte haben: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erden, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinab gestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel; er sitzt zur rechten Hand Gottes, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben.“

Mich interessieren hier besonders die von mir unterstrichenen Worte, also die Wiedergabe der Geschehnisse nach dem Kreuzestod Jesu im Glaubensbekenntnis.

Als Informationsquelle habe ich die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes herangezogen, in welchen das Leben Jesu, angefangen von seiner Geburt bis hin zu seiner Kreuzigung und Himmelfahrt, dargestellt wird, auch wenn die Vorstellung einer Jesus-Biographie nicht das einzige Ziel der Evangelien ist.

Wer allerdings bei einem Blick in die Evangelien meint, dort über die Geschehnisse nach Jesu Tod eine Fülle interessanter Informationen vorzufinden, die inhaltlich deutlich über die knappen Formulierungen des Glaubensbekenntnisses hinausgehen und ihm weitere Aufschlüsse und tiefere Erkenntnisse der damaligen Ereignisse vermitteln könnten, wird enttäuscht werden.

Bekanntlich liefern die Evangelien insgesamt keinen exakten Bericht über das Wirken Jesu auf Erden, dies war den Evangelisten schon deshalb nicht möglich, weil sie ihre Werke zum Teil erst Jahrzehnte nach Jesu Tod verfassten und Jesus selbst gar nicht persönlich kannten.

Die zeitlichen Abläufe seines Wirkens wurden, wie man heute weiß, häufig nicht korrekt dargestellt, die Worte Jesu, obwohl in wörtlicher Rede wiedergegeben, entsprachen, wenn überhaupt, nur inhaltlich dem, was Jesus zum Ausdruck bringen wollte und bedürfen häufig der Interpretation durch Bibelforscher und Theologen, die hierbei auch die Bücher des Alten Testaments und die Schriften der Apostel zu Rate ziehen.

Auch wenn die Evangelien somit nicht den Ansprüchen eines heutigen Lesers an gut recherchierte Information und exakte, durch zuverlässige Zeugen abgesicherte Darstellung erfüllen können, liefern sie doch für unseren Zweck ein gewisses Grundgerüst an Daten über die Ereignisse nach der Kreuzigung Jesu.

Die Evangelien stellen darüber hinaus ein wichtiges Glaubenszeugnis dar; in ihnen manifestiert sich das, was sowohl diejenigen Anhänger Jesu, die ihn noch zu seinen Lebzeiten selbst erlebt hatten als auch die nachfolgenden Generationen, die ihn zwar selbst nicht mehr kennen gelernt hatten, sich jedoch über die Vorgängergeneration mit ihm noch eng verbunden fühlte, in Jesus, in seinem Leben und seinem Wirken ,gesehen haben.

Nicht zuletzt sind in die Evangelien auch die Vorstellungen ihrer Auftraggeber darüber eingeflossen, wie man den Gläubigen am besten das Leben Jesu und Wirken Jesu, aber auch das Wirken der Apostel, nahe bringen sollte, um die Gläubigen im Sinne der von den Aposteln und ihren Nachfolgern entwickelten Glaubenslehren zu beeinflussen.

Man könnte fast meinen, wenn man in den Evangelien liest, dass das Interesse der Evangelisten, den Lesern die Botschaft Jesu nahe zu bringen, ihr Interesse, diesen die Ereignisse nach seinem Tod zu schildern, überwog, wenn man die bei einigen Evangelisten recht lapidare Darstellung der Geschehnisse betrachtet.

Mir kommt es so vor, als seien die Evangelisten bei der Schilderung dieser Begebenheiten ein wenig lustlos gewesen und hätten nur zur Feder gegriffen, um ein Informationsbedürfnis ihrer Leser zu befriedigen oder um einen ihnen erteilten Auftrag zu erfüllen.

Dieser Eindruck wird auch nicht durch mein Wissen beeinträchtigt, dass in der Christenheit die Tage, an denen jährlich die Auferstehung Jesu von den Toten und seine Himmelfahrt gefeiert wird, die höchsten kirchlichen Feiertage sind.

I. Kurzgefasste Darstellung der Evangelienberichte, soweit sie die Geschehnisse nach der Kreuzigung Jesu schildern

Betrachten wir nun die Evangelien im Einzelnen, geordnet nach der Reihenfolge der Ereignisse nach Jesu Tod.

Die Berichte der Evangelisten über die Grablegung Jesu weichen nur wenig voneinander ab.

Bei Matthäus, Markus und Lukas setzt Josef aus Arimathäa, bei Matthäus und Johannes ein Jünger Jesu, bei Markus ein angesehener Ratsherr, Jesus in einem ihm gehörenden Felsengrab.bei. Bei Johannes ist auch ein Nikodemus an der Grablegung beteiligt, die in einem Garten nahe der Kreuzigungsstätte erfolgt. Im Matthäus- und im Markusevangelium wird der Eingang zu dem Grab durch einen großen Stein verschlossen; bei Lukas und Johannes fehlt dieses Detail. Mir erscheinen die Abweichungen in den Berichten zwar bemerkenswert, für die Beurteilung des Geschehens jedoch unerheblich.

Matthäusevangelium

Als Maria Magdala und eine weitere Frau namens Maria nach dem Grab sehen wollen, ereignete sich lt. Matthäus zur gleichen Zeit in der Region ein starkes Erdbeben. Ursache hierfür war angeblich die Herabkunft eines Engels vom Himmel, der den Stein von Jesu Grab hinwegwälzte und sich darauf niederließ. Bei den anderen Evangelisten gibt es keinen Bericht über ein derartiges Erdbeben, und es ist zu fragen, ob es sich hier vielleicht nur um einen inszenierten „Theaterdonner“ handelte, mit dem das Erscheinen des Engels und sein Handeln wirkungsvoll in Szene gesetzt werden sollte. Weiter heißt es bei Matthäus, die Wachen seien vom Anblick des Engels erschreckt worden (wahrscheinlich auch durch das fiktive Erdbeben) und hätten wie tot dagelegen. Dann konnten sie vielleicht auch nicht bemerkt haben, dass der Stein vom Engel fortgewälzt wurde. Von ihnen ist dann nicht weiter die Rede; der Engel spricht vielmehr nur zu den Frauen, indem er diesen mitteilt, dass Jesus auferstanden sei, wobei er überflüssigerweise darauf hinweist, dass Jesus dies bereits gesagt habe, (Damit wird auf Lukas 9, 22 verwiesen, wo es heißt: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferstehen.) Dies sagte Jesus aber nur zu seinen Jüngern, zu denen bekanntlich keine Frauen gehörten. Die beiden Frauen namens Maria können demnach diese Worte damals nicht vernommen haben und konnten deshalb mit den Worten des Engels nichts anfangen. Der Engel will offensichtlich damit zum Ausdruck bringen, dass Jesus von seinem Kreuzestod und seiner Auferstehung von den Toten gewusst hat, womit sich nun ein Bibelwort bewahrheitet hätte. Wusste Jesus aber von dem ihm vorbestimmten Tod und der diesem folgenden Auferstehung, dann, so lässt sich schließen, war dies der Wille Gottes, und beschlossene Sache, die unausweichlich war. Seinen Anhängern konnte somit nicht vorgeworfen werden, sie hätten Jesus im entscheidenden Moment seiner Festnahme im Stich gelassen Hierin zeigt sich die Absicht der damaligen Theologen, Tod und Auferweckung Jesu von den Toten, Voraussetzung für den Glauben an seine Himmelfahrt, als göttliche Fügung erscheinen zu lassen. Wäre Jesus nur deshalb gekreuzigt worden, weil ihm seine Gefährten nicht rechtzeitig und tatkräftig Beistand geleistet hätten, dann wäre er nur einer von vielen anderen gewesen, die damals gegen die jüdische Obrigkeit aufmüpfig waren und denen ihre verdiente Strafe zuteil wurde. Als zentrale Leitgestalt des christlichen Glaubens hätte Jesus dann nicht fungieren können. -

Auf Geheiß des Engels, schreibt Matthäus weiter, hätten sich die beiden Frauen eilends vom Grab entfernt, um die Jüngern die erfreuliche Nachricht von der Auferstehung Jesu zu verkünden. Tatsächlich sei Jesus den beiden Frauen kurz darauf begegnet (Woher kam er? Wo hatte er sich nach seiner Auferstehung aufgehalten? - wäre zu fragen) und habe sie - ohne Umschweife und ohne weitere Erklärungen – aufgefordert, die Tatsache seiner Auferstehung den Jüngern mitzuteilen. Diese sollten nach Galiläa gehen, ( wohl, damit sich dadurch die Wahrheit eines weiteren Bibelworts erweisen sollte), wo sie Jesus suchen sollten.

Mittlerweile hatten einige Wachsoldaten den Hohenpriestern berichtet, was sie erlebt hatten. Ob sie auch von dem ominösen Erdbeben berichteten, das mit der Erscheinung des Engels verbunden war und ob sie durch das Zusammentreffen dieser zwei Ereignisse so sehr erschreckt waren, dass sie die Entfernung des Steins vor dem Grabe und die Auferstehung Jesu deshalb nicht bemerkten, wird nicht überliefert. Vielleicht haben sie einfach gesagt: „Die Leiche ist nicht mehr da!“ Statt sie nun für ihre Nachlässigkeit zu tadeln, gaben ihnen die Hohenpriester Geld dafür, dass sie überall erzählten, die Jünger Jesu hätten seinen Leichnam gestohlen, während sie schliefen. (Wer weiß denn, ob sich dies nicht wirklich so verhielt? Vielleicht gab es gar keinen Engel, den Matthäus selbst gewiss nicht gesehen hat und der möglicherweise nur in der Einbildung der beiden Frauen existierte?)

Weiter bei Matthäus: Als die Jünger aufgrund der Aufforderung der beiden Frauen, die eine angebliche Weisung Jesu befolgten, nach Galiläa gekommen waren, sei ihnen Jesus erschienen und habe sie (offenbar durch seine Erscheinung) so sehr erschreckt, dass sie vor ihm zu Boden fielen, „ einige aber zweifelten.“ Warum und woran zweifelten diese Jünger?

Etwa daran, dass dieser Mensch, der dort vor ihnen stand, Jesus war? Sah er etwa nicht so aus wie der Jesus, den sie kannten und noch vor wenigen Tagen gesehen hatten? Wie viele haben gezweifelt? Waren es wenige oder gab es eine größere Anzahl von Zweiflern? Diese Person, die da vor den Jüngern stand, hatte diesen nicht viel zu sagen (warum war sie so wortkarg, fürchtete sie vielleicht, als Pseudo-Jesus enttarnt zu werden, wenn sie zu viel sprach und von ihren Erlebnissen als von den Toten Auferstandener berichtete? Wir wissen es nicht. Jedenfalls wollte diese Person noch eine Botschaft an die Jünger loswerden, die ganz im Sinne der Apostel war, die weitere Anhänger gewinnen wollten, eine Botschaft, die später als „Missionsbefehl“ oder „Missionsauftrag“ bekannt wurde: „…. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ u.s.w. Wie denn? War das der gleiche Jesus, der seine Jünger zu Lebzeiten noch strikt angewiesen hatte, nicht den Weg zu den Heiden zu gehen und in keine Stadt der Samariter zu ziehen, sondern zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel zu gehen (Mtt.10, 5-6)?

Woher dieser plötzliche Sinneswandel, der den Aposteln sicherlich gelegen kam? Der auferstandene Jesus konnte doch nicht wissen, dass in seinem Namen die Völker missioniert werden sollten. Hätte der Auferstandene nicht auch zu seinen Jüngern sagen können: „Nun setzt mein Werk fort und verkündet dem jüdischen Volk weiterhin meine Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen und sein Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, so dass ihr alle Juden zu meinen Jüngern macht!“

In meinen Augen hat dieser dubiöse „Missionsbefehl“ ein „Geschmäckle“; er sollte die Ausbreitung des Glaubens an Jesus sowie an Christus als der zum Himmel gefahrene Jesus auch bei Nichtjuden fördern, entgegen des erklärten Willens Jesu zu seinen Lebzeiten, seine Botschaft nur den Juden verkündigen zu wollen.

In meinen Augen gibt es daher diesen angeblichen „Missionsbefehl“ Jesu bei Matthäus nicht; die Apostel konnten sich bei ihrer Mission anderer Völker nicht zu Recht auf ihn berufen.

Und was ist mit der Auferstehung Jesu, der zentralen Glaubensbotschaft des Christentums?

Für Matthäus findet diese schlicht nicht statt, über eine Auferstehung Jesu berichtet er nichts. Warum finden wir bei Matthäus keinen Bericht über Jesu Auferstehung? Hatte er darüber bei der Erstellung seiner Schrift noch nichts gehört (was kaum anzunehmen ist), oder glaubte er selbst nicht an ein solch wundersames Geschehen und wollte seinen Lesern die Lektüre nicht zumuten? Mir erscheint dies rätselhaft; es lässt die christliche Glaubensbotschaft in einem zweifelhaften Licht erscheinen, wenn ein so bedeutender Evangelist wie Matthäus die Auferstehung Jesu unerwähnt lässt. ( Obwohl es sicherlich schwierig ist, einen ungewöhnlichen Vorgang wie die Auffahrt eines Menschen in einen (abstrakt gedachten) Himmel zu schildern, hätte Matthäus doch wenigstens erwähnen können, dass eine Himmelfahrt Jesu stattgefunden hat.) Doch ist er nicht der einzige Evangelist, bei dem nichts über die Auferstehung zu lesen ist

Markusevangelium

Bei Markus gehen drei Frauen, außer den beiden bereits bei Matthäus erwähnten Frauen mit Namen Maria auch eine Frau namens Salome, zum Grab, um den Leichnam Jesu zu salben.

Als sie noch überlegen, wer für sie den großen Stein vor Jesu Grab hinweg wälzen könnte, bemerken sie, dass dies bereits geschehen ist. Offenbar hatte dies ein Jüngling in weißem Gewand getan, (wohl ein Engel?), der sie nun darüber informierte, dass Jesus auferstanden sei. Sie sollten dessen Jünger auffordern, nach Galiläa zu gehen (wie bei Matthäus), wo sie ihn, zusammen mit den beiden Frauen, sehen würden. Sinngemäß heißt es weiter bei Markus: Aus Furcht sagten sie niemand etwas, weil sie sich fürchteten.

Hiermit endet das Markusevangelium in seiner ältesten, ursprünglichen Fassung, denn über die folgenden Verse 16, 9 – 20 , in denen über die Erscheinung Jesu vor seinen Jüngern und seine Himmelfahrt berichtet wird, heißt es in der Anmerkung hinter Vers 20 in der Lutherbibel: „ Nach den ältesten Textzeugen endet das Markusevangelium mit Vers 8. Die Verse 9 – 20 sind im 2. Jahrhundert hinzugefügt worden, vermutlich, um dem Markusevangelium einen den andern Evangelien entsprechenden Abschluss zu geben.“

Damit sind diese Verse mit den darin geschilderten Geschehnissen nicht authentisch und können deshalb hier unkommentiert bleiben.

Es stellt sich jedoch auch hier die Frage, warum Markus nichts über die Auferstehung Jesu, seine Erscheinung vor den Jüngern und seine Himmelfahrt berichtet.

In Vers 19 des nichtauthentischen Teils des Markusevangeliums heißt es: „Jesus wurde aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. Der Verfasser dieses Textes kann nicht gewusst haben, wie sich die Ankunft Jesu im Himmel nach seiner Himmelfahrt gestaltete, wie die Rollenverteilung dort war und welcher Platz Jesus im Himmel zugewiesen wurde. Diese wenigen Worte aus dem Text eines unbekannten Autors wurden jedoch Bestandteil des christlichen Glaubensbekenntnisses. Wenn der Vers des Markusevangeliums, dem dieser Satz des Glaubensbekenntnisses entstammt, sich als unecht, weil nicht authentisch, herausgestellt hat ( und somit obsolet ist), wäre es dann nicht an der Zeit, die Worte „er sitzt zur Rechten Gottes“ ersatzlos aus dem Glaubensbekenntnis zu streichen - denn einen anderen Beleg für diese Behauptung gibt es m. W. nicht - anstatt diese Formulierung immer wieder in jedem Gottesdienst als persönliches Glaubensbekenntnis des Gottesdienstbesuchers rezitieren zu lassen? Am Inhalt des Glaubensbekenntnisses würde sich dadurch nicht viel ändern.

Lukasevangelium

Fahren wir mit der Kommentierung dessen fort, was bei Lukas über die Auferstehung Jesu, seine Erscheinung vor seinen Jüngern und seine Auferstehung zu lesen ist.

Bei Lukas sind es zwei Männer in glänzenden Kleidern, die zu den Frauen traten, welche zum Grab Jesu gekommen waren, um seinen Leichnam mit wohlriechendem Öl zu salben und den Stein vor dessen Eingang bereits weggeräumt vorgefunden hatten. Dass diese Männer glänzende Kleidung trugen, legt die Spekulation nahe, dass es sich bei ihnen nicht um Engel, wie bei den Evangelisten Matthäus und Markus, sondern um wohlhabende Juden aus dem Kaufmannsstand , möglicherweise aus dem weiteren Kreis der Jesusanhänger, gehandelt haben könnte, die den Leichnam Jesu an sich gebracht hatten, um sowohl diesen vor einer möglichen Vereinnahmung durch die Römer, als auch seine Grabesstätte vor einer von ihnen nicht erwünschten kultischen Verehrung durch seine Anhänger zu bewahren. Eine solche Verehrung hätte sicherlich den Zorn der Hohenpriester und Schriftgelehrten heraufbeschworen, die vielleicht sogar den Leichnam hätten exhumieren und verbrennen lassen können. Demgegenüber wäre das unauffällige verschwinden lassen des Leichnams unter Hinweis auf die bereits erfolgte Auferstehung Jesu von den Toten das geringere Übel gewesen. Was freilich mit dem Leichnam Jesu tatsächlich geschehen wäre, wenn man dieser Spekulation gedanklich folgt, möchte ich hier nicht weiter erörtern. Wir wissen es nicht, und es gibt keine Anhaltspunkte für weitergehende Überlegungen. - Nachdem die Männer in den glänzenden Kleidern den beiden Frauen mitgeteilt haben, Jesus sei auferstanden, fügen sie noch hinzu, sie sollten sich noch daran erinnern, was Jesus ihnen einst in Galiläa gesagt habe. (Lukas spielt hier darauf an, dass Jesus damals zu seinen Jüngern gesagt habe, er werde viel leiden müssen, werde getötet werden und am dritten Tage wieder auferstehen. (Lukas 9, 22). Die beiden Frauen waren bei dieser Voraussage Jesu, die er nur an seine Jünger gerichtet hatte, gar nicht dabei gewesen, hätten sich infolgedessen auch gar nicht daran erinnern können. Als den Aposteln der Bericht der beiden Frauen über die Auferstehung Jesu zu Ohren kam, meinten sie, es handele sich um Geschwätz und glaubten ihnen nicht.

Die Erlebnisse der „Emmausjünger“

Bei den so genannten Emmausjüngern handelte es sich nicht um Jesu Jünger im engeren Sinne, also nicht um die nach dem Ausscheiden von Judas Iscariot, dem Verräter, aus dem Kreis der Jünger noch verbliebenen elf Jünger, sondern um zwei Männer, die dem Kreis der Jünger nahe standen bzw. mit der Lehre Jesu sympathisierten.

Während sich diese zwei Männer während eines Fußmarsches von Jerusalem in das unweit gelegene Dorf namens Emmaus noch über die Begebenheiten im Zusammenhang mit Jesu Tod unterhielten, gesellte sich ein Mann zu ihnen - Lukas identifiziert ihn bereits als Jesus –mit dem sie ins Gespräch kamen und mit dem sie sich über die oben erwähnten Geschehnisse unterhielten. Lukas schreibt, ihre Augen seien so „gehalten“ gewesen, dass sie ihn nicht (als Jesus) erkannten. Das heißt doch wohl, dieser Mann sah Jesus nicht ähnlich und war überhaupt nicht Jesus, denn sicherlich war den Jüngern der Anblick Jesu, ihres geliebten Meisters, mit dem sie ständig Umgang gehabt hatten und mit dem sie noch vor kurzem zusammen gewesen waren, immer noch so vertraut, dass sie ihn auf Anhieb erkannt hätten. Es wird jedoch nicht berichtet, dass der Unbekannte ihnen als jemand erschienen wäre, der gerade dem Tode entronnen ist und deshalb ein so stark verändertes Aussehen aufweist, dass ihn auch gute Bekannte und Freunde nicht wieder erkennen können. Als der Fremde fragt, worüber sie gerade sprechen, waren sie verwundert und gleichzeitig traurig darüber, dass er von den Begebenheiten, die sich vor kurzem in Jerusalem ereignet hatten, anscheinend noch nichts erfahren hatte. Vielleicht hatte der Fremde hierüber tatsächlich nichts gewusst, denn die Hinrichtung Jesu hatte sich, wenige Tage nach dessen Tod, sicherlich nicht sofort bis in jedes Dorf in der Umgebung Jerusalems herumgesprochen. Die modernen Medien mit ihren schnellen Kommunikationsmöglichkeiten gab es damals noch nicht. - Kleopas, einer der beiden Emmausjünger, klärt den Weggenossen über die Geschehnisse in Jerusalem auf und meint, sie (d.h., die Jünger), hätten gehofft, Jesus sei derjenige, der Israel erlösen werde.

Das klang nicht danach, als seien sie der Auffassung, Jesus sei gekommen, um die Menschen in aller Welt von ihren Sünden zu erlösen, wie es die Apostel verkündeten. Für mich beweist diese Bibelstelle, dass für Jesu Anhänger sein Wirken einzig und allein dem Volke Israel bzw. dem jüdischen Volk galt, nicht jedoch den heidnischen Völkern.

Nachdem die beiden Emmausjünger ihrem Wegbegleiter ausführlich geschildert hatten, was ihrem Meister in Jerusalem widerfahren war, begann dieser, ihnen auszulegen, was in der Bibel über Jesus und sein Wirken geschrieben stand. Offensichtlich handelte es sich bei diesem Menschen um einen profunden Bibelkenner, vielleicht um einen Rabbi aus einem der Orte in der Umgebung, der den Jüngern, einfachen Menschen, die nicht alle des Lesens und Schreibens kundig waren, mit seinem großen Bibelwissen zweifellos imponierte. Aber hätte auch der wirkliche Jesus, der doch seine Pappenheimer kannte und wusste, was er von ihrem Bibelwissen zu halten hatte, so belehrend zu ihnen gesprochen, nur um ihnen seine große Kenntnis der Heiligen Schriften zu präsentieren?

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Auferstehung und Himmelfahrt Jesu in den vier Evangelien. Eine kritische Analyse
Autor
Jahr
2016
Seiten
30
Katalognummer
V323670
ISBN (eBook)
9783656987918
ISBN (Buch)
9783656987925
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auferstehung, himmelfahrt, jesu, evangelien, eine, analyse
Arbeit zitieren
Dr. Harald Schütz (Autor), 2016, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu in den vier Evangelien. Eine kritische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323670

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