Männlichkeitskonstruktionen in der Bild- und Kunstgeschichte. Zum Projekt „Save The Date“ des Künstlers Mischa Badasyan


Hausarbeit, 2015

64 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beispiele von Männlichkeitsdarstellung verschiedener Epochen

3. Mischa Badasyan: „Save The Date“

4. Wie wird „Männlichkeit“ in „Save The Date“ (de-)konstruiert?
a) Hegemoniale Männlichkeit
b) Maskerade

5. Fazit

6. Anhang: Interview Mischa Badasyan

7. Bilderverzeichnis

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Männlich. Weiblich. Diese Dichotomie der Geschlechterwahrnehmung prägt unser ganzes Leben. Ein Konstrukt, welches ab Tag Eins eines menschlichen Bestehens das Sein vordefiniert. Sie bestimmt die Optik, das Verhalten, die Vorlieben, sogar die Ernährungspräferenzen eines Menschen1. Rahmenbedingungen, die gesellschaftlich auferlegt werden, werden durch biologische Argumentation „legitimiert“. Scheinbar starr und unbeweglich wirken sie. So als wäre all das, was eigentlich liquide und konstruiert ist, ein festes Mauerwerk. Ein gesellschaftliches Mauerwerk, welches keine Ausnahmen zulässt.

Gesellschaften haben allerdings, vermutlich ohne diese Absicht zu hegen, eine Chronik erschaffen, die beweist, dass feste Geschlechterbilder als solche nicht existent sind: Museen und Ausstellungen. Mit Sicherheit lässt sich dies auch auf andere Ebenen außer die der schaffenden Künste extrapolieren, zum Beispiel die Medizin oder die Literatur. Doch kaum ein Bereich der Gesellschaft lässt solch einen visuellen und greifbaren Zugang zu der Konstruktion von Geschlechternormen zu, wie die haptische Kunst2. Mit mehr oder weniger präzisen Datierungen können die Betrachtenden eine Art Zeitreise in die jeweilige Vorstellung eines normativ männlichen oder eines normativ weiblichen Bildes machen. Öffnet man also den eigenen Blick für diese gender-spezifische Beobachtungsart, erkennt man schnell, dass Männlichkeit und Weiblichkeit eine gesellschaftliche Konstruktion sind.

In dem nun vorliegenden Text werde ich einige Beispiele zu Männlichkeitskonstruktionen in der Bild- und Kunstgeschichte geben, das Projekt „Save The Date“ des Berliner Künstlers Mischa Badasyan vorstellen und dieses unter einem genderspezifischen Blickwinkel analysieren.

2. Beispiele von Männlichkeitsdarstellung verschiedener Epochen

Anhand einiger Beispiele3 werde ich im Folgenden versuchen, einen sehr groben Überblick über die in der Malerei reproduzierte Wahrnehmung von Männlichkeit wiederzugeben.

Das erste zu betrachtende Werk erschien im Jahre 1539/40 (Abb. 1, S. 58). Es handelt sich hierbei um ein Portrait des Kardinals Pietro Bembo, gemalt von Tizian, welches sich in der National Gallery of Arts in Washington D.C. befindet. Der Kardinal trägt eine rote Mozetta und ein rotes Birett, welche Teil der Kardinalstracht sind. Sein Unterkleid ist fast gänzlich weiß. Er trägt einen opulenten Bart. Seine rechte Hand hält er auf Bauchhöhe. Sie ist leicht geöffnet. Der Blick des Kardinals geht zur Seite. Der Bart ist in diesem Gemälde das deutlichste Männlichkeitsattribut. Das Gesicht hat kantige Züge, allerdings ist die Haut glatt und gar jugendlich, während die weiße Farbe des Bartes auf ein höheres Alter deuten lässt. Er strahlt Ruhe und Sicherheit aus. Sein Blick entgegnet zwar nicht dem des_der Betrachtenden, aber er erweckt den Eindruck von Stärke und Willenskraft. Seine geöffnete Hand könnte als Platzhalter für ein religiöses Attribut verstanden werden.

In einer ähnlich zu verordnenden Datierung befindet sich das zweite zu betrachtende Gemälde (Abb. 2, S. 58). Das Portrait von Papst Paulus III., gemalt 1545/46, ebenfalls von Tizian, ist Teil des Bestandes des sich in Neapel befindenden Museo di Capodimonte. Papst Paulus III. trägt ebenfalls einen weißgrauen Vollbart. Auch das rote Schulterkleid und das weiße Unterkleid finden sich hier wieder. An seiner rechten Hand trägt er einen Ring. Womöglich handelt es sich hierbei um den Fischerring, der Amtsring des Papstes.

Obgleich wir uns im Zeitalter der Renaissance befinden, ist der Bart in diesem Kontext ein religiöses Zeichen. Hohe religiöse Positionen waren (und sind) allerdings Männern vorbehalten. Der Bart kann also hier als Machtsymbol verstanden werden. Er symbolisiert einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und Wohlstand. Jedoch birgt die Renaissance neue Ansichten. In diesem Zeitalter wandelt sich der Status der Kirche. Zwar ist sie immer noch präsent und mächtig, allerdings gewinnen Wissenschaft, Bildung und das Suchen nach Antworten an enormem Stellenwert. Man will gepflegt und modern auftreten, der Bart gilt als „unzivilisiert“. Er wird zur Symbolik des Wilden, des Alten, der rohen Männlichkeit.

Erkennen kann man dieses Phänomen in dem 1635/36 von Diego Velazquez gemalten Portrait von dem spanischen Bildhauer Juan Martinez Montanes (Abb. 3, S. 59). Die Kleidung ist schlichter, der Blick immer noch stark und kantig. Im Unterschied zu den vorangegangenen Portraits, sieht man hier Montanes bei seinem Handwerk, der Bildhauerei. Nun sind die Insignien der Macht nicht mehr religiös, sondern handwerklich geprägt. Auch der Bart nimmt eine neue Form an. Im Gegensatz zu den wilden Vollbärten der Vorgänger, ist der Bart Montanes gestutzt, gepflegt und in Form gebracht.

Ein noch deutlicherer Unterschied ist allerdings in dem 1723 von Jean Ranc gemalten Portrait von König Philipp V. von Spanien zu sehen (Abb. 4, S. 59). Das Gesicht ist bartlos, dafür umrahmt eine weiße Perücke seinen Kopf und die Schultern. Der Blick, der den Betrachtenden entgegen sieht, ist zwar fest, doch durch das leichte Lächeln wirkt er gar freundlich. Die Robe des Königs ist opulent. Der Stoff wirkt samtig und ist reich verziert mit goldenen Mustern. Um seine Taille ist schwungvoll ein rotes Tuch gebunden. Unter seinem blauen Mantel trägt er eine gerüschte Bluse. Vor ihm liegt ein Helm und in seiner rechten Hand trägt er ein Fernrohr. Um seinen Oberkörper herum ist eine Art Schutzkleidung mit goldener Zier zu erkennen. Durch den Hintergrund erkennt man, dass der König sich in freier Natur befindet. Seine linke Hand zeigt von ihm weg. Die Zeichen von Männlichkeit haben sich also gewandelt. Während Haare und Kleidung weicher und gepflegter geworden sind, im heutigen Verständnis sogar feminin wirken, das Gesicht sogar ein Lächeln andeutet, erkennt man durch den Helm, die Schutzkleidung und das Fernrohr, dass es sich um eine zum Kampf bereite Person handelt. Die äußeren Attribute ändern sich also, während das Grundverständnis von Stärke, Kampf und Verteidigung als männliche Eigenschaft bestehen bleibt.

Diese Stärke und Militanz sieht man in weiterentwickelter Form in dem Portrait des Admirals Sir Horatio Nelson, gemalt von Lemuel Francis Abott im Jahre 1799 (Abb. 5, S. 60). Die Haare sind deutlich kürzer, jedoch ist auch hier das Gesicht bartlos. Der Admiral ist eingekleidet in seiner Tracht. Die Abzeichen auf seiner Brust betonen seine Position und Wichtigkeit. Das Gesicht an sich wirkt dennoch zart. Auch hier erkennt man erneut die Repräsentation von Macht und Stärke, trotz sich wandelnder Erscheinung.

Parallel entwickeln sich andere Strömungen. Die Romantik tritt auf. Männlichkeit bekommt neue Richtungen. Androgynität wird zum großen Thema vieler Künstler, beispielsweise in Jacques-Louis Davids Sappho und Phaon aus dem Jahre 1809 (Abb. 6, S. 60). Dort sind nebst einer Frau, Phaon, ihr Geliebter Sappho und Cupdio zu erkennen. Cupido, der Liebesengel oder Liebesgott, wird im Allgemeinen meist androgyn dargestellt. Neu ist allerdings die Darstellung des Jünglings. Er hat feminine, weiche Gesichtszüge. Seine Robe ist nicht eindeutig als „männliche“ Kleidung zu definieren. Auch seine Körperhaltung könnte weibliche Körperpartien vermuten lassen, zum Beispiel im Brustbereich. Als „männlich“ erkennbar machen ihn hier also keine körperlichen Eigenschaften, sondern sein Speer und Bogen. Die Wirkkraft der Kunst ändert sich. Sie ist nicht mehr nur als religiös, politisch, abbildend oder ähnliches zu verstehen, sie erzeugt Begehren. Sie dient als Podium für Experimente der Sexualität. Auch wenn das eine Funktion ist, die nicht erst ab dem achtzehnten Jahrhundert zu verorten ist, so ist die Darstellung des androgynen Jünglings, der nicht mehr eindeutig maskulin ist, eine neue Art Begehren auszudrücken.

In der Moderne kehrt erneut ein militärisch geprägtes Männlichkeitsbild zurück. Bedingt durch die politische Lage4, ist die Wichtigkeit der Demonstration von Kampfbereitschaft erneut gestiegen. Die Verspieltheit der Romantik ist vergangen, die Präsenz von Machtinsignien findet wieder ihre Rückkehr. In dem 1886 entstandenen Portrait von Kaiser Wilhelm II., gemalt von Christian Heyden (Abb. 7, S. 61), lässt sich dies gut erkennen. Sowohl die Körperhaltung des Kaisers, als auch die Präsentation seiner militärischen Stärke durch Spitzhelm, Schwert und Orden, zeigt Unterverwundbarkeit und Macht. Jedoch lässt sich hier die Vermutung wagen, dass die Romantik durch die Etablierung der Ästhetik ihre Spuren hinterlassen hat. Der Kaiser trägt einen Pelzmantel, hat kurzes gepflegtes Haar und einen spitzzulaufenden Schnurrbart. Es ist also ein Männlichkeitsbild, was zum einen Härte zeigt, zum anderen aber eine starke Betonung des ästhetischen Äußeren darbietet.

Durch das Aufkommen verschiedenster neuer Medien ab Neunzehnhundert, eröffnen sich neue Darstellungsweisen in der Kunst. Eine große erste Revolution stellt die Fotografie dar5. Sie ermöglicht eine noch genauere Abbildungsform des jeweiligen Zeitgeistes. Fotografie wird zum Gegenstand der (Selbst-)Inszenierung. Popkultur mischt sich mit Politik und Kunst. Das berühmte Foto von Che Guevara aus dem Jahre 1960, geschossen von Alberto Korda (Abb. 8, S. 61), repräsentiert ihn zum Beispiel nicht nur als politische Figur und Männlichkeitsbild, sondern als Idol einer Jugendbewegung. Männlichkeit wird zu einer öffentlichen Domäne. Sein Bild wird als Aufnäher an Jacken getragen, als Poster an Wände befestigt oder dient als Vorlage für ähnlich stilisierte Fotografien. Er wird zum Modeidol vieler junger Männer und beeinflusst damit viele Generationen.

Die Liberalisierung der Gesellschaft kombiniert mit dem technischen Fortschritt, ermöglicht viele neue Wege Kunst zu schaffen. Gesellschaftliche Fragen, neue Erkenntnisse und politische Ereignisse führen dazu, dass sich Kunstformen wie die Body Art oder die Performancekunst etablieren. Anfangs oft durch feministische Aktivistinnen genutzt, ist die Performancekunst mittlerweile eine gängige Ausdrucksform Kunstschaffender. Performances können politisch sein, doch sie sind mittlerweile im weitesten Sinne in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Von öffentlichen Flashmobs bis hin zu Performances über Social Media, ist die Zielgruppe breit gefächert. Jedoch birgt die Performancekunst durch ihre große Bandbreite viel Platz für verschiedenste Themennischen. Während Künstler_innen wie Paul McCarthy eher auf Schockmomente mit verborgener Gesellschaftskritik setzen (Abb. 9, S. 62), gibt es auch andere, beispielsweise Yoko Ono, die bestehende (patriarchale) Strukturen durch ihre Performances kritisch hinterfragen (Abb. 10, S. 62).

3. Mischa Badasyan: „Save The Date“

Mit einem solchen Performance-Künstler habe ich mich beschäftigt. Mischa Badasyan, ein 27-jähriger Armenier, geboren in Rostow am Don in Russland, lebt seit sechs Jahren in Deutschland. Seit vier Jahren ist der Student der Kulturwissenschaften als Performance-Künstler aktiv6.

In Russland erlebt Badasyan eine verhärtete Gesellschaft, seine Homosexualität lebt er dort nicht aus. Bis heute hat er sich nicht offiziell geoutet. Politischer Aktivismus im Zusammenhang mit Menschenrechten, ist ihm schon lange ein großes Anliegen. Sich selbst betrachtet Badasyan als „Artivist“, eine Mischung aus „Art“, also Kunst und „Aktivist“7. Aufgewachsen ist er in einem armenischen Haushalt. Durch die politischen Zustände Russlands hat er ein breites Spektrum an Diskriminierungserfahrungen erlebt, die zum einen rassistisch zum anderen homophob geprägt sind. Das schlimmste Erlebnis geschah, als Badasyan 2012 nach Russland fuhr. Dort wurde er via Vkontakte.ru, dem russischen Äquivalent zu facebook, von einem jungen Mann angeschrieben, der sich mit ihm treffen wollte. Als er am Treffpunkt erschien, empfängt ihn eine Gruppe von Neo-Nazis, die ihn schlagen und zwingen ein „Geständnis“ via Video abzulegen. Er musste zugeben, homosexuell zu sein. In dem Video wird er misshandelt. Danach schickten diese Personen das Video an Badasyans Freunde, die sich massenhaft von ihm abwanden8. Um solche Erfahrungen zu verarbeiten, nutzt er die Kunst als Ventil. Badasyan stellt sich seinen Ängsten und Unsicherheiten, um sie in Kreativität umzukehren. Die Art und Weise, diese zu präsentieren variiert. Badasyan arbeitet mit visueller Darstellung durch seinen eigenen Körper, aber auch mit Videoinstallationen, Poesie oder Skulpturen. Seine Performances finden oftmals unangekündigt statt, sodass das Publikum oft nicht Bescheid weiß, dass es ein Teil vom Ganzen ist9.

Sexualität ist für ihn ein großes Kernthema. Körper und Nacktheit gehören zu seinen wichtigsten Instrumenten. In seiner ersten großen Performance „Body Cult“, steht Badasyan nackt in einer Halle, durch welche verschiedenste Menschen gehen. Es befinden sich keine Anweisungen an seinem Körper, jedoch liegt ein Rasierer neben ihm. Anfangs sind die Menschen irritiert, doch nach und nach fangen sie an, seinen Körper zu rasieren, bis fast keine Körperbehaarung mehr an ihm zu finden ist. Nur seine intimen Stellen werden ausgelassen. Dadurch will er aufzeigen, welche Macht andere Menschen über fremde Körper haben und wie der Effekt der Masse Menschen zu Handlungen verleitet, die sie als Individuum vermutlich nicht tätigen würden10.

In seinen Arbeiten diskutiert Badasyan viele gängige Phänomene neu. Was ist Schönheit? Was ist Sexualität? Was bedeutet Homophobie? Was ist Angst und wie kann man gegen sie ankommen? Diese Themen sind in seinem aktuellsten Projekt vertreten: „Save The Date“.

„Save The Date“ ist ein Langzeitprojekt. Ein Jahr lang schläft der Künstler tagtäglich mit einem neuen Mann. Die entstandenen Erfahrungen werden in Bild und Ton verarbeitet. Die Grundidee ist aufzuzeigen, wie schwer Intimität in einer schnellen und globalisierten Zeit zu handhaben ist. Gleichzeitig testet er eine Theorie des Philosophen Marc Augé aus11. Dieser entdeckte die Idee der Nicht-Orte oder Non-Places. Es handelt sich hierbei um Orte, die von allen genutzt werden können und doch im selben Moment nicht bewusst als Ort existent sind, wie zum Beispiel ein Bahnhof. Es gibt große Massen an Menschen, die an diesem Ort koexistieren, ohne von der Existenz der Anderen Kenntnis zu nehmen. Der Ort wird durchlaufen und nicht bewusst wahrgenommen. Es gibt kaum Interaktionen oder Emotionen, außer die, die mit bereits bekannten Personen zu verbinden sind. Ähnlich verhält es sich mit einem Supermarkt. Massen an Menschen betreten ihn und niemand interagiert miteinander. Man besucht den Supermarkt, doch der Ort an sich bleibt ein Nutzgegenstand, der nach seiner Zweckerfüllung keine weitere Bedeutung mehr hat. Der Ort ist zwar gleichzeitig da, aber auch nicht da. Badasyan möchte nun überprüfen, ob Menschen zu eben solchen Nicht-Orten werden können. Das nennt er „Nicht-Körper“ oder „Non-Body“. Durch den täglichen Partnerwechsel glaubt er, wird sein Körper ebenfalls nur noch Gegenstand und dient zur reinen Befriedigung des Zweckes12.

Berlin umschreibt Badasyan als die perfekte Stadt für so ein Projekt. Die unzähligen Möglichkeiten Menschen kennenzulernen reichen von der Clubszene über bekannte „geheime Treffpunkte“ der Schwulen-Community. Badasyan tritt mit seinen Dates auf unterschiedlichsten Wegen in Kontakt. Anfangs versucht er die meisten Verabredungen über Internetplattformen wie Grindr oder Gayromeo, auszumachen. Nach einiger Zeit wird ihm das zu viel13. Die Ablehnung, die er im Internet erfährt und die virtuelle Suche nach einem Partner, machen ihn aggressiv. Er erweitert seine Suchmethoden auf öffentliche Treffpunkte der Schwulen-Community, die sogenannten Cruising Areas. Cruising Areas sind Orte, an denen schwule Männer unverbindlichen Geschlechtsverkehr suchen. Eine bekannte Area ist der Tiergarten. Anfangs verheimlicht Badasyan seinen Dates, dass sie Teil eines Projekts sind. Das ändert sich nach einigen Monaten, weil er ehrlicher sein will und die Menschen, mit denen er sich trifft, im Klaren lassen möchte, was passiert. Nachdem er das Projekt transparenter umgestaltet hat, melden sich Interessenten aus verschiedensten Bereichen, um daran zu partizipieren. Ein Künstler fliegt sogar aus den USA nach Berlin, um Teil des Projektes zu werden. Einige Monate lang hat er immer eine Kleinigkeit von dem Date-Ort mitgehen lassen, beispielswiese Steine aus den Cruising Areas oder die Zahnbürste aus dem Bad seines Dates. Aus diesen Gegenständen wird bald eine Installation entstehen.

Während des Projekts hat der Künstler, inspiriert durch seine Erfahrungen, mehrere Videos gedreht. Sie behandeln unterschiedliche Themen. Das Video „HIM“ zum Beispiel, präsentiert eine Gruppe von Männern, die optisch sehr unterschiedlich sind. Diese sind nur in Unterwäsche bekleidet. Sie machen synchrone Bewegungen und es endet in einer Art Meditation durch Atmung. Es verdeutlicht die Körperlichkeit des Projekts. Viele unterschiedliche Männer werden durch Badasyan zu einer synchronen Gruppe, die sich im Endeffekt nur durch ihre Optik unterscheidet14.

Ein weiteres Video, „Agora“, gedreht in der Hasenhaide, zeigt Badasyan völlig nackt auf dem Boden hockend. Um ihn herum befinden sich viele Spiegel, die Licht und Bild reflektieren. Im Hintergrund hört man sphärische Musik. Auch hier geht es um die Verdeutlichung der Körperlichkeit. Allerdings befindet der Künstler selbst sich diesmal im Mittelpunkt. Die verschiedenen Körperteile reflektieren in den Spiegeln, Badasyan ist also nicht mehr Mensch, sondern eine austauschbare Ansammlung von Körperteilen, die von anderen Menschen, also seinen Dates, konsumiert werden. Wer der Mensch hinter diesem Körper ist, bleibt unwichtig. Gleichzeitig repräsentiert die Nacktheit Badasyans und die Einsamkeit des Settings, seine Verletzlichkeit und Traurigkeit. In der letzten Aufnahme blickt er das einzige Mal direkt in die Kamera. In diesem Moment bricht er die reine Körperlichkeit und wird wieder zur Person15.

Durch die Videos versucht er, die Erfahrungen zu verarbeiten und in Kunst übergehen zu lassen. Insofern kann das Projekt „Save The Date“ nicht als ein in sich geschlossenes Projekt betrachtet werden. Es ist eher eine inspirative Grundlage für eine fortlaufende Arbeit. Nach Abschluss des Projekts hat Badasyan viele anknüpfende Performances geplant. Eine Aktion, die bisher noch keinen Namen trägt, beinhaltet die Idee, große Plakate drucken zu lassen, auf denen Aussagen stehen, wie beispielsweise: „An diesem Ort hatte ich am 5. August mit ihm geschlafen. Es war schön.“ Oder: „Er war sehr sexy.“ Die Plakate werden dann an eben diesen Stellen angebracht, an denen er mit Männern schlief oder einprägsame Ereignisse mit seinen Dates passiert sind. Eine intime Geschichte wird also publik gemacht, aber auf eine Art und Weise, bei der nur der jeweilige Partner Badasyans weiß, was gemeint ist16. Auf diesem Wege nimmt Badasyan seine Zuschauer_innen immer wieder mit auf seine eigene intime Reise. Er führt während des Projektes auch einen Blog und ein Videotagebuch auf der Webseite pornceptual.com. Immer wieder betont er in unserem Interview, wie wichtig ihm Ehrlichkeit und Transparenz sind. Insofern liegt es nahe, dass er jeden Schritt, den er tut, auf irgendeine Weise dokumentiert. Sei es durch seine künstlerischen Videos, die daraus resultieren oder persönliche Statements in sozialen Netzwerken, Interviews und eigenen Plattformen.

Die positivste Erfahrung während des Projekts ist laut dem Künstler, die Überwindung seiner „Urangst“. Badasyan, der schon lange mit der Deutschen AIDS-Stiftung zusammenarbeitet und während des Projektes von ihnen mit Verhütungsmitteln ausgestattet wird, trifft sich mit einem HIV-positiven Mann. Mit ihm zu schlafen, hat ihn von der Angst vor AIDS geheilt:

„Die Urangst besteht, die steckt in uns allen. Sobald du das aber überwunden hast, ist das ein super befreiendes und tolles Gefühl. Ich wünsche mir, dass alle das machen. Klar, es muss bewusst sein und auch sicher sein. Es ist sehr interessant und sehr wichtig, vor allem für die Menschen, die HIV-positiv sind, dass sie endlich dieses Stigma-Gefühl nicht mehr haben.“ (Auszug aus dem Interview, S. 40).

Die Persönlichkeit des Künstlers erfährt die eine oder andere Wandlung. Gewalt ist ein sehr präsentes Thema. Während er sich immer als friedvollen Menschen wahrnahm, spürt Badasyan während des Projekts immer wieder Anfälle von Aggression und Wut. Während er im Alltag oft mit Gewalt von außen konfrontiert wird, wie beispielsweise durch Angriffe auf Cruising Areas oder homophobe Beleidigungen, erlebt er erstmals wie Gewalt von innen funktioniert. Er fängt an, mit sich selbst zu kämpfen. Badasyan, der eher klein und kräftiger gebaut ist, eine Glatze hat und eine eher stärkere Körperbehaarung vorweist, hat auf einmal Schwierigkeiten mit seinem Selbstbild. Er fängt an, sich selbst unter Druck zu setzen. Besuche im Fitnessstudio oder strenge Diäten werden Alltag17. Gleichzeitig wächst seine Aggression aber nicht nur gegen sich selbst, sondern auch gegen andere. In einem Fall kommt es sogar dazu, dass nach dem Geschlechtsverkehr, er das T-Shirt seines Partners zerreißt, weil er durch die Situation dermaßen angewidert ist18. Auch Körperverletzung beschäftigt ihn. Eines Abends während eines Dates mit einem betrunkenen Mann, überlegt er, wie beliebig doch Leben und Sterben ist. Dass wenn eine Person einsam sei, niemand bemerken würde, dass der Mensch weg wäre, dass Mord etwas sei, was theoretisch jeder Mensch tun könne und somit Entscheidungsmacht über das Leben- oder Sterbenlassen besäße19. Besorgt durch solche Gedanken, begibt er sich während des Projekts kurzweilig in Therapie, welche laut ihm aber nicht hilfreich war. Deswegen verlässt er diese nach wenigen Wochen wieder20. Mittlerweile sieht er sich selbst als sexsüchtig und nymphomanisch an. Nach einiger Zeit fängt er an, nach seinen Treffen zuhause Pornos zu gucken und sich nochmals zu befriedigen.

„[…] nachdem ich schon zwei, drei Mal gekommen bin, dann noch Pornos schauen, das ist nicht normal. Aber ich brauche das, weil ich all das, was davor stattgefunden hat, nicht schön finde. Wahrscheinlich ist es auch so, dass das [Anmerkung: die Selbstbefriedigung und das Ansehen der Pornografie] einfach in meiner Privatsphäre gewesen ist. Wahrscheinlich war das so. Das war dann das, auf was ich Lust hatte.“ (Auszug aus dem Interview, S. 50 -51).

Während das Verhältnis zu Sexualität, zum eigenen Körper und zu den Dates immer aggressiver und abgestumpfter wird, entdeckt Badasyan eine neue Form der eigenen Verletzbarkeit. Psychisch treibt ihn die ständige Suche nach neuen Partnern immer weiter in die Einsamkeit. Nachdem der Geschlechtsverkehr eine rein mechanische Komponente für ihn geworden ist, erlebt er Traurigkeit auf eine neue, unkontrollierte Weise. Er beginnt während und nach den Dates zu weinen21. Die Körperlichkeit wird zur Farce und Zwischenmenschlichkeit ist dem primitiven hormonellen Vergnügen gewichen.

Am 31. August 2015 endet das Projekt „Save The Date“. Mischa Badasyan hat an 365 Tagen mit 365 verschiedenen Männern geschlafen. Nun bleibt zu warten, welche Projekte in Zukunft darauf basierend, entstehen werden. Seinen Körper versteht Badasyan nach einem Jahr als Non-Body. Seine Anfangsthese der Einsamkeit sieht er bestätigt. Jedoch erlebt er durch das Projekt eine Erweiterung der erwarteten Einsamkeit. Selbstzweifel, Aggression, Wut, Verzweiflung und Abscheu sind weitere Resultate. Jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass auch positive Erfahrungen wie Angstüberwindung oder neue Erlebnisse wie tantrischer Geschlechtsverkehr wichtige Faktoren sind. Badasyan entdeckt eine große heterogene Gruppe an Persönlichkeiten und lässt seine Zuschauer_innen Tag für Tag daran teilhaben. So kann seine negative Erfahrung für den_die individuelle_n Beobachter_in eine andere sein.

4. Wie wird „Männlichkeit“ in „Save The Date“ (de-)konstruiert?

Neben Sexualität ist „Männlichkeit“ und „Mann-Sein“ ein wichtiger Punkt in Badasyans Kunst. Vor dem Start des Projekts überlegt er, ob er auch Dates mit Frauen in Betracht ziehen will. Jedoch entscheidet er sich dagegen, da das nicht mehr seinem wahren Begehren entsprechen würde. Mit heterosexuellen Männern hat er allerdings im Laufe des Projekts öfter geschlafen. Die heterosexuellen Männer haben unterschiedliche Hintergründe. Manche waren sogar in festen, monogamen Beziehungen. Laut Badasyan hat ihn das an der „maskulinen Männlichkeit“ zweifeln lassen. Während des Interviews haben sich für mich zwei Männlichkeitskonzepte rauskristallisiert. Zum einen die der hegemonialen Männlichkeit (nach „Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise der Männlichkeit“, R.W. Connell, 1995/2006) und die der Maskerade (nach „Das Maskerade-Konzept in der psychoanalytischen und kulturwissenschaftlichen Theoriebildung“, Claudia Benthien, 2003).

a) Hegemoniale Männlichkeit

Das Konzept von Connell umfasst eine Machtstruktur, die männliche Personen eingliedert und dadurch eine feste Herrschaftsposition ermöglicht. Sie ist unterteilt in verschiedene Kategorien, die Diskriminierung ausüben, zulassen oder selbst erfahren. Eine dieser Kategorien nennt sich untergeordnete Männlichkeit. Diese umfasst all jene Männlichkeiten, die aus dem hierarchischen Modell hinausfallen, beispielsweise homosexuelle Männer. Doch wenn man genauer hinschaut, gibt es innerhalb der Kategorie der untergeordneten Männlichkeit ähnliche hierarchische Strukturen, unter denen sie selbst leiden.

Badasyan sucht seine Dates sowohl online als auch offline. Diskriminierungen und Ablehnung erlebt er ständig. Die Erfahrungen, die er schildert, lassen sich in dem Konzept der hegemonialen Männlichkeit betrachten. Es gibt innerhalb der Community verschiedene Diskriminierungsformen. Gerade das Internet durch seine Beliebigkeit und Anonymität, bietet eine Plattform der verbalen Gewalt, die für Badasyan schwer zu ertragen ist. Er wird aufgrund von Äußerlichkeiten beleidigt, manche Personen schreiben ihm sogar ablehnende Mails, obwohl er sie gar nicht kontaktiert hat. Das eigene Profil lässt nur wenige Informationen zu, die sich im Grunde nur mit der Optik befassen. Demnach wird aufgrund von Aussehen schnell eine starke Ablehnung erzeugt, die durch andere unterstütz oder mitausgelebt wird. Die Faktoren der Diskriminierung sind allerdings aus der allgemeinen Gesellschaftshierarchie bekannt.

„[…] Wegen dem Alter, wegen dem Migrationshintergrund, wegen deinem Gehalt, Rassismus ist ein Thema, wegen HIV, natürlich Ageism und Lookism. Alle Diskriminierungsmöglichkeiten sind vorhanden und stark geprägt.“ (Auszug aus dem Interview, S. 48).

Somit tut sich auf Mikroebene eine neue, aber bekannte Struktur von hegemonialer Männlichkeit auf. Diejenigen, die das „Ideal“ innerhalb der Schwulen-Community bilden (hegemoniale Männlichkeit), diejenigen, die darunter leiden müssen (marginalisierte Männlichkeit), diejenigen, die das unterstützen (Komplizenschaft) und diejenigen, die gänzlich aus der Hierarchie rausfallen und am Ende der Machtkette stehen (untergeordnete Männlichkeit). Das zeigt also, dass eine selbstgelebte Diskriminierungserfahrung nicht davon abhält, im selben Diskriminierungsmuster zu handeln. Doch auch offline erlebt Badasyan Situationen, die das widerspiegeln. Wenn er die Cruising Area im Tiergarten besucht, erlebt er Ablehnung und Missachtung ohne den Puffer eines Bildschirms. Manche Gebiete sind für bestimmte soziale Gruppen vorbehalten, die sich beispielsweise am Alter orientieren. Ein prägendes Erlebnis ist die emotionale Manipulation, die Badasyan an einem Abend erfährt. Während einer seiner nächtlichen Besuche im Tiergarten wird er von einem Mann angesprochen, der ihm versucht klarzumachen, dass er die Liebe seines Lebens sei und ihn auf der Stelle heiraten wolle. Da Badasyan aber schon ein Date an diesem Abend hatte, kehrt er heim und meldet sich am nächsten Tag bei diesem Mann wieder. Er reagiert nicht und ignoriert alle Nachrichten22. Die Manipulation besteht darin, eine emotionale Bindung vorzutäuschen, diese sogar stark zu übertreiben, um einen (sexuellen) Gewinn beziehungsweise Nutzen aus der anderen Person zu erzielen. Durch die Annahme dessen berechtigt zu sein, spricht man der eigenen Person einen höheren Wert zu und würdigt die andere Person dadurch ab. Es wird also eine sexuelle Gefügigkeit durch Emotionalisierung erzeugt.

„Doch, doch. Tiergarten, da ist es primitiv. Das sagt schon das Wort. Es geht um tierische Gefühle, um Dominanz.“ (Auszug aus dem Interview, S. 48).

Aggressivität, Macht und Dominanz werden also auch hier erneut zu Insignien der Männlichkeit.

b) Maskerade

Doch auch das Konzept der Maskerade findet sich in Badasyans Erfahrungsberichten wieder. Ein solches Phänomen nennt sich Straight Acting Guy[23]. Dies sind Männer, die selbst homosexuell sind, die sich allerdings versuchen, möglichst „heterosexuell zu verhalten“. Laut Badasyan ist nämlich der Geschlechtsverkehr mit einem heterosexuellen Mann eine Art Trophäenjagd innerhalb der Community24. Demnach steigt die Beliebtheit von jenen Männern, die vorspielen, ein heterosexueller Mann zu sein. Es ist also ein Anziehen einer Maske, das Imitieren einer anderen Identität, die durch das Begehren und Begehrtwerden begründet ist. Männlichkeit wird hier nicht als fest und statisch verstanden, sondern als ein fluider Prozess, etwas Erlernbares, etwas, was man an- und wieder ausziehen kann. Genauso ist aber auch das Begehren eines Straight Acting Guy s zu interpretieren. Homosexuelles Begehren ist ebenfalls nicht statisch und bedeutet nicht, dass die Erwartungen an den homosexuellen Partner fest und einseitig sind. Es ist eine Performanz, die sich durch verschiedene Faktoren zusammensetzt, die gesellschaftlicher Natur sein können, aber auch bestimmt werden durch aktuelle (Pop-)Kulturerscheinungen, wie beispielsweise Mode, Medien und Subkultur. Erziehung, gesellschaftliche Maßstäbe und Milieu darf man auch nicht vergessen.

„[Anmerkung: Ein Freund Badasyans hat im Rahmen eines Seminars eine Umfrage auf einer Datingplattform für schwule Männer eine Umfrage gemacht bezüglich des Themas Straight Acting Guy.] […] Und er hat sie gefragt, ja was heißt das jetzt für dich? Oder warum schreibst du so? Und die Sprache war schon sehr diskriminierend. ‚Ich habe kein Bock auf Tunten. Keine gebrochenen Gelenke. Ich mag männliche, ich mag Muskeln.‘ Das ist schon sehr aktuell.“ (Auszug aus dem Interview, S. 15).

5. Fazit

„Save The Date“ ist ein Projekt, was auf den ersten Blick sehr simpel wirkt: 365 Tage, 365 Männer. Badasyan schafft es allerdings durch die Nutzung verschiedener Formen der Darstellung eine tiefere Ebene zu erzeugen. Er hinterfragt durch sein Handeln das Mann-Sein. Themen der Generation Y, wie Einsamkeit, Unbestimmtheit und Suche nach der eigenen Identität, finden ihren Platz, aber genauso werden auch feste Gesellschaftsstrukturen aufgebrochen und neu diskutiert. Nicht nur Männlichkeit wird hinterfragt, auch Hetero- und Homosexualität diskutiert der Künstler neu. Er zeigt, dass es kein einheitliches Bild von Männlichkeit gibt und dass auch Homosexualität ein diskutierbarer Begriff ist. Begehren ist nicht statisch und Lust entsteht aus der Situation. Der Rest ist Normierung. Seine Videos zeigen eine große Diversität von Männlichkeit auf, die die Diversität der Dates zeigt. Die primitive, maskuline, starke und dominante Männlichkeit wird durch „Save The Date“ zu einem überholten Klischee, welches weder zeitgemäß noch realistisch ist. Gesellschaften sind pluralistisch, genauso wie das Mann-Sein. Offen bleibt die Thematisierung der weiblichen Sexualität, wobei Badasyan im Interview zeigt, dass Frauenempowerment und der offene Dialog über Sexualität, Begehren und Vergnügen der Frau für ihn ein Anliegen ist25 und er durch seine eigene Offenheit und durch das Aufmerksammachen von unkonventionellen und unsichtbaren Verhältnissen dafür sorgen möchte, dass Stigmata, egal welcher Art, der Vergangenheit angehören müssen.

Die Frage, was ein Mann ist und was ein Mann machen kann, beantwortet Badasyan ganz klar: Alles!

6. Anhang: Interview Mischa Badasyan

23.07.2015

Teil 1

Abkürzungen:

Interviewerin: Ekaterina Kadykova, im Folgenden „E. K.“ genannt.

Interviewter: Mischa Badasyan, im Folgenden „M. B.“ genannt.

Im Vorfeld klärte ich mit dem Künstler via Mail ab, dass ich mich auf seine Performance „Save The Date“ beziehen möchte. Bevor die Aufnahme startete, einigten wir uns darauf, das Interview in deutscher Sprache zu halten. Da Mischa Badasyan in Russland geboren wurde und erst vor sieben Jahren nach Deutschland kam, ist Deutsch nicht seine Muttersprache. Ich halte mich an den originalen Gesprächsverlauf, weswegen sprachliche Fehler ebenfalls in ihrer Originalform erhalten geblieben sind.

Der erste Teil des Gesprächs fand am 23.07.2015, um 18.30 Uhr im Görlitzer Park statt.

[…]

E.K.: Ja cool, also ich hab dir ja geschrieben, dass ich mich auf „Save The Date“ beziehen möchte. Ja, ich hab mir ganz viele Interviews von dir dazu durchgelesen und so… ähm… kleine Videos vom Kulturpalast und so angeschaut, wo du ja auch etwas dazu gesagt hattest und darauf basieren meine Fragen. Genau.

M.B.: Hast du das letzte Interview gelesen von Afischa (Anmerkung: russisches Magazin/russischer Blog)? Auf Russisch?

E.K.: Auf Russisch? Ne (lacht).

M.B.: Das war das Größte jetzt. Das aktuellste. Also vor zwei Wochen oder so. Das ist ein sehr cooles Interview gewesen. Deswegen…

[...]


1 Setzwein, Monika (2004): Ernährung – Körper – Geschlecht. Zur sozialen Konstruktion von Geschlecht im kulinarischen Kontext. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 149-168.

2 Unter diesen Begriff fasse ich darstellende und abbildende Kunst aller Art. Zum Beispiel: Gemälde, Skulpturen, Performances, Installationen.

3 Die ausgewählten Beispiele und ihre Analyse müssen in einem westlich geprägten Kontext verstanden werden. Die Auswahl der Gemälde ist keinen besonderen Kriterien unterlegen und kann nicht repräsentativ für die gesamte jeweilige Epoche gesehen werden.

4 Michael Stürmer: Das ruhelose Reich. Deutschland 1866–1918. Berlin 1998.

5 Entstehung der Fotografie: 1826 gibt es bereits erste Fotoaufnahmen. Ich impliziere die massenzugängliche Fotografie, die erst ab Neunzehnhundert an Relevanz für die breite Masse gewann (Michel Frizot (Hrsg.): Neue Geschichte der Fotografie. Könemann-Verlagsgesellschaft, 1998, S. 19–21).

6 Vgl. Thomas Blecha für RBB Online: „365 Männer an 365 Tagen“, 29.08.2014.

7 Vgl. Interview Badasyan, S. 26.

8 Vgl. Interview Badasyan, S. 32 – 33.

9 Vgl. Interview Badasyan, S. 32.

10 http://www.mischabadasyan.com/gallery/40250/body-cult/

11 Vgl. Marc Augé: „Orte und Nicht-Orte“ und Interview Badasyan, S. 53.

12 Vgl. Stefanie Schneider für Der Freitag: „Projekt Einsamkeit“, 15.04.2015.

13 Vgl. Interview Badasyan, S. 30 – 31.

14 HIM Videolink: https://www.youtube.com/watch?v=sU_3BmEBsR4.

15 AGORA Videolink: https://vimeo.com/112984182.

16 Vgl. Interview Badasyan, S. 51.

17 Vgl. Interview Badasyan, S. 40.

18 Vgl. Interview Badasyan, S. 28.

19 Vgl. Interview Badasyan, S. 44.

20 Vgl. Interview Badasyan, S. 40.

21 Vgl. Interview Badasyan, S. 22.

22 Vgl. Interview Badasyan, S. 45.

23 Vgl. Interview Badasyan, S. 19.

24 Vgl. Interview Badasyan, S. 19 – 20.

25 Vgl. Interview Badasyan, S. 27 und 48.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Männlichkeitskonstruktionen in der Bild- und Kunstgeschichte. Zum Projekt „Save The Date“ des Künstlers Mischa Badasyan
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien)
Veranstaltung
„Männer! Konstruktion von Männlichkeit in Kunst- und Bildgeschichte“
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
64
Katalognummer
V323719
ISBN (eBook)
9783668228702
ISBN (Buch)
9783668228719
Dateigröße
1762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mischa Badasyan, Save the Date, Performance Art, Bildgeschichte, Kunstgeschichte, Gender Studies, Männlichkeitskonstruktion, Männerforschung
Arbeit zitieren
Ekaterina Kadykova (Autor), 2015, Männlichkeitskonstruktionen in der Bild- und Kunstgeschichte. Zum Projekt „Save The Date“ des Künstlers Mischa Badasyan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323719

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