Die Bedeutung der Familie für die Entwicklung von Medienkompetenz


Hausarbeit, 2014

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialisationsinstanzen

3. Medienkompetenzansatz nach Aufenanger

4. Medienkompetenz in der Familie

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten, schau ich seit ich denken kann…ich wurde da quasi reingeboren“. „Reingeboren“ wurde eine 12-Jährige durch ihre Mutter, die ihr regelmäßiges Fernsehritual auf ihre Tochter übertragen hat (Theunert 2012: 2). Anhand dieser Aussage wird deutlich, dass die Eltern für die Medienvorlieben und -erfahrungen ihrer Kinder eine große Rolle spielen. Sie sind die ersten Bezugspersonen, die ihren Kindern den Weg zur Nutzung der Medien leiten.

Im Hinblick auf diese Erkenntnis wird sich die vorliegende Arbeit mit folgender Fragestellung beschäftigen: Welche Bedeutung nimmt die Familie bei der Entwicklung von Medienkompetenz ein? Hierbei wird folgende Hypothese aufgestellt: Je höher der Bildungsgrad der Eltern ist, desto bessere Chancen haben die Kinder, einen kompetenten Umgang mit Medien zu erlernen.

Unter Medien werden in dieser Arbeit Verfahren zur Verbreitung von Informationen, Bildern, Nachrichten usw. verstanden1 (Schubert/Klein 2011).

Zunächst werden zur Beantwortung der Fragestellung im nächsten Kapitel die vier Sozialisationsinstanzen von Kindern beschrieben. Hierbei soll einerseits die Bedeutung der Medien im Alltag deutlich gemacht werden und andererseits illustriert werden, dass der Medienkompetenzerwerb nicht nur im Elternhaus stattfindet. Im darauffolgenden Kapitel wird der Medienkompetenzansatz von Aufenanger (1997) erläutert, um sich dem Begriff Medienkompetenz theoretisch zu nähern. Im letzten inhaltlichen Kapitel vor dem Fazit werden empirische Befunde zur Bedeutung der Familie für die Entwicklung von Medienkompetenz von Kindern dargestellt.

2. Sozialisationsinstanzen

Neben den Medien zählen für die schulpflichtigen Kinder auch das Elternhaus, die Schule und die Peergroups zu den Sozialisationsinstanzen. Mit Beginn der Schulpflicht bildet sich neben dem Elternhaus, den Medien und des Kindergartens auch die Peergroup als entscheidende Sozialisationsinstanz heraus (Mikos 2004: 158). Es ist jedoch zu bedenken, dass es zwischen den Elternhäusern zu beachtlichen Unterschieden kommen kann. So können sich die Elternhäuser „nach materieller, ökonomischer Ausstattung, Bildung, kulturellen Ressourcen, personaler Konstellation usw.“ ausdifferenzieren (ebenda: 162). Diese Unterschiede bewirken unterschiedliche Entwicklungsverläufe und führen somit zu individuellen Medienbiographien. Neben den Differenzen in den Elternhäusern können sich auch die besuchten Schulformen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium), die (genutzten) Medien (Fernsehen, Literatur lesen oder Computerspiele) und die Peergroups (nach Alter, sozialer Herkunft) unterscheiden. Den vier Sozialisationsinstanzen ist gemein, dass sie für die Entwicklung der Identität eine große Rolle spielen. Es ist allerdings zu betonen, dass der Einfluss der Medien aufgrund der strukturellen Entwicklung der Gesellschaft weiter zunehmen wird (Mikos 2004: 159).

3. Medienkompetenzansatz nach Aufenanger

Nachdem im vorherigen Kapitel die Bedeutsamkeit der Medien gegenüber den anderen drei Sozialisationsinstanzen hervorgehoben wurde, wird im Folgenden der Medienkompetenzansatz nach Aufenanger (1997) vorgestellt.

Dieser Medienkompetenzansatz gliedert sich in sechs Dimensionen. Dabei handelt es sich um die kognitive Dimension, die Handlungsdimension sowie um die moralische, soziale, affektive und ästhetische Dimension. Diese Dimensionen werden in der genannten Reihenfolge erklärt und auch dahingehend erläutert, welche Bedeutung die Familie in jeder einzelnen Dimension einnimmt. Einzig in der affektiven und ästhetischen Dimension kann hierzu nur wenig gesagt werden, da die Forschung auf diesem Gebiet noch ein Desiderat aufweist (Aufenanger 2003: 150).

Die kognitive Dimension in Aufenangers Medienkompetenzansatz bezieht sich auf Wissen, Verstehen und Analysieren im Zusammenhang mit Medien. Diese Dimension soll deutlich machen, dass Kenntniss über Medien und Mediensysteme eine entscheidende Grundlage der Medienkompetenz ist. Zudem erweist es sich als vorteilhaft, wenn die in den Medien verwendeten Symbole und Codierungen verstanden und entschlüsselt werden können. Außerdem beschreibt diese Dimension, dass Medien und ihre Inhalte analytisch betrachtet werden müssen (Aufenanger 1997: 19). Wie der Name der Dimension schon sagt, spielen also allgemeine kognitive Fähigkeiten die zentrale Rolle. Aus diesem Grund erweist sich die sozialisatorische Interaktion in der Familie als eine entscheidende Bedingung, damit Kinder solche Fähigkeiten ausbilden können (Aufenanger 2003: 149).

Die Handlungsdimension nach Aufenanger umfasst folgende Spektren: Medien gestalten zu können, sich mit Medien auszudrücken, sich durch Medien zu informieren oder auch mit Medien experimentieren. Mittels dieser Dimension werden Fähigkeiten bestimmt, die nicht nur darauf abzielen, Medien zu konsumieren, sondern sie auch selbst handhaben und eigenständig gestalten zu können (Aufenanger 1997: 19). Die Handlungsdimension dieses Medienkompetenzansatzes betont die Notwendigkeit, die Medien angemessen und kompetent bedienen zu können. Die notwendigen Kompetenzen um dieser Dimension zu entsprechen, können zum einen durch Anschauung und Vorbildverhalten erlernt werden. Zum anderen können sie durch didaktische Konzepte vermittelt werden. In der Familie wird sich ein solches didaktisches Konzept aber nicht durchsetzen lassen können. Es wäre ungewöhnlich, wenn Eltern extra „Schulstunden“ halten würden, um ihre Kindern im Umgang mit Medien zu schulen. Hingegen haben sich in der Praxis zwei andere Konzepte bewährt. Beim ersten Konzept handelt es sich um das Meister-Lehrlings-Konzept. Bei diesem Konzept führt diejenige Person das gewählte Medium aus, die schon Kompetenzen darin besitzt und gewährt den Lernenden Einblick. Beispielsweise könnte dies bedeuten, dass ein Vater seinem Sohn zeigt, wie man ein Radio benutzt oder die Programme am Fernseher wechselt (Aufenanger 2003: 149). Die Eltern haben schließlich im Umgang mit den Medien einen großen Erfahrungsvorsprung und können auf diese Kenntnisse im Umgang mit ihren Kindern zurückgreifen (Sander 2003: 37). Das andere bewährte Konzept praktizieren die Lernenden eigenständig. In diesem Fall benutzen sie das gewählte Medium selbstständig und üben sich an der Benutzung des Mediums (Aufenanger 2003: 149).

Die moralische Dimension beschreibt die Notwendigkeit einer ethischen Betrachtung der Medieninhalte. Diese Dimension setzt den Kompetenzerwerb der kognitiven Dimension voraus und betont in einem weiteren Schritt die perspektivische Betrachtung von allgemeinen Konventionen. Eine derartige allgemeine Konvention sind beispielsweise die Menschenrechte. Diese Dimension berücksichtigt neben den Medieninhalten Produktionsbedingungen der Medien, Aspekte ihrer sozialen Verträglichkeit und Folgen von Kommunikation, Interaktion und Persönlichkeit (Aufenanger 1997: 20).

In der sozialen Dimension bedarf es abermals der Berücksichtigung der kognitiven und auch der moralischen Dimension, da sich die Umsetzung dieser Dimension im Raum des sozialen und politischen Handelns ereignet. Diese Dimension besagt, dass Menschen soziale Auswirkungen von Medien angemessen thematisieren und auf ihre Rechte um Medien politisch bestehen müssen. Es liegt nahe, dass in dieser Dimension Erwachsene ihre Stärken haben. Aus diesem Grund ist elterliche Erziehung besonders entscheidend für die Herausbildung dieser Kompetenzdimension. Zur Erreichung der Herausbildung dieser Kompetenzdimension sollten von den Eltern „Möglichkeiten zur Rollenübernahme, Spielraum für die Entwicklung von Identität als auch eine diskursfreundliche Familienatmosphäre“ gegeben werden (Aufenanger 2003: 149f.).

Neben kritischen Perspektiven, die durch die bisher erläuterten Dimensionen beleuchtet wurden, darf nicht vergessen werden, dass Medien außerdem auch eine Unterhaltungsfunktion haben. Dieser Umstand wird in der affektiven Dimension dieses Ansatzes bedacht. Ein angemessener Umgang mit dieser Unterhaltungsfunktion ist ein bedeutsamer Aspekt der Mediennutzung (Aufenanger 1997: 20). Es ist nur bekannt, dass die Kinder in ihrer affektiven Entwicklung stark von Beziehungsstrukturen zu ihren Eltern abhängig sind. Deshalb ist nicht entscheidend geklärt, welche Bedeutung die Eltern in dieser Dimension haben (Aufenanger 2003: 150).

Die bisherigen Dimensionen werden schließlich durch die ästhetische Dimension vervollständigt. Die ästhetische Dimension sieht die Medien „als Vermittler von Ausdrucks- und Informationsmöglichkeiten“ und betont hierbei den „kommunikationsästhetischen Aspekt“ der Medien. Zur Gestaltung von Medieninhalten sind spezifische Kenntnisse erforderlich, die zur Produktion benötigt werden (ebenda: 148).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Autor betont, dass die sechs Dimensionen im Zusammenhang gesehen werden müssen. Es dürfe keine Dimension eine übergeordnete Stellung einnehmen.

4. Medienkompetenz in der Familie

Die Förderung zum Medienkompetenzerwerb erfolgt idealerweise ab dem Zeitpunkt, wenn Kinder bereits in eingeschränkter Weise Medien eigenständig benutzen können. Bei einem solch frühen Umgang mit den Kindern müsse die Aufarbeitung von Medienerlebnissen jedoch auf „geringem Abstraktionsniveau“ gehalten werden (Theunert 2012: 24). Als erster bedeutsamer Aspekt sei angeführt, dass die Entwicklung von Medienkompetenz von Kindern entscheidend von der familiären Situation abhängt. Es ist allerdings nicht so, dass alle Familien ideale Bedingungen zum Medienkompetenzerwerb bieten können. Als unproblematisch gilt ein Medienkonsum von Kindern in „kleineren Zwei-Eltern-Familien“. In diesen Familien können die Eltern den Medienkonsum und das Medienverhalten ihrer Kinder am besten überschauen und bei fraglichen Einflüssen sogleich den Kontakt und das Gespräch mit ihrem Kind suchen. Am besten lässt sich eine derartige Beobachtung der Medienerlebnisse der Kinder in einer Ein-Kind-Familie erzielen. Aber gleichsam ist es in Familien mit zwei Kindern auch noch gut möglich, zu einem kritischen Umgang mit den Medien zu befähigen . In Familien mit mehr als zwei Kindern erweist sich eine derartige Beobachtung der Medienbetrachtung als weitaus schwieriger. In gleichem Maße gelten Ein-Eltern-Familien als problembehaftet, wenn es um die Förderung von Medienkompetenz geht (Aufenanger 2003: 151). Wenn sich niedriger Bildungsstand der Eltern und eine höhere Kinderzahl zusammenfügen, wachsen Kinder in einem doppelt problematischen Familienhaus auf, um Medienkompetenz zu entwickeln. Neben der familiären Situation spielen nämlich auch der Bildungshintergrund der Eltern hinsichtlich der Medien eine gewichtige Rolle (Theunert 2012: 14f.). Andererseits verweist Demmler (2012: 36) darauf, dass ältere Geschwister in der Entwicklung von Medienkompetenz ebenso Einfluss nehmen können und selbige begünstigen können.

Neben diesen genannten Befunden zur Herausbildung der Medienkompetenz in den Familien gibt es noch einige Aspekte, derer sich Eltern bei der alltäglichen Benutzung der Medien bewusst sein sollten. Eltern sollten sich auch selbst dazu bewegen, ihre eigenen Mediengewohnheiten zu reflektieren. Diese sollten keinesfalls ausschließlich auf das Kindesalter beschränkt bleiben. Mittels der eigenen Reflektion können sich die Eltern bei Gesprächen mit ihren Kindern über die Medienerlebnisse besser in sie hineinversetzen und insgesamt bewirkt die Maßnahme eine verlässliche Gesprächsgrundlage. Aufbauend auf dieser Maßnahme bietet es sich auch besonders an, die Eltern dazu zu ermuntern, ihre Kinder bei der Verarbeitung von direkter Mediennutzung zu beobachten. Ferner sollten sich die Familien darüber bewusst sein, dass die Medien, bzw. hier im speziellen der Fernseher stillschweigend überfunktionalisiert wird und nahezu als vollwertiges Familienmitglied angesehen werden kann. Dieser Situation sollten sich Eltern bewusst sein, wenn ähnliche Zustände in ihrem Alltag bestehen. Zur angemessenen Medienkompetenz gehört auch, dass die Kinder ihre Freizeit trotz oftmaliger Verplanung nicht zu ständiger unbedachter Mediennutzung gebrauchen. Es fiel in Untersuchungen auf, dass Kinder mit erhöhter Freizeitverplanung ihre wenigen Freiräume oft zur Mediennutzung verwenden. Ein Ansatz wäre hier, dass die Eltern ihren Kindern in diesen Zeiten auch zur Seite stehen und ihnen Tipps zur Planung dieser Zeit geben (Aufenanger 2003: 152). Abschließend sollte noch darauf verwiesen werden, dass die Vermittlung von Medienkompetenz nicht ausschließlich in der Familie erfolgen soll, sondern auch in den Lehrplänen der Schule als übergreifendes Ziel in allen Fächern verankert ist (Theunert 2012: 23). Daneben erweist sich der Mediengebrauch in der Peergroup auch als Einflussgröße zur Herausbildung von Betrachtungsweisen über die Medien, welche die Medienkompetenz fördern oder behindern können (Mikos, 2004: 158).

5. Fazit

Die eingangs aufgestellte Hypothese hat sich zum Teil bestätigt, wonach die Chancen einer medienkompetenten Erziehung der Kinder steigen, wenn deren Eltern über einen hohen Bildungsgrad verfügen. Dies ist in jedem Fall ein grundlegender Aspekt, allerdings muss darauf verwiesen werden, dass dies nicht der einzige Faktor zum Aufbau einer medienkompetenten Erziehung darstellt. Im Weiteren erwies sich die Zusammensetzung der Familie als ebenso entscheidend, um den Umgang mit den Medien kompetent zu erlernen. Demnach erweisen sich Zwei-Eltern-Familien mit höchstens zwei Kindern als gute Grundlage, um die Kinder im Alltag bei dem Gebrauch der Medien zu unterstützen, fördern und zu einer reflektierten Betrachtung anzuregen. Ein-Eltern-Familien oder Zwei-Eltern- Familien mit mehr als zwei Kindern haben zur Erreichung solcher Ziele größere Probleme und können diese zumeist nicht in einem vergleichbaren Rahmen erreichen. Demmlers Betonung, dass ebenfalls ältere Geschwister für die Entwicklung von Medienkompetenz sorgen, zeugt von differenzierten Meinungen zur optimalen Familiensituation für die Entwicklung von Medienkompetenz. Allerdings ist davon auszugehen, dass dies nur für deutlich ältere Geschwister gilt, die bereits selbst fast Erwachsene sind und deshalb ihre Eltern in diesem Handlungsfeld unterstützen können. So wäre es nicht allzu ergiebig, wenn ein 6-Jähriger mit seiner 3-jährigen Schwester über ihre Medienerlebnisse spricht, um ihre Medienkompetenz zu stärken.

[...]


1 Hierbei nehmen die sogenannten Massenmedien eine bedeutsame Stellung ein. Zu diesen zählen insbesondere die Presse (Zeitungen, Zeitschriften), der Rundfunk (Hörfunk, Fernsehen) und das Internet.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Familie für die Entwicklung von Medienkompetenz
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Familiensoziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V323728
ISBN (eBook)
9783668228412
ISBN (Buch)
9783668228429
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familiensoziologie, Medienkompetenz, Familie, Aufenanger, Sozialisationsinstanz
Arbeit zitieren
Eric Mootz (Autor), 2014, Die Bedeutung der Familie für die Entwicklung von Medienkompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323728

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