Konventionelle Banken und deren Geschäfte sind aus der heutigen internationalen Wirtschaft nicht mehr herauszuwinken. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts sehen sich jedoch klassische Finanzdienstleister einer aufkommenden Unternehmerschaft gegenübergestellt, welche mit technisch innovativen Geschäftsmodellen traditionelle Bankbereiche auf eine neue Stufe der Internetgesellschaft heben, und damit erstmals herkömmlichen Bankmodellen ernsthafte Konkurrenz bieten. Innovative Formen von Bankdienstleistungen, v.a. im Bereich der Zahlungsabwicklung, haben sich Unternehmen wie die amerikanischen Firmen Apple und PayPal oder das Münchener Unternehmen Wirecard AG zur Aufgabe gemacht. Ziel dieser so genannten Finanztechnologie-Unternehmen (FinTechs) ist die Bereitstellung finanzieller Dienstleistungen durch Nichtbanken. Dabei unterscheiden sich diese gegenüber klassischer Banken vor allem durch eine höhere Kundenorientierung, Einfachheit in der Anwendung, Transparenz und Vorteile in der Kosten- bzw. Preisstruktur.
Zielsetzung dieser Arbeit ist, den Status-quo des Finanztechnologiemarktes zu erörtern und im Zuge dessen klassische Bankmodelle den Geschäftsmodellen der FinTech-Unternehmen gegenüber zu stellen. Die FinTech-Unternehmen werden dabei anhand einer SWOT- Analyse untersucht, wobei ein besonderer Fokus auf jene Eigenschaften gerichtet wird, welche für den bisherigen Erfolg der FinTechs ausschlaggebend sind, denn diese stellen die Konkurrenzfaktoren für konventionelle Banken dar. Somit soll das Zutreffen der Hypothese erörtert werden, dass FinTechs zu ernstzunehmenden Konkurrenten als auch zur potenziellen Gefahr für konventionelle Banken geworden sind.
Im ersten Schritt dieser Arbeit wird zunächst allgemein auf den Begriff FinTech eingegangen. Dazu werden zunächst Begriffsabgrenzungen von der konventionellen Bank bis zum FinTech-Unternehmen durchgeführt und ein Zusammenhang dieser Begriffe hergestellt. Unter Punkt 3 werden anhand einer SWOT-Analyse die Erfolgs- und Risikofaktoren (i. e. S. Stärken und Schwächen) der FinTechs herausgestellt, sowie ausgewählte Geschäftsbereiche analysiert und den herkömmlichen Bankmodellen gegenübergestellt. In diesem Zuge werden zudem die Chancen und Risiken der FinTech-Unternehmen erörtert und ausgewertet. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst, eine Handlungsempfehlung für klassische Banken ausgesprochen sowie ein kurzer Ausblick zur voraussichtlichen Entwicklung des des Finanztechnologiemarkt gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Finanztechnologiemarkt
2.1 Begriffsabgrenzung
2.1.1 Konventionelle Bank
2.1.2 Direktbank
2.1.3 FinTech-Unternehmen
2.2 Vom konventionellen Bankgeschäft zur Finanztechnologie
3 Analyse der FinTech-Geschäftsmodelle
3.1 Ausgangsituation
3.1.1 Geschäftsbereiche
3.1.2 Erfolgsfaktoren
3.1.3 Risikofaktoren
3.2 FinTech Fallbeispiele
3.2.1 Zahlungsverkehr
3.2.2 Kreditgeschäft
3.2.3 Devisengeschäft
3.3 Gegenüberstellung zu konventionellen Bankmodellen
3.3.1 Zahlungsverkehr
3.3.2 Kreditgeschäft
3.3.3 Devisengeschäft
3.4 Zwischenfazit
4 Schlussbetrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Handlungsempfehlung für konventionelle Banken
4.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status-quo des Finanztechnologiemarktes und analysiert, inwieweit FinTech-Unternehmen mit ihren innovativen Geschäftsmodellen eine ernstzunehmende Konkurrenz oder Gefahr für klassische Bankinstitute darstellen.
- Entwicklung des Finanztechnologiemarktes und Begriffsabgrenzungen
- Analyse von Erfolgs- und Risikofaktoren der FinTech-Geschäftsmodelle
- Untersuchung konkreter Fallbeispiele in den Bereichen Zahlungsverkehr, Kredit- und Devisengeschäft
- SWOT-Analyse der FinTech-Branche
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für konventionelle Banken
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Devisengeschäft
Auch im Bereich des Devisenhandels gibt es in Deutschland erste ernstzunehmende FinTech-Marktteilnehmer. Ein Bespiel dafür stellt das Londoner Unternehmen TransferWise dar (welches zumindest über ein deutsche Website verfügt).61 Verfolgt wird im Bereich des Devisengeschäftes u. a. von diesem FinTech ein sehr interessantes Geschäftsmodell, welches vor allem konkurrenzfähigere Kosten für Auslandsüberweisungen und den damit verbundenen Währungsumtausch ermöglicht. Dabei wird eine Überweisung in das Ausland bzw. der Umtausch in Fremdwährung mit hohen Gebühren komplett umgangen. Prof. Beck hat dies anhand eines Beispiels treffend verdeutlicht:
„Person A lebt und arbeitet in den USA, stammt aber aus Deutschland und möchte die in den USA verdienten Dollar nach Deutschland schaffen und dort als Euro haben. Person B hat das genau gegenteilige Problem, arbeitet in Deutschland und möchte seine hier verdienten Euro in die USA übermittelt und dort in Dollar verfügbar sehen. Die beiden finden sich. A unterbreitet folgenden Vorschlag an B: Du gibst mir deine Euro, die auf deinem Konto in Deutschland sind, und überweist mir diese auf mein in Deutschland befindliches Konto. Keine Gebühren, kein Umtausch. Ich überweise dir meine Dollar im gleichen Wert von meinem US-Konto auf dein US-Konto. Es fallen dafür ebenfalls keine Gebühren und keine Umtauschverluste an. Die Umrechnung legen wir auf dem entsprechenden Tag gültigen Mittelkurs fest.“62
Der jeweilige Plattformbetreiber erhebt dann eine Gebühr, welche im Vergleich zur Bankgebühr für Online-Überweisungen jedoch deutlich geringer ausfällt (vgl. Unterpunkt 3.3.3). Diese beträgt bspw. bei TransferWise für die meisten Währungen nur 0,5 % des Währungsbetrages und ist für den Kunden jederzeit transparent ersichtlich. Auch versteckte Kosten über einen angepassten Wechselkurs sind hierbei ausgeschlossen.63
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung stellt die historische Entwicklung des Bankwesens dar und führt in die Problematik der aufkommenden FinTech-Konkurrenz ein.
2 Finanztechnologiemarkt: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe konventionelle Bank, Direktbank sowie FinTech und beschreibt den Weg hin zur Digitalisierung des Bankgeschäfts.
3 Analyse der FinTech-Geschäftsmodelle: Der Hauptteil analysiert die Treiber, Risiken und konkrete Einsatzbereiche von FinTechs anhand einer SWOT-Analyse und vergleicht diese mit klassischen Bankmodellen.
4 Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, gibt Handlungsempfehlungen für Banken und wagt einen Ausblick auf die Zukunft der Branche.
Schlüsselwörter
FinTech, Finanztechnologie, Digitalisierung, Bankgeschäft, Zahlungsverkehr, Crowdlending, Devisengeschäft, SWOT-Analyse, Banklizenz, Innovation, Online-Banking, Mobile Payment, Disintermediation, Kundenorientierung, Wettbewerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Wandel des Finanzsektors durch die aufkommende Branche der FinTech-Unternehmen und deren Einfluss auf traditionelle Bankmodelle.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Bereiche Zahlungsverkehr, Kreditgeschäft und Devisengeschäft, in denen FinTechs besonders aktiv sind.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erörterung der Hypothese, ob FinTechs zu einer ernsthaften Konkurrenz und potenziellen Gefahr für konventionelle Banken geworden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalyse und die SWOT-Analyse zur Untersuchung der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken von FinTech-Geschäftsmodellen.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert Geschäftsmodelle, Erfolgsfaktoren (Digitalisierung, Automatisierung) und Risikofaktoren sowie den direkten Vergleich von FinTech-Leistungen gegenüber klassischen Bankangeboten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind FinTech, Digitalisierung, Disintermediation, Bankmodell, SWOT-Analyse und Innovation.
Wie unterscheidet sich die Rolle von FinTechs im Zahlungsverkehr von klassischen Banken?
FinTechs bieten oft transparentere und kostengünstigere Front-End-Lösungen an, nutzen jedoch häufig im Hintergrund dennoch bestehende Bank-Infrastrukturen zur Abwicklung.
Welche vier Normstrategien empfiehlt der Autor für Banken?
Banken sollten sich als Plattformen für FinTechs entwickeln, in FinTechs investieren, eigene FinTech-Angebote schaffen oder Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette eingehen.
Welche Rolle spielt die Geldschöpfung bei der Konkurrenz zwischen Banken und FinTechs?
Die Geldschöpfung bleibt das Monopol konventioneller Banken, was ihnen einen entscheidenden Vorteil im Kreditgeschäft gegenüber FinTechs verschafft, da diese nur verfügbares Kapital vermitteln können.
Warum wird die Bedrohung durch FinTechs im Fazit nur eingeschränkt bestätigt?
Zwar substituieren FinTechs Teilbereiche erfolgreich, doch aufgrund der starken Regulierung und der Systemrelevanz der Banken ist von einer sofortigen, existenziellen Bedrohung der traditionellen Institute nicht auszugehen.
- Citation du texte
- Gustav Augart (Auteur), 2015, Finanztechnologiemarkt. Status quo und Analyse der Geschäftsmodelle sowie Gegenüberstellung zu Universalbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323954