Der Zusammenhang zwischen elterlichem Bildungsstand und Einkommen und kindlichem Übergewicht

Ein Vergleich empirischer Studien


Bachelorarbeit, 2014

61 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Anthropometrie
2.2 Sozioökonomischer Status

3. Erklärungsansätze des kindlichen Übergewichts
3.1 Sozioökonomische und strukturelle Faktoren
3.2 Psychosoziale Faktoren
3.3 Erklärungsansätze von Bourdieu
3.4 Weitere Erklärungsmodelle

4. Hypothesendarstellung

5. Studiendarstellung
5.1 Kinder- und Jugendgesundheitssurvey
5.1.1 Operationalisierung
5.2 Australian Children's Nutrition and Physical Activity Survey
5.2.1 Operationalisierung
5.3 IDEFICS
5.3.1 Operationalisierung
5.4 Health Survey for England
5.4.1 Operationalisierung

6. Studienvergleich
6.1 Erste Forschungshypothese
6.2 Zweite Forschungshypothese
6.3 Dritte Forschungshypothese
6.4 Vierte Forschungshypothese

7. Diskussion

8. Schlussbetrachtung/ Ausblick

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Mehrebenenmodell von Steinkamp

Abbildung 2: Mehrebenenmodell von Elkeles & Mielck

Abbildung 3: Kindlicher BMI verschiedener Länder

Abbildung 4: IDEFICS: BMI bei Einkommen

Abbildung 5: IDEFICS: Verzehr von ungesunder Nahrung bei Einkommen

Tabelle 1: IDEFICS: Kindliche Ernährung bei Bildung

Tabelle 2: HSE: Ernährungseinstellung und -wissen von Eltern

Tabelle 3: HSE: Bewegungseinstellung der Eltern

Tabelle 4: HSE: Ernährung bei Einkommen

Tabelle 5: KiGGS: Körperliche Aktivität von Kindern

Tabelle 6: HSE: Kindliche Aktivität bei Einkommen

Tabelle 7: IDEFICS: Verzehr von ungesunden Lebensmitteln bei Bildung

Tabelle 8: HSE: Gesundheitsverhalten von Eltern

Tabelle 9: HSE: Ernährungswissen von Kindern

Tabelle 10: HSE: Ernährungseinstellung von Kindern

Tabelle 11: ACNAPAS: Aktivität und Ernährung bei Bildung und Einkommen

1. Einführung

Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ist ein universelles Problem, das nicht nur im medizinischen Wissenschaftsbereich diskutiert wird. Auch die sozialepidemiologischen Studien beschäftigen sich mit den direkten und indirekten Einflussfaktoren, die Übergewicht und Adipositas im Kindesalter bewirken. In vielen Studien wurden überwiegend Einflussfaktoren für das Risiko Übergewicht im Erwachsenenalter zu bekommen untersucht. Kinder und ältere Menschen waren bislang seltener Forschungsschwerpunkt. Aus dem National Health and Examination Survey aus den Vereinigten Staaten zeigt, dass sich die Prävalenz von Übergewicht bei Kindern im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt (Gable u. Lutz 2000). Dies führt zu einer besorgniserregenden Zahl

an übergewichtigen Kindern. Die empirischen Forschungen sowie die Gesundheitsberichterstattungen zeigen, dass bestimmte Gruppen von Kindern stärker betroffen sind, als andere. Gerade gesundheitliche Beeinträchtigungen in der Kindheit und Adoleszenz zeigen oftmals langfristige und nachhaltige Auswirkungen bis in das Erwachsenenalter hinein. Vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien zeigen vermehrt einen schlechteren Gesundheitszustand auf, als Kinder aus sozial stärkeren Familien. Die soziale Ungleichheit bei Kinder und Jugendlichen ist daher ein äußerst relevantes Thema in Public Health Forschungen. Public Health ist ein Fachgebiet, das sich auf gesellschaftliche Einflussfaktoren und sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheit spezialisiert.

Es hat sich herausgestellt, dass gesundheitsschädigendes Verhalten (sportliche Inaktivität und ungesunde Ernährung) in Kindheit und Adoleszenz zu gesundheitlichen Problemen im Erwachsenenalter führen kann. Dabei können schwere chronische Krankheiten, wie Diabetes mellitus 2 und kardiovaskuläre Erkrankungen auftreten.

Übergewicht und Adipositas sowie die damit einhergehenden Folgeerkrankungen können durch Präventionsmaßnahmen überwiegend verhindert werden. Da sich die Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen in den verschiedenen Ländern der Welt gravierend unterscheiden, sollten Präventionsmaßnahmen individuell zugeschnitten und vor allem untere Statusgruppen erreichen (Jungbauer- Gans und Kriwy 2004). Vergleiche von Studien verschiedener Ländern sind zum einen hilfreich, um Hinweise auf die Gründe gesundheitlicher Ungleichheit von Kindern geben zu können. Zum anderen, um mögliche Präventionsmaßnahmen auf ihre Funktionalität zu überprüfen. So bietet sich die Möglichkeit das Gesundheitsverhalten von Familien zu verbessern und damit auch indirekt das der Kinder (ebd.). Weiterhin beklagen die Krankenkassen einen den Anstieg der Behandlungskosten für Übergewichtige. Um diesen entgegenzuwirken müssen Mechanismen und Effekte, die Übergewicht bei Kindern beeinflussen und verursachen untersucht werden. Das wichtigste ist jedoch Kindern ein Leben ohne Krankheiten zu ermöglichen.

In dieser Forschungsarbeit soll der mögliche Zusammenhang von elterlichem Einkommen und Bildungsstand auf das Risiko des kindlichen Übergewichts untersucht werden. Der Forschungsschwerpunkt liegt bei Kindern im Grundschulalter, Da sich das Gesundheitsverhalten in diesem Alter am stärksten an dem der Eltern orientiert. Durch die Auswahl an Lebensmitteln, die im Haushalt zur Verfügung stehen, und den Zubereitungsweisen der Eltern, ist das Ernährungsverhalten der Kinder den ihrer Eltern angepasst. Die elterlichen Vorgaben zur Ernährung, körperlicher Aktivität, sowie zum Medienkonsum sind prägend und einflussreich für den späteren gesundheitlichen Lebensstil der Kinder. Mit der biologischen Geschlechtsreife und einem wachsenden sozialen Netzwerk werden erlernte Verhaltensweisen und Rollenvorbilder aktualisiert und neue eigene Einstellungen ausgebildet. Somit lösen sich die Jugendlichen von den Einstellungen ihrer Eltern ab und entwickeln eine eigene Identität. Das soziale Umfeld bietet hier vor allem die Möglichkeit gesundheitsschädigende Verhaltensweisen zu kompensieren und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern (Gerhards et al. 2004).

Bei der Auswahl der vier Studien wurde darauf geachtet, dass die möglichen Zusammenhänge zwischen elterlicher Bildung und Bildungsabschluss auf die sportliche Aktivität und das Ernährungsverhalten der Kinder untersucht wurden.

Ziel dieser Arbeit ist es Zusammenhänge zwischen Übergewicht und Adipositas bei Kindern bis zu 10 Jahren und den direkten Einflussfaktoren herauszuarbeiten. Zu den direkten Einflussfaktoren gehören das Ernährungsverhalten und die sportliche Aktivität der Kinder. Daher soll eine mögliche Korrelation zwischen dem Einkommen der Eltern und dem Ernährungsverhalten von Grundschulkindern untersucht werden, sowie den Effekt des Einkommens auf die körperliche Aktivität der Kinder hat. Weiterhin untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen elterlicher Bildung und dem Ernährungsverhalten bzw. der körperlichen Aktivität der Kinder besteht. Somit wird vermutet, dass die sozioökonomischen Faktoren der Eltern einen indirekten Einfluss auf das kindliche Übergewicht und die Adipositas haben.

Im folgenden Kapitel werden zunächst Begriffsbestimmungen vorgenommen und Definitionen eingeführt. Des Weiteren werden die anthropometrischen Messungen und Operationalisierungsmethoden der einzelnen Studien vorgestellt. Anschließend werden im 4 Theorieteil der Arbeit verschiedene Ansätze zur Klärung der gesundheitlichen Ungleichheit bei Kindern erfasst. Die einzelnen Erklärungsansätze werden auf ihre Aussagekraft zur Beantwortung der Forschungshypothesen hin diskutiert. Daraufhin folgt die Erläuterung der Forschungshypothesen. Dann werden die vier Studien und in Kürze deren Operationalisierungsmethoden vorgestellt. Hierbei soll jede Studie differenziert betrachtet und ausgewertet werden. Im darauffolgenden Kapitel werden die einzelnen Ergebnisse aus den Studien analysiert und miteinander verglichen, um die Forschungshypothesen belegen oder entkräften zu können. Eine Interpretation und Diskussion der Ergebnisse folgt im nächsten Kapitel. Auch die verschieden angewandten anthropometrischen Messmethoden und die daraus resultierenden Ergebnisse sollen auf ihre Reliabilität und Vulnerabilität geprüft und diskutiert werden. Anschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst. Ebenso erfolgt eine Darstellung der daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen, Präventionsmaßnahmen für Familien, Ziele für die Gesundheitspolitik und weitere wichtige Forschungsinhalte. Abschließend folgt ein persönliches Fazit.

2. Begriffsbestimmungen

Seit 1900 ist Adipositas eine ernstzunehmende Krankheit in der medizinischen Wissenschaft anerkannt. Als adipös gilt ein Individuum, dessen Körperfettanteil verhältnismäßig zum Gesamtkörpergewebe disproportional groß ist (RKI 2013).

Eine Abgrenzung zwischen Übergewicht und Adipositas ist zwingend vorzunehmen, da diese Begriffe fälschlicherweise häufig synonyme verwendet werden. Übergewicht bedeutet, dass im Verhältnis zur Körpergröße ein zu hohes Körpergewicht vorliegt. Bei einem BMI unter 25 wird das Körpergewicht als normal angesehen. Bei einem BMI zwischen 25-30 wird Übergewicht angenommen, ab einem BMI über 30 liegt Adipositas vor (ebd.).

Die soziale Herkunft von Kindern wird anhand des sozioökonomischen Status der Eltern definiert. In der Empirie nimmt der SES einen wichtigen Stellenwert ein. Vereinfacht lässt sich sagen, dass der sozioökonomische Status einer Person die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht ermöglicht (Hradil 2001).

In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass soziale Ungleichheit1 zwischen den einzelnen sozialen Schichten besteht und diese zu gesundheitlicher Ungleichheit führen kann. Soziale Ungleichheiten können durch die asymmetrische Verteilung knapper Güter, wie z.B. Bildungsabschlüsse und Einkommen, aber auch Umwelt- und Wohnbedingungen bedingt sein (ebd.). Demnach setzt sich die soziale Ungleichheit aus den sogenannten vertikalen Merkmalen zusammen (Bildung, Einkommen, Beruf) (Mielck 2005). Somit bestimmen die vertikalen Merkmale den sozialen Status einer Person. In dieser Arbeit werden die Begriffe soziale Schicht, soziale Statusgruppe und SES synonym verwendet. Für die Bearbeitung der Forschungshypothesen werden die vertikalen Variablen Einkommen und Bildung berücksichtigt.

Für die Begründung gesundheitlicher Ungleichheit muss zunächst der Begriff „Gesundheit“ erläutert werden. Laut der WHO wird Gesundheit als körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden definiert und ist nicht zwingend mit Krankheit verknüpft (Hackauf 2004). Unter dem Begriff Gesundheitsverhalten versteht Hurrelmann (2006) die gesundheitsschädigenden und gesundheitsfördernden Handlungsmuster und -gewohnheiten, die zur Verbesserung, Wiederherstellung oder Erhaltung psychischer und physischer Gesundheit beitragen. Zu einem günstigen Gesundheitsverhalten werden eine gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport gezählt. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass es grundsätzlich keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel gibt, sondern die Kombination und Menge der Lebensmittel entscheidend sind (Gerhards et al. 2004). Laut dem FKE (2014) sollten Kinder eine optimierte Mischkost zu sich nehmen (optiMIX). Zu einer gesunden Ernährung gehören demnach der reichliche Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln, ein mäßiger Verzehr von tierischen Lebensmitteln und ein sparsamer Verzehr von fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln (ebd.). In den verschiedenen Studien werden unterschiedliche Lebensmittelgruppen, die je nach Untersuchungsland mit einer ungesunden oder gesunden Ernährung assoziiert werden, zur Bewertung des Ernährungsverhaltens herangezogen. Auch die Richtlinien für körperliche Aktivität von Kindern sollten eingehalten werden. Bei 2-5 Jährigen drei Stunden lebhafte bis moderate Bewegung (MVPA), bei Kindern zwischen 5-10 Jahren eine Stunde MVPA (DGE 2013).

Vor allem bei Kindern sollte auf ein günstiges Gesundheitsverhalten geachtet werden, weil dieses die Gesundheit und Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen könnte (Hurrelmann 2006).

2.1 Anthropometrie

Zur Bestimmung der Adipositas muss der Körperfettanteil gemessen werden. Dazu gibt es eine Reihe von Verfahren, wie die Messung der Hautfaltendicke, Ultraschalluntersuchungen, das Wiegen unter Wasser (Densiometrie), oder Computer- und Kernspintomographie Methoden (Foque et al. 2006).

Da diese Methoden teilweise mit hohen Kosten verbunden und aufwendig sind, wird zur Schätzung des Körperfettanteils überwiegend der Body- Mass- Index (BMI) verwendet. Diese ist die einfachste und gebräuchlichste Methode zur Klassifizierung der Adipositas. Der BMI errechnet sich als Quotient aus dem Körpergewicht in Kilogramm und der Körpergröße im Quadrat. Dabei sollte zur Bestimmung des BMIs auf objektive Messungen zurückgegriffen werden, da eigene Angaben regelmäßig unzuverlässig sind (ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Unterteilung des BMI in Untergewicht, Normalgewicht und die unterschiedlichen Grade der Adipositas können keine festgesetzten Werte herangezogen werden. Da sich Kinder im Wachstum befinden, werden geschlechts- und altersspezifische Referenzwerte zur Bestimmung des BMIs verwendet. Die AGA empfiehlt die Verwendung der 90. und 97. Perzentile zur Definition von Übergewicht und Adipositas von Kromeyer- Hauschild (2001). Von Cole et al. (2000) gibt es eine internationale Referenzkurve für die Bestimmung des BMIs. Ein BMI über dem 85. und 95. Perzentil werden als Übergewicht und Adipositas angesehen. Der BMI unterscheidet zwar nicht zwischen Körperfettmasse und Muskelmasse, aber ein großer Zusammenhang zwischen dem BMI und dem Körperfettanteil konnte bereits nachgewiesen werden. Deswegen ist der BMI zur Einschätzung des Körperfettanteils akzeptabel (Lampert 2004).

Zur Bestimmung der Fettmasse wird der Taillen- und Hüftumfang gemessen. Die Messung erfolgt durch ein flexibles Maßband2. Als Taillenumfang wird der schmalste Bauchumfang unterhalb der letzten Rippe und oberhalb des Beckenknochens gemessen. Die Messung des Hüftumfangs erfolgt horizontal im Bereich des maximalen Gesäßumfangs. Im internationalen Vergleich sind deutliche Unterschiede zwischen den Perzentilen des Taillen- und Hüftumfanges zu erkennen. Der Taillen- Hüft-Index (Waist-to-Hip-Ratio) setzt den Taillenumfang in Verhältnis zum Hüftumfang, wodurch verschiedene Formen der Adipositas unterschieden werden können (RKI 2013). Mit der Messung der Hautfaltendicke anhand eines Hapernden-Caliper kann die subkutane Fettmasse an Trizeps und Subscapula3 bestimmt werden. Mit der Hautfaltendickenmessung können annähernde Werte für den Gesamtkörperfettanteil ermittelt werden. Unter allen Erhebungsmethoden weist die Hautfaltenmessung die größte Messgenauigkeit auf. Für den internationalen Vergleich können die Perzentile für die Hautfaltendicke der WHO herangezogen werden (ebd.). Der Blutdruck wird anhand eines Blutdruckmessgerätes gemessen und der Puls anhand eines Pulsmessgerätes (ebd.).

Diese Methoden dienen zum einen zur Validierung der Befragungs- und Untersuchungsdaten und zum anderen weisen sie auf latente Gesundheitsrisiken hin (Lampert 2004).

2.2 Sozioökonomischer Status

In sozialepidemiologischen Studien gibt es viele Möglichkeit die SES Indikatoren (Bildung, Einkommen und Beruf) zu messen (Lampert 2004).

Da Grundschulkinder der elterlichen Kontrolle unterliegen, wird für die Beantwortung der Forschungshypothesen nur der Zusammenhang zwischen elterlicher Bildung, Einkommen und dem kindlichen Übergewicht beleuchtet. Dafür wurden überwiegend Studien ausgewählt, die die Indikatoren einzeln untersuchen. Die Herausarbeitung eines möglichen Effekts der Indikatoren auf das Gesundheitsverhalten und somit indirekt auf das Körpergewicht von Kindern erweist sich bei einem Schichtindex als schwierig. Deswegen wird im Folgenden die Operationalisierung der unabhängigen Variablen „Einkommen“ und „Bildung“ vorgestellt (ebd.).

Zur Messung der elterlichen Bildung wird überwiegend der höchste Schulabschluss der Eltern erfasst. Anhand des deutschen Schulsystems lassen sich vier Schulabschlüsse unterscheiden: Hauptschulabschluss, Realschulabschluss (Mittlere Reife), Fachhochschulreife (Fachabitur) und die allgemeine Hochschulreife (Abitur). Weiterhin sind andere Kategorien, wie kein Schulabschluss, ein andauernder Schulbesuch, Abschlüsse der ehemaligen DDR4 zu berücksichtigen. Ebenso sollte stets eine offene Antwortkategorie vorhanden sein, um ausländische Schulabschlüsse erfassen zu können (Lampert und Kroll 2009).

Für die sozialepidemiologischen Studien werden die Variablen vereinfacht und gruppiert kategorisiert. In internationalen Studien werden überwiegend die Bildungsjahre gemessen, das heißt die Jahre, die üblicherweise benötigt werden, um einen bestimmten Schulabschluss zu erreichen5. Jedoch hat die Bestimmung der Bildungsjahre den Nachteil, dass qualitative Unterschiede bei gleicher Anzahl von Bildungsjahren unberücksichtigt bleiben (ebd.).

In empirischen Studien wird Einkommen meist anhand des Nettoeinkommens eines Haushaltes gemessen. Das Haushaltsnettoeinkommen berechnet sich aus der Summe des durch die Teilnahme am Arbeitsmarkt erzielten Einkommens aller Haushaltsmitglieder*innen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Das angegebene monatliche Haushaltseinkommen wird üblicherweise in drei Kategorien eingeteilt: hohes, mittleres und niedriges Haushaltsnettoeinkommen. Fehlende Angaben sollen nach Möglichkeit durch andere soziodemographische Merkmale statistisch geschätzt werden6 (Lampert und Kroll 2009). Darüber hinaus wird in manchen Studien der Pro-Kopf-Nettobedarf anhand des Alters und in Relation zum Haushaltsvorstand festgemacht. Laut der OECD-Skala, die sich als Referenzskala erwiesen hat, ist dem Haushaltsvorstand ein Bedarfsgewicht von 1 und Kindern unter 14 Jahren ein Wert von 0,3 zuzuweisen (ebd.).

In vielen sozialepidemiologischen Studien wird für die Messung des SES ein Indize gebildet, der sich aus den Angaben zu Bildung, Einkommen und Berufsstatus errechnet. In deutschen Studien wird häufig der Schichtindex von Winkler (1999) verwendet. Bei diesem Index gehen alle drei Variablen (Nettohaushaltseinkommen, Bildungsabschluss, Berufsstatus) gleichermaßen ein und ergeben addiert einen Schichtindex zwischen 3- 21 Punkten. Dazu werden die Ausgangsvariablen ordinal skaliert, einem Punktewert von 1-7 zugeordnet und addiert. Fehlt der Wert einer Variablen wird dieser durch das arithmetische Mittel der anderen beiden Variablen errechnet. Für eine deskriptive Darstellung des Schichtindex werden die Punktewerte gruppiert und somit sozialen Schichten zugeteilt (Lampert und Schenk 2004).

3. Erklärungsansätze des kindlichen Übergewichtes

Für die Begründung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kinder und Jugendlichen muss der indirekte Einfluss des SES der Eltern untersucht werden. Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Ressourcenverfügbarkeit, dem sozialen Netzwerk und dem gesundheitsbewussten Verhalten von Kindern soll untersucht werden (RKI 2013).

Ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen wird durch ein verflochtenes Gebilde unterschiedlicher gesellschaftlicher und individueller Rahmenbedingungen bestimmt. Es handelt sich hier um Faktoren der allgemeinen sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen oder Familiensituationen (Klocke 2004). Aufgrund verschiedener vielfältiger gesundheitsfördernder oder gesundheitsgefährdender Maßnahmen kann sich die Gesundheit von Kindern unterschiedlich entwickeln. Wie sich die soziale und sozialpsychologische Vermittlung vollzieht, sodass Kinder aus niedrigen Schichten gesundheitsschädigender Leben, als Kinder aus höheren Schichten, soll untersucht werden (Hradil 2006).

Im Folgenden werden mögliche Ursachen statusabhängiger Gesundheitsverhalten beschrieben und diskutiert. Als mögliche Ursachen werden sozioökonomische, strukturelle, psychosoziale und soziokulturelle Einflussfaktoren beleuchtet.

3.1 Sozioökonomische und strukturelle Faktoren

Ausgehend von dem „Black Report“ (1980) aus Großbritannien wurde die Kausationshypothese entwickelt, die den Einfluss materieller und struktureller Lebensbedingungen auf das Gesundheitsverhalten erklären soll. Der kausale Einfluss der strukturellen Lebensbedingungen führt zu verschiedenen Einstellungs- und Verhaltensmustern zwischen den SES Gruppen. Dabei führt der direkte oder indirekte Einfluss zu gesundheitlicher Ungleichheit. Mackenbach (2006) vertritt die Kausationshypothese mit der Einschränkung, dass er von einem indirekten Einfluss der Lebensbedingungen auf die Gesundheit der Kinder ausgeht (Kroll 2010).

Das Gesundheitsverhalten und somit gleichzeitig auch die Prävalenz von Übergewicht sind abhängig von der sozialen Lage einer Familie. Untere soziale Schichten ernähren und bewegen sich häufiger nicht entsprechend der Empfehlungen (Jungbauer-Gans u. Gross 2006). Daher ist davon auszugehen, dass sich Menschen aus mittlerer oder hoher Schicht gesünder ernähren und mehr bewegen. Jedoch kann das Prinzip der positiven Energiebilanz7 nicht als alleinige Ursache für Übergewicht gesehen werden (Helmert 2003). Vielmehr sind fehlende finanzielle Ressourcen und Wissensmangel Hauptkriterien für eine ungesunde Lebenslage der Kinder. Das energiedichte8 und dadurch teilweise ungesunde Lebensmittel preiswerter sind als gesunde gilt nicht als wissenschaftlich erwiesen (Muff et al. 2012).

Es gilt jedoch als erwiesen, dass eine durch fehlende Mittel bedingte Lebensmittelknappheit eine Fehlernährung von niedrigen Sozialschichten begünstigt. Tendenziell wird dann energiedichte Nahrung aufgenommen, um ein langanhaltendes Sättigungsgefühl erzeugen. Weiterhin gilt als gut dokumentiert, dass die Qualität der Ernährung tendenziell mit den sinkenden Ausgaben für Lebensmittel abnimmt (ebd.).

Des Weiteren ergaben Untersuchungen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen Ernährungswissen und Ernährungsqualität besteht. Somit hat das Ernährungswissen der Eltern Einfluss auf die Ernährung ihrer Kinder. Erwartungsgemäß ist davon auszugehen, dass das Ernährungswissen in sozial benachteiligten Familien geringer ist, als in privilegierten. Smith und Owen (1992) konnten beobachten, dass sich mit steigendem Sozialstatus auch die subjektive Wichtigkeit und Einstellung zu einem gesundheitsfördernden Verhalten erhöht (ebd.).

Das Gesundheitsverhalten der Kinder wird im Sozialisationsprozess während der Kindheit durch die Familie oder andere soziale Basisgruppen (z.B. Kindergarten) erlernt und habitualisiert. Somit ist das zu beobachtende Gesundheitsverhalten der Kinder ist durch Erfahrungen bedingt. Die Eltern agieren als Vorbild für ihre Kinder (Diehl 1980).

Es wird vermutet, dass einstellungs- oder verhaltensbezogene Unterschiede zwischen den einzelnen sozioökonomischen Statusgruppen anteilig für das Entstehen gesundheitlicher Ungleichheiten verantwortlich sind (Kroll 2010). Der Lebensstilansatz probiert die habitualisierten und strukturellen Gesundheitsverhaltensweisen in allen Dimensionen zu erfassen. Einer der wichtigsten soziologischen Erklärungen gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen stammt von William C. Cockerham (2005). Sein Ansatz basiert auf Max Webers (1922) Untersuchungen zur ständischen Lebensführung und deren Verhaltensweisen und Handlungsmuster. Dabei sollen die verschiedenen Verhaltens- und Handlungsmuster soziale Gruppen voneinander unterscheiden und Merkmale sozialer Zugehörigkeit suggerieren. Somit kann der Lebensstil im Weberschen Konzept als ein Zusammenwirken zwischen Lebenschancen und Lebensführung betrachtet werden und ist also Vorreiter des modernen Lebensstilkonzepts von Cockerham (Muff 2013).

Das Health-Lifestyle-Modell von Cockerham (2005) beschreibt den Prozess der kritischen Wahl eines Verhaltens, welches durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beeinflusst ist, mit dem Begriff „agency“. Dieser kann analog zu Webers Lebensführung verstanden werden. Cockerham beschreibt mit „agency“ die Entscheidungsfreiheit des Individuums ein Verhalten auszuüben oder es zu lassen. Mit dem Begriff „structure“ beschreibt Cockerham strukturelle Gegebenheiten, die sich durch die Verfügbarkeit von Ressourcen, einem sozialen Netzwerk und Schichtzugehörigkeit ergeben. Diese ermöglichen oder erschweren individuelles Verhalten, wodurch das Individuum einer sozialen Schicht nie unabhängig agieren kann. Somit ist „structure“ entsprechend Webers Lebenschancen zu verstehen (Muff 2009). Cockerham (2005) sagt, dass Gesundheitslebensstile das Ergebnis ausgewählter Optionen sind, die durch Lebensumstände vorgegeben wurden. Zusammenfassend ist gesundheitsrelevantes Verhalten ein repräsentatives Verhalten aller Schichtzugehörigen. Cockerham zeigt auf, das sich Verhaltensweisen etablieren und verfestigen können und dadurch zu Handlungsmustern werden. Im Health-Lifestyle-Modell (2005) wird angenommen, dass die Schichtzugehörigkeit durch die Sozialisation Einfluss auf das Gesundheitsverhalten des Individuums nimmt (ebd.).

Kritisiert wird, dass der Lebensstilansatz zur Begründung gesundheitlicher Ungleichheit nur Korrelationen zwischen einzelnen Merkmalen identifiziert, jedoch keine Ursachen-Wirkungs- Beziehung herausgearbeitet werden kann, weil die zeitliche Verortung der Effekte nicht stimmig ist. Die Schulbildung der Eltern oder das Einkommensniveau sind festgelegt, bevor sich ein Gesundheitszustand der Kinder einstellt (Jungbauer-Gans u. Kriwy 2004).

Ein ungesundes Gesundheitsverhalten wird mit dem Konsum ungesunder Lebensmittel und mangelnder Bewegung assoziiert. Der Genuss von gesunder Nahrung und ausreichende Bewegung korrelieren mit einem hohen kulturellen Lebensstil, während der Konsum von „ungesunden“ Nahrungsmitteln und hohe Inaktivität mit einem schwachen Lebensstil korrelierten (JungbauerGans u. Kriwy 2004). Da Gesundheitslebensstilansätze, wie von Stefan Hradil (2006), nur einen geringen Erklärungswert von gesundheitliche Ungleichheit zwischen Statusgruppen haben, sollten diese nur ergänzend herangezogen werden (Hartung 2013).

Zu den strukturellen Ursachen gesundheitlicher Ungleichheit zählen vor allem die herrschenden Wohn- und Lebensbedingungen. In der einschlägigen Literatur werden schlechte Erreichbarkeit von großen Supermärkten und die daraus resultierenden Preisnachteile, die eingeschränkte Lebensmittelauswahl und die Qualitätseinbußen mit ungünstigen Ernährungsgewohnheiten assoziiert (Muff et al., 2012). Da die Wahl der Wohngegend eng mit dem verfügbaren Einkommen und der Bildung der Eltern zusammenhängt, konnte eine positive Assoziation zwischen körperlicher Aktivität und dem Wohnumfeld der Familien untersucht werden(Hradil 2001).

Somit kann zusammengefasst werden, dass Menschen aus niedrigen Sozialschichten einen ungünstigeren Lebensstil haben, der eine hohen Inaktivität und eine ungesunde Ernährung beinhaltet. Ein ungünstiger Lebensstil kann somit mit einem hohen Risiko für Übergewicht und Adipositas bei Kindern assoziiert werden.

3.2 Psychosoziale Faktoren

Ein prominenter Vertreter der Ansicht, dass materieller und psychosozialer Stress Einfluss auf die gesundheitliche Lage der Bevölkerung hat ist Richard G. Wilkinson (1996). Im Zentrum seiner Analysen stehen die gesundheitlichen Folgen sozialer Ungleichheit, die psychosozialer Stress verstärkt. Laut Wilkinson ist psychosozialer Stress ein wichtiger Transformationsmechanismus zwischen sozialer Ungleichheit und physischer Gesundheit, da Stress zu übermäßigen Essen und Inaktivität führen kann (Kroll 2010). Neben höheren Belastungen, wie finanzielle Sorgen, spielt auch eine geringere Verfügbarkeit von sozialen Ressourcen eine Rolle, wie etwa dem Sozialkapital.

Dahingegen vertritt John Lynch (2000) eine andere Argumentation für soziale Ungleichheit in der Gesundheit. Er geht davon aus, dass materieller Wohlstand einen stärkeren Einfluss auf die Gesundheit hat, als das Sozialkapital. Trotz alledem stimmt er mit Wilkinsons Diagnose überein, dass psychosoziale Faktoren einen negativen Einfluss auf die physische Gesundheit der Bevölkerung haben, hält aber einseitige Erklärungsmodelle, die psychosoziale Mechanismen in den Vordergrund stellen für fragwürdig (ebd.).

Die WHO- Studie „Health Behaviour in School-aged Children“9 (Currie et al. 2004) verdeutlicht die Relevanz, dem Sozialkapital bei der Erforschung gesundheitlicher Ungleichheit eine Schlüsselrolle zuzuweisen. Dieser Erklärungsansatz baut auf Pierre Bourdieus Kapitaltheorie (1983; 1987) auf. Das Sozialkapital ist nach Bourdieu ein Netzwerk auf das Menschen zurückgreifen können, wenn sie soziale Unterstützung brauchen. Bei dem Sozialkapital handelt es sich somit um Ressourcen, die Stabilität und Vertrauen im Alltag geben sollen. Vertrauen, soziale Zugehörigkeit und das soziale Umfeld sind wichtige Einflussfaktoren, die gesundheitliche Ungleichheiten kompensieren können (vgl. Klocke 2004). In der HBSC Studie konnte festgestellt werden, dass sich das Gesundheitsverhalten mit steigendem Sozialkapital verbessert. Somit lässt sich sagen, dass das Sozialkapital-Konzept eine autarke Wirkung auf das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen hat. Dadurch kommt dem Sozialkapital eine erklärende Funktion zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit zu (ebd.).

3.3 Erklärungsansätze von Bourdieu

Soziale Ungleichheit muss nicht unmittelbar zu gesundheitlicher Ungleichheit führen, vielmehr müssen vermittelnde Glieder, die zu einem gesundheitsschädigenden Verhalten verleiten, untersucht werden. Pierre Bourdieus Habitustheorie bietet eine Erklärung für gesundheitliche Ungleichheit (Klocke 2004).

Bourdieu (1983, 1985) beschreibt den Habitus als routiniertes Alltagsverhalten, das wiederum Lebensstile beeinflusst. Nach Bourdieu wird der Habitus durch eine soziale Position eines Menschen innerhalb der Sozialstruktur geprägt. Der Habitus beeinflusst nicht nur die Handlungs-, Wahrnehmungs- und Denkverhalten der Akteure, sondern auch das ganze soziale Zusammenleben der Menschen. Somit formt sich der Habitus durch die Stellung der Person und seiner sozialen Klasse in der Gesellschaft. Ebenso durch das Verinnerlichen der durch die Gesellschaft vermittelten kulturellen und materiellen Bedingungen des Lebens, den sogenannten Ressourcen. Somit gelten Lebensstile als expressive Form des Habitus (Abel u. Frohlich 2012).

Die Verbindung zwischen der sozialen Position, den vorhandenen Ressourcen und Lebensstilen beschreibt Bourdieu mittels klassenspezifischer Unterschiede in Ernährungsgewohnheiten und Sportaktivitäten der französischen Gesellschaft (Bourdieu 1983). Die Einbettung des Lebensstilansatzes in die Habitus- und Kapitaltheorie Bourdieus zeigt, dass Verhaltensweisen, Denkmuster und Lebensstile durch vorherrschende Lebensbedingungen geprägt sind (Abel u. Frohlich 2012).

Zusammenfassend kann man sagen, dass Kinder ein gesundheitsrelevantes Verhalten durch ihre Eltern und ihr soziales Umfeld erlernen und diese „Ressourcen“ habitualisiert zu Normen werden, die den Lebensstil nachhaltig beeinflussen können. Kinder im Grundschulalter sind demnach grundsätzlich den Normen und Einstellungen der Eltern unterlegen und können diese gegebenenfalls nicht kompensieren. Bourdieus Kapitaltheorie (1983) basiert auf der Annahme, dass das Kapital in seinen drei Grundformen (ökonomisches, soziales, kulturelles), in objektiver oder inkorporierter Form, als soziale Energie vorhanden ist. Kulturelle, ökonomische und soziale Austauschprozesse dienen zur Findung der sozialen Position innerhalb einer Gesellschaft. Durch die soziale Position können Güter und Waren sowie Ziele besser erreicht werden und sich besser durchgesetzt werden (ebd.).

Bourdieus Kapitaltheorie ist keine rein ökonomische Begriffsbestimmung, sondern versucht Machtverhältnisse und die ungleiche Kapitalverteilung zu beleuchten. Kapital ist demnach ein Faktor für soziale Ungleichheit. Zum ökonomischen Kapital gehören Geld, Wertpapiere und andere materielle Güter, die durch finanzielle Mittel zu erwerben sind. Das soziale Kapital sind immaterielle Ressourcen, die aus sozialen Beziehungen resultieren z.B. Verbindungen, Normen und Werte sowie Loyalität und soziale Unterstützung (Bourdieu 1983). Zum kulturellen Kapital zählen Bildung und jegliche Handlungsformen über die eine Person verfügt. Dabei werden alle Merkmale, Fähigkeiten und Fertigkeiten einbezogen, die für die eigene Positionierung innerhalb einer Gesellschaft wirksam sind (ebd.).

Es lassen sich drei Grundformen kulturellen Kapitals unterscheiden. Das verinnerlichte Kulturkapital umfasst z.B. das Wissen über gesunde Ernährung, Verhaltensweisen und Wertvorstellungen sowie der Möglichkeit solche umzusetzen. Dieses Kapital kann nicht vererbt werden, sondern nur durch Lernprozesse erworben werden (ebd.).

Inkorporiertes Kulturkapital findet seinen Ausdruck in gesundheitsrelevanten Lebensstilen und wird durch den Habitus und Sozialisationsprozess vermittelt. Das durch den Lebensstil bedingte Ernährungs- und Freizeitverhalten spiegelt die soziale Herkunft, die Bildungssozialisation und Ressourcenverfügbarkeit wider. Zudem dienen sie zur Symbolisierung der sozialen Herkunft und zur sozialen Abgrenzung von anderen Schichten (ebd.).

Das objektivierte Kulturkapital besteht aus verdinglichten Sachen, wie Büchern, Lexika und Instrumenten. Der Besitz dieser Güter steht in Abhängigkeit vom ökonomischen Kapital. Des Weiteren hängt die Nutzung des objektivierten Kulturkapitals von dem inkorporierten Kulturkapital ab, da für die adäquate Verwendung solcher Güter ein spezifisches Wissen benötigt wird (Bourdieu 1987). Das institutionalisierte Kulturkapital bildet die dritte Grundform und wird anhand akademischer Grade, öffentlichem Ansehen und vorhandenen Kompetenzen gemessen. Alle Kapitalsorten werden durch Sozialisation erworben und weitergegeben und interagieren entweder direkt oder indirekt untereinander (ebd.). Zum Beispiel verwehrt fehlendes ökonomisches Kapital die Möglichkeit in Sportvereinen tätig zu sein, was das kulturelle Kapital beeinflusst. Bourdieus Ansatz wird nur bedingt in der Gesundheitsforschung und zur Reproduktion sozialer Ungleichheit angewandt, weil Bourdieu sich selbst nicht mit Gesundheit und Krankheit auseinandergesetzt hat. Jedoch bieten sein Habitus- und auch seine Kapitaltheorie gute Grundlagen für weitere Erklärungsansätze (Abel u. Frohlich 2012).

[...]


1 Vor- und Nachteile von Menschen werden als soziale Ungleichheit bezeichnet (Hradil 2001)

2 (Messgenauigkeit ± 0,1 cm, Messbereich 0-150 cm) (vgl. Lampert 2004).

3 m Rückenbereich unterhalb des Schulterblattes (RKI 2013).

4 Der Polytechnischen Oberschule (POS) und der erweiterten Oberschule (EOS) (Lampert 2004).

5 Eine direkte Erhebung der Ausbildungsdauer ist weniger sinnvoll, weil Wiederholungen von Schuljahren oder Ausbildungsunterbrechungen zu Verzerrungen führen können (Lampert und Kroll 2012).

6 Bei Längsschnittstudien anhand früherer Einkommensangaben (Lampert und Kroll 2012).

7 Große Verzehrmengen bei wenig Bewegung (Muff et al. 2012)

8 Hohe Kalorienzahl pro Gewichtseinheit

9 Die HBSC Studie wird alle vier Jahre in über 30 Ländern Euopas, Nordamerikas und in Jerusalem mit ca. 20.000 Kindern durchgeführt. Untersucht wurden das Gesundheitsverhalten und die allgemeine Gesundheit von Jugendlichen zwischen 11- 17 Jahren (Klocke 2004).

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen elterlichem Bildungsstand und Einkommen und kindlichem Übergewicht
Untertitel
Ein Vergleich empirischer Studien
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Universität)
Veranstaltung
Kolloquium Methoden
Note
2,5
Autor
Jahr
2014
Seiten
61
Katalognummer
V323968
ISBN (eBook)
9783668228955
ISBN (Buch)
9783668228962
Dateigröße
2120 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adipositas, Kinder, Vergleich, Studien, Empirie
Arbeit zitieren
Pauline Kasimir (Autor), 2014, Der Zusammenhang zwischen elterlichem Bildungsstand und Einkommen und kindlichem Übergewicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323968

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