Einleitung
Die systematische oder gezielte Datenerhebung der Bevölkerung ist keine neuzeitliche Errungenschaft. In verschiedenen Kulturen ist das Sammeln von Informationen über die Bevölkerung schon seit der Antike bekannt. Regelmäßige Volkszählungen fanden unter anderem im alten Ägypten oder dem Römischen Reich statt. Das bekannteste Beispiel ist die Bevölkerungserhebung zu Beginn der traditionellen Weihnachtsgeschichte. Für Maria und Josef ist sie Anlass, nach Palästina zu kommen. Im Jahre sieben vor Christus dienten die gewonnenen Daten nicht zu Zwecken der Sozialforschung. Sie waren administrativer Natur und sollten dem damaligen Kaiser Herodes Auskunft über die Zahl der Kriegstauglichen und Steuerzahler geben (Diekmann, 1999, Seite 78).
Bedeutung und Umfang sozioökonomischer Daten haben nicht zuletzt durch den rasanten Fortschritt im Technologiebereich kontinuierlich zugenommen. Heute beruhen wichtige Planungsentscheidungen des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens auf den gesammelten Daten. So sind sie unter anderem maßgebend für die Verteilung der Steuern, wie wir im Verlauf unseres Referates noch aufzeigen werden. Dieses beschäftigt sich mit der Volkszählung und dem Mikrozensus. Im ersten Abschnitt des Referates zeichnen wir die Geschichte und Entwicklung der beiden Erhebungsinstrumente nach. Im anschließenden Themenkomplex wenden wir uns der Methode zu. Hierbei behandeln wir vor allem Vorgehensweise, Ablauf und Inhalte der Erhebungen. Obwohl der Focus unseres Referates auf den Instrumenten Volkszählung und Mikrozensus liegt, wenden wir uns aus Gründen der Vollständigkeit in einem weiteren Punkt der personenbezogenen Fortschreibung zu. Die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der erhobenen Daten leiten einen weiteren Gliederungspunkt ein: die „pro-und-contra-Argumente“ der Volkszählung.
Die Debatte um das Für und Wider einer Volkszählung schlug vor allem im Vorfeld der für 1983 geplanten Erhebung hohe Wellen. Kontroverse Diskussionen und Verfassungsbeschwerden führten zum Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts, das wir im Rahmen unseres Referates ebenfalls behandeln.
Ehe wir unsere Arbeit mit einem Fazit abschließen, geben wir noch einen Ausblick auf die für das Jahr 2001 geplante Volkszählung innerhalb der Europäischen Union. Ferner stellen wir im Schlussteil des Referates die Praxis des Erhebungsinstruments Volkszählung am Beispiel der Türkei und China auf.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Erhebungsinstrumente
2.1. Die Volkszählung
2.2. Der Mikrozensus
3. Methode
3.1. Die Volkszählung
3.2. Der Mikrozensus
3.3. Die Fortschreibung
4. Nutzen und Gründe der Erhebungen
4.1. Die Volkszählung
4.2. Der Mikrozensus
5. Mikrozensus versus Volkszählung
6. Das BverfG-Urteil
7. Die Volkszählung 2001
7.1. Allgemeines
7.2. Das Bundesmodell
7.3. Das Ländermodell
8. Aktuelle Volkszählungen im Ausland (Beispiele Türkei und China)
9. Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die methodischen Grundlagen und die gesellschaftliche Bedeutung der Erhebungsinstrumente Volkszählung und Mikrozensus in Deutschland. Dabei wird insbesondere auf die Debatte um Datenschutz, die verfassungsrechtliche Bewertung durch das Bundesverfassungsgericht sowie alternative Zensusmodelle für das Jahr 2001 eingegangen.
- Geschichte der amtlichen Statistik in Deutschland
- Methodik und Durchführung von Vollerhebungen vs. Stichproben
- Rechtliche Rahmenbedingungen und das Volkszählungsurteil
- Zensusmodelle und registerbasierte Datenerhebung
- Internationale Praxis am Beispiel Türkei und China
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Volkszählung
Eine Volkszählung ist eine Totalerhebung (Vollerhebung). Sie sieht eine Auskunftspflicht vor, die jede Person gesetzlich dazu verpflichtet, den Fragekatalog wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten. Befragt werden alle Haushalte. Ein relativ konstanter Kernbereich an Fragen sammelt demographische Daten, Angaben und Informationen über die Bevölkerung sowie die Bereiche Wohnung, Arbeitsstätte und Beruf. Von der Zählung der Arbeitsstätten sind landwirtschaftliche Betriebe ausgeschlossen, da diese in der Landwirtschaftszählung gesondert erfasst werden.
Der Fragekatalog bezieht sich auf Geschlecht, Alter, Familienstand, Religion, Staatsangehörigkeit, Wohnsitz, Unterhaltsquellen, Beteiligung am Erwerbsleben, Wirtschaftszweig, ausgeübte Tätigkeit, soziale Stellung im Beruf, Ausbildung, Pendlerverhalten und benutzte Verkehrsmittel (Costas, 1985, Seite 72). Idealtypisch sollen mit Hilfe der Volkszählung Daten von hoher Zuverlässigkeit sowie tiefer sachlicher und regionaler Gliederung gewonnen werden. Die Ergebnisse aller Zählungsteile sollen vergleichbar und kombinierbar sein, so dass die Bögen unter anderem gleichlautende Fragestellungen beinhalten und zum selben Zeitpunkt erhoben werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Bevölkerungsdatenerhebung ein und umreißt die behandelten Instrumente sowie die Relevanz der datenschutzrechtlichen Debatte.
2. Die Geschichte der Erhebungsinstrumente: Das Kapitel beleuchtet den zeitgeschichtlichen Kontext und die Entwicklung von Volkszählung und Mikrozensus in der Bundesrepublik Deutschland.
3. Methode: Hier werden die technischen Verfahren der Vollerhebung, die mehrstufige Stichprobenmethodik des Mikrozensus und das Instrument der Fortschreibung detailliert beschrieben.
4. Nutzen und Gründe der Erhebungen: Dieses Kapitel erläutert die politisch-administrativen Funktionen und Planungsanforderungen, die eine datengestützte Statistik notwendig machen.
5. Mikrozensus versus Volkszählung: Ein Vergleich der beiden Erhebungsinstrumente hinsichtlich Kosten, Qualität, Akzeptanz und Belastung der Bürger.
6. Das BverfG-Urteil: Darstellung der verfassungsrechtlichen Einordnung und der daraus resultierenden Auswirkungen auf die amtliche Statistik.
7. Die Volkszählung 2001: Analyse der geplanten registerbasierten Erhebung und Gegenüberstellung von Bundes- und Ländermodell.
8. Aktuelle Volkszählungen im Ausland (Beispiele Türkei und China): Ein Ausblick auf die internationale Praxis und die dort auftretenden sozioökonomischen Besonderheiten.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung hin zu kostengünstigeren, alternativen Erhebungsverfahren gegenüber klassischen Vollerhebungen.
Schlüsselwörter
Volkszählung, Mikrozensus, amtliche Statistik, Totalerhebung, Stichprobe, Datenschutz, Bundesverfassungsgericht, Registerauswertung, Bevölkerungsdaten, Sozioökonomie, Demographie, Erhebungsinstrumente, Informationelle Selbstbestimmung, Zensus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Erhebungsinstrumenten der amtlichen Statistik in Deutschland, insbesondere der Volkszählung und dem Mikrozensus, sowie deren Nutzen und kritischer Hinterfragung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Durchführung, den rechtlichen Aspekten durch das Bundesverfassungsgericht und dem Wandel hin zu modernen Registerzählung-Modellen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Reflexion der Methoden und des Nutzens der Volkszählung und des Mikrozensus im Kontext von Kosten, Nutzen und Bürgerrechten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden beschrieben?
Beschrieben werden die Totalerhebung (Volkszählung), die mehrstufige Gebietsstichprobe (Mikrozensus) sowie sekundärstatistische Methoden wie die Fortschreibung und Registerauswertung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die methodische Differenzierung der Erhebungsinstrumente, die Argumentationslinien von Befürwortern und Kritikern sowie Zukunftsaussichten anhand neuer Zensusmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Volkszählung, Mikrozensus, Datenschutz, amtliche Statistik, Vollerhebung und informationelle Selbstbestimmung.
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen dem Bundesmodell und dem Ländermodell?
Das Bundesmodell ist kostengünstiger und nutzt primär vorhandene Register, während das Ländermodell durch zusätzliche primärstatistische Erhebungen eine höhere regionale Tiefe und Datenqualität erreicht.
Wie reagierten andere Länder wie die Türkei oder China auf Volkszählungen?
Die Arbeit zeigt, dass diese Länder groß angelegte, primärstatistische Volkszählungen durchführen, die teilweise mit sozioökonomischen Sondermaßnahmen oder strengen Kontrollen verknüpft sind.
- Citation du texte
- Stefan Rampfel (Auteur), Diana Reich (Auteur), Thomas Plünnecke (Auteur), 2001, Volkszählung und Mikrozensus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3239