Systemische Beratung in Change Prozessen. Haltung und Interventionsmöglichkeiten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
30 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Systemtheorie und ihre Funktionssysteme
2.1 Die allgemeine Systemtheorie
2.2 Soziale Systeme
2.3 Die systemische Betrachtung von Veränderungsprozessen

3. Die systemische Beratung in Change-Prozessen
3.1 Haltung und Einstellung in der systemischen Beratung
3.2 Interventionsmöglichkeiten in der systemischen Beratung

4. Anwendungsbeispiel der systemischen Beratung
4.1 Ausgangslage der Fallstudie "Big Tech"
4.2 Praktische Anwendung der systemischen Beratung am Fallbeispiel

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht der drei Hauptgruppen der Systemtheorie (eigene Darstellung)

Abbildung 2: Ausdifferenzierung der Systeme in ihrer Umwelt (Operation, Beobachtung, Selbst-/Fremdreferenz, Autopoiesis) in Anlehnung an Berghaus 2011, S. 55

Abbildung 3: Grafische Veranschaulichung eines sozialen Systems (eigene Darstellung)

Abbildung 4: Transaktion innerhalb eines Systems in Anlehnung an Ellebracht et al. 2011, S.18

Abbildung 5: Die sieben Grundelemente der systemischen Beratung: Zentrale Aufgaben und Haltungen in Anlehnung an Ellebracht et. al. 2011, S. 36f.

Abbildung 6: Die an dem Change-Prozess beteiligten sozialen Systeme in Anlehnung an Königswieser & Exner 2008, S.19)

Abbildung 7: Die systemische Reflexionsschleife inkl. Zeitachse und Beschreibung des Projektverlaufs in Anlehnung an Königswieser & Hillebrand 2015, S. 46

Abbildung 8: Beispiel einer Change-Prozess Architektur in Anlehnung an Hillebrand et al. 2006, S. 91

Abbildung 9: Systemische Frage-, Gesprächs-, und Interventionswerkzeuge in Anlehnung an Ellebracht et al. 2011, S.50f. und Königswieser & Hillebrand 2015, S. 88f.

Abbildung 10: Auszug aus Abbildung 7

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Unterscheidung der beiden Beratungsformen "Expertenberatung" und "Prozessberatung" in der einschlägigen Literatur

Tabelle 2: Interventionsdesign Beispiel "Sounding-board" in Anlehnung an Königswieser und Exner 2008

1. Einleitung

Die globale Vernetzung der Welt sowie die technischen Entwicklungen im Bereich der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten haben zu einer bisher nie dagewesenen Vernetzung der Welt geführt, welche auch die Spielregeln der Wirtschaft zu ändern beginnt. Unser gesellschaftliches Leben und immer mehr wirtschaftliche Abläufe bewegen sich innerhalb der digitalen Welt. In dieser heben sich jedoch territoriale Grenzen auf, herrscht eine Machtverschiebung vom Anbieter zum Nachfrager und steigt die Komplexität aufgrund immer mehr Teilnehmer[1] an. Das Center for Collective Intelligence des MIT hat daher schon seit 2006 seine Forschungen an der Leitfrage ausgerichtet: "How can people and computers be connected so that - collcitvely - they act more intelligently than any individuals, groups, or computers have ever done before?" Welche Auswirkungen die Vernetzung der Welt auf die Wirtschaft haben kann, verdeutlichen insbesondere die neuen Kommunikationsmöglichkeiten der sozialen Netzwerke wie Twitter, Facebook oder WhatsApp. Informationen und neue Technologien verbreiten sich schneller und führen so zu vom Markt meist unvorhergesehenen Hypes. Schon fast über Nacht gelangen Teenager mit ihren Talenten auf YouTube zur Berühmtheit. Oder aber es fällt ein Shitstorm über Unternehmen, deren Ursprung oft auf einzelne Blogs und Posts zurückzuführen sind.

Nach der Ansicht von Prof. Dr. Kruse, welcher ein anerkannter Forscher im Bereich des Change Management ist, führt die hohe Vernetzungsdichte von Menschen, Unternehmen und deren Spontanaktivitäten zu einer erhöhten Komplexität. Unternehmer können nur noch schwer Zukunftsprognosen erstellen. Das Selbstverständnis eines Managers geht daher weg von der Planung und Zielsetzung, hin zum Identifizieren von Resonanzen im Markt und dem Erkennen von Verhaltensmustern. Viele Unternehmen sind mit dieser Situation überfordert und versuchen ihre Strategie auf einen nicht linear agierenden Markt auszurichten. Aus diesem Grund werden oft Unternehmensberatungen engagiert um Veränderungsprozesse in Unternehmen zu initiieren und zu begleiten. Die Zahlen sprechen dabei für sich. Seit 2009 hat sich der Umsatz von Unternehmensberatungen fast verdoppelt und allein im Jahr 2014 ist der Umsatz um 6,4 % gestiegen (vgl. Gerharz 2015, S.1). Die Anforderungen, welche an die Unternehmensberatungen gestellt werden, steigen dabei stetig. Mittlerweile stellen sich viele Beratungen die Frage, ob sie mit ihren klassischen Lösungstechniken den komplexen Problematiken noch gerecht werden. Ginter, (2014, S. 5) sagte hierzu in einem Interview, dass "die Zuhilfenahme statischer Instrumente zur Steuerung dynamischer Komplexität dem Versuch gleicht, ein Überschallflugzeug auf Sicht zu fliegen".

Eine Lösungstechnik für die Bewältigung komplexer Probleme bietet die Systemtheorie (vgl. Lippold 2013, S. 285). Bei der Anwendung der Systemtheorie in der Unternehmensberatung ist eine neue Denkweise gefordert. Das Unternehmen wird als ganzheitliches System betrachtet, dessen einzelne Einheiten in Beziehung zueinander stehen. Diese sozialen Konstrukte gilt es zu erfassen, um komplexe Problematiken bewältigen zu können.

Ziel dieser Arbeit ist es, die systemische Beratung im Kontext der Veränderungsvorhaben von Unternehmen näher zu beleuchten. Hierbei wird insbesondere die Haltung und Einstellung der Berater sowie die Interventionsmöglichkeiten in der systemischen Beratung näher beschrieben. Dabei soll dem Leser klar werden, welche Unterschiede die systemische Beratung in Veränderungsprozessen gegenüber den klassischen Beratungsansätzen hat. Zudem soll die Basis der systemischen Beratung, die Systemtheorie, näher betrachtet werden und infrage gestellt werden, inwieweit die Integration weiterer Theorien und Betrachtungsweisen für die systemische Beratung von Vorteil wäre.

Die Seminararbeit beginnt mit der Erörterung der zugrundeliegenden Theorien und Ansätze der systemischen Beratung. Im ersten Kapitel werden daher die Systemtheorie und der damit in Verbindung stehende Konstruktivismus sowie die sozialen Systeme einer Organisation näher betrachtet. Darauf aufbauend soll im zweiten Kapitel die Anwendung der systemischen Beratung in Change Prozessen beschrieben werden. Neben der Veranschaulichung der notwendigen Haltung eines Beraters und der einzusetzenden Interventionsinstrumente, soll zudem der Ablauf eines systemischen Beratungsprozesses geschildert werden. Abschließend wird im dritten Kapitel auf der Basis einer Fallstudie die erforderliche Haltung und mögliche Interventionsmöglichkeiten ausgearbeitet und kritisch beleuchtet.

2. Die Systemtheorie und ihre Funktionssysteme

Im Folgenden Kapitel soll die Grundlage für das Verständnis der Systemtheorie geschaffen werden. Luhmann, (1987, S. 19) sieht die Systemtheorie auch als Supertheorie, welche in vielen Wissenschaften wie unter anderem der Biologie, der Soziologie, der Astronomie oder der Psychologie angewandt wird. Im Folgenden soll daher vom Allgemeinen auf die Betrachtung sozialer Systeme geschlossen werden. Hierbei werden insbesondere das gesellschaftliche Teilsystem der Wirtschaft und die Möglichkeit der systemischen Beratung von Veränderungen in Organisationen näher betrachtet.

2.1 Die allgemeine Systemtheorie

Um die Systemtheorie zu verstehen ist es hilfreich, sich die damit einhergehende Notwendigkeit einer anderen Denkweise bewusst zu machen. Das Denken und Handeln insbesondere im wirtschaftlichen Kontext ist vor allem durch den Versuch geprägt, die Komplexität der Umwelt zu reduzieren. Hierbei spielt die Logik des Reduktionismus von René Descartes eine zentrale Rolle. Nach seiner Auffassung kann die Komplexität der Welt durch die Aufgliederung in seine Einzelteile beobachtet und verstanden werden. Der Beobachter wird dabei ganz klar von der "materiellen" Welt getrennt und hat keinen Einfluss auf seine Abläufe. Dabei obliegt das Ideal der Objektivität, wonach "unterschiedliche Beobachter, die dasselbe Objekt untersuchen, zu denselben Ergebnissen kommen, weil ihre Aussagen von den Eigenschaften des Objekts und nicht von der Prozedur der Beobachtung oder den Eigenarten des Beobachters bestimmt werden" (Simon 2015, S.10). Dies ist der zentrale Gedanke, der auch unternehmerisches Handeln bestimmt, da dadurch die Welt berechenbar und vorhersagbar wird.

In naturwissenschaftlichen Themengebieten mag diese Haltung in der Regel die richtige sein. Jedoch kann eine Logik in der "Ursache und Wirkung geradlinig miteinander verknüpft sind, sodass die Ursache die Wirkung determiniert " (Simon 2015, S. 10), der realen Welt oft nicht gerecht werden. Eines in der Wissenschaft als revolutionär bezeichnetes Modell ist der Konstruktivismus, welcher grundlegend für das Verständnis der Systemtheorie ist (vgl. Boos & Heitger 2004, S. 37f.). Im Gegensatz zum Reduktionismus wird beim Konstruktivismus der Beobachter vom Subjekt nicht getrennt. Vielmehr werden die Wechselbeziehungen zwischen Beobachtung und Erkenntnis als Konstruktionsprozess betrachtet, wodurch es, im radikalen Sinne, keine objektive Realität geben kann (vgl. Trenczek et al. 2013, S.2 und Simon 2015, S. 12). Die Annahme, dass der Mensch seine eigene Realität konstruiert und von seinen persönlichen Erfahrungen und kognitiven Fähigkeiten abhängt, lässt sich sehr gut anhand eines Experiments veranschaulichen.

Das Menschliche Auge besitzt eine Stelle, an der sich keine Lichtrezeptoren befinden. Demnach haben alle Menschen an einer Stelle im Blickfeld einen blinden Fleck. Ein Experiment[2] zeigt, dass das Gehirn diesen blinden Fleck überschreibt bzw. selbstständig und unbewusst neu konstruiert. Auch der Konstruktivismus bedient sich dieser Logik. Die Eindrücke und Wahrnehmungen eines Menschen werden durch seine Sinnesorgane und geistigen Prozesse strukturiert und so in seine Empfindungen und Wahrnehmungen umgewandelt, die letztendlich seine eigene Realität sind (vgl. Zimbardo & Gerrig 2004, S. 525).

Die Systemtheorie beschäftigt sich grundlegend mit der Beobachtung von Objekten und insbesondere deren Beziehung zueinander (vgl. Simon 2015, S.10f.). Diese Beobachtungen finden wiederum auf kognitiver Ebene, dem Bewusstsein, statt. Luhmann beschreibt nun das Bewusstsein als System, wodurch es möglich ist Erkenntnisse von der Außenwelt zu gewinnen. Diese Erkenntnisse sind jedoch keine objektive Realität, sondern eine durch ein System entstandene Beobachtung. Somit gibt es also nicht die eine Realität, vielmehr kann nur zwischen den konstruierten Realitäten der einzelnen Beobachter unterschieden werden. Anhänger der Systemtheorie fragen sich also immer, "wie und mit welchen Unterscheidungen die moderne Gesellschaft die Welt und sich selbst beobachtet und beschreibt" (Berghaus 2011, S.30).

Wie in der Einführung von Kapitel zwei erwähnt ist, soll im Folgenden von der allgemeinen Systemtheorie auf ihre Funktionssysteme geschlossen werden. Die allgemeine Systemtheorie umfasst Annahmen, die universell für alle einzelnen Funktionssysteme wie der Biologie, Wirtschaft oder Psychologie gelten. Das wichtigste Merkmal ist hierbei die Selbstreferenz. Wenn die Systemtheorie universell anwendbar ist, so muss sie selbst Gegenstand dieser Theorie sein und somit sich selbst anhand der Differenzierung zur Außenwelt begreifen (vgl. Luhmann 1987, S. 9f.). Die Systemtheorie befasst sich also mit der Beobachtung der Differenzen zwischen dem System und der Umwelt, wobei der Beobachter selbst immer Gegenstand dessen ist, was er beobachtet. Wichtig ist hierbei zu berücksichtigen, dass ein Mensch selbst oder mehrere Menschen kein System darstellen. Obwohl der Körper des Menschen ein biologisches System darstellt und das Bewusstsein auf das psychische System bezogen ist, gilt der Mensch als Ganzes nicht als "Operant" oder "Beobachter" (vgl. Berghaus 2011, S. 33f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht der drei Hauptgruppen der Systemtheorie (eigene Darstellung)

Dies ist zunächst schwer zu begreifen, da vor allem soziale Systeme und die darin betrachtete Gesellschaft den Mensch als Gegenstand der Untersuchung implizieren. In der Systemtheorie wird ein System immer durch seine Operationen definiert. So operieren biologische Systeme indem sie leben, psychische Systeme indem sie wahrnehmen bzw. denken und soziale Systeme, indem sie kommunizieren.

Die Existenz eines Systems definiert sich also anhand seiner Operationen und grenzt sich durch diese von seiner Umwelt ab. Wenn man nun als Beispiel ein Unternehmen als soziales System betrachtet operiert dieses durch Geld- und Güterströme. Alles was außerhalb dieser Geld- und Güterströme existiert ist die Umwelt des Unternehmens. Des Weiteren differenziert sich ein System durch die Beobachtung von sich selbst und seiner Umwelt. Durch die Fremd- und Selbstbeobachtung können so neue Erkenntnisse in das System getragen werden. Im Falle eines Unternehmens kann so zum Beispiel die Beobachtung, dass potentielle Kunden nur Produkte kaufen, die umweltfreundlich hergestellt werden, dazu führen, die eigene Produktion zu hinterfragen. (vgl. Berghaus 2011, S. 38f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ausdifferenzierung der Systeme in ihrer Umwelt (Operation, Beobachtung, Selbst-/Fremdreferenz, Autopoiesis) in Anlehnung an Berghaus 2011, S. 55

Aus der Sicht Luhmanns, (1987) ist eine weitere Grundvoraussetzung für das Bestehen eines Systems die Autopoiesis. Diese definiert die Fähigkeit eines Systems sich selbst zu erhalten, sich zu verändern und erneuern zu können (vgl. Duden 2015a). Ein Unternehmen würde aufhören zu existieren, wenn es nicht mehr mit seinem Umfeld und innerhalb seines Systems kommunizieren würde. Die Operationen wie Geld- und Güterflüsse würden gestoppt werden. Daher muss ein Unternehmen im Sinne der Autopoiesis immer seine "Operationen im Verhältnis zu den Resultaten kontrollieren und geeignete Strukturen aufbauen" (Berghaus 2011, S. 53). Dieser Prozess der Kontrolle lässt sich sehr gut mit der Reflexion vergleichen. Ein System reflektiert sein Verhalten auf dem Markt und kann dadurch erkennen, welche Handlungen resonanzfähig sind. Durch diesen Austauschprozess kann die Selbstorganisation sowie die Selbstveränderung gesteuert werden.

2.2 Soziale Systeme

Sämtliche Begriffe und Eigenschaften der allgemeinen Systemtheorie sind auf alle Systeme anwendbar. So sind zum Beispiel die logischen Zusammenhänge der Autopoiesis immer die gleichen. Geistige Bewusstseinsprozesse entstehen genauso wie menschliche oder tierische Körper oder eben auch soziale Systeme aus sich selbst. Grundlegend unterscheiden sich diese Systeme jedoch durch Ihre Operanten wobei "die charakteristische, konstitutive Operationsweise sozialer Systeme die Kommunikation ist" (Berghaus 2011, S. 61). Soziale Systeme können also auch als Kommunikationssystem verstanden werden. In der Ansicht Luhmanns (1987) schließt die Gesellschaft hierbei jegliche Kommunikationssysteme ein. Alle Institutionen in einer Gesellschaft aber auch alle Interaktionen, seien sie noch so kurzweilig, bilden Teilsysteme. Die Differenzierung der Teilsysteme ist ein wesentliches Merkmal sozialer Systeme. Ein Unternehmen besteht beispielsweise auch aus vielen Teilsystemen wie Projektteams, Abteilungen oder Unternehmenssparten.

Die Gesellschaft als soziales System wird von der Allgemeinheit als "Gesamtheit der Menschen, die zusammen unter bestimmten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen leben" verstanden (Duden 2015b). In dieser Definition liegt ein grundlegender Unterschied zur Systemtheorie. Demnach besteht ein System der Gesellschaft nicht aus Menschen oder territorialen Grenzen, sondern ist vielmehr ein Netzwerk aus Kommunikation (vgl. Berghaus 2011, S. 62f.). Die Problematik ein soziales Teilsystem, wie zum Beispiel ein Projektteam aus systemischer Sicht zu betrachten, liegt vor allem in der Unterscheidung zwischen dem sozialen und den psychischen System und somit der operanten Kommunikation und dem Bewusstsein. Der Mensch als denkendes, wahrnehmendes und fühlendes Wesen wird nicht in der systemischen Betrachtung eines sozialen Systems mit einbezogen. Vielmehr ist das psychische System Grundvoraussetzung für die Kommunikation. "Die Kommunikation selbst kann weder hören noch sehen noch fühlen. Sie hat keine Wahrnehmungsfähigkeit. [...] Wir haben also die Struktur, dass die Kommunikation lediglich über Bewusstsein beeinflussbar ist". (Luhmann 2002, S.271) Diese Argumentation Luhmanns verdeutlicht den Zusammenhang der Systemtheorie mit dem Konstruktivismus. Soziale Systeme entstehen demnach durch den Filter psychischer Bewusstseinsprozesse. Im Umkehrschluss kann Kommunikation also nie auf Basis aller existierenden Gegebenheiten und Informationen stattfinden.

Das psychische und das soziale System sind also miteinander gekoppelt und können sich gegenseitig irritieren (vgl. Simon 2014, S.42f.). Die Trennschärfe der beiden Systeme wird in der praktischen Betrachtung der Funktionsweise sozialer Systeme im Grunde aufgehoben. Ein soziales System definiert sich über seine Elemente, die zueinander und mit der Umwelt in Beziehung stehen. Elemente sind dabei gleichzusetzen mit Personen und deren Handlungen. Das menschliche Handeln wird wiederum innerhalb eines sozialen Systems vielseitig beeinflusst. Individuelle Einstellungen und Haltungen, offizielle und inoffizielle Regeln der Gesellschaft, Gewohnheiten und viele weitere Faktoren können so die Handlungen eines Systemelements beeinflussen (vgl. Ellebracht et al. 2011, S.28).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Grafische Veranschaulichung eines sozialen Systems (eigene Darstellung)

So unterschiedlich die Einflussfaktoren des Verhaltens eines Elements sein können so unterschiedlich sind auch die daraus entstehenden Beziehungen zwischen den Elementen. Beziehungen können sehr intensiv sein, die Kommunikation der beiden Elemente kann hierbei beidseitig als auch einseitig verlaufen. Sie können aber auch im Konflikt stehen oder eine Koalition bilden. Wie aus Abbildung 3 ersichtlich, können sich die Elemente wechselseitig beeinflussen. Eine veränderte Beziehung zwischen Element 2 und 3 hat so direkten Einfluss auf die anderen Elemente. Die Komplexität die aus einem solchen Konstrukt entsteht wird in einem sozialen System durch Transaktionsmuster begrenzt. Transaktionsmuster beschreiben wiederkehrende bewusste und zielgerichtete Handlungen (siehe Abb. 4).

[...]


[1] Aus Vereinfachungsgründen wird die männliche Form gewählt. Gemeint sind stets beide Geschlechter.

[2] "Zeichnen Sie ein Kreuz und einen Punkt nebeneinander auf ein Blatt Papier mit einem Abstand von ca. 10 cm dazwischen. Fixieren Sie das Kreuz auf der linken Seite, halten Sie Ihr linkes Auge zu und bewegen Sie das Blatt in einem Abstand von ca. 40 cm vor den Augen vor und zuruck. Sie werden bemerken, wie der Punkt verschwindet" (Trenczek et al. 2013, S. 2).

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Systemische Beratung in Change Prozessen. Haltung und Interventionsmöglichkeiten
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,3
Jahr
2016
Seiten
30
Katalognummer
V324016
ISBN (eBook)
9783668230712
ISBN (Buch)
9783668230729
Dateigröße
1188 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systemische Beratung, Change Prozesse, Change Management, Interventionsmöglichkeiten, Systemtheorie
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Systemische Beratung in Change Prozessen. Haltung und Interventionsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324016

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