Mit der Suspendierung der Pressefreiheit wurde die Berichterstattung im Ersten Weltkrieg eingeschränkt und eventuell beschönigt. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Zensur im Ersten Weltkrieg auch die literarische Meinungsfreiheit komplett einschränkte. Bei der Bearbeitung des Themas stellt sich vorab die Frage, was alles unter den Begriff der Zensur fällt.
Um einen adäquaten Einstieg zu bekommen, wird einleitend definiert, was Zensur ist, was literarische Zensur kennzeichnet und welcher Unterschied zur Selbstzensur besteht. Anschließend werden die gattungsspezifischen Merkmale herausgearbeitet, sowie die wesentlichen Besonderheiten der Zensur im Ersten Weltkrieg. Über das Thema „Zensur im Ersten Weltkrieg“ bieten viele Bücher kurze Informationsabschnitte.
Detaillierte Schilderungen, die die Gegenüberstellung von Zensur und literarischer Meinungsfreiheit erläutern sind, vor allem unter dem gattungsspezifischen Aspekt, nicht publiziert worden. Am Beispiel des Romans „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque wird anschließend der Umgang mit einem Werk nach Kriegsende erläutert, um die Wirkung der Zensur anschaulich zustellen, denn es wäre im Ersten Weltkrieg zensiert worden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 WAS IST ZENSUR?
2.1 FORMEN DER ZENSUR
2.2 WAS IST LITERARISCHE ZENSUR?
2.3 FORMEN DER LITERARISCHEN ZENSUR
2.4 WAS IST SELBSTZENSUR?
2.5 GATTUNGSSPEZIFISCHE ZENSUR
2.5.1 TAGEBUCH
2.5.2 BRIEF
2.5.3 ROMAN
2.5.4 BERICHT
3 ZENSUR UND SELBSTZENSUR IM ERSTEN WELTKRIEG
3.1 BERICHTERSTATTUNG IM ERSTEN WELTKRIEG
3.2 KRIEGSROMANE
3.3 FELDPOSTBRIEFE
3.4 VERÖFFENTLICHUNGEN NACH DEM ENDE DES ERSTEN WELTKRIEGES AM BEISPIEL „IM WESTEN NICHTS NEUES“ VON ERICH MARIA REMARQUE
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die während des Ersten Weltkriegs etablierte Zensur die literarische Meinungsfreiheit einschränkte und welche Auswirkungen dies auf die Berichterstattung und literarische Produktion der Zeit hatte. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob das Militär durch systematische Kontrolle eine einheitliche, kriegsbejahende öffentliche Meinung erzwingen konnte.
- Definition und theoretische Grundlagen von Zensur und Selbstzensur.
- Analyse der gattungsspezifischen Zensurmechanismen in Tagebüchern, Briefen, Romanen und Berichten.
- Untersuchung der staatlichen Pressezensur und des Kriegspresseamts im Ersten Weltkrieg.
- Die Rolle der Selbstzensur bei Soldaten und Schriftstellern unter dem Druck von Sanktionen.
- Fallbeispiel der Rezeption von Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues" nach Kriegsende.
Auszug aus dem Buch
2.4 Was ist Selbstzensur?
Ein Autor kann der formellen und informellen Zensur zuvorkommen, wenn er sich „entgegen seiner ursprünglichen Absicht aus Furcht vor einem Verbot oder Sanktionen vorab zur Korrektur seiner Äußerung entschließt oder im Extremfall auf eine Veröffentlichung überhaupt verzichtet.“.
Das Phänomen der Selbstzensur ist schwierig zu greifen, denn der Autor trifft diese Entscheidung aus vielfältigen Gründen. Beispielsweise kann ein Journalist eine Veröffentlichung zurückhalten, da er sich nicht sicher ist, ob der Wahrheitsgehalt der Information hoch genug ist oder er beispielsweise einer Person mit der Veröffentlichung schaden würde. In diesem Falle fürchtet der Journalist zudem einen folgenden Schaden an der eigenen Person. Die Angst vor Sanktionen ist somit der Auslöser der Selbstzensur. Häufig tritt die Selbstzensur in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Konflikte konzentrierter auf.
„Dieser Angstmechanismus entzieht sich natürlich einer öffentlichen Auseinandersetzung und suggeriert damit nicht zuletzt auch einen Zustand vermeintlicher Meinungsfreiheit, der um den Preis der Selbstzensur verkauft worden ist.“ Aus Angst vor Sanktionen kürzt der Autor seinen Bericht, hält wichtige Details zurück oder veröffentlicht ihn gar nicht. Die Selbstzensur und die Zensur stehen im Konflikt mit der Meinungsfreiheit, welche der Autor verliert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik von Pressefreiheit versus Zensur ein und erläutert die geschichtliche Entwicklung vom Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 WAS IST ZENSUR?: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Zensur aus historischen, psychoanalytischen und soziologischen Perspektiven und differenziert zwischen formellen, informellen und literarischen Zensurformen.
3 ZENSUR UND SELBSTZENSUR IM ERSTEN WELTKRIEG: Hier wird die praktische Umsetzung der Zensur während des Ersten Weltkriegs, die Rolle des Kriegspresseamts und der Umgang mit unterschiedlichen literarischen Gattungen detailliert analysiert.
4 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Zensur während des Ersten Weltkriegs die literarische Meinungsfreiheit fast vollständig unterdrückte und ein propagandistisch gelenktes Bild des Kriegs erzeugte.
Schlüsselwörter
Zensur, Selbstzensur, Erster Weltkrieg, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Kriegsliteratur, Kriegspropaganda, Militärzensur, Feldpostbriefe, Kriegstagebücher, Erich Maria Remarque, Im Westen nichts Neues, Literaturwissenschaft, Kommunikation, Überwachung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen staatlicher Zensur und literarischer Meinungsfreiheit während des Ersten Weltkriegs in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Untersuchung deckt die theoretischen Grundlagen der Zensur, die Struktur der militärischen Überwachung während des Ersten Weltkriegs und deren konkrete Auswirkungen auf verschiedene literarische Gattungen ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob die Zensur im Ersten Weltkrieg die literarische Meinungsfreiheit vollständig einschränkte und wie dies zur Manipulation der öffentlichen Meinung genutzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und dem Vergleich gattungsspezifischer Texte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Zensur, die spezifischen Kontrollmechanismen für Berichterstattung und Literatur während des Krieges sowie das Verhalten von Autoren unter dem Zensurdruck.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die zentralen Begriffe sind Zensur, Selbstzensur, Kriegspropaganda und die Einschränkung der Meinungsäußerung unter dem Einfluss militärischer Überwachungsinstanzen.
Wie unterschied sich die Zensur von Feldpostbriefen von der allgemeinen Pressezensur?
Während die Pressezensur durch staatliche Stellen zentralisiert erfolgte, war bei der Feldpost neben der Kontrolle durch Vorgesetzte vor allem die informelle Selbstzensur der Soldaten zur Wahrung der Privatsphäre und aus Angst vor Sanktionen prägend.
Warum ist das Beispiel "Im Westen nichts Neues" so wichtig für die Arbeit?
Der Roman dient als Beleg dafür, dass auch nach dem offiziellen Ende der Zensur (1919) kriegskritische Literatur auf erheblichen Widerstand stieß, was zeigt, dass die Zensurmentalität der Kriegsjahre gesellschaftlich fortwirkte.
- Arbeit zitieren
- Martha Müller (Autor:in), 2014, Fremdzensur, Selbstzensur oder literarische Meinungsfreiheit? Berichterstattung, Kriegsromane und Feldpostbriefe im Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324023